Dieter Hecking [Cheftrainer]
22.12.2012 - 15:46 Uhr
Zitat
Dieter Hecking wird der neue Cheftrainer des VfL Wolfsburg.
Der neue Cheftrainer des VfL Wolfsburg heißt Dieter Hecking: Am heutigen Samstag einigten sich der VfL Wolfsburg und der 48-Jährige über eine Zusammenarbeit bis 2016. Der Termin für die offizielle Vorstellung des neuen Trainers der Wölfe wird in den kommenden Tagen bekanntgegeben.
Quelle: https://www.vfl-wolfsburg.de/info/aktuelles/detailseite/artikel/einigung-erzielt.html
Er kommt vom Ligakonkurrenten 1.FC Nürnberg, wo er 3 Jahre lang als Trainer tätig war.
In den nächsten Tagen wird er vorgestellt!
Datenblatt:
http://www.transfermarkt.de/de/dieter-hecking/aufeinenblick/trainer_306.html
Dieser Beitrag wurde zuletzt von hans maulwurf4 am 22.12.2012 um 17:09 Uhr bearbeitet Zeige Ergebnisse 1-1 von 1.
22.12.2012 - 16:43 Uhr
Quelle: www.clubfans-united.de
Zum Sportlichen: Stört Dieter Hecking eigentlich das Vorurteil, Dieter Hecking würde nur defensiv spielen lassen?
“Ja! Denn das Vorurteil ist einfach nicht richtig.
In Lübeck oder in Aachen habe ich Mannschaften gehabt, die eine andere Zielsetzung hatten: den Aufstieg. Der Anspruch war, um die vorderen Plätze der Tabelle zu spielen. Und wenn man sich die Tabellen rückblickend ansieht, haben meine Vereine immer die meisten Tore geschossen – waren also offensiv ausgerichtet.
In Hannover ging es dagegen in den ersten zwei Jahre nur um den Klassenerhalt. Das Ziel haben wir erreicht – aber nicht nur defensiv, auch da waren Spiele mit guten Offensivleistungen dabei, wie ein 5:1-Heimsieg gegen Gladbach oder ein 4:3 gegen Bremen.
Gute Defensivarbeit ist die Basis, die einem alle Möglichkeiten eröffnet.
Auch Dortmund oder Gladbach stehen vor allem defensiv gut. Dazu kommt die Qualität in der Offensive. Ein Reus in Gladbach (jetzt für 17 Millionen nach Dortmund), ein Arrango oder De Camargo, beide für 4 Millionen Euro eingekauft, ein Hanke oder Patrick Herrmann, der richtig durchgestartet ist. Auch Dortmund hat ja richtig Qualität: Lewandowski und Kuba für jeweils 5 Millionen verpflichtet, auch Kagawa oder Großkreuz – und dann noch einen Barrios auf der Bank, den man einst für 5 Mio. holte. Das sind eben Qualitätsunterschiede.
Meine Aufgabe als Trainer ist es, aus den Begebenheiten, die mein Kader hergibt, das Beste herauszuholen. Der 1. FC Nürnberg ist in den letzten zweieinhalb Jahren gut damit gefahren, vor allem einmal hinten gut und stabil zu stehen. Im Offensivspiel muss man sich natürlich verbessern.
Und manchmal haben wir das auch schon gezeigt! Das Spiel in Stuttgart z.B., da war alles dabei, was der Fan sehen will: Schöne Spielzüge, herausgespielte Torchancen. Darauf müssen wir aufbauen. Daran versuchen wir in jedem Training weiter zu arbeiten: Laufweg einstudieren, schnelles Umschalten nach Balleroberung – ähnlich wie Gladbach und Dortmund. Defensiv sind wir schon nahe dran – aber in der Umsetzung eines Offensivspiels fehlt es noch etwas.”
Gibt es ein taktisches Lieblingssystem? Oder spielt man das, was der Kader hergibt?
“Ich bin ein Trainer, der gern flexible Spieler in seinem Kader hat. Spieler, die mehrere Positionen spielen können. Darauf schaue ich immer auch bei Verpflichtungen, damit man mit einem etwas kleineren Kader arbeiten kann.
Rein vom Spielsystem finde ich ein 4-3-3 ein sehr gutes System, weil man Dreiecke bilden kann auf dem Platz.”
Warum spielt dann der FCN unter Hecking kein 4-3-3?
