DFB und DFB-Teams

Das Jahrzehnt der Finsternis: Eure Gründe

21.07.2026 - 21:42 Uhr
Ich finde persönlich, dass es vor allem ein Jahrzehnt der Ausreden und des dadurch resultierenden „weiter so“ war.
Wir hatten eine teils arrogante Einstellung, weil wir ja das große Fußball-Deutschland sind.

2018: War ein Ausrutscher und die Mannschaft war durch die Özil/Gündogan/Erdogan Affäre verunsichert.

2021: Hatten wir einen schweren Weg bei dem man auch mal blöd ausscheiden kann.

2022: War unglücklich und die Mannschaft war durch die Binden Affäre abgelenkt.

2024: Wären wir eh Europameister geworden, wenn Cucurella nicht gewesen wäre…

Wir haben uns nie ernsthaft die Gedanken gemacht, dass strukturell nach dem WM Titel vieles schief gelaufen ist und es realistisch gesehen, einfach aktuell nicht für die Weltspitze reicht.
Und genau das muss man sich jetzt mal eingestehen und versuchen das Beste daraus zu machen und sich einfach die Zeit nehmen, etwas Neues frisches aufzubauen.
Fast wie 2004.
Ein großes Problem ist, dass in den Jahren 2018-23,24 extrem viele neue zukünftige Stützen krachend scheiterten:
2017 gewinnen wir den Confed-Cup mit einer Mischung aus jungen, alten und der zweiten Garde. Damalige Akteure sind:
Timo Werner, gewinnt den Goldenen Schuh -> der Typ ist Vereinsrekordtorschütze RB Leipzigs, spielte für Chelsea (+CL-Sieg), schießt den DFB zur WM 22 (verpasst diese dann verletzt) und spielt seither keine Rolle mehr im Nationalteam (ist in seinen theoretisch besten Jahre in den USA, Timo ist aktuell erst 30 Jahre)😮

Goretzka, gewinnt (mit Stindl) den Silbernen Schuh -> sorgte auch bei Bayern zunehmend für Probleme, 2024 bereits aussortiert

Draxler, gewinnt den Goldenen Ball -> kommt bei Paris nicht über die Mitläuferrolle hinaus und geht mit knapp 30 Jahren nach Katar

Rüdiger, hat seine Aufs und Abs

Süle, das Problem ist allen bekannt, der designierte Erbe von Jerome und Mats wurde nie zu Deutschlands IV Nr.1

Can, wird auch als Kapitän beim BVB immer wieder angezweifelt!

In den Folgejahren werden unter anderem diese Spieler eingebaut:
Gnabry -> hat seinen Peak scheinbar bei Bayern zwischen 2018 und 2022 gehabt! Keine Weiterentwicklung!!
Sané -> heller Stern, der früh (ManCity) verglühte, bei Bayern bestenfalls wankelmütig
Brandt -> immer wieder dabei, hinterließ in seinen doch 48 Einsätzen in schwarz/weiß keinerlei erinnerungswürdige Momente, man glaubt es kaum.

Himmel, alle diese Talente wurden verbrannt und sind gescheitert!!!

Typen wie Kehrer, Klostermann, Moukoko, Adeyemi, Henrichs, Robin Koch, Mittelstädt, Groß, "einstige Hoffnungen" sind längst wieder Geschichte.

Da fehlt uns quasi eine komplette Generation, die Deutschland zwischen 2018 und 2024 geschreddert hat. Der helle Wahnsinn! Irre!

P.S. Ein Gündogan brillierte bei ManCity, aber schickte stets seinen tollpatschigen Bruder zum DFB-Lehrgang.
P.P.S. Von ewigen Problempositionen wie AVs und einer echten 9 ganz zu schweigen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Triplejupp am 24.07.2026 um 02:10 Uhr bearbeitet
Das ist wirklich überragend analysiert und zusammengetragen! Hut ab für diese Einleitung!

Aus meiner Sicht ist es auch ganz klar, dass zu sehr an einzelnen Spielern festgehalten wird, diese immer wieder über die Mannschaft gestellt werden und man sich damit selbst sabotiert.

Tieferliegend sehe ich aber als Problem, dass eigentlich 17 von 18 Bundesligateams nur noch Durchlauferhitzer für Talente sein wollen und man sich fast vollständig darauf verlagert Toptalente aus Frankreich oder England etc. abzugreifen und diese im Schnelldurchgang nach England zu Topklubs für viel Geld verkaufen zu können. Darunter leidet die Entwicklung eigener Talente ziemlich. Diesen extremen Fokus sehe ich im Ausland so nicht.

