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BVB - Taktik-Thread

20.01.2006 - 12:09 Uhr
BVB - Taktik-Thread |#4711
07.03.2021 - 03:35 Uhr
Zitat von BVBBC

So dann beim 2:1, als man die Kette viel zu eng aufeinander reihte, keine Übergaben machte und somit dann auch nirgendwo Druck hatte. Vor allem Schulz und Zagadou müssen hier in meinen Augen viel früher eine Übergabe von Lewandowski machen, damit Schulz rausschieben kann und wahrscheinlich passiert dann nichts. Stattdessen bleibt Schulz ewig in der Mitte, Zagadou kümmert sich nicht um Lewandowski, Hummels als freier Mann in der Kette auch nicht und zu allem Überfluss lässt Schulz sich dann auch noch doppelt mies foppen. Zunächst macht er nochmal einen Schritt mit Lewandowski mit, als Sane den Pass nicht mal wirklich antäuscht und dann im direkten Duell nochmal. Wenn man dann in der Mitte auch keine Zuständigkeiten sieht, wer den aktuellen Toptorschützen der Bundesliga übernimmt, kassiert man folgerichtig ein Tor, weil man darum bettelt. Vor allem die Kommunikation von Schulz und Zagadou ist hier dann ungenügend.

1. kurz bevor kimmich den ball auf sane spielt, täuscht sane einen lauf in die tiefe an - wodurch sich schulz foppen lässt und ebenfalls in die tiefe startet - während sane sich schnell wieder zurück bewegt und nun viel raum hat. schulz steht hier mmn a) sowieso schon zu weit weg von sane (du hast recht, mit etwas weniger kompaktheit stünde er hier besser), steht dann b) bei ballannahme von sane noch weiter weg und macht dann auch noch c) den weg nach innen statt nach außen zu, obwohl er doch sehen muss, dass reus und v.a. delaney den weg nach innen schon decken! das sind 3 fehler innerhalb weniger sekunden.

2. beim pass von sane auf lewandowski passt die abstimmung in der kette nicht: nachdem sane an schulz vorbei ist, schert zagadou aus um einen möglichen schuss von sane aufs tor zu blocken - und hebt damit das abseits auf. man könnte zwar auf die idee kommen, dies zagadou anzukreiden, weil ja kein schuss auf's tor kam, sondern ein pass auf lewandowski, jedoch wurde dieser pass nur deshalb gespielt, weil zagadou eben die schussbahn aufs tor zustellte! ich bin mir ziemlich sicher, dass sane den abschluss probiert hätte, wenn die schussbahn frei und lewandowski im abseits gestanden hätte. daher würde ich sagen, zagadou verhält sich hier grundsätzlich richtig.
bevor zagadou sich auf den weg macht, übergibt er lewandowski per blickkontakt an hummels, der auch sogleich übernimmt. als zagadou dann die abseitslinie nach hinten verschiebt, geht hummels aber nicht mit und macht dadurch die gasse auf für den pass auf lewandowski. hier sieht dann also eher hummels unglücklich aus, als zagadou, weil er dessen bewegung nicht schnell genug mitgeht. da hummels hier aber schon sehr nah am tor ist und die gasse für den ball auf lewandowski nur sehr schmal, möchte ich hier hummels keinen vorwurf machen, obwohl er noch das tor hätte verhindern können.

für mich geht das tor daher fast vollständig auf die fehlerkette von schulz. die kompaktheit kann dabei womöglich noch so angeordnet gewesen sein und dass er sich von sane, kurz vor dessen ballannahme verladen lässt, kann auch mal passieren. den weg nach innen hätte er aber nie und nimmer auf diese art und weise decken dürfen, das war zuerst kopflos und dann orientierungslos. zusammen mit den beiden vorherigen fehlern, schaut das dann besonders schlimm aus.

Zitat von BVBBC

Spätestens mit der Haland Verletzung erleichtert man den Bayern dann aber auch nochmal den Job, da man ihnen nun auch die Möglichkeit gibt, dass deren Kette wieder höher rückt und man somit den Druck sukzessive erhöhen kann, weil die Bindung zum Mittelfeld besser wird und das Nachschieben erleichtert wird, wenn dem BVB vorne das Tempo ausgeht. Tigges für Haland war für mich jedenfalls nicht nachvollziehbar, wenn man Moukoko auf der Bank hat. Auch von dem hätte ich sicher keine Wunderdinge erwartet, aber zumindest hätte ich vermutet, dass die Bayern die Absicherung tiefer halten müssen oder der BVB nochmal einen Konter bekommt, den man bis zum Ende fahren kann. Wäre also auch nur Prinzip Hoffnung auf den Sieg gewesen, aber ich sehe hinter Tigges dann eben leider keine Idee, abgesehen davon, dass man vielleicht die Bälle nun vorne etwas länger halten will, um für Entlastung zu sorgen. Vielversprechend fand ich das aber nicht, so schnell, wie man die Bälle eh schon verlor.

sagte favre nicht, dass man keine "große" mannschaft sei, wenn man nicht kontern kann? tigges für haaland und brandt für hazard, haben uns offensiv so viel speed gekostet, dass wir "klein" wurden. egal wie man die wechsel begründen möchte, darf man den speed nicht aus den augen verlieren, weswegen ich dir voll zustimme! mit tigges die bälle besser zu halten, ist auch für mich keine nachvollziehbare idee, da er sie weder auf schnelle leute hätte ablegen können, noch auf ein mf das schnell genug nachrückt und zudem auch nicht die möglichkeiten hatte, sich durchzukombinieren. deswegen war ab hier eigentlich klar, was kommen wird...

•     •     •

ein mensch, der sich ein schnitzel briet / bemerkte, daß ihm das missriet.
jedoch da er es selbst gebraten, / tut er, als wär es ihm geraten.
und, sich nicht selbst zu strafen lügen, / ißt er's mit herzlichem vergnügen.

eugen roth
BVB - Taktik-Thread |#4712
07.03.2021 - 10:15 Uhr
Zitat von mammuth

Zitat von BVBBC

So dann beim 2:1, als man die Kette viel zu eng aufeinander reihte, keine Übergaben machte und somit dann auch nirgendwo Druck hatte. Vor allem Schulz und Zagadou müssen hier in meinen Augen viel früher eine Übergabe von Lewandowski machen, damit Schulz rausschieben kann und wahrscheinlich passiert dann nichts. Stattdessen bleibt Schulz ewig in der Mitte, Zagadou kümmert sich nicht um Lewandowski, Hummels als freier Mann in der Kette auch nicht und zu allem Überfluss lässt Schulz sich dann auch noch doppelt mies foppen. Zunächst macht er nochmal einen Schritt mit Lewandowski mit, als Sane den Pass nicht mal wirklich antäuscht und dann im direkten Duell nochmal. Wenn man dann in der Mitte auch keine Zuständigkeiten sieht, wer den aktuellen Toptorschützen der Bundesliga übernimmt, kassiert man folgerichtig ein Tor, weil man darum bettelt. Vor allem die Kommunikation von Schulz und Zagadou ist hier dann ungenügend.

1. kurz bevor kimmich den ball auf sane spielt, täuscht sane einen lauf in die tiefe an - wodurch sich schulz foppen lässt und ebenfalls in die tiefe startet - während sane sich schnell wieder zurück bewegt und nun viel raum hat. schulz steht hier mmn a) sowieso schon zu weit weg von sane (du hast recht, mit etwas weniger kompaktheit stünde er hier besser), steht dann b) bei ballannahme von sane noch weiter weg und macht dann auch noch c) den weg nach innen statt nach außen zu, obwohl er doch sehen muss, dass reus und v.a. delaney den weg nach innen schon decken! das sind 3 fehler innerhalb weniger sekunden.

