Ehemaligen - Thread
06.09.2004 - 20:12 Uhr
18.06.2007 - 14:13 Uhr
Zitat von Santorin2001:
Wenn es den für Hertha nichts kostet (außer Gehalt ) .....
er ist vereinslos glaub ich, außerdem würde er ja auch auf gehalt verzichten, er will es allen einfach nur nochmal beweisen!
Wenn es den für Hertha nichts kostet (außer Gehalt ) .....
er ist vereinslos glaub ich, außerdem würde er ja auch auf gehalt verzichten, er will es allen einfach nur nochmal beweisen!
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Tempelhofer42 am 18.06.2007 um 14:14 Uhr bearbeitet
18.06.2007 - 15:31 Uhr
Der hatte nicht nur Probleme mit Stevens, der hatte vor allem auch Probleme mit Phlegma, fehlendem Antritt und Durchsetzungsvermögen und anderem, was in Europa nun mal mehr auffällt als in Brasilien. Seit er bei uns weg ist, hat er jedes Jahr den Verein gewechselt, nirgends wirklich ein Bein auf den Boden bekommen ... ich glaube nicht, dass an dem Thema mehr dran ist als das Papie, das mit der Meldung verkauft wurde.
20.06.2007 - 14:48 Uhr
20.06.2007
Abwehrspieler Michael Sziedat: Der Rekordsportler besitzt Friseursalons
Berliner Morgenpost
280 Bundesligaspiele für Hertha. Heute führt er zwei Geschäfte und spielt in der Traditionself
Von Steffen Lüdeke
Der Donnerstag ist sein Lieblingstag. Michael Sziedat setzt sich dann in seinen Smart und fährt durch Zehlendorf. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er dort die Friseurgeschäfte "Salon Hairteam Nadja", donnerstags bietet er als Service für weniger mobile Kunden einen Abholservice an.
Insbesondere ältere Damen wissen diesen Dienst zu schätzen - die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. Denn vielfach sind es gerade reifere Frauen, die für Sziedat kompetente Gesprächspartner abgeben. Mit ihnen kann er sich über die alten Zeiten unterhalten und darüber, wie es war, als er im Trikot von Hertha BSC große Erfolge feierte. "Erstaunlich gut wissen die Damen Bescheid", sagt Sziedat. "Manchmal erinnere ich mich erst durch ihre Erzählungen an bestimmte Ereignisse."
Zweimal (1977, 1979) stand er mit Hertha im Pokalfinale, in der Bundesliga ist der zweite Platz von 1975 die bis heute beste Platzierung. 1979 erreichte Sziedat mit Hertha das Halbfinale des Uefa-Pokals gegen Roter Stern Belgrad. Erfolge, auf die Sziedat "doch mit einigem Stolz" zurückblickt.
In der Hertha-Ahnengalerie hat er seinen Platz sicher. Sziedat ist mit 280 Erstligaeinsätzen Herthas Rekordspieler. Eine Bestmarke, die für ihn ohne sonderliche Bedeutung ist: "Ehrlich, das ist für mich nicht wichtig." Immerhin aber achtet er darauf, welche der aktiven Spieler ihn demnächst einholen könnten. Pal Dardai hat 220 Spiele auf seinem Konto, Dick van Burik noch 25 mehr. "Wenn es einer von ihnen schafft, dann sei ihm das herzlich gegönnt. An dem Rekord hänge ich nicht." Der Weg ist allerdings noch weit.
Sziedat spielte neun Jahre für Hertha in der Bundesliga, im Nachhinein hält er das für zu lange. "Ich hätte schon früher nach Frankfurt gehen sollen", sagt er, "dort hatten wir eine sehr gute Mannschaft mit ungeheurem Potenzial." Von 1980 bis 1984 kickte er für Eintracht Frankfurt, gemeinsam mit gestandenen Spielern wie Thomas Berthold, Charly Körbel und Cha Bum-kun. Den legendären Branko Zebec hat er als Trainer erlebt. "Wunderbar war das damals", sagt Sziedat und blickt auf diese Zeit noch immer gern zurück: "Abends im Rheingau sitzen und ein Glas Wein trinken, das hatte schon was."
Mit Lichterfelde in der Tennis-Regionalliga
Heute sitzt er nach getaner Arbeit gern in einem kroatischen Restaurant am Teltower Damm in Zehlendorf und gönnt sich ein Feierabendbierchen. Doch kommt er dazu viel zu selten.
Sziedat ist ein viel beschäftigter Mann. Auch wenn er nicht selbst zur Schere greift - die Arbeit für die Friseursalons ist zeitaufwendig. Zudem spielt Sziedat für die Hertha-Traditionsmannschaft. Damit sind seine sportlichen Aktivitäten allerdings noch nicht erschöpft. Sziedat spielt sehr erfolgreich Tennis. Mit dem TL Lichterfelde hat er sich in der Regionalliga etabliert. So viel Zeit wie möglich versucht er auch mit seiner Tochter zu verbringen. Franziska (7) hat die Leidenschaft für den Fußball geerbt. Sie ist schon jetzt glühender Hertha-Fan, mit ihr sieht man Michael Sziedat regelmäßig bei den Heimspielen im Olympiastadion sitzen.
Seine alte Liebe Hertha hat den heute 54-Jährigen nie losgelassen. Deswegen ist er nach seiner Zeit in Frankfurt zum Ende der Laufbahn 1984 noch einmal nach Berlin gegangen. In die Zweite Liga, für 18 Spiele.
Eine große Karriere endete im April 1984 unspektakulär: mit 0:3 bei Wattenscheid 09. "An dieses Spiel erinnere ich mich gar nicht mehr", sagt Sziedat. Die letzten Monate mit Hertha waren für ihn nach all den erfolgreichen Jahren eine einzige Enttäuschung: "Wir sind mit großen Erwartungen in die Saison gegangen."
Wo es letztlich geendet hat, hat er inzwischen verdrängt. "Es war aber viel zu wenig." Es war der 14. Platz. Für Sziedat war nach dieser Enttäuschung der Zeitpunkt gekommen, die Fußballschuhe in die Ecke zu stellen.
herthabsc.de
Abwehrspieler Michael Sziedat: Der Rekordsportler besitzt Friseursalons
Berliner Morgenpost
280 Bundesligaspiele für Hertha. Heute führt er zwei Geschäfte und spielt in der Traditionself
Von Steffen Lüdeke
Der Donnerstag ist sein Lieblingstag. Michael Sziedat setzt sich dann in seinen Smart und fährt durch Zehlendorf. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er dort die Friseurgeschäfte "Salon Hairteam Nadja", donnerstags bietet er als Service für weniger mobile Kunden einen Abholservice an.
Insbesondere ältere Damen wissen diesen Dienst zu schätzen - die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. Denn vielfach sind es gerade reifere Frauen, die für Sziedat kompetente Gesprächspartner abgeben. Mit ihnen kann er sich über die alten Zeiten unterhalten und darüber, wie es war, als er im Trikot von Hertha BSC große Erfolge feierte. "Erstaunlich gut wissen die Damen Bescheid", sagt Sziedat. "Manchmal erinnere ich mich erst durch ihre Erzählungen an bestimmte Ereignisse."
Zweimal (1977, 1979) stand er mit Hertha im Pokalfinale, in der Bundesliga ist der zweite Platz von 1975 die bis heute beste Platzierung. 1979 erreichte Sziedat mit Hertha das Halbfinale des Uefa-Pokals gegen Roter Stern Belgrad. Erfolge, auf die Sziedat "doch mit einigem Stolz" zurückblickt.
