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BVB - Taktik-Thread

20.01.2006 - 12:09 Uhr
BVB - Taktik-Thread |#4921
14.01.2022 - 19:51 Uhr
Zitat von wololo

Zitat von Matan

Zitat von Kunge

Zitat von Matan

***Statistische Analyse zum Thema Geschwindigkeit***
(...)


es gibt kaum eine Statistik die weniger über die Qualität aussagt als ihre maximale Geschwindigkeit, ein Wert der erreicht wird wenn du mindestens 20? m gesprinntet bist, das zeigt auch deine Liste mit WOB und RB auf Platz 3+4 die gleichzeitig im Niemandsland der Tabelle sind


Wenn man nur die Verbindung zwischen Tabellenplatz und Geschwindigkeit zieht, zeigt sich in der Tat keine bedeutende Aussagekraft, da zu viele andere Faktoren den Tabellenplatz beeinflussen. Man darf in der Analyse der Daten allerdings nicht an diesen Oberflächlichkeiten kratzen, sondern muss tiefer gehen.

Des Weiteren ergibt sich eine Korrelation zwischen Antritt und Geschwindigkeit, auch wenn hier Ausnahmespieler wie Messi eine Besonderheit darstellen.

Außerdem gebe ich zu bedenken, dass 10 bis 20 Meter durchaus Strecken sind, die während des Spiels gesprintet werden. Auf manchen Positionen sicherlich häufiger als auf anderen. Daher meine positionelle Trennung der Ergebnisse.


Da stimme ich dir voll zu. Niemand wird behaupten, dass Geschwindigkeit, das einzige ist, was zählt. Aber es ist unbestritten, dass Fußball immer athletischer wird und wer von den wirklich großen Offensivspielern der letzten zehn, fünfzehn Jahren oder so war nicht schnell? Die Topteams haben lange erkannt, dass Geschwindigkeit eine unverzichtbare Waffe ist. Und mehr und mehr wird es auch allen klar, dass Geschwindigkeit in der Defensive ebenso notwendig ist. Eine Mannschaft kann sich mehr Risiko und auch mehr Fehler erlauben, wenn die Defensive schnell genug ist, das zu kompensieren. Bei uns wird ein Fehler gemacht und bis auf Akanji keiner kommt mehr hinterher.
Und was den Tabellenplatz angeht, es geht bei der Geschwindigkeitsdebatte um den Vergleich mit Topteams. Dazu zähle ich jetzt den Großteil der Bundesligisten nicht. Anders als 14 Bundesligisten sind die Topteams uns fußballerisch mindestens ebenbürtig, aber meinem Empfinden nach sind sie häufig deutlich schneller.


Messi, Lewandowski, Ibra, Cavani, de Bryne, Xavi, Injesta, Müller, Deco etc. pp
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Kunge am 14.01.2022 um 19:53 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#4922
21.01.2022 - 20:56 Uhr
Die Diskussion zu Guerreiro dreht sich meines Erachtens immer weiter im Kreis, daher nur zu dem Absatz nochmal kurz etwas:

Zitat von barcaberlin

Jetzt haengst du mich wirklich ab. 9 Punkte in 10 Minuten wenn man es gewichtet? Kannst du das noch mal erklaeren vielleicht ist deine Berechnung wirklich ganz anders als ich erwartet habe.

In meinem Kopf sollte das 1/9 Punkt sein der in die Gesamtbewertung irgendwie mit einfliesst, waehrend Guerreiro halt 0 Punkte bekommt, wenn es eine Niederlage ist. Insgesamt wuerde man dass dann aber noch ueber die Gesamtspielzeit normieren, so dass man irgendwas wie Punkte pro 90 Spielminuten bekommt.

Wenn man allerdings annimmt, dass die Ergebnisse sowieso nicht genuegend von dem einen Spieler beeinflusst werden, dann sollten wir vielleicht die generelle Diskussion ueber das Thema lassen. Zumindest lese ich das jetzt bei dir so ein wenig raus wenn du schreibst dass die Ergebnisse andersrum wohl die selben gewesen waeren.



Wenn man es berechnet, wie du es vorschlägst, kommt man bei Guerreiro auf einen Punkteschnitt von 2,10, bei Schulz auf einen Punkteschnitt von 2,06.

______________________________________________________________________

Ansonsten möchte ich den folgenden Teil gerne mal in diesem Thread diskutieren:



Fuer mich gibt es bei der Dreierkette sowohl den defensiven als auch den offensiven Aspekt wo es eine Rolle spielen kann.

Defensiv glaube ich nicht, dass sie extrem viel aendern wuerde weil wir mit Guerreiro oftmals sowieso schon sehr assymetrische Systeme spielen wo man versucht seine Defensivschwaeche irgendwie zu verstecken. Sei es dass wie gegen Pauli Guerreiro teilweise eine Wildcard-Rolle bekommt und dafuer Meunier und Witsel sehr tief agieren oder sei es wie letztes Jahr wo dann halt Can die 6er Rolle teilweise extrem tief intepretiert oder ein Delaney auf der Doppelsechs nach hinten wegkippt um Guerreiro abzusichern. All das sind meiner Meinung nach Aushilfskonstrukte die geschaffen werden um sicherzustellen, dass man trotz allem eine vernuenftige Restverteidigung hat und die Anzahl der Spieler die sich um die Restverteidigung kuemmern ist dabei meist nicht so wahnsinnig verschieden in meiner Wahrnehmung.



Gehe ich mit, wobei es eine Wechselwirkung mit der Delaney Rochade gab, indem Guerreiro dafür dessen Pflichten im Aufbauspiel wahrnahm, die Delaney nicht ausreichend wahrnehmen konnte und letztendlich auch dazu geführt haben, dass man ihn vor der Saison abgab.