2. beim pass von sane auf lewandowski passt die abstimmung in der kette nicht: nachdem sane an schulz vorbei ist, schert zagadou aus um einen möglichen schuss von sane aufs tor zu blocken - und hebt damit das abseits auf. man könnte zwar auf die idee kommen, dies zagadou anzukreiden, weil ja kein schuss auf's tor kam, sondern ein pass auf lewandowski, jedoch wurde dieser pass nur deshalb gespielt, weil zagadou eben die schussbahn aufs tor zustellte! ich bin mir ziemlich sicher, dass sane den abschluss probiert hätte, wenn die schussbahn frei und lewandowski im abseits gestanden hätte. daher würde ich sagen, zagadou verhält sich hier grundsätzlich richtig.
bevor zagadou sich auf den weg macht, übergibt er lewandowski per blickkontakt an hummels, der auch sogleich übernimmt. als zagadou dann die abseitslinie nach hinten verschiebt, geht hummels aber nicht mit und macht dadurch die gasse auf für den pass auf lewandowski. hier sieht dann also eher hummels unglücklich aus, als zagadou, weil er dessen bewegung nicht schnell genug mitgeht. da hummels hier aber schon sehr nah am tor ist und die gasse für den ball auf lewandowski nur sehr schmal, möchte ich hier hummels keinen vorwurf machen, obwohl er noch das tor hätte verhindern können.

für mich geht das tor daher fast vollständig auf die fehlerkette von schulz. die kompaktheit kann dabei womöglich noch so angeordnet gewesen sein und dass er sich von sane, kurz vor dessen ballannahme verladen lässt, kann auch mal passieren. den weg nach innen hätte er aber nie und nimmer auf diese art und weise decken dürfen, das war zuerst kopflos und dann orientierungslos. zusammen mit den beiden vorherigen fehlern, schaut das dann besonders schlimm aus.



Gute Analyse. Auch die Berichtigung, dass es ein angetäuschter Lauf und kein Pass von Sane war, ist denke ich wichtig, weil es nochmal mehr verdeutlicht, wie viel Platz er da vor der Ballannahme schon hat. Ich bin mir dabei dann auch nicht sicher, inwiefern das gesamte Verhalten taktisch gewünscht ist. So kommt es schon regelmäßig vor, dass man mit den OA extrem tief verteidigt und dabei dann auch eher auf die gegnerischen OA abzielt, um zu doppeln. Das ist mir sowieso ein Graus, da einerseits die Wege für die OA viel zu weit geraten, um die Defensive zu unterstützen und dadurch dann trotzdem meist Spieler frei werden, die nicht vernünftig aufgenommen werden können - gut, bei Süle ist das dann nicht ganz so kritisch, aber der hat das Problem denke ich gestern mit seinen ungestörten Ausflügen dann auch nochmal offengelegt. Andererseits deswegen, da es vor allem das Sinnbild der Unfähigkeit ist Mann gegen Mann zu spielen. Gerade hier wird jedes Angriffspressing in meinen Augen schon ausgehebelt.

Die nötige Kompaktheit, um - nennen wir es mal relativ unspezifisch - Mobilitätsdefizite zu verstecken, kostet daher Druck auf den Ball und verursacht weite Wege für Spieler, die offensiv oft genug eh schon zu viel allein regeln müssen. In Bezug auf das Spiel gestern bin ich mir dabei eigentlich recht sicher, dass man so kompakt dann doch nicht in der Situation agieren wollte - wie gesagt, die Übergabe von Lewandowski an Zagadou muss mit Schulz kommuniziert werden und dann auch effektiv erfolgen. Ich fürchte vielmehr, dass es das Resultat dessen ist, dass man mit dem Mann nicht mitgehen kann, den man bei Manndeckung zuweisen würde, sodass hier jeder Gegner einen Hebel erhält, sobald der BVB nicht im Raum verteidigt. Gerade Hummels fällt hier in den letzten Wochen dann eben auch zunehmend häufiger damit auf, dass seine Duelle handverlesen sind, indem er nicht alle Duelle führt, die er führen müsste - teils durchaus schwierige Situationen, ja, teils aber auch eigentlich nicht -, sondern komplett nach Gefühl spielt. Das setzt sich in der Kette denke ich dann auch immer weiter so fort - verteidigt einer im Raum, komme was wolle, wird es für den Rest nicht einfacher effektiv gegen den Mann verteidigen zu können, ob der das dann will oder nicht - und hat selbstredend dann auch seine Auswirkungen auf die anderen Mannschaftsteile. Nicht nur in der Rückwärtsbewegung.

Wobei es ja nicht mal nur um Manndeckung ginge, sondern zunächst mal vor allem um Mannorientierung und Distanzen. Wenn man 15-20m im Anlaufen beim Pressing überbrücken muss, ist das in meinen Augen zu viel, gegen eine Mannschaft, wie die Bayern. Selbst gegen schlechtere Mannschaften ist das oft genug zu weit, sodass vor allem Glück dazu gehört, damit das Pressing greift. Ansonsten rennt ein Mann ins Leere, räumt damit Freiräume ein, die eh schon zu groß sind, weil die vertikalen Zwischenräume durch das Absinken und enge Verteidigen der Kette eh schon enorm sind und auch hier dann schnell zu große Abstände das Resultat sind. Dabei gibt aber immer die Kette vor, wo und wie groß diese Zwischenräume sind, da das Mittelfeld sich zwangsläufig an ihr orientieren wird und versuchen wird die Zwischenräume direkt vor der Kette halbwegs zu schließen, wodurch aber die Räume vor dem Mittelfeld freigegeben werden, wodurch das Pressing nicht mehr zielführend ist, sondern der Angriff auch tiefer fallen muss. Muss dann der OA immer noch gedoppelt werden, trotz eh schon extremer Kompaktheit, spricht das dann leider auch für individuelle Probleme, auch an Stellen, wo man sie sich ungern eingesteht.

Das hat so etwas von: Wie viele Handwerker benötigt es, um eine Glühbirne zu wechseln?


Zitat von BVBBC

Spätestens mit der Haland Verletzung erleichtert man den Bayern dann aber auch nochmal den Job, da man ihnen nun auch die Möglichkeit gibt, dass deren Kette wieder höher rückt und man somit den Druck sukzessive erhöhen kann, weil die Bindung zum Mittelfeld besser wird und das Nachschieben erleichtert wird, wenn dem BVB vorne das Tempo ausgeht. Tigges für Haland war für mich jedenfalls nicht nachvollziehbar, wenn man Moukoko auf der Bank hat. Auch von dem hätte ich sicher keine Wunderdinge erwartet, aber zumindest hätte ich vermutet, dass die Bayern die Absicherung tiefer halten müssen oder der BVB nochmal einen Konter bekommt, den man bis zum Ende fahren kann. Wäre also auch nur Prinzip Hoffnung auf den Sieg gewesen, aber ich sehe hinter Tigges dann eben leider keine Idee, abgesehen davon, dass man vielleicht die Bälle nun vorne etwas länger halten will, um für Entlastung zu sorgen. Vielversprechend fand ich das aber nicht, so schnell, wie man die Bälle eh schon verlor.

sagte favre nicht, dass man keine "große" mannschaft sei, wenn man nicht kontern kann? tigges für haaland und brandt für hazard, haben uns offensiv so viel speed gekostet, dass wir "klein" wurden. egal wie man die wechsel begründen möchte, darf man den speed nicht aus den augen verlieren, weswegen ich dir voll zustimme! mit tigges die bälle besser zu halten, ist auch für mich keine nachvollziehbare idee, da er sie weder auf schnelle leute hätte ablegen können, noch auf ein mf das schnell genug nachrückt und zudem auch nicht die möglichkeiten hatte, sich durchzukombinieren. deswegen war ab hier eigentlich klar, was kommen wird...


Es ist halt mittlerweile ein gesamtheitliches Problem. Nicht nur die Kette ist zu langsam, sondern im Grunde der komplette Kader, sodass oben geschilderter Ziehharmonikaeffekt auch offensiv seine Konsequenzen hat. Je tiefer man steht, sich da auch reindrücken lässt, ohne Druck auf den Gegner zu bekommen, desto schwieriger wird das Raus- und Nachrücken und desto mehr Spieler benötigt man, die alleine klar kommen, weil sie entweder technisch so überragend sind, dass sie sich durchsetzen können oder so schnell, dass ein Pass ausreichen kann, um sie frei vor das Tor zu bekommen. Davon hat der BVB noch exakt 3 Spieler und 2 davon konnten oder durften gestern nicht - 4 Spieler, wenn man Knauff dazu zählt. Und wenn man hinter die Angriffsreihe blickt, wird das auch nicht viel besser. Das Mittelfeld, in der Besetzung, die man dort spielen lässt (Reyna und Brandt zähle ich daher zum Angriff) ist technisch, bis auf Witsel, Dahoud und Bellingham, nicht gut genug, teils sogar schlecht, wobei aus dem Trio auch keiner schnell ist, trotzdem Dahoud und Bellingham durchaus eine gewisse Dynamik mitbringen. Die Abwehr ist meist entweder dynamisch oder technisch gut, aber seltenst beides - im Grunde nur Akanji und dann folgt Morey schon mit Abstrichen.