In der Hertha-Ahnengalerie hat er seinen Platz sicher. Sziedat ist mit 280 Erstligaeinsätzen Herthas Rekordspieler. Eine Bestmarke, die für ihn ohne sonderliche Bedeutung ist: "Ehrlich, das ist für mich nicht wichtig." Immerhin aber achtet er darauf, welche der aktiven Spieler ihn demnächst einholen könnten. Pal Dardai hat 220 Spiele auf seinem Konto, Dick van Burik noch 25 mehr. "Wenn es einer von ihnen schafft, dann sei ihm das herzlich gegönnt. An dem Rekord hänge ich nicht." Der Weg ist allerdings noch weit.
Sziedat spielte neun Jahre für Hertha in der Bundesliga, im Nachhinein hält er das für zu lange. "Ich hätte schon früher nach Frankfurt gehen sollen", sagt er, "dort hatten wir eine sehr gute Mannschaft mit ungeheurem Potenzial." Von 1980 bis 1984 kickte er für Eintracht Frankfurt, gemeinsam mit gestandenen Spielern wie Thomas Berthold, Charly Körbel und Cha Bum-kun. Den legendären Branko Zebec hat er als Trainer erlebt. "Wunderbar war das damals", sagt Sziedat und blickt auf diese Zeit noch immer gern zurück: "Abends im Rheingau sitzen und ein Glas Wein trinken, das hatte schon was."
Mit Lichterfelde in der Tennis-Regionalliga
Heute sitzt er nach getaner Arbeit gern in einem kroatischen Restaurant am Teltower Damm in Zehlendorf und gönnt sich ein Feierabendbierchen. Doch kommt er dazu viel zu selten.
Sziedat ist ein viel beschäftigter Mann. Auch wenn er nicht selbst zur Schere greift - die Arbeit für die Friseursalons ist zeitaufwendig. Zudem spielt Sziedat für die Hertha-Traditionsmannschaft. Damit sind seine sportlichen Aktivitäten allerdings noch nicht erschöpft. Sziedat spielt sehr erfolgreich Tennis. Mit dem TL Lichterfelde hat er sich in der Regionalliga etabliert. So viel Zeit wie möglich versucht er auch mit seiner Tochter zu verbringen. Franziska (7) hat die Leidenschaft für den Fußball geerbt. Sie ist schon jetzt glühender Hertha-Fan, mit ihr sieht man Michael Sziedat regelmäßig bei den Heimspielen im Olympiastadion sitzen.
Seine alte Liebe Hertha hat den heute 54-Jährigen nie losgelassen. Deswegen ist er nach seiner Zeit in Frankfurt zum Ende der Laufbahn 1984 noch einmal nach Berlin gegangen. In die Zweite Liga, für 18 Spiele.
Eine große Karriere endete im April 1984 unspektakulär: mit 0:3 bei Wattenscheid 09. "An dieses Spiel erinnere ich mich gar nicht mehr", sagt Sziedat. Die letzten Monate mit Hertha waren für ihn nach all den erfolgreichen Jahren eine einzige Enttäuschung: "Wir sind mit großen Erwartungen in die Saison gegangen."
Wo es letztlich geendet hat, hat er inzwischen verdrängt. "Es war aber viel zu wenig." Es war der 14. Platz. Für Sziedat war nach dieser Enttäuschung der Zeitpunkt gekommen, die Fußballschuhe in die Ecke zu stellen.
herthabsc.de
22.06.2007 - 12:38 Uhr
22.06.2007
In den USA bekannter als Franz Beckenbauer
Berliner Morgenpost
Der ehemalige Hertha-Angreifer ist in Chicago immer noch sehr populär. Auf Jobsuche in Berlin
Von Steffen Lüdeke
Einen winzigen Augenblick nur passt der Gegenspieler nicht auf. Das Zuspiel kommt, Ballannahme, Körpertäuschung, zwei schnelle Schritte, schon zappelt der Ball im Netz. "Ich hab euch doch gesagt, dass ihr 'Ellis' nicht aus den Augen lassen dürft", hadert Bernd Lehniger vom Grünauer BC mit seinen Mitspielern.
"Ellis" ist der Spitzname von Karl-Heinz Granitza. Auch bei den Gegenspielern. Mit den Alten Herren des SC Borsigwalde spielt der ehemalige Stürmer von Hertha BSC heute in der Seniorenliga. Mit Erfolg. Borsigwalde ist unangefochten Meister, die Begegnung gegen Grünau ist ein Freundschaftsspiel, weil ein Ligakonkurrent das letzte Meisterschaftsspiel abgesagt hat.
Granitza hat auf dem Platz das Sagen. "Ihr müsst das Spiel breiter machen", schimpft er. Wenig später die nächste Anweisung: "Schneller spielen, ich bin frei. Den mache ich rein." Gesagt, getan. Granitzas Treffer ist das Tor zum 2:1, am Ende heißt es 5:3. "Das war nur ein Test. Ein guter Anlass, sich mal wieder zu bewegen", sagt Granitza. "Bei allem Ehrgeiz - das war eher ein Treffen unter Freuden."
Freunde hat Granitza jede Menge. Nicht nur in Berlin und Deutschland, auch in den USA. Nach 73 Bundesliga-Spielen (34 Tore) und zwei Jahren in Berlin war Granitza 1979 für 660 000 Mark von Hertha, das damals in finanziellen Turbulenzen war, zu Chicago Sting in die amerikanische Profiliga gewechselt. Zu jener Zeit, als mit Franz Beckenbauer, Pelé und Gerd Müller die alternden Superstars der Branche ihr Glück im Land der unbegrenzten Möglichkeiten suchten.
Granitza zählte damals 26 Lenze und war im besten Fußballeralter. Ungeachtet der klangvollen Namen - auch George Best, Bobby Moore, Johan Cruyff oder Zico kickten in der North American Soccer League -, keiner hat bei den Amerikanern mehr Eindruck hinterlassen als er.
128 Tore in der NASL
128 Treffer hat er für Chicago Sting in der Profiliga erzielt. Vor allem aber hat Granitza in Chicago als Mensch die Herzen erobert. Er engagierte sich für den Kampf gegen Aids. Er war Förderer des Hauses der Blinden, unterstützte eine Stiftung zugunsten herzkranker Menschen - der Deutsche hat sich regelmäßig für sozial Benachteiligte eingesetzt. All das hat ihn in Chicago zu einer Ikone werden lassen, Granitza war ein echter Star. 1982 wurde "Ellis" in Chicago zum Sportler des Jahres gewählt. Vor Box-Legende Muhammad Ali, vor Basketballer Michael Jordan und vor dem American Footballer Walter Payton, dem - so Granitza - "größten Runningback aller Zeiten".
Diese Auszeichnung hat in der Karriere von Granitza einen hohen Stellenwert. Wesentlich bewegender ist für ihn allerdings die Erinnerung an das Jahr 1983. "Zum Sportler des Jahres haben mich die Sportjournalisten gewählt. Schön und gut." Doch ist ihm die Anerkennung durch seine Mitmenschen mehr wert. Die Chicago Library hat im Jahre 1983 von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in und um Chicago die Person wählen lassen, vor der diese die höchste Achtung haben. Mehr als 70 Prozent haben den Namen Karl-Heinz Granitza angekreuzt. Für die Organisatoren - und auch für den Geehrten - eine unfassbare Quote: "Wir haben das noch mal nachzählen lassen, weil allen diese Zahl so unrealistisch schien."
