Interview mit Stefan Leitl
Stefan Leitl steckt mitten im Abstiegskampf der Regionalliga mit dem SV Darmstadt 98. Über die Perspektiven des Vereines, aber auch seine persönlichen, sprach er exklusiv mit Sven Bauer (Lapdog) in der letztlich entscheidenden Endrundenphase.
Transfermarkt.de: Herr Leitl, Sie haben die Spielerberaterin Mirjana Kovecev geheiratet. Haben Sie ihre Frau schon vorher gekannt oder ist das \"Paarwerden\" während Ihrer Zusammenarbeit \"entstanden?
Stefan Leitl: Meine Frau habe ich bei einem Spiel kennen gelernt: SpVgg Unterhaching - VfR Aalen. Sie beobachtete damals einen Spieler: Das sie meine Beraterin dann wurde, ergab sich von alleine.
Transfermarkt.de: Sie haben nun den Berater gewechselt: Warum?
Stefan Leitl: Meine Frau konnte wegen Schwangerschaft ihrem Beruf nicht mehr nachgehen; sie arbeitet seither mit Hr. Kletke eng zusammen. Ich persönlich kenne Hr. Kletke schon sehr lange. Als es dann zu Vertragsgesprächen kam, habe ich ihn gebeten, mich zu vertreten, und darüber bin ich sehr froh.
Transfermarkt.de: Für den SV Darmstadt 98 sieht es schlecht aus: Auf einem Abstiegsplatz, dazu noch ein miserables Torverhältnis. Warum steht der SVD dort, wo er zurzeit steht?
Stefan Leitl: Wir haben vor dieser Saison einen extremen Spielerabgang zu verkraften gehabt - teilweise kamen die neuen Spieler erst mitten in der Vorbereitung oder noch später - so hatten wir von Anfang an Probleme. Dazu kam noch die Außendarstellung: Wir wollen oben mitspielen oder gar aufsteigen!!! Diesem Druck konnten wir leider nicht standhalten.
Transfermarkt.de: Warum hält der SV die Klasse?
Stefan Leitl: Wir können die Klasse nur noch halten, wenn wir alle Spiele gewinnen. Das wird sicher nicht einfach, aber wir werden alles geben, um die Sensation noch zu schaffen.
Transfermarkt.de: Ihr Vertrag läuft bis 2009: Würden Sie auch mit in die Oberliga gehen? Haben Sie schon Angebote anderer Clubs?
Stefan Leitl: Ich werde definitiv nicht mit Darmstadt in die Oberliga gehen. Es gibt verschiedene Anfragen, aber noch nichts Konkretes.
Transfermarkt.de: Ihr Mitspieler Stephan Hanke hat sich über zu hartes Training Ihres Trainers Kleppinger beschwert: Was sagen Sie dazu?
Stefan Leitl: Der Stephan ist ein sehr emotionaler Spieler, der sagt, was er denkt, doch in dieser Phase war es sicher nicht klug, so eine Aussage zu treffen.
Transfermarkt.de: Sie haben in Darmstadt unter den Trainern Lettieri, Labbadia und Kleppinger gespielt. Bitte vergleichen Sie alle 3 miteinander!
Stefan Leitl: Das ist schwer! Alle drei sind oder waren für mich sehr gute Trainer. Sie haben in etwa alle die gleiche art Fußball spielen zu lassen. Sie setzten sehr viel Wert auf Disziplin, Fleiß und mannschaftliche Geschlossenheit.
Transfermarkt.de: Sie haben im Profibereich für die Vereine Darmstadt, Nürnberg, Bayern München sowie Unterhaching gespielt: Bitte vergleichen Sie die Vereine miteinander und teilen uns positive sowie negative Erlebnisse mit.
Stefan Leitl: Das kann man nicht vergleichen. Der FC Bayern ist das Maß aller Dinge in Deutschland, einer der besten Klubs in Europa - da stimmt einfach alles von A-Z. Der 1.FC Nürnberg hat das Potential, da hin zu kommen, das Umfeld und die Fans sind sensationell. Die SpVgg Unterhaching ist ein sehr guter Verein, der professionell geführt wird. Leider fehlt dort mangels Tradition die nötige Unterstützung der Zuschauer. Der SV 98 lebt eigentlich nur von seinen Fans und seiner Tradition. Die Sehnsucht der Fans, wieder in den bezahlten Fußball zu kommen, ist extrem hoch. Leider ist die finanzielle Situation nicht gerade rosig - so kommt es immer wieder zu einer Flut von Abgängen. Es lässt sich so wenig aufbauen, zumal die finanzielle Unterstützung aus der Region nicht gegeben ist wie bei anderen vereinen.