Der groessten Unterschied wuerde ich daher vor allem darin sehen, dass eben in der Restverteidigung tatsaechliche IV sind (nicht bspw. Delaney oder Meunier) und das man sicherstellt, dass Hummels nicht wie bei dem Meunier oder Can Konstrukt dann auf einmal auf die LIV rueckt und den Platz hinter Guerreiro absichern muss in dem man schoen lange Baelle auf die Fluegelspieler spielen kann ohne das der Torwart da ins Gehege kommt. Das tiefe Abfallen der Kette sehe ich vor allem in den Momenten wo Hummels veraengstigt scheint, dass es eventuell zu einem Laufduelle kommen koennte. Ein Beispiel dafuer ist zum Beispiel die Bewegung von Hummels vor dem 1:0 von Pauli wo er im Prinzip vorfristig antizipiert, dass der Gegner eventuell aufdrehen konnte und in den Sprint gehen, so dass er anstatt ihn bei der Ballannahme unter Druck zu setzen sich nach hinten absetzt und dann nieder wieder Druck auf den Spieler bekommt und die Kompaktheit des Pressing komplett zerstoerst wo mehrere Spieler auf engstem Raum eigentlich versuchen Druck auszuueben. Wenn Hummels in der Mitte spielt erscheint mir das Risiko dieser Baelle aber deutlich verringert weshalb ich eher weniger tiefes Fallen erwarten wuerde und wenn dann nur um eben hinter dem draufgehenden Spieler einzusammeln.



Hummels agiert ja schon absichernd, als der Ball von Hazard abprallt und setzt sich nach hinten ab. Bis dahin stand er vor seinem Mann. Da ist noch gar nicht absehbar, wo etwas passiert, weil Guerreiro auch absichernd agierte und zwischen Mann und Tor war - also wo er sein musste. Dass Guerreiro dann kurz rausblitzt, ist in meinen Augen auch nichts, was falsch läuft, da der Pass zu seinem Mann unmöglich ist und an sich ist das Timing auch ganz gut, weil Becker kurz davor stand von Hazard Druck zu bekommen - eigentlich aber hätte auch noch von Bellingham Druck kommen müssen, der nicht dran bleibt. Das Rausblitzen von Guerreiro verändert die Situation dann natürlich nochmal für Hummels, sodass das Absichern nach hinten erst mal alternativlos ist, weil genug Mann da sind, die Druck aufbauen können, sodass er nix riskieren muss.

Hummels setzt sich dabei etwas zu weit zur Linie ab und nicht nur nach hinten, was für mich zu weit war, selbst wenn man vermuten kann, dass er befürchten musste, dass Guerreiro nicht dran bleibt oder zumindest einen Moment zu lange benötigt, um wieder dran zu kommen - was nicht der Fall war. An sich macht das aber die defensive Kompaktheit noch nicht notwendigerweise kaputt, wie auch das Verhalten von Guerreiro nicht dafür sorgt. Bis auf das Rausschieben zur Linie von Hummels, ist das eigentlich alles ganz gut gewesen bis hierhin. Witsel sieht dann schlecht aus, weil er sich in dem Moment eigentlich zerreißen muss. Einerseits muss er entscheiden, ob er die Mitte zumacht, die Hummels aufmacht oder er muss auf Irvine drauf, andererseits lässt ihn da Bellingham im Stich, da er immer noch nicht vernünftig Becker zustellt. Witsel versucht erst die Mitte zuzumachen, blitzt dann aber wieder raus, spekuliert damit zu sehr auf den Pass zu Becker, obwohl er in dem Moment nicht abgesichert ist, sondern sich dazu entschied die Absicherung zu sein und damit geht die Mitte erst recht auf, weil Hummels noch nicht wieder zurück ist und Hazard auch noch nicht da, der grundsätzlich aber der einzige ist, der hier komplett aktiv bleibt und richtig zum Mann zu gehen versucht.

Bellingham ist schließlich weiterhin nicht dabei, Brandt hat die Lücke zu Amenyido nicht zugelaufen - ist nach seinem Pressing, das zum Hazard Abpraller führte, zu lange aus der Szene ausgestiegen -, wodurch Akanji die Mitte nicht zumachen konnte, weil er Bindung zu unserem ehemaligen Jugendspieler halten musste. Nach dem Pass sind dann alle zu weit weg vom Mann oder ziehen nicht ausreichend durch, weil die das in Überzahl an der Linie nicht geregelt bekommen - Reus würde ich hier noch ausklammern, da er sogar noch zu retten versucht, was für ihn eigentlich nicht mehr zu retten ist. Für mich hat das daher hauptsächlich das Mittelfeld verbrochen. Zumal es bspw. auch mit Can statt Witsel und vor allem mit Dahoud ganz anders gelaufen wäre, weil die irgendwo drauf gegangen wären, sodass die Situation für die Kette wieder anders zu antizipieren gewesen wäre, sodass das auch etwas mit Abläufen zu tun hat - ob das besser gewesen wäre, wäre aber natürlich zu beweisen. Hummels agiert hier aber in seinem Verhalten konsistent und bis auf das Rausschieben zur Linie ist das aus dem Schulbuch.

Das ist zudem eine Situation, die bei 3er Kette meines Erachtens genauso passieren kann, auch wenn Hummels dann vielleicht nicht so nah an der Linie agiert - kann aber auch bei 3er Kette passieren, insbesondere mit einem daneben Hybrid, der schon mal in Guerreiros Position schieben muss -, was aber nicht besser ist, sondern eher schlechter. Wenn Hummels bspw. schon Angst hat mit Hilfe der Linie überlaufen zu werden, dann hat er die Angst in der Mitte erst recht. Geht er drauf und kommt nicht vernünftig in den Zweikampf, weil der Gegenspieler überall hin kann und beweglicher ist, macht absichernd agieren und auf Hilfe vom DM warten, wenn er eh schon im Raum ist, mehr Sinn. Der AIV wird schließlich kaum nach innen helfen können an der Stelle, sondern selbst seinen Mann haben - kluge Gegner ziehen den AIV dann zudem nach außen weg, sodass Hummels zentral isoliert wird. Zumal Hummels die initiale Absicherungsbewegung fast immer drin hat, weil er nicht mehr bedingungslos beweglich genug ist, um am Mann dran zu bleiben, sobald der Gegner ins Kurzpassspiel kommt, sodass er auch desöfteren dann beim Rausrücken, wenn er sich dann doch entscheidet den Zweikampf nach vorne zu verteidigen, zu spät kommt. Das sollte dann halt vor allem zentral nicht passieren, wenn er der letzte Mann ist, auf dem kürzesten Weg zum Tor. Schließlich kann er sich nicht mehr davon erholen, wenn er nicht in den Zweikampf kommt, da er dann in aller Regel raus ist.