“Da sind wir gleich beim nächsten Vorurteil. Wenn man mit Pekhart, Esswein und Eigler spielt, stehen nominell drei Stürmer auf dem Platz, zwei davon außen. In Dortmund würde das jeder 4-3-3 nennen und dort spielen mit Großkreuz und Götze sogar nominelle Mittelfeldspieler auf den Außenbahnen. Rein taktisch ist das aber nichts anderes, als das was wir spielen, denn auch Götze und Großkreutz helfen den Außenverteidigern und laufen mit zurück.
Diese Festlegung auf taktische Formationen ist generell schwierig: Müsste man also sagen, der BVB spielt gar kein 4-3-3 sondern ein 4-5-1? Und wäre es nicht richtig, da unsere beiden Sechser die beiden Achter vom Gegner decken, das als 4-1-4-1 zu bezeichnen? Oder nicht doch eher ein 4-3-3, weil die beiden Außen auch immer wieder … usw. usw.
Man kann sich das hinbiegen wie man gerade will, und vielleicht ist es ja das Spannende daran, das jeder seinen Blickwinkel haben kann. Ich mach‘ mir keine Mühe mehr, allen zu erklären, ob das nun eher ein 4-3-3 oder 4-5-1 ist. Denn wichtig ist doch letztlich nur, wie die Spieler ein System mit Leben füllen.”
In der Winterpause wurde aber ein Systemwechsel auf 2 Stürmern einstudiert, das aber nach zwei Spielen wieder verworfen?
“Ja, das stimmt. Das hatte auch Gründe. Wir haben gemerkt, dass wir in dieser Formation im zentralen Mittelfeld zu oft in Unterzahl waren und dem Gegner Räume frei gegeben haben. Wir haben das unter Wettkampfbedingungen nicht hinbekommen, auch weil uns ein Spieler fehlt, der die notwendige Überbrückung schafft. Timmy Simons als zentralen defensiven Sechser zieht es nur selten nach vorne, man braucht für das System aber Spieler, die spielerisch und läuferisch in der Lage sind, die entstehende Lücke zu den beiden Spitzen zu schließen. Spieler wie bspw. ein Neustädter oder Nordveidt in Gladbach. Deswegen sind diese Spieler im Vergleich zu Balitsch und Simons nicht automatisch besser, aber sie können dieses Spielsystem besser umsetzen und wissen genau, wann und wie sie im Spiel nach vorne immer wieder Läufe mit anziehen müssen. Daran hätten wir intensiv arbeiten müssen und dafür haben wir auch auf den Außenbahnen zu offensiv gespielt. Später in der Saison hätte das schon wieder besser gepasst, aber dann spielt man gegen Mannschaften wie Bayern und Schalke, bei denen im Zentrum geballte Power kommt – da muss man einfach das Zentrum dicht machen.”
recht interesanntes Interview zu Taktik Vorurteilen und allegemein Schubladen in die Herr Hecking gesteckt wird. “Ja! Denn das Vorurteil ist einfach nicht richtig.
In Lübeck oder in Aachen habe ich Mannschaften gehabt, die eine andere Zielsetzung hatten: den Aufstieg. Der Anspruch war, um die vorderen Plätze der Tabelle zu spielen. Und wenn man sich die Tabellen rückblickend ansieht, haben meine Vereine immer die meisten Tore geschossen – waren also offensiv ausgerichtet.
In Hannover ging es dagegen in den ersten zwei Jahre nur um den Klassenerhalt. Das Ziel haben wir erreicht – aber nicht nur defensiv, auch da waren Spiele mit guten Offensivleistungen dabei, wie ein 5:1-Heimsieg gegen Gladbach oder ein 4:3 gegen Bremen.
Gute Defensivarbeit ist die Basis, die einem alle Möglichkeiten eröffnet.
Auch Dortmund oder Gladbach stehen vor allem defensiv gut. Dazu kommt die Qualität in der Offensive. Ein Reus in Gladbach (jetzt für 17 Millionen nach Dortmund), ein Arrango oder De Camargo, beide für 4 Millionen Euro eingekauft, ein Hanke oder Patrick Herrmann, der richtig durchgestartet ist. Auch Dortmund hat ja richtig Qualität: Lewandowski und Kuba für jeweils 5 Millionen verpflichtet, auch Kagawa oder Großkreuz – und dann noch einen Barrios auf der Bank, den man einst für 5 Mio. holte. Das sind eben Qualitätsunterschiede.