Um Titel bzw. maximalen Erfolg spielt dagegen nur eine Mannschaft in Deutschland, wie du schon richtig schreibst. Mir fällt auch im Europa Pokal häufig auf, dass die deutschen Mannschaften sich extrem schwer gegen körperlich spielende und abgezockte Mannschaften tun.
Ist mir beim VfB diese Saison extrem aufgefallen gegen Fener, Rom und Porto, dass man da eigentlich chancenlos war und sehr unreif wirkte. Das war für mich so ein bisschen beispielhaft dafür, was ich auch bei der NM vermisse. Es fehlt irgendwie an der Widerstandskraft, wenn man nicht mit spielerischer Leichtigkeit gegen einen Gegner ankommt, dass es dann eben mit Kampf und Leidenschaft probiert werden muss.
Was ich noch anmerken will, ist der Blick auf das große, geschichtliche Bild der Fußballnationalmannschaft. Ich weiß, für vergangene Erfolge kann man sich nichts kaufen, doch eine verhältnismäßige Betrachtung ermöglicht einen positiven Blick in die Zukunft.
Wir diskutieren hier über ein Jahrzehnt, das abgesehen von der Heim-EM keinen Erfolg zeitigte. Demgegenüber steht davor seit 1954 ein Zeitraum von 60 Jahren der Erfolge und Rekorde, die außer Brasilien keine andere Nation vorweisen kann. Die anschließende "Durstrecke" finde ich im Verhältnis nicht dramatisch, nachdem andere Nationen in allen Bereichen aufgeholt und wir den Status "Turniermannschaft" verloren haben. Wenn man bedenkt, dass Deutschland zumindest bei Weltmeisterschaften häufig auch mit einem unterlegenen Kader, der im Normalfall die Vorrunde nicht überstanden hätte, überperformte und mehr erreichte, als dem Potenzial entsprach, musste irgendwann auch eine Zeit ohne Erfolge folgen.
Man kann sich auf alten Erfolgen natürlich nicht ausruhen, weiß aber auch, dass es wieder aufwärts gehen kann, wenn man aus der erfolglosen Zeit die richtigen Schlüsse zieht und an den richtigen Stellschrauben dreht, was z.B. in der Ausbildung schon geschieht.
Nötig sind Geduld und eine geänderte Erwartungshaltung. Zusätzlich braucht das Team auch einen "Turniertrainer", der eine turnierfähige Gemeinschaft formen kann. Hier betritt auch Klopp wie Nagelsmann Neuland und muss diese Rolle besser ausfüllen als sein Vorgänger bei der WM.
Tolle Beiträge mit tiefgreifenden Analysen.

Ich persönlich sehe folgende Faktoren:
1. Die Kaderstrukturen/Nominierungenv waren in sich nicht schlüssig und folgten zu sehr rein populistischen Ideen. Etwas das inbesondere Löw 2010/12/14/16 anders gemacht hat - und auch Nagelsmann 24 ganz gut gemacht hat. Der Umbruch nach 2016 ging nicht glatt und daran sind dann viele Karrieren irgendwie auch zerbrochen.
2. Grundsätzlich hat man nach 2014 die gleichen Fehler wiederholt wie nach 1990 - man ruhte sich zu sehr auf den Erfolgen aus, konservierte bestehendes anstelle genau die Aspekte weiter zu führen die einen vorher so stark gemacht haben - Permanent junge Leute einbauen umd stärken, Leistungshierarchen etablieren ohne sie zu betonieren, Rotatation ohne Beliebigkeit, Spielsysteme flexibel anpassen, permanenter Leistungsdruck auch zwischen den Turnieren ohne das reine Ergebnis in den Vordergrund zu stellen und vor allem immer den populistischen Einflüsterern aus Bundesliga und Sportpresse zu widerstehen. Hat man alles zwischen 2008 und 2014 relativ konstant geschafft und nach dem Confed Cup relativ rasend verloren.
3. Muss man sagen, dass eigentliche Führungsspieler wie Sane/Goretzka/Süle/Brandt komplett ausgefallen sind und andere Optionen (Tah/Gross etc.) Zu spät 'entdeckt' wurden.
4. Klar Schuld sind auch die Bundesligisten, die einfach aus dem wirklich sehr sehr guten Potential (siehe U21 Erfolge in Reihe) viel zu wenig geschöpft haben und lieber als Durchlauferhitzer für Ausländische Talente fungiert haben.

Ich hoffe sehr, Klopp und Team lernen daraus, bin mir aber nicht sicher. Es gibt zuviele Scheinkausalitäten auf die Deutsche Funktionäre (Trainer und Manager) in meinen Augen zu leicht reinfallen - die beispielsweise die Spanier in der Breite sehr viel besser durchschauen, weil sie einen breiteren Blick auf das Spiel haben.
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