Wie fühlen sich diese Auszeichnungen von heute an, im Rückblick? "Stolz ist das falsche Wort. Ich habe mich als Mensch einfach so verhalten, wie ich bin." Die fußballerische Begabung sei ihm gegeben, das sei keine Eigenleistung. Stolz ist Granitza nur darauf, "mit meiner Frau Roswitha unsere drei Kinder zu wunderbaren Menschen erzogen zu haben". Das ist die Lebensleistung, auf die der heute 55-Jährige am ehesten mit einem Gefühl der Genugtuung zurückblickt.
1989 Rückkehr nach Deutschland
Granitza war und ist Familienmensch. Mit der Familie hat er 1979 Deutschland verlassen, der Familie wegen ist er 1989 zurückgekehrt. Frau und Tochter hatten Heimweh, nach zehn Jahren war das Abenteuer Amerika beendet.
Heute verdingt sich Granitza als Spielervermittler, als Scout, er steht diversen kleineren Vereinen mit Rat und Tat zur Seite. Seine Zukunft sieht er als Trainer. In dieser Funktion hat er im vergangenen halben Jahr bei seinem Heimatverein Röchling Völklingen in der saarländischen Verbandsliga ausgeholfen. Sein Wirken zeigte Wirkung, innerhalb von drei Monaten führte Granitza das Team von einem Abstiegsplatz ins obere Tabellendrittel.
Mittlerweile wohnt Granitza in Stahnsdorf. Er hofft, in Berlin oder Brandenburg einen ambitionierten Verein zu finden, der ihm als Trainer eine Chance gibt. "Ich habe Blut geleckt", sagt er, "und bin der Überzeugung, dass ich einiges bewegen kann."
herthabsc.de
In den USA bekannter als Franz Beckenbauer
Berliner Morgenpost
Der ehemalige Hertha-Angreifer ist in Chicago immer noch sehr populär. Auf Jobsuche in Berlin
Von Steffen Lüdeke
Einen winzigen Augenblick nur passt der Gegenspieler nicht auf. Das Zuspiel kommt, Ballannahme, Körpertäuschung, zwei schnelle Schritte, schon zappelt der Ball im Netz. "Ich hab euch doch gesagt, dass ihr 'Ellis' nicht aus den Augen lassen dürft", hadert Bernd Lehniger vom Grünauer BC mit seinen Mitspielern.
"Ellis" ist der Spitzname von Karl-Heinz Granitza. Auch bei den Gegenspielern. Mit den Alten Herren des SC Borsigwalde spielt der ehemalige Stürmer von Hertha BSC heute in der Seniorenliga. Mit Erfolg. Borsigwalde ist unangefochten Meister, die Begegnung gegen Grünau ist ein Freundschaftsspiel, weil ein Ligakonkurrent das letzte Meisterschaftsspiel abgesagt hat.
Granitza hat auf dem Platz das Sagen. "Ihr müsst das Spiel breiter machen", schimpft er. Wenig später die nächste Anweisung: "Schneller spielen, ich bin frei. Den mache ich rein." Gesagt, getan. Granitzas Treffer ist das Tor zum 2:1, am Ende heißt es 5:3. "Das war nur ein Test. Ein guter Anlass, sich mal wieder zu bewegen", sagt Granitza. "Bei allem Ehrgeiz - das war eher ein Treffen unter Freuden."
Freunde hat Granitza jede Menge. Nicht nur in Berlin und Deutschland, auch in den USA. Nach 73 Bundesliga-Spielen (34 Tore) und zwei Jahren in Berlin war Granitza 1979 für 660 000 Mark von Hertha, das damals in finanziellen Turbulenzen war, zu Chicago Sting in die amerikanische Profiliga gewechselt. Zu jener Zeit, als mit Franz Beckenbauer, Pelé und Gerd Müller die alternden Superstars der Branche ihr Glück im Land der unbegrenzten Möglichkeiten suchten.
Granitza zählte damals 26 Lenze und war im besten Fußballeralter. Ungeachtet der klangvollen Namen - auch George Best, Bobby Moore, Johan Cruyff oder Zico kickten in der North American Soccer League -, keiner hat bei den Amerikanern mehr Eindruck hinterlassen als er.
128 Tore in der NASL
128 Treffer hat er für Chicago Sting in der Profiliga erzielt. Vor allem aber hat Granitza in Chicago als Mensch die Herzen erobert. Er engagierte sich für den Kampf gegen Aids. Er war Förderer des Hauses der Blinden, unterstützte eine Stiftung zugunsten herzkranker Menschen - der Deutsche hat sich regelmäßig für sozial Benachteiligte eingesetzt. All das hat ihn in Chicago zu einer Ikone werden lassen, Granitza war ein echter Star. 1982 wurde "Ellis" in Chicago zum Sportler des Jahres gewählt. Vor Box-Legende Muhammad Ali, vor Basketballer Michael Jordan und vor dem American Footballer Walter Payton, dem - so Granitza - "größten Runningback aller Zeiten".
Diese Auszeichnung hat in der Karriere von Granitza einen hohen Stellenwert. Wesentlich bewegender ist für ihn allerdings die Erinnerung an das Jahr 1983. "Zum Sportler des Jahres haben mich die Sportjournalisten gewählt. Schön und gut." Doch ist ihm die Anerkennung durch seine Mitmenschen mehr wert. Die Chicago Library hat im Jahre 1983 von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in und um Chicago die Person wählen lassen, vor der diese die höchste Achtung haben. Mehr als 70 Prozent haben den Namen Karl-Heinz Granitza angekreuzt. Für die Organisatoren - und auch für den Geehrten - eine unfassbare Quote: "Wir haben das noch mal nachzählen lassen, weil allen diese Zahl so unrealistisch schien."
Wie fühlen sich diese Auszeichnungen von heute an, im Rückblick? "Stolz ist das falsche Wort. Ich habe mich als Mensch einfach so verhalten, wie ich bin." Die fußballerische Begabung sei ihm gegeben, das sei keine Eigenleistung. Stolz ist Granitza nur darauf, "mit meiner Frau Roswitha unsere drei Kinder zu wunderbaren Menschen erzogen zu haben". Das ist die Lebensleistung, auf die der heute 55-Jährige am ehesten mit einem Gefühl der Genugtuung zurückblickt.
1989 Rückkehr nach Deutschland
Granitza war und ist Familienmensch. Mit der Familie hat er 1979 Deutschland verlassen, der Familie wegen ist er 1989 zurückgekehrt. Frau und Tochter hatten Heimweh, nach zehn Jahren war das Abenteuer Amerika beendet.
Heute verdingt sich Granitza als Spielervermittler, als Scout, er steht diversen kleineren Vereinen mit Rat und Tat zur Seite. Seine Zukunft sieht er als Trainer. In dieser Funktion hat er im vergangenen halben Jahr bei seinem Heimatverein Röchling Völklingen in der saarländischen Verbandsliga ausgeholfen. Sein Wirken zeigte Wirkung, innerhalb von drei Monaten führte Granitza das Team von einem Abstiegsplatz ins obere Tabellendrittel.
Mittlerweile wohnt Granitza in Stahnsdorf. Er hofft, in Berlin oder Brandenburg einen ambitionierten Verein zu finden, der ihm als Trainer eine Chance gibt. "Ich habe Blut geleckt", sagt er, "und bin der Überzeugung, dass ich einiges bewegen kann."
herthabsc.de
22.06.2007 - 12:38 Uhr
In den USA bekannter als Franz Beckenbauer
Der ehemalige Hertha-Angreifer ist in Chicago immer noch sehr populär. Auf Jobsuche in Berlin
Von Steffen Lüdeke
Einen winzigen Augenblick nur passt der Gegenspieler nicht auf. Das Zuspiel kommt, Ballannahme, Körpertäuschung, zwei schnelle Schritte, schon zappelt der Ball im Netz. "Ich hab euch doch gesagt, dass ihr ,Ellis" nicht aus den Augen lassen dürft", hadert Bernd Lehniger vom Grünauer BC mit seinen Mitspielern.