Vielleicht hat Hummels dann etwas mehr Vertrauen in den Nebenmann und den 6er, wodurch er bedingungslos direkt in den Zweikampf geht und gar nicht erst auf das Aufdrehen spekuliert, wenn er den aber verliert oder damit das Aufdrehen ermöglicht, ist er in der Situation jedoch aufgeschmissen und wenn die Absicherung nicht schon da ist, was bei einem um einen Mann reduzierten Mittelfeld umso mehr passieren kann, ist der Mann vielleicht schon durch. Vielleicht greifen dann noch die AIV dank ihrer Geschwindigkeit ein, aber wenn die selbst einen Mann haben, hat der Gegner durch das Verhalten eine Überzahl, die sie in der Situation kurz zuvor noch gar nicht bekommen hätten, wenn Hummels sich absichernd verhalten hätte. Dass so viele kleine und große Fehler in der Szene drin sind, um ein 5gg3 nicht verteidigt zu bekommen, weil man zu passiv bleibt, macht mir zudem auch grundsätzlich keinen Mut, dass eine höhere Kompaktheit durch die 3er Kette möglich wird. Dafür hat das in der Szene zu viel mit individuellem Verhalten zu tun. Mal abgesehen davon, dass Guerreiro hier in der Szene defensiv noch am wenigsten falsch macht, falls überhaupt.



Umgedreht sieht man das tiefe Absetzen der Kette aber auch oft wenn wir selbst im Ballbesitz sind womit wir dann bei den offensiveren Aspekten sind. Hier sehe ich die Problematik vor allem darin, dass viele unserer Gegner erfolgreich identifiziert haben, dass wir ihn ziemliche Probleme geraten, wenn sie fruehzeitig drauf gehen. Dadurch dass Hummels sich nicht mehr traut mit Ball zu marschieren auf Grund der Angst durch Speed doch vom Ball getrennt zu werden, Akanji das Mittel leider trotz eigentlich guter Anlagen nicht hauefig genug nutzt und Can wenn er es nutzt sich oftmals dann verrennt, weiss der Gegner im Prinzip dass es reicht Passoptionen zuzustellen und dann Druck auf den Ballfuehrenden zu machen. Wir haben dann im Prinzip nur die 3 Optionen:
1. Spieler aus der IV setzen sich nach hinten ab um entweder selber frei zu werden oder Passwege aufzumachen
2. Offensivspieler fallen tiefer um zusaetzliche Anspielstationen zu schaffen
3. IV marschiert mit Ball in die entstehenden Luecken



4. Man bildet eine asymmetrische 3er Kette

Eigentlich machen wir das sogar recht oft. Meist kippt der DM zwischen die Kette, was natürlich nicht nach deiner Vorstellung ist, da du Hummels ja zentral haben möchtest, aber theoretisch lässt sich das ja auch problemlos so anlegen, dass der DM zur Seite abkippt, wenn man das denn möchte. Zuletzt haben wir teils im Aufbau aber auch schon immer mal wieder eine 3er Kette gesehen, indem der AV einrückt und der gegenüberliegende AV dann die Breite herstellt sowie der OA auf der Seite des einrückenden AV die Linie etwas tiefer besetzt.

Wobei OA eben auch relativ ist. Bis auf Hazard hat man schließlich keinen und für die Schienen hat man jetzt auch nur noch Meunier und Schulz dazu - meines Erachtens wären das in der Liga aber für beide zu viel offensive Verantwortung in der Ballprogression. Guerreiro und Morey ziehen als Schienen auch lieber ins Zentrum, was kritisch ist, weil sie damit das Zentrum weiter verdichten und die Außenbahn verwaist oder die OA - die weiterhin nun mal keine sind - lange Wege schneller zurücklegen müssen. Mal abgesehen vom Tempodefizit. Daher halte ich eine 3er Kette allein wegen der schwierigen Besetzung der Schienen nicht besonders ratsam. Letztendlich sollte man so aber eigentlich auch sogar noch bessere Möglichkeiten im Aufbau haben, als eh schon, um genau das zu machen, was du vorschlägst, weil man Spieler abkippen lässt, die normal eh eine Position höher agieren und somit komfortabel damit umgehen können sollten, wenn sie aus einer tieferen Position anschieben.

Grundsätzlich sehe ich aber das größere Problem darin, dass bei uns einzelne Stationen im Aufbau recht ungefährlich sind, sodass sie der Gegner entweder deswegen gerne an den Ball kommen lässt, weil danach wenig passiert oder aber Pressingfallen gegen diese Spieler gestellt werden. Der Aufbau des BVB ist daher gut leitbar, was ein Problem ist, das die 3er Kette nicht unbedingt löst, da es hier meist um individuelle Fähigkeiten geht. Das muss mit einem LIV-Hybrid, selbst wenn er im Aufbau richtig gut ist, nicht verbessert sein, falls dafür dann eben ein genauso guter Aufbauspieler weichen muss. Dazu ist die Flexibilität weg, die Anspielstationen werden weniger und die Gegner werden es einfacher haben weiter hinten kompakt auf den BVB zu warten. Zumal wir hauptsächlich dann Probleme bekommen, wenn das Mittelfeldpressing des Gegners funktioniert. Nominelle Überzahl im Mittelfeld würde das erleichtern.



Meiner Wahrnehmung haben wir fast immer die ersten beiden Optionen gewaehlt wodurch das Pressing im Prinzip nur positive Folgen fuer die Gegner hatte. Entweder schafften sie es dass die Abstaende zwischen Mannschaftsteilen bei uns groesser wuerden und damit Raum fuer Kombinationen vor der Abwehr geschaffen wurde oder aber sie schafften es dass wir neben dem IV fuer die Dreierkette noch einen Spieler nach hinten zogen, was das verteidigen vorne deutlich einfach macht. All dies basiert aber auf der Grundueberzeugung, dass der BVB eben fast nie Option 3 waehlen wuerde. So konnte man beruhigt Raeume offen lassen und hat sich auf die Passwege konzentriert, aber wenn da jemand ist der die Raeume aktiv attackiert und damit der Gegner Gefahr laeuft dass der BVB ohne grosses Risiko komplette Pressinglinien aushebelt, dann wird die Kosten-Nutzen-Rechnung auf einmal ganz anders fuer den Gegner. Hier sehe ich das grosse Potential von AV/IV Hybriden. Hatte neulich dazu auch schon mal einen Post aufgeschrieben, wo man sieht dass auch bei anderen Mannschaften der Trend extrem dorthin geht, dass die Dreierkette sehr offensiv besetzt wird um die Nachteile des verlorenen Manns wett zu machen. Hier haben wir meiner Meinung bei Piszczek schon teilweise gesehen wie das aussehen kann, wenn jemand sich die entstehenden Raeume zu gute macht und auch Can hat da schon mehrfach gezeigt, dass die Raeume da sind nur dass leider seine Lauefe oftmals etwas zu blind sind und er die Anspielstation nicht findet um dann wirklich daraus Profit zu schlagen.