Transfermarkt.de: Sie haben viele Trainer kennen gelernt. Mit wem konnten Sie gut, wer ging z.B. überhaupt nicht? Und warum?
Stefan Leitl: Dazu möchte ich nichts sagen...
Transfermarkt.de: In Ihrer Karriere sind Ihnen viele Menschen begegnet: Gab es viele \"falsche\" Freunde? Gibt es Freundschaften im Profisport untereinander?
Stefan Leitl: Umso größer dein persönlicher Erfolg ist, desto mehr \"so genannte Freunde\" hast du. Man muss vorsichtig sein und sich seine Freunde sehr genau anschauen. Neid und Missgunst steht in Deutschland ganz weit oben. Ich habe viele ehemalige Mitspieler als Freunde gewonnen, mit Dennis Grassow und Thomas Ollhoff habe ich aber wirklich zwei richtig gute Freunde.
Transfermarkt.de: Haben Sie in Ihrer Laufbahn Fehler gemacht oder falsche Entscheidungen getroffen?
Stefan Leitl: Ja, das habe ich mit Sicherheit. Zum Anfang meiner Karriere, das verfolgt mich leider noch bis heute, fast zehn Jahre später!!!!Eigentlich gilt da ja ein Spruch: Wie du es machst, ist es falsch..... Aber mal ganz ehrlich: Ich habe wirklich bei tollen Vereinen gespielt.
Transfermarkt.de: Sie haben für die U21 gespielt: Warum sind Sie nur zu 5 Einsätzen gekommen?
Stefan Leitl: Weil ich einfach in diesen 5 Spielen zu wenig überzeugt habe - mal gut, mal schlecht, das reicht dann einfach nicht. Hinzu kam mein Wechsel in die Bayernliga zum SV Lohhof.
Transfermarkt.de: Sie sind zwischen den Stationen Bayern München und 1.FC Nürnberg zum SV Lohhof gewechselt. Warum?
Stefan Leitl: Da gab es viele Gründe. Zum einen private, über die ich nicht sprechen möchte, zum anderen durch schlechte Beratung. Aber im Nachhinein war es das Beste, was ich machen konnte. Wir sind aufgestiegen und ich habe eine gute Saison gespielt.
Transfermarkt.de: Wie sind die Trainingszeiten in der RL?
Stefan Leitl: Wir trainieren wie eine Bundesligamannschaft: Ein- oder zweimal am Tag, 10.00 oder 15.00 Uhr. Einen Tag vor dem Spiel geht es ins Mannschaftshotel.
Transfermarkt.de: Welche Hobbies haben Sie?
Stefan Leitl: Hobbies, ja, meine Kinder. Und wenn dann noch Zeit bleibt, ein bisschen Tennis.
Transfermarkt.de: Gibt es spezielle Rituale vor einem Spiel?
Stefan Leitl: Mittlerweile gibt es nur noch ein: Zuerst der linke Schuh, dann der rechte.
Transfermarkt.de: Als Profi: Nennen Sie doch mal bitte die Vorzüge im Leben als solcher bzw. die Schattenseiten. Wie geht Ihre Familie damit um?
Stefan Leitl: Fußball ist der schönste Sport bzw. Beruf der Welt. Das wird immer so sein, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann, ist das einfach das Größte: Das sollte man sehr schätzen und pflegen. Für unsere Familie gibt es momentan keine Nachteile. Das wird sich sicher ändern, wenn meine Kinder schulpflichtig sind. Aber das ist auch das Einzige, was nicht optimal ist.
Transfermarkt.de: Was möchten Sie nach Ihrer Karriere machen? Gibt es schon Pläne?
Stefan Leitl: Es gibt noch keine festen Pläne. Erstmal noch ein paar Jahre kicken, und dann vielleicht den Trainerschein machen.
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