"Ellis" ist der Spitzname von Karl-Heinz Granitza. Auch bei den Gegenspielern. Mit den Alten Herren des SC Borsigwalde spielt der ehemalige Stürmer von Hertha BSC heute in der Seniorenliga. Mit Erfolg. Borsigwalde ist unangefochten Meister, die Begegnung gegen Grünau ist ein Freundschaftsspiel, weil ein Ligakonkurrent das letzte Meisterschaftsspiel abgesagt hat.
Granitza hat auf dem Platz das Sagen. "Ihr müsst das Spiel breiter machen", schimpft er. Wenig später die nächste Anweisung: "Schneller spielen, ich bin frei. Den mache ich rein." Gesagt, getan. Granitzas Treffer ist das Tor zum 2:1, am Ende heißt es 5:3. "Das war nur ein Test. Ein guter Anlass, sich mal wieder zu bewegen", sagt Granitza. "Bei allem Ehrgeiz - das war eher ein Treffen unter Freuden."
Freunde hat Granitza jede Menge. Nicht nur in Berlin und Deutschland, auch in den USA. Nach 73 Bundesliga-Spielen (34 Tore) und zwei Jahren in Berlin war Granitza 1979 für 660 000 Mark von Hertha, das damals in finanziellen Turbulenzen war, zu Chicago Sting in die amerikanische Profiliga gewechselt. Zu jener Zeit, als mit Franz Beckenbauer, Pelé und Gerd Müller die alternden Superstars der Branche ihr Glück im Land der unbegrenzten Möglichkeiten suchten.
Granitza zählte damals 26 Lenze und war im besten Fußballeralter. Ungeachtet der klangvollen Namen - auch George Best, Bobby Moore, Johan Cruyff oder Zico kickten in der North American Soccer League -, keiner hat bei den Amerikanern mehr Eindruck hinterlassen als er.
128 Tore in der NASL
128 Treffer hat er für Chicago Sting in der Profiliga erzielt. Vor allem aber hat Granitza in Chicago als Mensch die Herzen erobert. Er engagierte sich für den Kampf gegen Aids. Er war Förderer des Hauses der Blinden, unterstützte eine Stiftung zugunsten herzkranker Menschen - der Deutsche hat sich regelmäßig für sozial Benachteiligte eingesetzt. All das hat ihn in Chicago zu einer Ikone werden lassen, Granitza war ein echter Star. 1982 wurde "Ellis" in Chicago zum Sportler des Jahres gewählt. Vor Box-Legende Muhammad Ali, vor Basketballer Michael Jordan und vor dem American Footballer Walter Payton, dem - so Granitza - "größten Runningback aller Zeiten".
Diese Auszeichnung hat in der Karriere von Granitza einen hohen Stellenwert. Wesentlich bewegender ist für ihn allerdings die Erinnerung an das Jahr 1983. "Zum Sportler des Jahres haben mich die Sportjournalisten gewählt. Schön und gut." Doch ist ihm die Anerkennung durch seine Mitmenschen mehr wert. Die Chicago Library hat im Jahre 1983 von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in und um Chicago die Person wählen lassen, vor der diese die höchste Achtung haben. Mehr als 70 Prozent haben den Namen Karl-Heinz Granitza angekreuzt. Für die Organisatoren - und auch für den Geehrten - eine unfassbare Quote: "Wir haben das noch mal nachzählen lassen, weil allen diese Zahl so unrealistisch schien."
Wie fühlen sich diese Auszeichnungen von heute an, im Rückblick? "Stolz ist das falsche Wort. Ich habe mich als Mensch einfach so verhalten, wie ich bin." Die fußballerische Begabung sei ihm gegeben, das sei keine Eigenleistung. Stolz ist Granitza nur darauf, "mit meiner Frau Roswitha unsere drei Kinder zu wunderbaren Menschen erzogen zu haben". Das ist die Lebensleistung, auf die der heute 55-Jährige am ehesten mit einem Gefühl der Genugtuung zurückblickt.
1989 Rückkehr nach Deutschland
Granitza war und ist Familienmensch. Mit der Familie hat er 1979 Deutschland verlassen, der Familie wegen ist er 1989 zurückgekehrt. Frau und Tochter hatten Heimweh, nach zehn Jahren war das Abenteuer Amerika beendet.
Heute verdingt sich Granitza als Spielervermittler, als Scout, er steht diversen kleineren Vereinen mit Rat und Tat zur Seite. Seine Zukunft sieht er als Trainer. In dieser Funktion hat er im vergangenen halben Jahr bei seinem Heimatverein Röchling Völklingen in der saarländischen Verbandsliga ausgeholfen. Sein Wirken zeigte Wirkung, innerhalb von drei Monaten führte Granitza das Team von einem Abstiegsplatz ins obere Tabellendrittel.
Mittlerweile wohnt Granitza in Stahnsdorf. Er hofft, in Berlin oder Brandenburg einen ambitionierten Verein zu finden, der ihm als Trainer eine Chance gibt. "Ich habe Blut geleckt", sagt er, "und bin der Überzeugung, dass ich einiges bewegen kann."
Aus der Berliner Morgenpost vom 22. Juni 2007
Sicher nicht nur für uns "Alte" ein schöner Artikel
Der ehemalige Hertha-Angreifer ist in Chicago immer noch sehr populär. Auf Jobsuche in Berlin
Von Steffen Lüdeke
Einen winzigen Augenblick nur passt der Gegenspieler nicht auf. Das Zuspiel kommt, Ballannahme, Körpertäuschung, zwei schnelle Schritte, schon zappelt der Ball im Netz. "Ich hab euch doch gesagt, dass ihr ,Ellis" nicht aus den Augen lassen dürft", hadert Bernd Lehniger vom Grünauer BC mit seinen Mitspielern.
"Ellis" ist der Spitzname von Karl-Heinz Granitza. Auch bei den Gegenspielern. Mit den Alten Herren des SC Borsigwalde spielt der ehemalige Stürmer von Hertha BSC heute in der Seniorenliga. Mit Erfolg. Borsigwalde ist unangefochten Meister, die Begegnung gegen Grünau ist ein Freundschaftsspiel, weil ein Ligakonkurrent das letzte Meisterschaftsspiel abgesagt hat.
Granitza hat auf dem Platz das Sagen. "Ihr müsst das Spiel breiter machen", schimpft er. Wenig später die nächste Anweisung: "Schneller spielen, ich bin frei. Den mache ich rein." Gesagt, getan. Granitzas Treffer ist das Tor zum 2:1, am Ende heißt es 5:3. "Das war nur ein Test. Ein guter Anlass, sich mal wieder zu bewegen", sagt Granitza. "Bei allem Ehrgeiz - das war eher ein Treffen unter Freuden."
Freunde hat Granitza jede Menge. Nicht nur in Berlin und Deutschland, auch in den USA. Nach 73 Bundesliga-Spielen (34 Tore) und zwei Jahren in Berlin war Granitza 1979 für 660 000 Mark von Hertha, das damals in finanziellen Turbulenzen war, zu Chicago Sting in die amerikanische Profiliga gewechselt. Zu jener Zeit, als mit Franz Beckenbauer, Pelé und Gerd Müller die alternden Superstars der Branche ihr Glück im Land der unbegrenzten Möglichkeiten suchten.
