Interview mit Marco Russ
Der 22-jährige Defensivspieler der Frankfurter Eintracht, Marco Russ, scheint dieses Jahr seinen endgültigen Durchbruch im Profigeschäft geschafft zu haben. Mit Patrick Meurer (Chancentod) sprach der gebürtige Hanauer über den Spieleralltag und persönliche Highlights.
Transfermarkt.de: Zum Einstieg eine Frage, die sich mit den Anfängen deiner Karriere befasst.
Wie hast zum Fußball gefunden und was ebnete den Weg 1996 zur Eintracht?
Marco Russ: Durch meinen Vater. Mit vier Jahren habe ich beim VfB Großauheim, einem Stadtteilverein aus Hanau, angefangen mit dem Fußballspielen. Zur Eintracht hat mich Rainer Ochs, der Vater von Patrick Ochs gebracht. Er war damals Jugendtrainer bei der Eintracht und hat mich an den Riederwald geholt.
Transfermarkt.de: Seitdem hat sich viel verändert, insbesondere nach der Unterzeichnung deines ersten Profi-Vertrages. Wie hat sich dein privates Leben in den letzten zwei bis drei Jahren verändert und empfindest du dies als positiv oder negativ?
Marco Russ: Ich empfinde es als positiv. Natürlich steht man jetzt mehr in der Öffentlichkeit und muss auch im Privatleben ein paar Abstriche machen, aber Fußballprofi zu werden war schon immer mein Traum und ich kann mich nicht beklagen. Als Mensch versuche ich dabei stets der Gleiche zu bleiben, habe in meiner Freizeit mit denselben Freunden zu tun wie früher.
Transfermarkt.de: Wünscht du dir heutzutage manchmal ein “ganz normaler“ 22-jähriger zu sein, der unerkannt durch die Stadt gehen kann?
Marco Russ: Im Grunde genommen ist der Hype um mich bislang noch nicht so groß, als dass ich das nicht könnte. Natürlich erkennen mich jetzt ein paar Leute mehr, aber es ist noch nicht so schlimm, als das es mir lästig ist.
Transfermarkt.de: Welche grundsätzlichen Ziele abseits des Profi-Sports hast du in deinem Leben?
Marco Russ: Ich möchte mich privat nicht verändern und meinen Charakter beibehalten. Natürlich möchte ich gesund bleiben und immer für meine Familie da sein. Was die Zukunft bringt, kann ich natürlich noch nicht wissen. Ich möchte nach dem Fußball auf jeden Fall gut leben können und viele Reisen unternehmen und die Welt kennen lernen. Vielleicht werde ich später auch mal eine Familie haben.
Transfermarkt.de: Lass uns nun auf den Sport an sich eingehen.
Kannst du uns einen kleinen Einblick in den Alltag eines Bundesliga-Profis geben?
Wann stehst du an einem Spieltag auf, gibt es bestimmte Abläufe bevor es zusammen ins Stadion geht und sitzt man nach dem Spiel noch gemeinsam im Mannschaftskreis beisammen?
Marco Russ: Wenn wir Samstag zuhause spielen und in unserem Hotel in Sachsenhausen übernachten, dann stehen wir so gegen 08:30 Uhr auf. Danach ist gemeinsames Frühstück, Mannschaftsbesprechung und man legt sich noch mal aufs Ohr. Kurz vor der Abfahrt des Busses ins Stadion gibt es noch mal Kaffee und Kuchen. Gegen 14 Uhr fahren wir los und sind 15 Minuten später in der Commerzbank-Arena. Nach dem Spiel sitzt die Mannschaft dann so 30 Minuten bis eine Stunde im VIP-Raum zusammen beim Abendessen.
Transfermarkt.de: Was war dein bisheriges Karriere-Highlight, bzw. an welches Spiel erinnerst du dich gern zurück?
Marco Russ: Natürlich das Pokalfinale 2006 in Berlin gegen die Bayern. Das war eine unglaubliche Atmosphäre. Ich erinnere mich aber auch gerne an unsere UEFA-Cupspiele im letzten Jahr zurück. Auch das hatte ich vorher noch nie erlebt. Und in Erinnerung ist mir selbstverständlich mein erstes Bundesligator in der letzten Saison gegen Werder Bremen. Leider haben wir das Spiel 2:6 verloren, sodass ich mich nicht sehr darüber freuen konnte
Transfermarkt.de: Was sind die Unterschiede bzgl. Training und Spielaufbereitung nach einem Sieg oder einer Niederlage?
Marco Russ: Es kommt darauf an, wie man verliert. Nach dem 1:5 in Nürnberg geht’s du natürlich etwas missmutiger an die Spielanalyse heran. Du weißt genau, was schief gelaufen ist im Spiel und es tut weh, die Szenen noch mal sehen zu müssen. Auch im Training geht es nach so einer Packung anders zu, als wenn du gewonnen oder unentschieden gespielt hast. Es ist ganz einfach: Gewinnt man und läuft alles gut, geht es lockerer zu im Team – verlierst du und hast Probleme in der Tabelle, dann ist der Druck und die Anspannung größer.
Transfermarkt.de: Liest du überhaupt noch die lokale Presse oder gewöhnt man sich dies als Spieler ab, da die Kritik manchmal heftig ausfallen kann?