Dadurch ergeben sich meines Erachtens zwangsläufig Probleme gegen den Ball, um Räume zuzulaufen und mit Ball im Nachrückverhalten. Zu schlechte Techniker, verlieren zu schnell den Ball, umso schneller sie vom Gegner gestellt werden können. Es ist daher nicht mehr schwer genug den BVB noch festzunageln, unabhängig davon, dass einige Spieler auch nicht aktiv genug die Bälle fordern. Nicht umsonst hatten wir dieses Jahr bislang im Grunde nur gegen Augsburg einen Gegner, der sich komplett verschanzte - und es büßen musste. Wenn man hart ist, dann war die gestrige Startaufstellung unter technischen und dynamischen Gesichtspunkten auch nicht viel besser als Hoffenheim, falls überhaupt. Natürlich bekommt jede Mannschaft Probleme, wenn mit Akanji, Witsel, Sancho und Guerreiro 4 Stammspieler ausfallen, aber der Leistungsabfall dahinter, weil mit genau diesen Spielern ein Großteil der technischen Qualität in Verbindung mit Dynamik verloren geht, mitsamt der Ballsicherheit, ist mir dann doch deutlich zu groß mittlerweile. Vor allem die fehlende Schnelligkeit, überbrücken eigentlich nur noch extrem schnelle Spieler, wie Haland - oder, wenn er darf, Moukoko -, die dann aber spielerisch trotzdem nicht mithalten können.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BVBBC am 07.03.2021 um 10:35 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#4713
07.03.2021 - 11:23 Uhr
Im Endeffekt ist es derzeit bei uns egal, in welchem System wir spielen, da uns bei der Spieleröffnung mindestes 1 Spieler im Mittelfeld fehlt, der immer anspielbereit ist.
Bei Delaney sieht man jetzt erst richtig, wie überfordert er in der Zentrale ist und spielt dann noch ein Can in der Nähe, haben wir 2 Spieler, die hier echte schwächen in engen Räume haben.
Dahoud, der vor 2 Monaten noch auf der Tribüne Platz nehmen musste, ist da jetzt der beste und das sagt dann schon viel aus.
Bellingham macht das für sein Alter gut, braucht aber nebenbei noch Erfahrung. Brandt hat das "Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Syndrom" super Aktionen und leider viele zum wegschauen.
Da wären halt Spieler wie z.b. Manuel Locatelli Manuel oder Boubakary Soumaré eine wichtige Kader Erweiterung, die natürlich nur möglich sind, wenn man 2 Spieler von Delaney, Dahoud, Brandt verkauft bekommt.
So wie es gestern teilweise unkoordiniert zuging, da kannst nie und nimmer was holen, wenn die Zentrale ein "Hühnerhaufen" gleichkommt und da hilft es auch nicht, wenn alle laufen, bis die Krämpfe einsetzen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Herzog10 am 07.03.2021 um 11:25 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#4714
07.03.2021 - 11:58 Uhr
Zitat von BVBBC
Zitat von mammuth

Zitat von BVBBC

So dann beim 2:1, als man die Kette viel zu eng aufeinander reihte, keine Übergaben machte und somit dann auch nirgendwo Druck hatte. Vor allem Schulz und Zagadou müssen hier in meinen Augen viel früher eine Übergabe von Lewandowski machen, damit Schulz rausschieben kann und wahrscheinlich passiert dann nichts. Stattdessen bleibt Schulz ewig in der Mitte, Zagadou kümmert sich nicht um Lewandowski, Hummels als freier Mann in der Kette auch nicht und zu allem Überfluss lässt Schulz sich dann auch noch doppelt mies foppen. Zunächst macht er nochmal einen Schritt mit Lewandowski mit, als Sane den Pass nicht mal wirklich antäuscht und dann im direkten Duell nochmal. Wenn man dann in der Mitte auch keine Zuständigkeiten sieht, wer den aktuellen Toptorschützen der Bundesliga übernimmt, kassiert man folgerichtig ein Tor, weil man darum bettelt. Vor allem die Kommunikation von Schulz und Zagadou ist hier dann ungenügend.

1. kurz bevor kimmich den ball auf sane spielt, täuscht sane einen lauf in die tiefe an - wodurch sich schulz foppen lässt und ebenfalls in die tiefe startet - während sane sich schnell wieder zurück bewegt und nun viel raum hat. schulz steht hier mmn a) sowieso schon zu weit weg von sane (du hast recht, mit etwas weniger kompaktheit stünde er hier besser), steht dann b) bei ballannahme von sane noch weiter weg und macht dann auch noch c) den weg nach innen statt nach außen zu, obwohl er doch sehen muss, dass reus und v.a. delaney den weg nach innen schon decken! das sind 3 fehler innerhalb weniger sekunden.

2. beim pass von sane auf lewandowski passt die abstimmung in der kette nicht: nachdem sane an schulz vorbei ist, schert zagadou aus um einen möglichen schuss von sane aufs tor zu blocken - und hebt damit das abseits auf. man könnte zwar auf die idee kommen, dies zagadou anzukreiden, weil ja kein schuss auf's tor kam, sondern ein pass auf lewandowski, jedoch wurde dieser pass nur deshalb gespielt, weil zagadou eben die schussbahn aufs tor zustellte! ich bin mir ziemlich sicher, dass sane den abschluss probiert hätte, wenn die schussbahn frei und lewandowski im abseits gestanden hätte. daher würde ich sagen, zagadou verhält sich hier grundsätzlich richtig.
bevor zagadou sich auf den weg macht, übergibt er lewandowski per blickkontakt an hummels, der auch sogleich übernimmt. als zagadou dann die abseitslinie nach hinten verschiebt, geht hummels aber nicht mit und macht dadurch die gasse auf für den pass auf lewandowski. hier sieht dann also eher hummels unglücklich aus, als zagadou, weil er dessen bewegung nicht schnell genug mitgeht. da hummels hier aber schon sehr nah am tor ist und die gasse für den ball auf lewandowski nur sehr schmal, möchte ich hier hummels keinen vorwurf machen, obwohl er noch das tor hätte verhindern können.

für mich geht das tor daher fast vollständig auf die fehlerkette von schulz. die kompaktheit kann dabei womöglich noch so angeordnet gewesen sein und dass er sich von sane, kurz vor dessen ballannahme verladen lässt, kann auch mal passieren. den weg nach innen hätte er aber nie und nimmer auf diese art und weise decken dürfen, das war zuerst kopflos und dann orientierungslos. zusammen mit den beiden vorherigen fehlern, schaut das dann besonders schlimm aus.



Gute Analyse. Auch die Berichtigung, dass es ein angetäuschter Lauf und kein Pass von Sane war, ist denke ich wichtig, weil es nochmal mehr verdeutlicht, wie viel Platz er da vor der Ballannahme schon hat. Ich bin mir dabei dann auch nicht sicher, inwiefern das gesamte Verhalten taktisch gewünscht ist. So kommt es schon regelmäßig vor, dass man mit den OA extrem tief verteidigt und dabei dann auch eher auf die gegnerischen OA abzielt, um zu doppeln. Das ist mir sowieso ein Graus, da einerseits die Wege für die OA viel zu weit geraten, um die Defensive zu unterstützen und dadurch dann trotzdem meist Spieler frei werden, die nicht vernünftig aufgenommen werden können - gut, bei Süle ist das dann nicht ganz so kritisch, aber der hat das Problem denke ich gestern mit seinen ungestörten Ausflügen dann auch nochmal offengelegt. Andererseits deswegen, da es vor allem das Sinnbild der Unfähigkeit ist Mann gegen Mann zu spielen. Gerade hier wird jedes Angriffspressing in meinen Augen schon ausgehebelt.