Meines Erachtens haben wir aber kaum Bälle verloren, weil wir hinten in Unterzahl waren und zu viel Druck hatten, um dort rauszuspielen - abgesehen von den Spielen gegen die Gladbach, Bayern und RB -, sondern vorne in Isolationen festhingen, aus denen wir uns nicht befreien konnten und für die vor allem die Anschlussstationen fehlten, von denen Roses Ballvortrag extrem abhängig ist. Bei einer 3er Kette würde ich befürchten, dass die Nachrücker früher abstoppen als bisher, weil ein AIV nicht so sehr in die Tiefe mitgeht, wie ein 6er oder erst recht ein 8er, den man für den AIV wahrscheinlich opfern würde, wodurch die Isolationen umso effektiver würden und folglich das Spiel erst recht auseinanderdriftet. Dadurch würden dann auch nochmal dynamische Defizite beim BVB gefördert werden, wo sie bestehen.

Ich gebe dir recht, dass eine 3er Kette nicht grundsätzlich defensiv sein muss und es mittlerweile sehr gute Beispiele gibt, wie solche Systeme sehr offensiv interpretiert werden können. Ich sehe das aber nicht so einfach auf unser Personal, selbst mit einem passenden IV-AV-Hybrid übertragbar und noch schwieriger auf das System von Rose zu übertragen. Viele Dinge, die bspw. ein Gasperini macht, sind extrem weit weg von Roses Grundprinzipien.
BVB - Taktik-Thread |#4923
22.01.2022 - 12:25 Uhr
Mich würden taktische Einschätzungen zum Pokalspiel interessieren.

Rose sprach den schlechten Start ins Spiel an. Ich meine, als Grund nannte er die Einstellung. Hier im Taktik-Thread interessiert mich aber die Aussage, dass wir Pauli in einer 4-Raute-2 Verteidigung erwartet hatten. Stattdessen verteidigte Pauli aber in einem klaren 4-4-2.
Sind irgendjemand taktische Anpassungsprobleme zu Beginn aufgefallen?

Das andere ist, welche taktischen Möglichkeiten Rose in dem Spiel gehabt hätte.
Genau wie Rose auf der Pressekonferenz sagte, fand ich, dass unsere Struktur weitestgehend gut war. Die Räume wurden besetzt und die Abstände stimmten. Außer wenn Pauli phasenweise mutiger agierte. Dann brauchten wir, meiner Meinung nach, zu lange, um in Position zu kommen.
Durch Paulis Taktik waren die Räume für uns zentral ziemlich dicht. Für unser Mittelfeld und Reus ging dort nicht viel. Haaland konnte nur selten einbezogen werden. Gute Ansätze machte er dann auch noch durch technische Mängel zunichte. Ich denke aber, dass hier die schlechten Platzverhältnisse einen entscheidenden Anteil daran hatten.
Jedenfalls ging zentral fast nichts. Außen und im Aufbau gab es dafür Platz. Da Paulis erste Pressinglinie aus den beiden Stürmern bestand, konnte unsere IVs nicht maschieren. Aber Hummels konnte immerhin einmal seinen Platz nutzen, um einen Traumpass auf Reus zu dessen Großchance zu spielen.
Platz hatten am Ball nur Guerreiro, Meunier und Hazard, denke ich. Aber alle hatten dann eine Menge Paulianer vor sich.

Ich hätte den größten Hebel, um Paulis Abwehr zu knacken, über die Außen gesehen. Die meisten Chancen wurden, glaube ich, über Guerreiro und Malen eingeleitet. Hazard konnte den Raum an der linken Seite leider nicht so nutzen wie Malen. Ein Sancho wäre in dem Spiel natürlich ein Brett gewesen.
Rechts hatten wir nichts vergleichbares zu links. Meunier kann natürlich nicht die Kreativität von Guerreiro einbringen. Bei Meunier sind es nur die Läufe und Flanken, die er dann zu bieten hat. So wurde er auch einmal rechts im Strafraum freigespielt, typischerweise durch eine feine Aktion von Guerreiro.
Ich denke, es wäre eine Möglichkeit gewesen, die rechte Seite klarer zu besetzen. Reus ist in dem dichten Abwehrnetz untergetaucht. Vielleicht hätte Rose Hazard nach rechts ziehen und Malen für Reus bringen sollen?
Allerdings ist Reus eben immer für entscheidende Aktionen gut (siehe seine Großchance) und Hazard hatte auch nichts gerissen.
Mit Tigges hätten wir dann vielleicht auch noch einen zweiten physischen Stürmer für einen Achter bringen und die Flankenanzahl erhöhen können.

Insgesamt denke ich, dass Pauli in der Verteidigung sehr zentrumsfokussiert war und die Lösung daher eher auf den Außenbahnen lag. Aber dort haben wir wenig Möglichkeiten.

PS: In so einem Spiel halte ich dann Guerreiro für sehr wichtig. Inwieweit er für uns passend ist, wird ja gerne diskutiert. Das ist so ein Spiel, in dem er uns sehr helfen kann, meiner Meinung nach.
BVB - Taktik-Thread |#4924
22.01.2022 - 13:24 Uhr
@BVBBC u.a.

Eine exemplarische Szene dafür, dass beim BVB häufig durch eigentlich aggressives, aber dann doch unterbestimmtes Pressing/Gegenpressing und missratene Aufbau- und Defensivarbeit im Mittelfeld durch ungenaues Passspiel, ineffektives Tackling und Reaktionsverzögerung nach Ballverlust die angestrebte Dominanz misslingt und sich ins Gegenteil verkehrt, v.a. wenn Guerreiro gar keinen LV mehr, sondern eine Mischung als LOM und LA spielt, ist das 2:0 von St. Pauli durch Unglücksrabe Witsel, dass dann zusätzlich die massive Geschwindigkeitsproblematik von Hummels und Witsel sowie die Unabgestimmtheit in einer Viererkette ohne Guerreiro verdeutlicht.