Granitza zählte damals 26 Lenze und war im besten Fußballeralter. Ungeachtet der klangvollen Namen - auch George Best, Bobby Moore, Johan Cruyff oder Zico kickten in der North American Soccer League -, keiner hat bei den Amerikanern mehr Eindruck hinterlassen als er.
128 Tore in der NASL
128 Treffer hat er für Chicago Sting in der Profiliga erzielt. Vor allem aber hat Granitza in Chicago als Mensch die Herzen erobert. Er engagierte sich für den Kampf gegen Aids. Er war Förderer des Hauses der Blinden, unterstützte eine Stiftung zugunsten herzkranker Menschen - der Deutsche hat sich regelmäßig für sozial Benachteiligte eingesetzt. All das hat ihn in Chicago zu einer Ikone werden lassen, Granitza war ein echter Star. 1982 wurde "Ellis" in Chicago zum Sportler des Jahres gewählt. Vor Box-Legende Muhammad Ali, vor Basketballer Michael Jordan und vor dem American Footballer Walter Payton, dem - so Granitza - "größten Runningback aller Zeiten".
Diese Auszeichnung hat in der Karriere von Granitza einen hohen Stellenwert. Wesentlich bewegender ist für ihn allerdings die Erinnerung an das Jahr 1983. "Zum Sportler des Jahres haben mich die Sportjournalisten gewählt. Schön und gut." Doch ist ihm die Anerkennung durch seine Mitmenschen mehr wert. Die Chicago Library hat im Jahre 1983 von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in und um Chicago die Person wählen lassen, vor der diese die höchste Achtung haben. Mehr als 70 Prozent haben den Namen Karl-Heinz Granitza angekreuzt. Für die Organisatoren - und auch für den Geehrten - eine unfassbare Quote: "Wir haben das noch mal nachzählen lassen, weil allen diese Zahl so unrealistisch schien."
Wie fühlen sich diese Auszeichnungen von heute an, im Rückblick? "Stolz ist das falsche Wort. Ich habe mich als Mensch einfach so verhalten, wie ich bin." Die fußballerische Begabung sei ihm gegeben, das sei keine Eigenleistung. Stolz ist Granitza nur darauf, "mit meiner Frau Roswitha unsere drei Kinder zu wunderbaren Menschen erzogen zu haben". Das ist die Lebensleistung, auf die der heute 55-Jährige am ehesten mit einem Gefühl der Genugtuung zurückblickt.
1989 Rückkehr nach Deutschland
Granitza war und ist Familienmensch. Mit der Familie hat er 1979 Deutschland verlassen, der Familie wegen ist er 1989 zurückgekehrt. Frau und Tochter hatten Heimweh, nach zehn Jahren war das Abenteuer Amerika beendet.
Heute verdingt sich Granitza als Spielervermittler, als Scout, er steht diversen kleineren Vereinen mit Rat und Tat zur Seite. Seine Zukunft sieht er als Trainer. In dieser Funktion hat er im vergangenen halben Jahr bei seinem Heimatverein Röchling Völklingen in der saarländischen Verbandsliga ausgeholfen. Sein Wirken zeigte Wirkung, innerhalb von drei Monaten führte Granitza das Team von einem Abstiegsplatz ins obere Tabellendrittel.
Mittlerweile wohnt Granitza in Stahnsdorf. Er hofft, in Berlin oder Brandenburg einen ambitionierten Verein zu finden, der ihm als Trainer eine Chance gibt. "Ich habe Blut geleckt", sagt er, "und bin der Überzeugung, dass ich einiges bewegen kann."
Aus der Berliner Morgenpost vom 22. Juni 2007
Sicher nicht nur für uns "Alte" ein schöner Artikel
22.06.2007 - 12:57 Uhr
Große Stürmer von Sobek bis Preetz
Eine Auswahl weiterer großer Stürmer von Hertha BSC:
Der Sportplatz an der Osloer Straße trägt inzwischen seinen Namen, am S-Bahnhof Gesundbrunnen erinnert ein Denkmal an ihn: Hanne Sobek ist eine Hertha-Legende, er war der Kopf jener Mannschaft, die 1930 und 1931 Deutscher Meister wurde. Er starb 1989 im Alter von 89 Jahren.
Die Liste der exzellenten Stürmer vor allem ab Ende der 60er Jahre ist lang. Da wären der ungarische Nationalspieler Zoltan Varga (1970-1972), Arno Steffenhagen (68-72, mit 26 Bundesliga-Toren immer noch in Herthas Top Ten), der wegen seiner Kopfballstärke "Goldköpfchen" genannte Franz Brungs (68-71) oder Detlef Szymanek. Dieser erzielte in 40 Bundesliga-Spielen für Hertha 14 Tore, darunter drei Treffer in sieben Minuten gegen Bayerns Sepp Maier. Geholfen haben sie nichts, Hertha verlor 4:7, denkwürdig sind sie allemal. Immer noch auf Platz drei in Herthas Bestenliste liegt Lorenz Horr (69-77) mit 75 Bundesligatoren. Dort führt (vor Erich Beer, 83) mit 84 Treffern Michael Preetz, der inzwischen Leiter der Lizenzspielerabteilung ist. Bester aktiver Profi ist Marko Pantelic auf Platz zehn (25 Tore, genau wie Alex Alves).
Hohes Ansehen bei den Fans genießen nach wie vor Axel Kruse (mit 15 Toren maßgeblich am Aufstieg 1997 beteiligt) und Theo Gries (1988-1994). Er sorgte mit seinen Zweitliga-Toren (insgesamt 67) in der Tristesse des meist leeren Olympiastadions Anfang der 90er Jahre für Lichtblicke. Bis heute hat er einen eigenen Fanklub. Zu den treffsichersten Sturm-Duos gehörten Thomas Remark und Werner Killmaier. Sie erzielten von 1980 bis 1982 in der Zweiten Liga zusammen erstaunliche 98 Tore.
Aus der Berliner Morgenpost vom 22. Juni 2007
Eine Auswahl weiterer großer Stürmer von Hertha BSC:
Der Sportplatz an der Osloer Straße trägt inzwischen seinen Namen, am S-Bahnhof Gesundbrunnen erinnert ein Denkmal an ihn: Hanne Sobek ist eine Hertha-Legende, er war der Kopf jener Mannschaft, die 1930 und 1931 Deutscher Meister wurde. Er starb 1989 im Alter von 89 Jahren.
Die Liste der exzellenten Stürmer vor allem ab Ende der 60er Jahre ist lang. Da wären der ungarische Nationalspieler Zoltan Varga (1970-1972), Arno Steffenhagen (68-72, mit 26 Bundesliga-Toren immer noch in Herthas Top Ten), der wegen seiner Kopfballstärke "Goldköpfchen" genannte Franz Brungs (68-71) oder Detlef Szymanek. Dieser erzielte in 40 Bundesliga-Spielen für Hertha 14 Tore, darunter drei Treffer in sieben Minuten gegen Bayerns Sepp Maier. Geholfen haben sie nichts, Hertha verlor 4:7, denkwürdig sind sie allemal. Immer noch auf Platz drei in Herthas Bestenliste liegt Lorenz Horr (69-77) mit 75 Bundesligatoren. Dort führt (vor Erich Beer, 83) mit 84 Treffern Michael Preetz, der inzwischen Leiter der Lizenzspielerabteilung ist. Bester aktiver Profi ist Marko Pantelic auf Platz zehn (25 Tore, genau wie Alex Alves).