Die nötige Kompaktheit, um - nennen wir es mal relativ unspezifisch - Mobilitätsdefizite zu verstecken, kostet daher Druck auf den Ball und verursacht weite Wege für Spieler, die offensiv oft genug eh schon zu viel allein regeln müssen. In Bezug auf das Spiel gestern bin ich mir dabei eigentlich recht sicher, dass man so kompakt dann doch nicht in der Situation agieren wollte - wie gesagt, die Übergabe von Lewandowski an Zagadou muss mit Schulz kommuniziert werden und dann auch effektiv erfolgen. Ich fürchte vielmehr, dass es das Resultat dessen ist, dass man mit dem Mann nicht mitgehen kann, den man bei Manndeckung zuweisen würde, sodass hier jeder Gegner einen Hebel erhält, sobald der BVB nicht im Raum verteidigt. Gerade Hummels fällt hier in den letzten Wochen dann eben auch zunehmend häufiger damit auf, dass seine Duelle handverlesen sind, indem er nicht alle Duelle führt, die er führen müsste - teils durchaus schwierige Situationen, ja, teils aber auch eigentlich nicht -, sondern komplett nach Gefühl spielt. Das setzt sich in der Kette denke ich dann auch immer weiter so fort - verteidigt einer im Raum, komme was wolle, wird es für den Rest nicht einfacher effektiv gegen den Mann verteidigen zu können, ob der das dann will oder nicht - und hat selbstredend dann auch seine Auswirkungen auf die anderen Mannschaftsteile. Nicht nur in der Rückwärtsbewegung.

Wobei es ja nicht mal nur um Manndeckung ginge, sondern zunächst mal vor allem um Mannorientierung und Distanzen. Wenn man 15-20m im Anlaufen beim Pressing überbrücken muss, ist das in meinen Augen zu viel, gegen eine Mannschaft, wie die Bayern. Selbst gegen schlechtere Mannschaften ist das oft genug zu weit, sodass vor allem Glück dazu gehört, damit das Pressing greift. Ansonsten rennt ein Mann ins Leere, räumt damit Freiräume ein, die eh schon zu groß sind, weil die vertikalen Zwischenräume durch das Absinken und enge Verteidigen der Kette eh schon enorm sind und auch hier dann schnell zu große Abstände das Resultat sind. Dabei gibt aber immer die Kette vor, wo und wie groß diese Zwischenräume sind, da das Mittelfeld sich zwangsläufig an ihr orientieren wird und versuchen wird die Zwischenräume direkt vor der Kette halbwegs zu schließen, wodurch aber die Räume vor dem Mittelfeld freigegeben werden, wodurch das Pressing nicht mehr zielführend ist, sondern der Angriff auch tiefer fallen muss. Muss dann der OA immer noch gedoppelt werden, trotz eh schon extremer Kompaktheit, spricht das dann leider auch für individuelle Probleme, auch an Stellen, wo man sie sich ungern eingesteht.

Das hat so etwas von: Wie viele Handwerker benötigt es, um eine Glühbirne zu wechseln?


Zitat von BVBBC

Spätestens mit der Haland Verletzung erleichtert man den Bayern dann aber auch nochmal den Job, da man ihnen nun auch die Möglichkeit gibt, dass deren Kette wieder höher rückt und man somit den Druck sukzessive erhöhen kann, weil die Bindung zum Mittelfeld besser wird und das Nachschieben erleichtert wird, wenn dem BVB vorne das Tempo ausgeht. Tigges für Haland war für mich jedenfalls nicht nachvollziehbar, wenn man Moukoko auf der Bank hat. Auch von dem hätte ich sicher keine Wunderdinge erwartet, aber zumindest hätte ich vermutet, dass die Bayern die Absicherung tiefer halten müssen oder der BVB nochmal einen Konter bekommt, den man bis zum Ende fahren kann. Wäre also auch nur Prinzip Hoffnung auf den Sieg gewesen, aber ich sehe hinter Tigges dann eben leider keine Idee, abgesehen davon, dass man vielleicht die Bälle nun vorne etwas länger halten will, um für Entlastung zu sorgen. Vielversprechend fand ich das aber nicht, so schnell, wie man die Bälle eh schon verlor.

sagte favre nicht, dass man keine "große" mannschaft sei, wenn man nicht kontern kann? tigges für haaland und brandt für hazard, haben uns offensiv so viel speed gekostet, dass wir "klein" wurden. egal wie man die wechsel begründen möchte, darf man den speed nicht aus den augen verlieren, weswegen ich dir voll zustimme! mit tigges die bälle besser zu halten, ist auch für mich keine nachvollziehbare idee, da er sie weder auf schnelle leute hätte ablegen können, noch auf ein mf das schnell genug nachrückt und zudem auch nicht die möglichkeiten hatte, sich durchzukombinieren. deswegen war ab hier eigentlich klar, was kommen wird...


Es ist halt mittlerweile ein gesamtheitliches Problem. Nicht nur die Kette ist zu langsam, sondern im Grunde der komplette Kader, sodass oben geschilderter Ziehharmonikaeffekt auch offensiv seine Konsequenzen hat. Je tiefer man steht, sich da auch reindrücken lässt, ohne Druck auf den Gegner zu bekommen, desto schwieriger wird das Raus- und Nachrücken und desto mehr Spieler benötigt man, die alleine klar kommen, weil sie entweder technisch so überragend sind, dass sie sich durchsetzen können oder so schnell, dass ein Pass ausreichen kann, um sie frei vor das Tor zu bekommen. Davon hat der BVB noch exakt 3 Spieler und 2 davon konnten oder durften gestern nicht - 4 Spieler, wenn man Knauff dazu zählt. Und wenn man hinter die Angriffsreihe blickt, wird das auch nicht viel besser. Das Mittelfeld, in der Besetzung, die man dort spielen lässt (Reyna und Brandt zähle ich daher zum Angriff) ist technisch, bis auf Witsel, Dahoud und Bellingham, nicht gut genug, teils sogar schlecht, wobei aus dem Trio auch keiner schnell ist, trotzdem Dahoud und Bellingham durchaus eine gewisse Dynamik mitbringen. Die Abwehr ist meist entweder dynamisch oder technisch gut, aber seltenst beides - im Grunde nur Akanji und dann folgt Morey schon mit Abstrichen.

Dadurch ergeben sich meines Erachtens zwangsläufig Probleme gegen den Ball, um Räume zuzulaufen und mit Ball im Nachrückverhalten. Zu schlechte Techniker, verlieren zu schnell den Ball, umso schneller sie vom Gegner gestellt werden können. Es ist daher nicht mehr schwer genug den BVB noch festzunageln, unabhängig davon, dass einige Spieler auch nicht aktiv genug die Bälle fordern. Nicht umsonst hatten wir dieses Jahr bislang im Grunde nur gegen Augsburg einen Gegner, der sich komplett verschanzte - und es büßen musste. Wenn man hart ist, dann war die gestrige Startaufstellung unter technischen und dynamischen Gesichtspunkten auch nicht viel besser als Hoffenheim, falls überhaupt. Natürlich bekommt jede Mannschaft Probleme, wenn mit Akanji, Witsel, Sancho und Guerreiro 4 Stammspieler ausfallen, aber der Leistungsabfall dahinter, weil mit genau diesen Spielern ein Großteil der technischen Qualität in Verbindung mit Dynamik verloren geht, mitsamt der Ballsicherheit, ist mir dann doch deutlich zu groß mittlerweile. Vor allem die fehlende Schnelligkeit, überbrücken eigentlich nur noch extrem schnelle Spieler, wie Haland - oder, wenn er darf, Moukoko -, die dann aber spielerisch trotzdem nicht mithalten können.

Ich empfand unser tiefes Verteidigen als größtes taktisches Problem. Dadurch waren wir einem Dauerdruck ausgesetzt und mussten auch spielerisch viel leisten. Denn durch das tiefe kompakte Stehen waren unsere Räume auch im Ballbesitz eng. Hätten wir hingegen höher gestanden, wäre mehr Platz zum Kontern gewesen. Da wir technisch/spielerisch eher schlecht besetzt waren, wäre ein früheres Attackieren besser gewesen, denke ich.

Dabei weiß ich nicht viel davon taktische Vorgabe war. Der perfekte Start mit Zweitore-Führung kann psychologisch dazugeführt haben, dass die Spieler nur an Ergebnissicherung dachten und sich hinten reinstellten.
Die Fünferkette hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass wir tief standen. Der fehlende Mann weiter vorne macht sich dann bemerkbar. Wobei man dafür im Gegenzug natürlich mehr im Strafraum wegverteidigt. Die Fünferkette muss daher keine schlechte Wahl sein, auch wenn sie den Bayern den Raumgewinn im Mittelfeld vereinfachte.
Ich fand zudem, dass es immer wieder Möglichkeiten gab, um früher zu attackieren. Unser tiefes Verteidigen war für mich daher nicht nur Folge einer Taktik, die wenig Zugriffsmöglichkeiten anbot.