Die Szene entwickelt sich folgendermaßen:

Ein eigentlich mutiges Pressing bei Torwartabstoß von St. Pauli ist deshalb ineffektiv, weil zwar sechs (!) BVB-Spieler beteiligt sind (deshalb mutig), aber alle sechs beim Anlaufen deutlich zu weit vom jeweiligen Gegenspieler entfernt sind und sich auch nicht hinreichend als Pressinggruppe koordinieren. In dieser Szene ist Bellingham der ineffektivste Pressingspieler, weil er den entscheidenden vorletzten Pass der Hamburger nahezu widerstandslos zulässt, bevor der erste entscheidende steile Pass St.Paulis aus der eigenen Hälfte in die Dortmunder Hälfte erfolgt.

Die Lage ist nun folgende (aus BVB-Sicht):

Haaland, Reus, Brandt, Hazard, Bellingham und (Achtung!) Guerreiro auf LA (ziemlich weit vorne) sind ausgespielt und befinden sich alle in der gegnerischen Hälfte. Beim vertikalen Pass befinden sich drei Hamburger im Vorwärtsspeed auf die vier verbliebenen BVBler, mit ziemlich großer Lücke zu den ausgespielten Dortmundern. Diese vier sind Hummels, der wegen Abwesenheit von Guerreiro nun eigentlich den klaren LV geben müsste, Witsel, der den LIV gibt, Akanji, der eigentlich RIV ist und Meunier, der LV ist.
Auf Hummels linker Seite prescht auf der Außenbahn ein Spieler vor, der schon etwas vor Hummels ist. Hummels allerdings ist nicht nah bei ihm, sondern sozusagen auf halb-halblinks wie ein Hybrid aus LV und LIV. Auf halblinks ist ein Hamburger, der Witsel an der Mittellinie entwischt ist, am weitesten vorne. Akanji, der das Geschwindikeitsproblem von Witsel und Hummels kennt, hat aus der Mitte kommend, diesen Spieler auf halblinks bereits von der Seite kommend im Visier. Meunier deckt den auf halbrechts laufenden Hamburger.
Der vertikale Pass geht nicht auf den Außenspieler der Hamburger, was noch gefährlicher geworden wäre, weil Hummels bereits etwas hinterherhängt und zu weit vom Mann entfernt ist, sondern auf den halblinks stürmenden Hamburger. Akanji entschärft den Pass, indem er ihn abläuft, vor dem Hamburger an den Ball kommt und zurück zu Kobel spielt. Akanji entlastet hier den langsamen Witsel.

Als Kobel den Ball bekommt, sind die drei St.Paulianer automatisch sehr hoch stehende Pressingspieler und pressen auch. Kobel entscheidet sich deshalb für direktes Wiederanspiel von Akanji, der eng angelaufen wird, nur eine mittelprächtige Ballannahme zustandebringt und einen ungenauen Pass Richtung Außenlinie spielt. Hummels kann diesen Ball an der Linie noch so gerade erreichen und spielt an der Linie entlang nach vorne, wo inzwischen (!) Guerreiro und auf halblinker Position auch Brandt und etwas mehr zur Mitte hin Bellingham zurücktrabend angekommen sind. Nun blitzt kurz die Klasse der BVB-Spieler auf. Guerreiro auf Brandt, Brandt auf Guerreiro, Guerreiro auf Bellingham im One-Touch-Modus trotz St. Pauli-Pressing.

Jetzt könnte die Post nach vorne abgehen, denn nun hat St.Pauli sechs Spieler in der Dortmunder Hälfte und vier Dortmunder ihn der eigenen Hälfte gegen sich (allerdings gibt es keine so große Lücke zwischen den Mannschaftsteilen bei den Hamburgern wie häufig bei den Dortmundern).

Was machen die Dortmunder (einschließlich Haaland)? Sie sprinten nicht nach vorne, sondern laufen oder traben auf halbrechts (Hazard), Mitte (Haaland) und halblinks (Reus und der heranlaufende Brandt) und schauen, was sich da so entwickelt. Bellingham spielt einen schlampigen Vertikalpass über etwa 10 Meter auf Reus, ohne auf dessen Laufweg zu achten, Reus kann den Ball nicht annehmen, versucht es aber doch und fällt. (Der Vorgang des Aufstehens dauert übrigens 5 Sekunden). Ein Paulianer nimmt den Ball auf und spielt ihn, leicht bedrängt von Bellingham, vertikal über 10 Meter in die halblinke BVB-Hälfte hinter der Mittellinie, wo sich wie selbstverständlich Guerreiro nach dem famosen Passspiel mit Brandt befindet. Guerreiro springt auf den ballannehmenden Hamburger zu. Der deckt den Ball ab und leitet ihn an den einlaufenden Passgeber weiter. Guerreiro springt am Spieler vorbei, ziemlich genau auf der Mittellinie landend.

Reus (inzwischen wieder stehend), Haaland soundso, Brandt, Bellingham und Guerreiro nach missglücktem Gegenpressing orientieren sich gehend oder im Jogging-Stil nach hinten. Der einzige, der einen Rückwärtssprint anzieht, ist Hazard.

Nun stürmen fünf Paulianer auf links und halblinks gegen die eigentliche Viererkette, also ohne Guerreiro, bestehend aus Hummels, der wieder LV spielen müsste, aber halblinks steht und auf den ballführenden Spieler schaut, sodass der Außenbahnspieler von St. Pauli ungedeckt ist, Akanji auch halblinks, der den ballführenden Spieler erwartet, aber nicht angreift (ca. 5 m Abstand), Witsel auch halblinks, aber noch etwas weiter zur Mitte als Akanji, in der Meunier ebenfalls zurückläuft. Hazard versucht zumindest im Rückwärtssprint den 6. Paulianer auf halbrechts aus BBVB-Sicht aufzunehmen, kann ihm aber nicht näher kommen, sodass der Abstand von etwa 6-7 Metern bestehen bleibt.
Die Viererkette bleibt auf einer Höhe und stellt damit einen vorpreschenden Hamburger ins Abseits.