Hohes Ansehen bei den Fans genießen nach wie vor Axel Kruse (mit 15 Toren maßgeblich am Aufstieg 1997 beteiligt) und Theo Gries (1988-1994). Er sorgte mit seinen Zweitliga-Toren (insgesamt 67) in der Tristesse des meist leeren Olympiastadions Anfang der 90er Jahre für Lichtblicke. Bis heute hat er einen eigenen Fanklub. Zu den treffsichersten Sturm-Duos gehörten Thomas Remark und Werner Killmaier. Sie erzielten von 1980 bis 1982 in der Zweiten Liga zusammen erstaunliche 98 Tore.
Aus der Berliner Morgenpost vom 22. Juni 2007
24.06.2007 - 12:43 Uhr
24.06.2007
Die beste Hertha-Elf aller Zeiten
Berliner Morgenpost
Mehr als 1500 Leser haben in den letzten Tagen abgestimmt. Zwei Profis aus dem aktuellen Kader in der Bestenliste
Berlin - Sie, liebe Leser, haben in den vergangenen Tagen für die beste Hertha-Elf aller Zeiten abgestimmt. Das Interesse an der Wahl war groß, wir haben mehr als 1500 Einsendungen erhalten. Knapp war es, aber nun stehen die Spieler der Traumelf fest. Und auch die Gewinner sind gezogen. Der Hauptpreis ist ein Fluggutschein für zwei Personen. Zu der von Ihnen gewählten besten Hertha-Elf aller Zeiten gehören mit Verteidiger Arne Friedrich und Mittelfeldspieler Gilberto zwei Profis aus dem aktuellen Kader. Aber am stärksten vertreten sind diejenigen, die Herthas große Jahre in den 70ern mitgeprägt haben. Wir stellen Ihnen die Gewählten im Einzelnen vor.
Gabor Kiraly (198 Bundesliga-Spiele für Hertha BSC): Den Abwurf an die Latte gab es dann doch nie. Kiraly hatte diesen mal - halb scherzhaft, halb im Ernst - angekündigt. Und die Fans warteten - vergeblich. Der Torwart mit der grauen Jogginghose war der Held der Massen. Doch für die ganz große Karriere hat es nie gereicht. In den letzten drei Jahren spielte er für Crystal Palace, West Ham United und Aston Villa. Zur kommenden Saison wechselt der Ungar zum FC Burnley in die zweite englische Liga. Seine Wahl in die Jahrhundert-Elf von Hertha BSC nimmt der 31-Jährige mit großer Begeisterung auf: "Unglaublich, unfassbar. Das freut mich riesig und macht mich stolz." Die Wahl durch die Fans ist für ihn eine Ehre. "Ich bin nicht nur Hertha-Fan", sagt Kiraly, "sondern auch Fan der Hertha-Fans."
Arne Friedrich (145 Spiele, 13 Tore): Der Verteidiger ist der Führungsspieler im aktuellen Hertha-Kader. Friedrich, seit 2002 im Verein und seit 2004 Kapitän, bringt konstant gute Leistungen und ist ein Vorzeigesportler. Skandale kennt man von ihm nicht. Friedrich hat bereits 49 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft absolviert und wurde mit ihr im vergangenen Jahr WM-Dritter. Er hat sich entschieden, dem Verein mindestens bis 2009 treu zu bleiben.
Michael Sziedat (280 Spiele/zwölf Tore): In Zehlendorf betreibt Sziedat mit seiner Frau zwei Friseursalons. Bei den Spielen von Hertha BSC ist er Stammgast. Gemeinsam mit Tochter Franziska fiebert er im Olympiastadion mit und drückt Arne Friedrich und Co. die Daumen. Herthas Rekordspieler ist nicht immer einverstanden damit, wie sich seine Nachfolger präsentieren. "Den Jungen fehlt häufig einfach der Respekt." Nach drei guten Bundesliga-Spielen sei zu seiner Zeit noch niemand auf die Idee gekommen, eine Gehaltsanhebung zu fordern. "Jahrhundert-Elf, das ist eine tolle Sache", sagt er und denkt, dass die Fans nicht nur seine Leistungen, sondern auch die lange Vereinstreue gewürdigt haben.
Uwe Kliemann (168 Spiele/13 Tore): "Die Leute haben eben Geschmack." Kliemann kommentiert seine Wahl in die Jahrhundert-Elf locker. "Ich finde es bemerkenswert, dass wir Alten bei den Fans noch so präsent sind", sagt er später. Nach seiner Karriere als Fußballer hat Kliemann bei "Arbeit und Leben", einer Einrichtung der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung, gearbeitet. Heute lebt der Berliner in Braunschweig, er ist im Vorruhestand und arbeitet an den Wochenenden als Scout für Werder Bremen. Zu seinem Spitznamen "Funkturm" (Kliemann ist 1,95 Meter groß) ist er übrigens nicht in Berlin gekommen, den haben sie ihm gegeben, als er bei Rot-Weiß Oberhausen spielte (1970-1972).
Ludwig Müller (97 Spiele/10 Tore): "Luggi" hat nicht viel Zeit, wir erreichen ihn auf dem Golfplatz. Die Nachricht von der Wahl in Herthas Jahrhundert-Elf registriert er dennoch mit Freude: "Ich möchte mich bei allen Leuten bedanken, die für mich gestimmt haben. Schön, wenn man nicht vergessen wurde." Nach seiner Zeit bei Hertha hatte Müller seine Karriere bei seinem Heimatverein 1. FC Haßfurt ausklingen. Dort lebt er noch heute und betreibt gemeinsam mit seiner Frau Margot das Damenmodengeschäft "Fashion for Zehe Women". Die Entwicklung bei Hertha verfolgt er noch immer mit großem Interesse. "Drei Jahre habe ich dort gespielt, natürlich registriere ich, was in Berlin passiert."
Wolfgang Sidka (184 Spiele/24 Tore): Sidka lebt derzeit in Bremen. Er wird der Stadt aber demnächst den Rücken kehren und nach Berlin ziehen. In den letzten sechs Jahren war er Trainer in Bahrain und Katar, bei Al Arabi trainierte er Stefan Effenberg und Gabriel Batistuta, im Jahr 2004 wurde er zum Trainer des Jahres gewählt. Die Nationalmannschaft Bahrains führte er von Fifa-Weltranglistenplatz 138 auf Platz 50, dies brachte ihm den dritten Rang bei der Wahl zu Asiens Trainer des Jahres ein. Im Mai diesen Jahres wurde er mit Al Gharafa Vizemeister in Katar. Am 30.06. ist für Sidka das Auslands-Abenteuer beendet, er will nun wieder in Europa arbeiten. "Am liebsten natürlich in Deutschland und der Bundesliga." In der kommenden Saison wird man ihn häufig bei den Spielen von Hertha im Olympiastadion sehen. Seiner alten Mannschaft ist er immer verbunden geblieben. Nachdem er nun in die Traumelf gewählt wurde, "freue ich mich gleich noch viel mehr, wieder nach Berlin zu ziehen", sagt Sidka.