Der Mut, von dem Terzic oft spricht, fehlte nach der 2-Tore-Führung komplett, finde ich.
BVB - Taktik-Thread |#4715
07.03.2021 - 12:23 Uhr
Zitat von mba123

Zitat von BVBBC

Zitat von mammuth

Zitat von BVBBC

So dann beim 2:1, als man die Kette viel zu eng aufeinander reihte, keine Übergaben machte und somit dann auch nirgendwo Druck hatte. Vor allem Schulz und Zagadou müssen hier in meinen Augen viel früher eine Übergabe von Lewandowski machen, damit Schulz rausschieben kann und wahrscheinlich passiert dann nichts. Stattdessen bleibt Schulz ewig in der Mitte, Zagadou kümmert sich nicht um Lewandowski, Hummels als freier Mann in der Kette auch nicht und zu allem Überfluss lässt Schulz sich dann auch noch doppelt mies foppen. Zunächst macht er nochmal einen Schritt mit Lewandowski mit, als Sane den Pass nicht mal wirklich antäuscht und dann im direkten Duell nochmal. Wenn man dann in der Mitte auch keine Zuständigkeiten sieht, wer den aktuellen Toptorschützen der Bundesliga übernimmt, kassiert man folgerichtig ein Tor, weil man darum bettelt. Vor allem die Kommunikation von Schulz und Zagadou ist hier dann ungenügend.

1. kurz bevor kimmich den ball auf sane spielt, täuscht sane einen lauf in die tiefe an - wodurch sich schulz foppen lässt und ebenfalls in die tiefe startet - während sane sich schnell wieder zurück bewegt und nun viel raum hat. schulz steht hier mmn a) sowieso schon zu weit weg von sane (du hast recht, mit etwas weniger kompaktheit stünde er hier besser), steht dann b) bei ballannahme von sane noch weiter weg und macht dann auch noch c) den weg nach innen statt nach außen zu, obwohl er doch sehen muss, dass reus und v.a. delaney den weg nach innen schon decken! das sind 3 fehler innerhalb weniger sekunden.

2. beim pass von sane auf lewandowski passt die abstimmung in der kette nicht: nachdem sane an schulz vorbei ist, schert zagadou aus um einen möglichen schuss von sane aufs tor zu blocken - und hebt damit das abseits auf. man könnte zwar auf die idee kommen, dies zagadou anzukreiden, weil ja kein schuss auf's tor kam, sondern ein pass auf lewandowski, jedoch wurde dieser pass nur deshalb gespielt, weil zagadou eben die schussbahn aufs tor zustellte! ich bin mir ziemlich sicher, dass sane den abschluss probiert hätte, wenn die schussbahn frei und lewandowski im abseits gestanden hätte. daher würde ich sagen, zagadou verhält sich hier grundsätzlich richtig.
bevor zagadou sich auf den weg macht, übergibt er lewandowski per blickkontakt an hummels, der auch sogleich übernimmt. als zagadou dann die abseitslinie nach hinten verschiebt, geht hummels aber nicht mit und macht dadurch die gasse auf für den pass auf lewandowski. hier sieht dann also eher hummels unglücklich aus, als zagadou, weil er dessen bewegung nicht schnell genug mitgeht. da hummels hier aber schon sehr nah am tor ist und die gasse für den ball auf lewandowski nur sehr schmal, möchte ich hier hummels keinen vorwurf machen, obwohl er noch das tor hätte verhindern können.

für mich geht das tor daher fast vollständig auf die fehlerkette von schulz. die kompaktheit kann dabei womöglich noch so angeordnet gewesen sein und dass er sich von sane, kurz vor dessen ballannahme verladen lässt, kann auch mal passieren. den weg nach innen hätte er aber nie und nimmer auf diese art und weise decken dürfen, das war zuerst kopflos und dann orientierungslos. zusammen mit den beiden vorherigen fehlern, schaut das dann besonders schlimm aus.



Gute Analyse. Auch die Berichtigung, dass es ein angetäuschter Lauf und kein Pass von Sane war, ist denke ich wichtig, weil es nochmal mehr verdeutlicht, wie viel Platz er da vor der Ballannahme schon hat. Ich bin mir dabei dann auch nicht sicher, inwiefern das gesamte Verhalten taktisch gewünscht ist. So kommt es schon regelmäßig vor, dass man mit den OA extrem tief verteidigt und dabei dann auch eher auf die gegnerischen OA abzielt, um zu doppeln. Das ist mir sowieso ein Graus, da einerseits die Wege für die OA viel zu weit geraten, um die Defensive zu unterstützen und dadurch dann trotzdem meist Spieler frei werden, die nicht vernünftig aufgenommen werden können - gut, bei Süle ist das dann nicht ganz so kritisch, aber der hat das Problem denke ich gestern mit seinen ungestörten Ausflügen dann auch nochmal offengelegt. Andererseits deswegen, da es vor allem das Sinnbild der Unfähigkeit ist Mann gegen Mann zu spielen. Gerade hier wird jedes Angriffspressing in meinen Augen schon ausgehebelt.

Die nötige Kompaktheit, um - nennen wir es mal relativ unspezifisch - Mobilitätsdefizite zu verstecken, kostet daher Druck auf den Ball und verursacht weite Wege für Spieler, die offensiv oft genug eh schon zu viel allein regeln müssen. In Bezug auf das Spiel gestern bin ich mir dabei eigentlich recht sicher, dass man so kompakt dann doch nicht in der Situation agieren wollte - wie gesagt, die Übergabe von Lewandowski an Zagadou muss mit Schulz kommuniziert werden und dann auch effektiv erfolgen. Ich fürchte vielmehr, dass es das Resultat dessen ist, dass man mit dem Mann nicht mitgehen kann, den man bei Manndeckung zuweisen würde, sodass hier jeder Gegner einen Hebel erhält, sobald der BVB nicht im Raum verteidigt. Gerade Hummels fällt hier in den letzten Wochen dann eben auch zunehmend häufiger damit auf, dass seine Duelle handverlesen sind, indem er nicht alle Duelle führt, die er führen müsste - teils durchaus schwierige Situationen, ja, teils aber auch eigentlich nicht -, sondern komplett nach Gefühl spielt. Das setzt sich in der Kette denke ich dann auch immer weiter so fort - verteidigt einer im Raum, komme was wolle, wird es für den Rest nicht einfacher effektiv gegen den Mann verteidigen zu können, ob der das dann will oder nicht - und hat selbstredend dann auch seine Auswirkungen auf die anderen Mannschaftsteile. Nicht nur in der Rückwärtsbewegung.

Wobei es ja nicht mal nur um Manndeckung ginge, sondern zunächst mal vor allem um Mannorientierung und Distanzen. Wenn man 15-20m im Anlaufen beim Pressing überbrücken muss, ist das in meinen Augen zu viel, gegen eine Mannschaft, wie die Bayern. Selbst gegen schlechtere Mannschaften ist das oft genug zu weit, sodass vor allem Glück dazu gehört, damit das Pressing greift. Ansonsten rennt ein Mann ins Leere, räumt damit Freiräume ein, die eh schon zu groß sind, weil die vertikalen Zwischenräume durch das Absinken und enge Verteidigen der Kette eh schon enorm sind und auch hier dann schnell zu große Abstände das Resultat sind. Dabei gibt aber immer die Kette vor, wo und wie groß diese Zwischenräume sind, da das Mittelfeld sich zwangsläufig an ihr orientieren wird und versuchen wird die Zwischenräume direkt vor der Kette halbwegs zu schließen, wodurch aber die Räume vor dem Mittelfeld freigegeben werden, wodurch das Pressing nicht mehr zielführend ist, sondern der Angriff auch tiefer fallen muss. Muss dann der OA immer noch gedoppelt werden, trotz eh schon extremer Kompaktheit, spricht das dann leider auch für individuelle Probleme, auch an Stellen, wo man sie sich ungern eingesteht.

Das hat so etwas von: Wie viele Handwerker benötigt es, um eine Glühbirne zu wechseln?