Der ballführende Hamburger schlägt einen halbhohen Pass zwischen Akanji und Hummels hindurch ungefähr auf die Strafraumecke, der ungedeckte Außenspieler kann den Ball ungehindert annehmen, wird vom zurückrennenden Hummels nicht mal im Ansatz erreicht und kann ungehindert an den Fünfmeterraum flanken.
Akanji noch ein wenig in der Vorwärtsbewegung gegen den Passgeber, dreht ich sehr schnell und sprintet los, sieht sich aber chancenlos und bricht ab. Witsel mit seiner begrenzten Geschwindigkeit versucht alles, um rechtzeitig da zu sein und grätscht die Flanke auf den Hosenboden fallend ab, weil er hinter bzw. neben sich den ehemals ins Abseits gestellten Hamburger einschussbereit vermutet, was im Prinzip stimmt, aber Kobel ist schon sehr nah an diesem Spieler dran. Die "Hosenbodengrätsche misslingt, der Ball fliegt nicht ins Aus, sondern ins Tor.

Die lange Beschreibung zeigt eine Menge der BVB-Probleme innerhalb von 43 Sekunden.

Gegner, die ruhig und kompakt bleiben, sich nicht von kurzer Spitzenqualität im BVB-Spiel beeindrucken lassen, schnelle Spieler haben und schnell nach vorne spielen, haben gegen den BVB Chancen, eine Niederlage zu verhindern oder eben auch zu gewinnen. Das ist in dieser Saison wettbewerbsübergreifend 10 Vereinen in 28 Spielen gelungen. Auffällig ist, dass der BVB in diesen 10 Spielen 9 Niederlagen hinnehmen musste. Das passt zu diesen 43 dargestellten Sekunden des Spiels gegen St. Pauli perfekt. Sie sind exemplarisch.

•     •     •

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; 
aber soviel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.
Georg Christoph Lichtenberg
BVB - Taktik-Thread |#4925
22.01.2022 - 13:45 Uhr
Zitat von arche
@BVBBC u.a.

Eine exemplarische Szene dafür, dass beim BVB häufig durch eigentlich aggressives, aber dann doch unterbestimmtes Pressing/Gegenpressing und missratene Aufbau- und Defensivarbeit im Mittelfeld durch ungenaues Passspiel, ineffektives Tackling und Reaktionsverzögerung nach Ballverlust die angestrebte Dominanz misslingt und sich ins Gegenteil verkehrt, v.a. wenn Guerreiro gar keinen LV mehr, sondern eine Mischung als LOM und LA spielt, ist das 2:0 von St. Pauli durch Unglücksrabe Witsel, dass dann zusätzlich die massive Geschwindigkeitsproblematik von Hummels und Witsel sowie die Unabgestimmtheit in einer Viererkette ohne Guerreiro verdeutlicht.

Die Szene entwickelt sich folgendermaßen:

Ein eigentlich mutiges Pressing bei Torwartabstoß von St. Pauli ist deshalb ineffektiv, weil zwar sechs (!) BVB-Spieler beteiligt sind (deshalb mutig), aber alle sechs beim Anlaufen deutlich zu weit vom jeweiligen Gegenspieler entfernt sind und sich auch nicht hinreichend als Pressinggruppe koordinieren. In dieser Szene ist Bellingham der ineffektivste Pressingspieler, weil er den entscheidenden vorletzten Pass der Hamburger nahezu widerstandslos zulässt, bevor der erste entscheidende steile Pass St.Paulis aus der eigenen Hälfte in die Dortmunder Hälfte erfolgt.

Die Lage ist nun folgende (aus BVB-Sicht):

Haaland, Reus, Brandt, Hazard, Bellingham und (Achtung!) Guerreiro auf LA (ziemlich weit vorne) sind ausgespielt und befinden sich alle in der gegnerischen Hälfte. Beim vertikalen Pass befinden sich drei Hamburger im Vorwärtsspeed auf die vier verbliebenen BVBler, mit ziemlich großer Lücke zu den ausgespielten Dortmundern. Diese vier sind Hummels, der wegen Abwesenheit von Guerreiro nun eigentlich den klaren LV geben müsste, Witsel, der den LIV gibt, Akanji, der eigentlich RIV ist und Meunier, der LV ist.
Auf Hummels linker Seite prescht auf der Außenbahn ein Spieler vor, der schon etwas vor Hummels ist. Hummels allerdings ist nicht nah bei ihm, sondern sozusagen auf halb-halblinks wie ein Hybrid aus LV und LIV. Auf halblinks ist ein Hamburger, der Witsel an der Mittellinie entwischt ist, am weitesten vorne. Akanji, der das Geschwindikeitsproblem von Witsel und Hummels kennt, hat aus der Mitte kommend, diesen Spieler auf halblinks bereits von der Seite kommend im Visier. Meunier deckt den auf halbrechts laufenden Hamburger.
Der vertikale Pass geht nicht auf den Außenspieler der Hamburger, was noch gefährlicher geworden wäre, weil Hummels bereits etwas hinterherhängt und zu weit vom Mann entfernt ist, sondern auf den halblinks stürmenden Hamburger. Akanji entschärft den Pass, indem er ihn abläuft, vor dem Hamburger an den Ball kommt und zurück zu Kobel spielt. Akanji entlastet hier den langsamen Witsel.

Als Kobel den Ball bekommt, sind die drei St.Paulianer automatisch sehr hoch stehende Pressingspieler und pressen auch. Kobel entscheidet sich deshalb für direktes Wiederanspiel von Akanji, der eng angelaufen wird, nur eine mittelprächtige Ballannahme zustandebringt und einen ungenauen Pass Richtung Außenlinie spielt. Hummels kann diesen Ball an der Linie noch so gerade erreichen und spielt an der Linie entlang nach vorne, wo inzwischen (!) Guerreiro und auf halblinker Position auch Brandt und etwas mehr zur Mitte hin Bellingham zurücktrabend angekommen sind. Nun blitzt kurz die Klasse der BVB-Spieler auf. Guerreiro auf Brandt, Brandt auf Guerreiro, Guerreiro auf Bellingham im One-Touch-Modus trotz St. Pauli-Pressing.

Jetzt könnte die Post nach vorne abgehen, denn nun hat St.Pauli sechs Spieler in der Dortmunder Hälfte und vier Dortmunder ihn der eigenen Hälfte gegen sich (allerdings gibt es keine so große Lücke zwischen den Mannschaftsteilen bei den Hamburgern wie häufig bei den Dortmundern).