Marcelinho (155 Spiele, 65 Tore): Der Brasilianer prägte Hertha zwischen 2001 und 2006 wie kein Zweiter. Der Ballkünstler, der mit extravaganten Schuhen und Frisuren auffiel, war der Spielgestalter der Mannschaft. Kein anderer hatte in jener Zeit mehr Freistöße, Ecken und Elfmeter getreten und Tore vorbereitet (49). Er war der Mann für die außergewöhnlichen Dinge, zum Beispiel Tore aus fast 50 Meter Entfernung. Außerhalb des Rasens fiel Marcelinho allerdings oft negativ auf (durchzechte Nächte, Verspätungen, Schulden). Deshalb trennte sich der Verein 2006 von ihm - seine fußballerische Eleganz bleibt im Gedächtnis.
Erich Beer (253 Spiele/83 Tore): Wer an Herthas erfolgreiche Zeit in den 70er Jahren denkt, denkt schnell an Erich Beer. 1979 hat der Mittelfeldspieler Hertha verlassen, die Fans haben ihn aber bis heute nicht vergessen. Dass auch seine ehemaligen Mitspieler Sziedat, Kliemann, Müller, Sidka und Horr in die Traumelf gewählt wurden, freut "Ete" besonders: "Das zeigt, dass die damalige Mannschaft bei den Fans einen guten Eindruck hinterlassen hat." So könnte man es ausdrücken.
Gilberto (bislang 86 Spiele/13 Tore): Er ist der Gegenentwurf zu Marcelinho. Sehr ruhig, stets zurückhaltend, Eskapaden neben dem Platz kommen bei ihm nicht vor. Eine Gemeinsamkeit gibt es jedoch zum Landsmann: Auch Gilberto ist ein exzellenter Fußballspieler. Selten spektakulär, aber enorm wichtig bei Hertha. Der neue Trainer Lucien Favre schwärmt bereits jetzt von ihm.
Lorenz Horr (240 Spiele/75 Tore): Er genießt seinen Ruhestand in Enkenbach-Alsenborn. Das Geschehen in der Bundesliga und bei Hertha BSC verfolgt er nur noch am Rande. "Man kann nicht ewig dem Ball hinterherrennen. Ich war so lange dabei, heute habe ich andere Interessen", sagt Horr. Gartenarbeit steht dabei ganz oben. Wann immer es geht, kümmert er sich um seinen Garten. Seine Laufbahn hatte er 1979 beim SV Waldhof Mannheim beendet. Nach einem halben Jahr Pause hatte er eine Lehre als Bauzeichner angefangen und von 1983 bis 1998 in diesem Beruf bei der Fertigbauhausfirma "Neu" in Enkenbach-Alsenborn gearbeitet.
Michael Preetz (196 Spiele/84 Tore): Preetz war kein Filigrantechniker, aber er stand meist da, wo ein Stürmer zu stehen hat. Mit dem Kopf, mit dem Fuß, sogar mit der Hacke traf er ins gegnerische Tor. In der Bundesliga 84 Mal für Hertha - damit überholte er Erich Beer und ist Rekordtorschütze [...].
Die beste Hertha-Elf aller Zeiten
Berliner Morgenpost
Mehr als 1500 Leser haben in den letzten Tagen abgestimmt. Zwei Profis aus dem aktuellen Kader in der Bestenliste
Berlin - Sie, liebe Leser, haben in den vergangenen Tagen für die beste Hertha-Elf aller Zeiten abgestimmt. Das Interesse an der Wahl war groß, wir haben mehr als 1500 Einsendungen erhalten. Knapp war es, aber nun stehen die Spieler der Traumelf fest. Und auch die Gewinner sind gezogen. Der Hauptpreis ist ein Fluggutschein für zwei Personen. Zu der von Ihnen gewählten besten Hertha-Elf aller Zeiten gehören mit Verteidiger Arne Friedrich und Mittelfeldspieler Gilberto zwei Profis aus dem aktuellen Kader. Aber am stärksten vertreten sind diejenigen, die Herthas große Jahre in den 70ern mitgeprägt haben. Wir stellen Ihnen die Gewählten im Einzelnen vor.
Gabor Kiraly (198 Bundesliga-Spiele für Hertha BSC): Den Abwurf an die Latte gab es dann doch nie. Kiraly hatte diesen mal - halb scherzhaft, halb im Ernst - angekündigt. Und die Fans warteten - vergeblich. Der Torwart mit der grauen Jogginghose war der Held der Massen. Doch für die ganz große Karriere hat es nie gereicht. In den letzten drei Jahren spielte er für Crystal Palace, West Ham United und Aston Villa. Zur kommenden Saison wechselt der Ungar zum FC Burnley in die zweite englische Liga. Seine Wahl in die Jahrhundert-Elf von Hertha BSC nimmt der 31-Jährige mit großer Begeisterung auf: "Unglaublich, unfassbar. Das freut mich riesig und macht mich stolz." Die Wahl durch die Fans ist für ihn eine Ehre. "Ich bin nicht nur Hertha-Fan", sagt Kiraly, "sondern auch Fan der Hertha-Fans."
Arne Friedrich (145 Spiele, 13 Tore): Der Verteidiger ist der Führungsspieler im aktuellen Hertha-Kader. Friedrich, seit 2002 im Verein und seit 2004 Kapitän, bringt konstant gute Leistungen und ist ein Vorzeigesportler. Skandale kennt man von ihm nicht. Friedrich hat bereits 49 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft absolviert und wurde mit ihr im vergangenen Jahr WM-Dritter. Er hat sich entschieden, dem Verein mindestens bis 2009 treu zu bleiben.
Michael Sziedat (280 Spiele/zwölf Tore): In Zehlendorf betreibt Sziedat mit seiner Frau zwei Friseursalons. Bei den Spielen von Hertha BSC ist er Stammgast. Gemeinsam mit Tochter Franziska fiebert er im Olympiastadion mit und drückt Arne Friedrich und Co. die Daumen. Herthas Rekordspieler ist nicht immer einverstanden damit, wie sich seine Nachfolger präsentieren. "Den Jungen fehlt häufig einfach der Respekt." Nach drei guten Bundesliga-Spielen sei zu seiner Zeit noch niemand auf die Idee gekommen, eine Gehaltsanhebung zu fordern. "Jahrhundert-Elf, das ist eine tolle Sache", sagt er und denkt, dass die Fans nicht nur seine Leistungen, sondern auch die lange Vereinstreue gewürdigt haben.
Uwe Kliemann (168 Spiele/13 Tore): "Die Leute haben eben Geschmack." Kliemann kommentiert seine Wahl in die Jahrhundert-Elf locker. "Ich finde es bemerkenswert, dass wir Alten bei den Fans noch so präsent sind", sagt er später. Nach seiner Karriere als Fußballer hat Kliemann bei "Arbeit und Leben", einer Einrichtung der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung, gearbeitet. Heute lebt der Berliner in Braunschweig, er ist im Vorruhestand und arbeitet an den Wochenenden als Scout für Werder Bremen. Zu seinem Spitznamen "Funkturm" (Kliemann ist 1,95 Meter groß) ist er übrigens nicht in Berlin gekommen, den haben sie ihm gegeben, als er bei Rot-Weiß Oberhausen spielte (1970-1972).
Ludwig Müller (97 Spiele/10 Tore): "Luggi" hat nicht viel Zeit, wir erreichen ihn auf dem Golfplatz. Die Nachricht von der Wahl in Herthas Jahrhundert-Elf registriert er dennoch mit Freude: "Ich möchte mich bei allen Leuten bedanken, die für mich gestimmt haben. Schön, wenn man nicht vergessen wurde." Nach seiner Zeit bei Hertha hatte Müller seine Karriere bei seinem Heimatverein 1. FC Haßfurt ausklingen. Dort lebt er noch heute und betreibt gemeinsam mit seiner Frau Margot das Damenmodengeschäft "Fashion for Zehe Women". Die Entwicklung bei Hertha verfolgt er noch immer mit großem Interesse. "Drei Jahre habe ich dort gespielt, natürlich registriere ich, was in Berlin passiert."