Zitat von BVBBC

Spätestens mit der Haland Verletzung erleichtert man den Bayern dann aber auch nochmal den Job, da man ihnen nun auch die Möglichkeit gibt, dass deren Kette wieder höher rückt und man somit den Druck sukzessive erhöhen kann, weil die Bindung zum Mittelfeld besser wird und das Nachschieben erleichtert wird, wenn dem BVB vorne das Tempo ausgeht. Tigges für Haland war für mich jedenfalls nicht nachvollziehbar, wenn man Moukoko auf der Bank hat. Auch von dem hätte ich sicher keine Wunderdinge erwartet, aber zumindest hätte ich vermutet, dass die Bayern die Absicherung tiefer halten müssen oder der BVB nochmal einen Konter bekommt, den man bis zum Ende fahren kann. Wäre also auch nur Prinzip Hoffnung auf den Sieg gewesen, aber ich sehe hinter Tigges dann eben leider keine Idee, abgesehen davon, dass man vielleicht die Bälle nun vorne etwas länger halten will, um für Entlastung zu sorgen. Vielversprechend fand ich das aber nicht, so schnell, wie man die Bälle eh schon verlor.

sagte favre nicht, dass man keine "große" mannschaft sei, wenn man nicht kontern kann? tigges für haaland und brandt für hazard, haben uns offensiv so viel speed gekostet, dass wir "klein" wurden. egal wie man die wechsel begründen möchte, darf man den speed nicht aus den augen verlieren, weswegen ich dir voll zustimme! mit tigges die bälle besser zu halten, ist auch für mich keine nachvollziehbare idee, da er sie weder auf schnelle leute hätte ablegen können, noch auf ein mf das schnell genug nachrückt und zudem auch nicht die möglichkeiten hatte, sich durchzukombinieren. deswegen war ab hier eigentlich klar, was kommen wird...


Es ist halt mittlerweile ein gesamtheitliches Problem. Nicht nur die Kette ist zu langsam, sondern im Grunde der komplette Kader, sodass oben geschilderter Ziehharmonikaeffekt auch offensiv seine Konsequenzen hat. Je tiefer man steht, sich da auch reindrücken lässt, ohne Druck auf den Gegner zu bekommen, desto schwieriger wird das Raus- und Nachrücken und desto mehr Spieler benötigt man, die alleine klar kommen, weil sie entweder technisch so überragend sind, dass sie sich durchsetzen können oder so schnell, dass ein Pass ausreichen kann, um sie frei vor das Tor zu bekommen. Davon hat der BVB noch exakt 3 Spieler und 2 davon konnten oder durften gestern nicht - 4 Spieler, wenn man Knauff dazu zählt. Und wenn man hinter die Angriffsreihe blickt, wird das auch nicht viel besser. Das Mittelfeld, in der Besetzung, die man dort spielen lässt (Reyna und Brandt zähle ich daher zum Angriff) ist technisch, bis auf Witsel, Dahoud und Bellingham, nicht gut genug, teils sogar schlecht, wobei aus dem Trio auch keiner schnell ist, trotzdem Dahoud und Bellingham durchaus eine gewisse Dynamik mitbringen. Die Abwehr ist meist entweder dynamisch oder technisch gut, aber seltenst beides - im Grunde nur Akanji und dann folgt Morey schon mit Abstrichen.

Dadurch ergeben sich meines Erachtens zwangsläufig Probleme gegen den Ball, um Räume zuzulaufen und mit Ball im Nachrückverhalten. Zu schlechte Techniker, verlieren zu schnell den Ball, umso schneller sie vom Gegner gestellt werden können. Es ist daher nicht mehr schwer genug den BVB noch festzunageln, unabhängig davon, dass einige Spieler auch nicht aktiv genug die Bälle fordern. Nicht umsonst hatten wir dieses Jahr bislang im Grunde nur gegen Augsburg einen Gegner, der sich komplett verschanzte - und es büßen musste. Wenn man hart ist, dann war die gestrige Startaufstellung unter technischen und dynamischen Gesichtspunkten auch nicht viel besser als Hoffenheim, falls überhaupt. Natürlich bekommt jede Mannschaft Probleme, wenn mit Akanji, Witsel, Sancho und Guerreiro 4 Stammspieler ausfallen, aber der Leistungsabfall dahinter, weil mit genau diesen Spielern ein Großteil der technischen Qualität in Verbindung mit Dynamik verloren geht, mitsamt der Ballsicherheit, ist mir dann doch deutlich zu groß mittlerweile. Vor allem die fehlende Schnelligkeit, überbrücken eigentlich nur noch extrem schnelle Spieler, wie Haland - oder, wenn er darf, Moukoko -, die dann aber spielerisch trotzdem nicht mithalten können.

Ich empfand unser tiefes Verteidigen als größtes taktisches Problem. Dadurch waren wir einem Dauerdruck ausgesetzt und mussten auch spielerisch viel leisten. Denn durch das tiefe kompakte Stehen waren unsere Räume auch im Ballbesitz eng. Hätten wir hingegen höher gestanden, wäre mehr Platz zum Kontern gewesen. Da wir technisch/spielerisch eher schlecht besetzt waren, wäre ein früheres Attackieren besser gewesen, denke ich.

Dabei weiß ich nicht viel davon taktische Vorgabe war. Der perfekte Start mit Zweitore-Führung kann psychologisch dazugeführt haben, dass die Spieler nur an Ergebnissicherung dachten und sich hinten reinstellten.
Die Fünferkette hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass wir tief standen. Der fehlende Mann weiter vorne macht sich dann bemerkbar. Wobei man dafür im Gegenzug natürlich mehr im Strafraum wegverteidigt. Die Fünferkette muss daher keine schlechte Wahl sein, auch wenn sie den Bayern den Raumgewinn im Mittelfeld vereinfachte.
Ich fand zudem, dass es immer wieder Möglichkeiten gab, um früher zu attackieren. Unser tiefes Verteidigen war für mich daher nicht nur Folge einer Taktik, die wenig Zugriffsmöglichkeiten anbot.

Der Mut, von dem Terzic oft spricht, fehlte nach der 2-Tore-Führung komplett, finde ich.


Letztendlich ist es ja auch fast egal, ob es natürliches Verhalten oder taktische Vorgabe ist. Wahrscheinlich provoziert sich sogar beides gegenseitig. Ich finde vor allem beim 2:1 sind viele Dinge dabei, die in meinen Augen taktisch sehr häufig vorkommen, aber eben mit gewissen Anpassungen an die Bayern. Wie gesagt, selbst bei 3er Kette sind die Schienen stets abhängig davon, dass die OA komplett mit nach hinten arbeiten. Reus ist hier nicht rechtzeitig da, Delaney rückt daher zur Absicherung auch noch nach außen, obwohl Zagadou das genauso gut machen könnte/sollte, wodurch er hinten das Zentrum blank lässt, weil Dahoud auch noch nicht zurück ist. Vor allem Müller räumt hier dann vermutlich auch für Lewandowski den Raum frei, da Hummels eingangs noch bei ihm war, dann aber Lewandowski übernehmen musste, wodurch Müller frei wurde, weshalb man Hummels vermutlich zugestehen muss, dass er sich da ein wenig im Dilemma befindet und sich deswegen nicht komplett Lewandowski übernommen hat. Im Endeffekt orientieren sich daher bei Sanes Ballannahme 4 Spieler (Schulz, Reus, Zagadou, Delaney) an Sane, haben aber allesamt zu viel Abstand zum Mann und daher keinen Gegenspieler. Geht Delaney nicht raus, sondern übernimmt Müller, kann Hummels Lewandowski klar stellen, Zagadou rausrücken, Schulz rausrücken und so weiter. Die Szene ist so komplex, dass ich jedenfalls jedes Mal, wenn ich sie nochmal sehe, wieder ein Problem finde, das für Folgeprobleme sorgt und an sich vermeidbar ist, obwohl keines dieser Probleme neu ist.