Marco Russ: Manchmal liest man es, manchmal nicht. Wenn man eine schlechte Phase hat und dann auch noch Zeitung liest, kann einen das noch mehr runterziehen. Dann sollte man es einfach mal lassen. Kritik nehme ich nur vom Trainer entgegen oder von Leuten, die mir nahe stehen und Ahnung vom Fußball haben.
Transfermarkt.de: Um die Jahrtausendwende war die “Jugendproblematik“ im deutschen Fußball ein heiß diskutiertes Thema. In der Zwischenzeit fanden viele junge und talentierte Spieler den Weg ins Rampenlicht.
Gab es aus deiner Sicht einen Wandel in der Betrachtung und Förderung deutscher Talente?
Marco Russ: Ich glaube, dass die Finanzen der Klubs dazu beigetragen haben, dass man an vielen Bundesligastandorten zum Umdenken gezwungen war. Man musste verstärkt auf eigene Talente setzen. Dazu hat sich die Nachwuchsarbeit in den letzten Jahren sehr stark verbessert und ist sehr viel professioneller geworden. Das alles zahlt sich aus und der deutsche Fußball ist wieder auf einem sehr guten Weg. Für junge Spieler wie mich ist das natürlich alles sehr vorteilhart – man erhält die Chance, zu reifen und sich an die Bundesliga zu gewöhnen.
Transfermarkt.de: Wie betrachtest du diesbezüglich deine Zukunftsaussichten im Profi-Fußball und welche sportlichen Ziele setzt du dir mittelfristig?
Marco Russ: Mittelfristig möchte ich bei Eintracht Frankfurt eine feste Größe werden und dem Klub dabei helfen, sich in der Bundesliga zu etablieren. Was dann kommt, weiß ich natürlich noch nicht. Im Fußball kann man einfach nicht länger planen, denn es gibt so viele Dinge, die man nicht vorhersehen kann.
Transfermarkt.de: Eingehend auf die aktuelle Situation der Eintracht ? Du bist nun schon eine Weile im Kader und kannst die letzten Jahre vergleichen. Was hat sich deiner Ansicht nach verbessert, sodass die Mannschaft mittlerweile als etablierte Kraft angesehen wird?
Marco Russ: Das ganze Umfeld hier ist heute top-professionell. Das Management, die Trainingsbedingungen, das Stadion, die Fans – alles ist gewachsen und überhaupt nicht mehr mit früher zu vergleichen. Wir sind hier auf einem guten Weg und ich bin mir sicher, dass Eintracht Frankfurt in drei, vier Jahren auch sportlich wieder zu den Topklubs in Deutschland zählen wird. Aber man muss Geduld haben und Schritt für Schritt vorangehen.
Transfermarkt.de: Wie empfindest du die Stimmung in fremden Stadien bei Auftritten mit der Eintracht? Welches Standing genießt die Mannschaft bei anderen Fangruppen?
Marco Russ: Wie die anderen Fans über uns denken, kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, dass bei unseren Auswärtsspielen immer sehr viele Eintrachtfans dabei sind und wir so – bis auf einige wenige Ausnahmen – eigentlich nie richtige Auswärtsspiele haben. Diese Unterstützung durch unsere Anhänger ist fast einmalig in der Liga. Wir haben wirklich starke Fans!
Transfermarkt.de: Durch den neuen TV-Deal mit Leo Kirch wird wohl künftig noch mehr Geld in die Vereine fließen, was weitere große Transfers alá Ribery oder Toni ermöglichen könnte. Macht man sich als noch recht junger und unerfahrener Spieler Gedanken über seinen Platz im Team?
Marco Russ: Nee… darüber denke ich überhaupt nicht da. Wenn ich meine Leistung bringe und an mir arbeite, brauche ich mir auch keine Gedanken zu machen. Einen Stammplatz hat bei uns sowieso niemand sicher, denn Friedhelm Funkel schaut im Training ganz genau hin, wie sich jeder Spieler präsentiert.
Transfermarkt.de: Die letztjährigen UEFA Cup-Auftritte waren für einige in der Mannschaft eine völlig neue Erfahrung. Versuche mal deine Gefühle bei diesen hitzigen Spielen zu beschreiben und was du trotz des Ausscheidens in der Gruppenphase für dich persönlich mitnehmen konntest.
Marco Russ: Ich habe viel Erfahrung sammeln können. International ist vieles anders – die Tricks bei den Zweikämpfen, die Entscheidungen der Schiedsrichter – diese ganzen neuen Dinge prägen dich und helfen dir weiter, dich zu entwickeln. Das war eine sehr wertvolle Saison für mich persönlich.
Transfermarkt.de: Abschließend: Viele User interessiert es, ob du oder auch Mitspieler auf Transfermarkt.de mitlesen?
Wie beantwortest du diese letzte Frage :)
Marco Russ: Ab und zu schaue ich mal rein. Besonders amüsant finde ich die Rubrik Transfergerüchte. Ich denke, den Fans geht es genauso. Diese Spekulationen um Transfers sind doch das Salz in der Suppe in der täglichen Berichterstattung. Man darf natürlich nicht alles für bare Münze nehmen. Aber die Site ist gut gemacht und ich glaube, dass viele Fußballprofis mehr oder weniger unregelmäßig reinschauen.
Vielen Dank für deine Bereitschaft mit Transfermarkt.de ein Interview zu führen!
Alles Gute für den weiteren Saisonverlauf und deine Karriere.
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- Geb./Alter:
- 04.08.1985 (41)
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