Was machen die Dortmunder (einschließlich Haaland)? Sie sprinten nicht nach vorne, sondern laufen oder traben auf halbrechts (Hazard), Mitte (Haaland) und halblinks (Reus und der heranlaufende Brandt) und schauen, was sich da so entwickelt. Bellingham spielt einen schlampigen Vertikalpass über etwa 10 Meter auf Reus, ohne auf dessen Laufweg zu achten, Reus kann den Ball nicht annehmen, versucht es aber doch und fällt. (Der Vorgang des Aufstehens dauert übrigens 5 Sekunden). Ein Paulianer nimmt den Ball auf und spielt ihn, leicht bedrängt von Bellingham, vertikal über 10 Meter in die halblinke BVB-Hälfte hinter der Mittellinie, wo sich wie selbstverständlich Guerreiro nach dem famosen Passspiel mit Brandt befindet. Guerreiro springt auf den ballannehmenden Hamburger zu. Der deckt den Ball ab und leitet ihn an den einlaufenden Passgeber weiter. Guerreiro springt am Spieler vorbei, ziemlich genau auf der Mittellinie landend.

Reus (inzwischen wieder stehend), Haaland soundso, Brandt, Bellingham und Guerreiro nach missglücktem Gegenpressing orientieren sich gehend oder im Jogging-Stil nach hinten. Der einzige, der einen Rückwärtssprint anzieht, ist Hazard.

Nun stürmen fünf Paulianer auf links und halblinks gegen die eigentliche Viererkette, also ohne Guerreiro, bestehend aus Hummels, der wieder LV spielen müsste, aber halblinks steht und auf den ballführenden Spieler schaut, sodass der Außenbahnspieler von St. Pauli ungedeckt ist, Akanji auch halblinks, der den ballführenden Spieler erwartet, aber nicht angreift (ca. 5 m Abstand), Witsel auch halblinks, aber noch etwas weiter zur Mitte als Akanji, in der Meunier ebenfalls zurückläuft. Hazard versucht zumindest im Rückwärtssprint den 6. Paulianer auf halbrechts aus BBVB-Sicht aufzunehmen, kann ihm aber nicht näher kommen, sodass der Abstand von etwa 6-7 Metern bestehen bleibt.
Die Viererkette bleibt auf einer Höhe und stellt damit einen vorpreschenden Hamburger ins Abseits.

Der ballführende Hamburger schlägt einen halbhohen Pass zwischen Akanji und Hummels hindurch ungefähr auf die Strafraumecke, der ungedeckte Außenspieler kann den Ball ungehindert annehmen, wird vom zurückrennenden Hummels nicht mal im Ansatz erreicht und kann ungehindert an den Fünfmeterraum flanken.
Akanji noch ein wenig in der Vorwärtsbewegung gegen den Passgeber, dreht ich sehr schnell und sprintet los, sieht sich aber chancenlos und bricht ab. Witsel mit seiner begrenzten Geschwindigkeit versucht alles, um rechtzeitig da zu sein und grätscht die Flanke auf den Hosenboden fallend ab, weil er hinter bzw. neben sich den ehemals ins Abseits gestellten Hamburger einschussbereit vermutet, was im Prinzip stimmt, aber Kobel ist schon sehr nah an diesem Spieler dran. Die "Hosenbodengrätsche misslingt, der Ball fliegt nicht ins Aus, sondern ins Tor.

Die lange Beschreibung zeigt eine Menge der BVB-Probleme innerhalb von 43 Sekunden.

Gegner, die ruhig und kompakt bleiben, sich nicht von kurzer Spitzenqualität im BVB-Spiel beeindrucken lassen, schnelle Spieler haben und schnell nach vorne spielen, haben gegen den BVB Chancen, eine Niederlage zu verhindern oder eben auch zu gewinnen. Das ist in dieser Saison wettbewerbsübergreifend 10 Vereinen in 28 Spielen gelungen. Auffällig ist, dass der BVB in diesen 10 Spielen 9 Niederlagen hinnehmen musste. Das passt zu diesen 43 dargestellten Sekunden des Spiels gegen St. Pauli perfekt. Sie sind exemplarisch.


Witsel und Guerreiro hatten gegen St. Pauli bei gegnerischen Abschlägen oft - vielleicht auch immer, habe ich nicht im Detail darauf geachtet - die Positionen getauscht. Ich gehe davon aus, dass es hierbei sogar eine klare Zuordnung gab, weil Witsel auch immer mal wieder links neben Hummels stand. Vermutlich dürfte es Rose hierbei um die Abwehr langer und hoher Bälle gegangen sein, was vermutlich auch dazu führte, dass man sich ein Stück tiefer hat fallen lassen. Dadurch reißt man dann natürlich auch die Räume auf, insbesondere wenn dann nach Ballgewinnen der Ball schnell wieder verloren wird und die Bewegung nach vorne so schlecht war, dass man keine Staffelung mehr drin hat, weil man im Kern 2 Linien aufgebaut hat. In solchen Situationen sieht man dann häufig Heroball, als Reaktion auf den Ballverlust, wie in dem Fall von Guerreiro, dass man versucht eine Chance zur Balleroberung zu nutzen, statt in die Situation mit schlechter Staffelung und Gleichzahl zu gehen. Klappt es, gewinnt man den Ball, klappt es nicht, hat man statt Gleichzahl sogar schnell mal Unterzahl vor der Abwehr.
BVB - Taktik-Thread |#4926
23.01.2022 - 09:34 Uhr
Ich hoffe, dass man gegen Leverkusen mit einer 3er Kette startet.

Gerne auch die Spiele danach mit einer 3er Kette spielen.
BVB - Taktik-Thread |#4927
23.01.2022 - 10:34 Uhr
Zitat von -Roman-
Ich hoffe, dass man gegen Leverkusen mit einer 3er Kette startet.

Gerne auch die Spiele danach mit einer 3er Kette spielen.


Und dann? Spielt dann Hummels Mann gegen Mann gegen Schick, Akanji darf sich an Diaby versuchen und Zagadou an Adli, während sich einer von der Doppel6 noch um Wirtz kümmert? Wie hilft das System hier Missmatches zu vermeiden? Gerade wenn Guerreiro gegen Frimpong, wie Hummels und Zagadou, ebenfalls dynamisch komplett unterlegen ist und daher als Möglichkeit zum Doppeln wegfällt?

Die 3er Kette funktioniert pauschal nicht und der Wunsch nach mehr Defensive wird damit nicht zum Automatismus, da alles zu sehr vom eigenen Personal und vom Gegner abhängt. Wobei wir immer gesehen haben, wie die Offensive von der 3er Kette in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dann lieber ein offener Schlagabtausch gegen Leverkusen, bei dem man eigene Stärken in den Vordergrund stellt!
BVB - Taktik-Thread |#4928
23.01.2022 - 11:26 Uhr
Zitat von -Roman-
Ich hoffe, dass man gegen Leverkusen mit einer 3er Kette startet.