Dabei stört mich auch gar nicht mal so sehr, dass man tief verteidigt - das war mit dem Personal nicht anders zu erwarten -, sondern vor allem, dass man trotz teils hoher Überzahl hinter dem Ball weit weg vom Mann verteidigt - das muss anders erwartet werden. Auch die 3er Kette fand ich verständlich und sogar richtig, weil man die doppelte Absicherung, wegen der Tempodefizite und potenziellen Missmatches bei 4er Kette, benötigt. Die Szene beim 2:1 wäre mit 4er Kette schließlich nicht besser verteidigt worden,wenn man schon mit 3er Kette so agiert. Es wäre nur ein IV weniger da gewesen, sodass man Sane vermutlich eher noch mehr roten Teppich ausgelegt hätte, sodass er auch noch den LIV hätte attackieren können, nachdem er Schulz raus nimmt und so wie man in den Minuten danach mit 4er Kette gespielt hat, wäre nicht mehr Hilfe zu erwarten gewesen - auch mit Ball hätte ich nicht mehr Entlastung erwartet, personalbedingt, da die Mannschaft, die nach den Ausfällen übrig bleibt, leider nicht besser ist. Man hat so keinen Zugriff und natürlich hat das dann auch im Ballbesitz wieder seine Konsequenzen, wenn die Bayern sofort wieder genug Mann hinter den Ball bekommen, weil sie gar nicht mit allen Mann attackieren müssen - aber können -, um ihre Freiräume zu bekommen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BVBBC am 07.03.2021 um 12:28 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#4716
07.03.2021 - 12:32 Uhr
Zitat von mba123

Ich empfand unser tiefes Verteidigen als größtes taktisches Problem. Dadurch waren wir einem Dauerdruck ausgesetzt und mussten auch spielerisch viel leisten. Denn durch das tiefe kompakte Stehen waren unsere Räume auch im Ballbesitz eng. Hätten wir hingegen höher gestanden, wäre mehr Platz zum Kontern gewesen. Da wir technisch/spielerisch eher schlecht besetzt waren, wäre ein früheres Attackieren besser gewesen, denke ich.

Dabei weiß ich nicht viel davon taktische Vorgabe war. Der perfekte Start mit Zweitore-Führung kann psychologisch dazugeführt haben, dass die Spieler nur an Ergebnissicherung dachten und sich hinten reinstellten.
Die Fünferkette hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass wir tief standen. Der fehlende Mann weiter vorne macht sich dann bemerkbar. Wobei man dafür im Gegenzug natürlich mehr im Strafraum wegverteidigt. Die Fünferkette muss daher keine schlechte Wahl sein, auch wenn sie den Bayern den Raumgewinn im Mittelfeld vereinfachte.
Ich fand zudem, dass es immer wieder Möglichkeiten gab, um früher zu attackieren. Unser tiefes Verteidigen war für mich daher nicht nur Folge einer Taktik, die wenig Zugriffsmöglichkeiten anbot.

Der Mut, von dem Terzic oft spricht, fehlte nach der 2-Tore-Führung komplett, finde ich.


Ich sah das primäre Problem nicht in der tiefen Verteidigung, sondern im nicht vorhandenen Ballbesitz. Dadurch dass wir eben die Bälle bereits nach wenigen Stationen verloren haben, konnten wir dauerhaft keinen Druck gegen den Ball aufrecht erhalten. Dabei spielt es für mich keine Rolle ob wir das Pressing mit langen Bällen oder von hinten raus umspielen wollten, jegliche Bälle kamen trotzdem umgehend zurück und man geriet wieder unter Druck.

Wie gesagt, das tiefe Verteidigen resultierte meiner Meinung nach erst dadurch, dass man selbst den Ball nicht mal phasenweise halten konnte um auch für Verschnaufpausen zu sorgen. Ich denke es gehört dann einfach dazu, dass man irgendwann passiv wird und sich zurück zieht, wenn alle 30 Sekunden ein Angriff auf dich zu rollt.
BVB - Taktik-Thread |#4717
07.03.2021 - 14:10 Uhr
Zitat von Herzog10
Im Endeffekt ist es derzeit bei uns egal, in welchem System wir spielen, da uns bei der Spieleröffnung mindestes 1 Spieler im Mittelfeld fehlt, der immer anspielbereit ist.
Bei Delaney sieht man jetzt erst richtig, wie überfordert er in der Zentrale ist und spielt dann noch ein Can in der Nähe, haben wir 2 Spieler, die hier echte schwächen in engen Räume haben.
Dahoud, der vor 2 Monaten noch auf der Tribüne Platz nehmen musste, ist da jetzt der beste und das sagt dann schon viel aus.
Bellingham macht das für sein Alter gut, braucht aber nebenbei noch Erfahrung. Brandt hat das "Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Syndrom" super Aktionen und leider viele zum wegschauen.
Da wären halt Spieler wie z.b. Manuel Locatelli Manuel oder Boubakary Soumaré eine wichtige Kader Erweiterung, die natürlich nur möglich sind, wenn man 2 Spieler von Delaney, Dahoud, Brandt verkauft bekommt.
So wie es gestern teilweise unkoordiniert zuging, da kannst nie und nimmer was holen, wenn die Zentrale ein "Hühnerhaufen" gleichkommt und da hilft es auch nicht, wenn alle laufen, bis die Krämpfe einsetzen.


Ja, dazu ist hier im Forum in den letzten Monaten viel geschrieben worden.

Wenn sich die von dir angesprochenen Orientierungsprobleme im Raum mit technischer Inkonsistenz und Geschwindikkeitsdefiziten, die ja nicht nur Hummels hat, paaren, dann gibt es gegen solche starken Mannschaften wie Bayern München sie stellen kann, eben besondere Schwierigkeiten.

Die in den ersten 12 bis 15 Minuten gelungenen BVB-Aktionen nach vorne waren dem Willen, ein bisschen Glück und dem Ausnutzen immer sehr hoch stehender Bayern geschuldet, die, so schien es mir, mit solch einem mutigen Auftritt des BVB nicht gerechnet hatten. Diese offensiven Aktionen wurden wegen Haalands spezieller Fähigkeiten, eines Stellungsfehlers von Neuer, der beim ersten Haaland-Tor mMn zu weit rechts im Kasten stand, und des genialen diagonal-offensiven Dahoud-Passes auf Schulz, der zu einer konterähnlichen Situation führte, die von Schulz, Hazard und Haaland gut zu Ende gespielt wurde, zur 2:0-Führung ausgenutzt. Danach gab's dann nur noch die Chance von Meunier, die er selbst nicht als Chance begriffen hat. Das war's. Danach spielte mit geringfügigen Ausnahmen nur noch Bayern München und wir BVB-Anhänger durften studieren, was dem BVB in seiner derzeitigen Zusammenstellung alles fehlt.

- Der BVB spielte kein gutes Pressing, weil ihm dazu die geeigneten Spieler fehlen.
- Der BVB konnte aber auch nicht das Zentrum verdichten und den Bayern ab der Mittellinie Probleme bereiten, weil Dahoud, Delaney und später Bellingham für Delaney keine Mittelfeldstrategen sind (nein, auch Dahoud nicht, obwohl er stark verbessert spielt). Kimmich und Goretzka waren dem Dortmunder Zentrum fast schon peinlich überlegen - defensiv wie offensiv.
- Im letzten Drittel vor dem BVB-Tor wurde dann aber versucht, das Zentrum v.a. wegen Lewandowski vielbeinig dicht zu halten. Dabei aber stand der BVB viel zu tief und Sané gegen Schulz sowie Coman gegen Meunier (später Gnabry gegen Morey) konnten auf den Außenbahnen Gefahr entfalten (obwohl v.a. Morey sich wacker schlug). Lewandowski rückte ständig aus dem Strafraum heraus und wieder herein, war im Grunde 30 bis 40 Meter vor dem BVB-Tor fast überall zu finden. Müller ohnehin ständig in Bewegung und dazu die offensiven Vorstöße von Kimmich, Goretzka und Davies (auf der linken Außenbahn)waren auf Dauer zu viel für den tief stehenden BVB-Defensivverbund. Die BVB-Spieler verfolgten teils schon ab der 15. Minute und verstärkt in der letzten halben Stunde des Spiels nur noch den zirkulierenden Bayern-Ball, hechelten auf die ballführenden Spieler zu, von denen sie viel zu weit entfernt standen und verloren auch direkt am und im Strafraum die Bayern-Spieler immer häufiger aus den Augen. Das erste und dritte Tor der Bayern bietet dafür perfekten Anschauungsunterricht.

Zwei Anmerkungen:

1. Leider wird im Reus-Thread über andere Probleme diskutiert als über die Leistung von Reus. Deshalb hier: Die schwache Leistung von Reus schwächt auch den BVB.
2. Bayern München hat nicht einmal übermäßig gut gespielt, sondern nur die vorhandenen Fähigkeiten befriedigend auf den Platz gebracht. Das hat gegen den BVB gereicht - trotz 0:2 Rückstand.