Meine Aufgabe als Trainer ist es, aus den Begebenheiten, die mein Kader hergibt, das Beste herauszuholen. Der 1. FC Nürnberg ist in den letzten zweieinhalb Jahren gut damit gefahren, vor allem einmal hinten gut und stabil zu stehen. Im Offensivspiel muss man sich natürlich verbessern.
Und manchmal haben wir das auch schon gezeigt! Das Spiel in Stuttgart z.B., da war alles dabei, was der Fan sehen will: Schöne Spielzüge, herausgespielte Torchancen. Darauf müssen wir aufbauen. Daran versuchen wir in jedem Training weiter zu arbeiten: Laufweg einstudieren, schnelles Umschalten nach Balleroberung – ähnlich wie Gladbach und Dortmund. Defensiv sind wir schon nahe dran – aber in der Umsetzung eines Offensivspiels fehlt es noch etwas.”
Gibt es ein taktisches Lieblingssystem? Oder spielt man das, was der Kader hergibt?
“Ich bin ein Trainer, der gern flexible Spieler in seinem Kader hat. Spieler, die mehrere Positionen spielen können. Darauf schaue ich immer auch bei Verpflichtungen, damit man mit einem etwas kleineren Kader arbeiten kann.
Rein vom Spielsystem finde ich ein 4-3-3 ein sehr gutes System, weil man Dreiecke bilden kann auf dem Platz.”
Warum spielt dann der FCN unter Hecking kein 4-3-3?
“Da sind wir gleich beim nächsten Vorurteil. Wenn man mit Pekhart, Esswein und Eigler spielt, stehen nominell drei Stürmer auf dem Platz, zwei davon außen. In Dortmund würde das jeder 4-3-3 nennen und dort spielen mit Großkreuz und Götze sogar nominelle Mittelfeldspieler auf den Außenbahnen. Rein taktisch ist das aber nichts anderes, als das was wir spielen, denn auch Götze und Großkreutz helfen den Außenverteidigern und laufen mit zurück.
Diese Festlegung auf taktische Formationen ist generell schwierig: Müsste man also sagen, der BVB spielt gar kein 4-3-3 sondern ein 4-5-1? Und wäre es nicht richtig, da unsere beiden Sechser die beiden Achter vom Gegner decken, das als 4-1-4-1 zu bezeichnen? Oder nicht doch eher ein 4-3-3, weil die beiden Außen auch immer wieder … usw. usw.
Man kann sich das hinbiegen wie man gerade will, und vielleicht ist es ja das Spannende daran, das jeder seinen Blickwinkel haben kann. Ich mach‘ mir keine Mühe mehr, allen zu erklären, ob das nun eher ein 4-3-3 oder 4-5-1 ist. Denn wichtig ist doch letztlich nur, wie die Spieler ein System mit Leben füllen.”
In der Winterpause wurde aber ein Systemwechsel auf 2 Stürmern einstudiert, das aber nach zwei Spielen wieder verworfen?
“Ja, das stimmt. Das hatte auch Gründe. Wir haben gemerkt, dass wir in dieser Formation im zentralen Mittelfeld zu oft in Unterzahl waren und dem Gegner Räume frei gegeben haben. Wir haben das unter Wettkampfbedingungen nicht hinbekommen, auch weil uns ein Spieler fehlt, der die notwendige Überbrückung schafft. Timmy Simons als zentralen defensiven Sechser zieht es nur selten nach vorne, man braucht für das System aber Spieler, die spielerisch und läuferisch in der Lage sind, die entstehende Lücke zu den beiden Spitzen zu schließen. Spieler wie bspw. ein Neustädter oder Nordveidt in Gladbach. Deswegen sind diese Spieler im Vergleich zu Balitsch und Simons nicht automatisch besser, aber sie können dieses Spielsystem besser umsetzen und wissen genau, wann und wie sie im Spiel nach vorne immer wieder Läufe mit anziehen müssen. Daran hätten wir intensiv arbeiten müssen und dafür haben wir auch auf den Außenbahnen zu offensiv gespielt. Später in der Saison hätte das schon wieder besser gepasst, aber dann spielt man gegen Mannschaften wie Bayern und Schalke, bei denen im Zentrum geballte Power kommt – da muss man einfach das Zentrum dicht machen.”
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