Gerne auch die Spiele danach mit einer 3er Kette spielen.

Gegen Hoffenheim waren wir mit der Dreierkette wesentlich besser im Spiel. Vor allem wurde die Stabilität in der Defensive sehr deutlich erhöht.
Inwieweit oder ob wir vorne etwas verloren haben, mag man diskutieren. Aber insgesamt war es mit Dreierkette klar besser als zuvor mit Viererkette.

Skepsis ist angebracht, ob wir mit den Spielern und dem Spielsystem der ersten 56 Minuten bei solchen Gegnern bestehen können.
Ich halte uns im Pressingverhalten, der Spielintelligenz und in den Defensiv-Zweikämpfen unterlegen gegen eine Mannschaft wie Hoffenheim.
Unsere Vorteile sehe ich im technisch/spielerischen Bereich. Hier empfinde ich es aber nicht so, dass Rose durch unsere Fähigkeiten am Ball Stabilität hinein bekommen möchte. Unsere Stärken am Ball spielen wir in Einzelsituationen, wie den wunderschönen Toren gegen Hoffenheim, aus. Es wird aber kein Ballbesitzfußball verfolgt, der uns Zeit für eine optimale Struktur gibt, aus der wir dann auch gegen den Ball stark wären.
Schlimmer mag für Roses Fußball aber sein, dass wir gegen Hoffenheim nur selten sauber durch das Mittelfeld spielen konnten.
So waren wir nicht nur instabil, sondern kamen eben auch kaum vor das Hoffenheimer Tor.

Die Frage ist dann für mich, welche Hebel von Rose noch zu erwarten sind.
Spielerisch erwarte ich keine großen Sprünge. Die Anfangself gegen Hoffenheim war, individuell gesehen, nahe am Maximum; hier fehlte nur Reyna (und Meunier).
Durch besseren Zugriff und mehr Stabilität würde aber auch das Spielerische profitieren, weil man dann bei Ballgewinn bessere Ausgangspunkte bekommt und auch die Mitspieler besser zueinander stehen.

Gegen Mannschaften wie Hoffenheim, die mitspielen und pressen, würde ich daher einen größeren Fokus auf Stabilität wichtig empfinden. Taktisch funktioniert das beispielsweise mit der Dreierkette. Das würde aber genauso mit der Viererkette gehen. Wenn Meunier in die Viererkette zurückkehrt, ist das schon einmal ein Schritt in diese Richtung.
Vielleicht wäre auch Can für Brandt ein Versuch wert. Das wäre zum Beispiel weniger Richtung Defensive ausgerichtet als der Wechsel Zagadou für Brandt, wie es gegen Hoffenheim der Fall war.

Aber verallgemeinern kann man das nicht. Gegen defensiv, kompakt verteidigende Mannschaften sind die Anforderungen wiederum andere.
BVB - Taktik-Thread |#4929
23.01.2022 - 11:37 Uhr
Zitat von BVBBC
Zitat von -Roman-

Ich hoffe, dass man gegen Leverkusen mit einer 3er Kette startet.

Gerne auch die Spiele danach mit einer 3er Kette spielen.


Und dann? Spielt dann Hummels Mann gegen Mann gegen Schick, Akanji darf sich an Diaby versuchen und Zagadou an Adli, während sich einer von der Doppel6 noch um Wirtz kümmert? Wie hilft das System hier Missmatches zu vermeiden? Gerade wenn Guerreiro gegen Frimpong, wie Hummels und Zagadou, ebenfalls dynamisch komplett unterlegen ist und daher als Möglichkeit zum Doppeln wegfällt?

Die 3er Kette funktioniert pauschal nicht und der Wunsch nach mehr Defensive wird damit nicht zum Automatismus, da alles zu sehr vom eigenen Personal und vom Gegner abhängt. Wobei wir immer gesehen haben, wie die Offensive von der 3er Kette in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dann lieber ein offener Schlagabtausch gegen Leverkusen, bei dem man eigene Stärken in den Vordergrund stellt!

Die höhere Kompaktheit der Dreier-/Fünferkette wäre für mich der Grund, weswegen wir diese "Mismatches" besser auflösen könnten.
Die Fragezeichen sehe ich zum Einem im Mittelfeld- und Angriffspressing. Wenn dort der Zugriff fehlt, kann eine bessere Restverteidigung das auch nicht mehr ausgleichen.
Zum anderen gibt es natürlich Fragezeichen im Ballvortrag, wie Du anmerkst. Das fängt damit an ob die Dreierkette als Aufbaustruktur gegen Leverkusens Defensivplan passt und hört damit auf, ob man vorne genug Anspielstation schaffen kann.
BVB - Taktik-Thread |#4930
23.01.2022 - 11:40 Uhr
3er bzw. 4er Kette :
Gestern hatte man durch die Umstellung "Glück", d.h. die Veränderung hat den Gegner vielleicht etwas aus dem taktischen Konzept gebracht und so konnten wir da 2 Tore machen.
Was defensiv dann ablief, dass war ja nicht besser als mit 4er Kette, wir waren da nicht wirklich besser im defensiven Verbund.
Schlimm war, dass Brandt und Wolf völlig überfordert waren und defensiv nichts auf die Kette brachten. Ab der 63 Minute hatte man sogar noch einen defensiven Spieler mehr auf den Platz, aber herumgelaufen sind alle wie aufgescheuchte Hühner.

Bei uns spielt vieles zusammen, langsame Spieler, Spieler die Positionsfremd eingesetzt werden, MF-Spieler die herumlaufen und irgendwas spielen und da fällt auch Bellingham auf, der z.b. mehrmals als Speerspitze den Tormann anläuft.
Brandt natürlich wieder gefühlt keinen Zweikampf gewonnen und Dahoud ist für mich ein guter Ersatzspieler, aber im Grunde kein alleiniger 6er, denn man sich über längere Zeit als 1er Option wünscht.

Wir sind taktisch meiner Meinung nach "Welten" von einer guten Mannschaft entfernt, haben jedoch sicher die besseren Einzelspieler als die meisten Teams und das reicht halt dann häufig, Spiele für uns zu entscheiden, aber überzeugend sieht halt anders aus.
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