•     •     •

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; 
aber soviel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.
Georg Christoph Lichtenberg
BVB - Taktik-Thread |#4718
07.03.2021 - 22:38 Uhr
Zitat von BVBBC
Wenn man 15-20m im Anlaufen beim Pressing überbrücken muss, ist das in meinen Augen zu viel, gegen eine Mannschaft, wie die Bayern. Selbst gegen schlechtere Mannschaften ist das oft genug zu weit, sodass vor allem Glück dazu gehört, damit das Pressing greift. Ansonsten rennt ein Mann ins Leere, räumt damit Freiräume ein, die eh schon zu groß sind, weil die vertikalen Zwischenräume durch das Absinken und enge Verteidigen der Kette eh schon enorm sind und auch hier dann schnell zu große Abstände das Resultat sind.

ergänzend dazu: ein weiterer faktor, um abstände im pressing kurz zu halten, sind die eigenen fähigkeiten im mittelfeld mit ball. wenn man in der lage ist, wenigstens phasenweise im eigenen ballbesitz durch die mitte dominanz zu entwickeln, dann hat man dort auch spieler, die bei ballverlust kurze wege haben. hat man diese spieler - und die dazugehörige spielkultur - jedoch nicht, ist man beim spielvortrag spätestens ab den sechsern darauf angewiesen, den ball über die aussen zu tragen. eine eigene stärke im aufbau durch die zentrale, bringt also spieler in positionen, aus denen heraus bei ballverlust die wege im pressing kurz sind.

Zitat von BVBBC
Dabei gibt aber immer die Kette vor, wo und wie groß diese Zwischenräume sind, da das Mittelfeld sich zwangsläufig an ihr orientieren wird und versuchen wird die Zwischenräume direkt vor der Kette halbwegs zu schließen, wodurch aber die Räume vor dem Mittelfeld freigegeben werden, wodurch das Pressing nicht mehr zielführend ist, sondern der Angriff auch tiefer fallen muss.

womit du schön und kurz beschreibst, wie das verhalten der abwehr zum fundament des gebildes wird, welches sich dann bis ins angriffspressing hinein auswirkt. jetzt könnte man natürlich eine verhaltensänderung der abwehr forcieren, wodurch dann aber die frage in den mittelpunkt rückt, welche fähigkeiten zu welchem verhalten passen... am ende muss man sich dann entscheiden, ob sich das angriffspressing oder die abwehr die blöße gibt.

Zitat von BVBBC
Das hat so etwas von: Wie viele Handwerker benötigt es, um eine Glühbirne zu wechseln?

jup, humor kann helfen, solche dinge besser auszuhalten. (ich mache mich mittlerweile heimlich darüber lustig, in welchem maße sich unserer offensive beim verteidigen und unserer defensive beim spielaufbau anstrengt. zugespitzt: unsere defensive versucht das spiel zu machen und wenn sie den ball verliert, zieht sie sich zurück und unsere offensive verteidigt. mir ist bewusst, dass offensive und defensive diese aufgaben auch übernehmen müssen, aber wie gesagt, es ist phasenweise krass, in welchem maße...)

Zitat von BVBBC
Es ist halt mittlerweile ein gesamtheitliches Problem. Nicht nur die Kette ist zu langsam, sondern im Grunde der komplette Kader, sodass oben geschilderter Ziehharmonikaeffekt auch offensiv seine Konsequenzen hat. Je tiefer man steht, sich da auch reindrücken lässt, ohne Druck auf den Gegner zu bekommen, desto schwieriger wird das Raus- und Nachrücken und desto mehr Spieler benötigt man, die alleine klar kommen, weil sie entweder technisch so überragend sind, dass sie sich durchsetzen können oder so schnell, dass ein Pass ausreichen kann, um sie frei vor das Tor zu bekommen. Davon hat der BVB noch exakt 3 Spieler und 2 davon konnten oder durften gestern nicht - 4 Spieler, wenn man Knauff dazu zählt. Und wenn man hinter die Angriffsreihe blickt, wird das auch nicht viel besser. Das Mittelfeld, in der Besetzung, die man dort spielen lässt (Reyna und Brandt zähle ich daher zum Angriff) ist technisch, bis auf Witsel, Dahoud und Bellingham, nicht gut genug, teils sogar schlecht, wobei aus dem Trio auch keiner schnell ist, trotzdem Dahoud und Bellingham durchaus eine gewisse Dynamik mitbringen. Die Abwehr ist meist entweder dynamisch oder technisch gut, aber seltenst beides - im Grunde nur Akanji und dann folgt Morey schon mit Abstrichen.

genau so daumen-hoch
es ist nicht ein bestimmter spieler, welcher nicht passt, sondern ein problem der nicht zusammenpassenden puzzelteile, denn: wozu sollte ein bestimmter spieler denn nicht passen? zu dem einen trainer und seiner spielweise passt dieser besser, zum nächsten jener. wenn man das auf die spitze treibt, könnte man sagen, dass es bei uns keine unpassenden spieler gibt, weil die "philosophie" fehlt, zu der sie unpassend sein könnten. (was dann natürlich praktisch ist, da man ohne philosophie immer nur passende spieler kaufen kann Zwinkernd)

wenn man sich nun nicht auf einzelne spieler fokussiert, sondern aufs gesamte gebilde, dann wird schnell klar, woran es uns unterm strich mangelt. speed bzw. dynamik und technik, die du ansprichst, wären auch meine ersten beiden kategorien. unsere mannschaft ist, mit blick aufs ganze, zu langsam und zu wenig pressingresistent. (der 3. platz in der "hitliste" gehört bei mir den passfähigkeiten.) wenn wir noch fünf andere finden, die das ähnlich sehen und dann anfangen würden, über einzelne namen zu sprechen, würden wir alle vermutlich andere spieler ersetzen wollen, weil wir am ende doch wieder unterschiedliche vorstellungen davon haben, wie das spiel aussehen soll. jedoch ist es mmn schon arg, dass wir trotz unterschiedlicher vorstellungen vom spiel und trotz anderer spielerwünsche die selben kategorien ausmachen, in denen unser bvb mangel leidet.

•     •     •

ein mensch, der sich ein schnitzel briet / bemerkte, daß ihm das missriet.
jedoch da er es selbst gebraten, / tut er, als wär es ihm geraten.
und, sich nicht selbst zu strafen lügen, / ißt er's mit herzlichem vergnügen.

eugen roth
BVB - Taktik-Thread |#4719
08.03.2021 - 11:15 Uhr
Das hier

Das Tempo bzw. die Variation des Tempos im Anlaufen passten nicht bei allen Spielern optimal. Kurz gesagt: In Folge dieser Faktoren agierten beim Attackieren auf den Ballführenden die beteiligten Spieler nicht immer einheitlich und das Kollektiv dementsprechend nicht in vollster Geschlossenheit.

ist die perfekte Beschreibung unseres kollektiven Problems. Das ist mMn der Stellhebel schlechthin, der zu Beginn von Rose angegangen werden muss: mannschaftliche Geschlossenheit.

•     •     •

"Der natürliche Grundzustand des Fußballfans ist bittere Enttäuschung, egal wie es steht." - Nick Hornby (Fever Pitch)

Nur der BVB!
BVB - Taktik-Thread |#4720
08.03.2021 - 12:20 Uhr


Naja, gerade das Thema Pressing bzw. Anlaufverhalten sind ja Formen, die man bis zum Erbrechen trainieren muss. Da muss dann in der Sommervorbereitung der Fokus drauf gelegt werden und das hat Favre nicht gemacht, da sein Ansatz ein anderer ist. Terzic hat den Spielstil jetzt mitten in der Saison angepasst, aber das reicht halt nicht um Automatismen zu entwickeln, erst Recht nicht wenn man während der englischen Wochen kaum Trainingstage hat. Von daher gebe ich dir Recht, was den Hebel angeht, bin da aber sehr zuversichtlich, da Rose ja in Salzburg und Gladbach schon bewiesen hat, dass er diesen Spielstil erfolgreich implementieren kann.

•     •     •

"Es ist unerträglich, wenn verantwortliche Minister den Eindruck erwecken wollen, angebliche Sicherheitsrisiken könnten durch das Verbot günstigerer Stehplätze minimiert werden. So wird dem sozial Schwächeren sogleich eine höhere Gefährlichkeit unterstellt. Sollten die - noch einigermaßen erschwinglichen - Stehplätze aus den Stadien verbannt werden, würde dies die traditionelle Fußballkultur vernichten. Fußball ist keine Luxus-Lifestyle Ware!"
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