Wolfgang Sidka (184 Spiele/24 Tore): Sidka lebt derzeit in Bremen. Er wird der Stadt aber demnächst den Rücken kehren und nach Berlin ziehen. In den letzten sechs Jahren war er Trainer in Bahrain und Katar, bei Al Arabi trainierte er Stefan Effenberg und Gabriel Batistuta, im Jahr 2004 wurde er zum Trainer des Jahres gewählt. Die Nationalmannschaft Bahrains führte er von Fifa-Weltranglistenplatz 138 auf Platz 50, dies brachte ihm den dritten Rang bei der Wahl zu Asiens Trainer des Jahres ein. Im Mai diesen Jahres wurde er mit Al Gharafa Vizemeister in Katar. Am 30.06. ist für Sidka das Auslands-Abenteuer beendet, er will nun wieder in Europa arbeiten. "Am liebsten natürlich in Deutschland und der Bundesliga." In der kommenden Saison wird man ihn häufig bei den Spielen von Hertha im Olympiastadion sehen. Seiner alten Mannschaft ist er immer verbunden geblieben. Nachdem er nun in die Traumelf gewählt wurde, "freue ich mich gleich noch viel mehr, wieder nach Berlin zu ziehen", sagt Sidka.
Marcelinho (155 Spiele, 65 Tore): Der Brasilianer prägte Hertha zwischen 2001 und 2006 wie kein Zweiter. Der Ballkünstler, der mit extravaganten Schuhen und Frisuren auffiel, war der Spielgestalter der Mannschaft. Kein anderer hatte in jener Zeit mehr Freistöße, Ecken und Elfmeter getreten und Tore vorbereitet (49). Er war der Mann für die außergewöhnlichen Dinge, zum Beispiel Tore aus fast 50 Meter Entfernung. Außerhalb des Rasens fiel Marcelinho allerdings oft negativ auf (durchzechte Nächte, Verspätungen, Schulden). Deshalb trennte sich der Verein 2006 von ihm - seine fußballerische Eleganz bleibt im Gedächtnis.
Erich Beer (253 Spiele/83 Tore): Wer an Herthas erfolgreiche Zeit in den 70er Jahren denkt, denkt schnell an Erich Beer. 1979 hat der Mittelfeldspieler Hertha verlassen, die Fans haben ihn aber bis heute nicht vergessen. Dass auch seine ehemaligen Mitspieler Sziedat, Kliemann, Müller, Sidka und Horr in die Traumelf gewählt wurden, freut "Ete" besonders: "Das zeigt, dass die damalige Mannschaft bei den Fans einen guten Eindruck hinterlassen hat." So könnte man es ausdrücken.
Gilberto (bislang 86 Spiele/13 Tore): Er ist der Gegenentwurf zu Marcelinho. Sehr ruhig, stets zurückhaltend, Eskapaden neben dem Platz kommen bei ihm nicht vor. Eine Gemeinsamkeit gibt es jedoch zum Landsmann: Auch Gilberto ist ein exzellenter Fußballspieler. Selten spektakulär, aber enorm wichtig bei Hertha. Der neue Trainer Lucien Favre schwärmt bereits jetzt von ihm.
Lorenz Horr (240 Spiele/75 Tore): Er genießt seinen Ruhestand in Enkenbach-Alsenborn. Das Geschehen in der Bundesliga und bei Hertha BSC verfolgt er nur noch am Rande. "Man kann nicht ewig dem Ball hinterherrennen. Ich war so lange dabei, heute habe ich andere Interessen", sagt Horr. Gartenarbeit steht dabei ganz oben. Wann immer es geht, kümmert er sich um seinen Garten. Seine Laufbahn hatte er 1979 beim SV Waldhof Mannheim beendet. Nach einem halben Jahr Pause hatte er eine Lehre als Bauzeichner angefangen und von 1983 bis 1998 in diesem Beruf bei der Fertigbauhausfirma "Neu" in Enkenbach-Alsenborn gearbeitet.
Michael Preetz (196 Spiele/84 Tore): Preetz war kein Filigrantechniker, aber er stand meist da, wo ein Stürmer zu stehen hat. Mit dem Kopf, mit dem Fuß, sogar mit der Hacke traf er ins gegnerische Tor. In der Bundesliga 84 Mal für Hertha - damit überholte er Erich Beer und ist Rekordtorschütze [...].
24.06.2007 - 16:12 Uhr
Sommer, Sonne, Marcelinho
Es gibt nicht nur einen Marcelinho in Brasilien. Auf der Bank sitzen vier Männer mit blond gefärbten Haaren. Ihre freien, gebräunten Oberkörper sind tätowiert. Sie sehen alle aus wie Marcelinho. Der Fußballer ist aber gar nicht dabei.
Der Fußballer schläft. Seine Freunde feiern derweil weiter. Etwa zwanzig Gäste haben sich auf Marcelinhos Finca im brasilianischen Campina Grande eingefunden. Es sind seine größten Fans und besten Freunde zugleich. Marcelinho ist mit den meisten von ihnen aufgewachsen – jetzt leben sie von seinem Geld und feiern ihn dafür. Der Fußball-Profi besorgt ihnen Autos und sogar Häuser. „Er hat uns schon ungefähr zehn Anwesen gekauft“, sagt Wilson mit den blond gefärbten Haaren. Wie viele genau, weiß hier keiner.
Das Konterfei von Marcelinho hat sich Wilson auf den Oberarm tätowieren lassen, ein anderer Kumpel ebenfalls. „Até a morte“ steht bei ihm darunter – bis zum Tod. Unter der Tätowierung von Wilson steht nichts. Der 33-Jährige will trotzdem immer bei Marcelinho bleiben, sagt er. Auch wenn dieser in ein paar Jahren nicht mehr in der Bundesliga für den VfL Wolfsburg spielt. „Er ist ein Geschenk Gottes“, sagt Wilson und zeigt nach oben.
Mit seinen vielen Amigos verbringt Marcelinho die Sommerpause, in der er nicht Fußball spielen muss. Für die Zeit mit ihnen in seiner Heimatstadt Campina Grande ließ er gern auch schon mal ein paar Tage Training sausen. Bei seinem ehemaligen Verein Hertha BSC kostete ihn das am Ende den Job – der Klub verkaufte ihn im Sommer 2006, nachdem Marcelinho zehn Tage zu spät aus Brasilien zurückgekehrt war. Campina Grande ist Marcelinhos Rückzugsgebiet, hier kann er das stressige Deutschland vergessen: Reporter, Skandale, den Druck. Hier ist er der uneingeschränkte König. Wenn Marcelinho in einem der kleinen Häuschen auf seiner Finca aufwacht und vor die Tür tritt, stürzt gleich eine Schar von Freunden auf ihn zu. „Geht es dir gut, Marcelo?“ – „Brauchst du etwas?“
Auf deutsche Journalisten hat Marcelinho in seinem Reich nicht viel Lust. Er möchte eigentlich niemanden hereinlassen in seine kleine verrückte Welt. Ein paar Einblicke lässt der Brasilianer dann aber doch zu. In der Mitte seines Urlaubs veranstaltet er eine große Party anlässlich des zehnten Geburtstages seiner Tochter. Nicht weniger als 200 Gäste sind geladen. Nach den Kindern feiern die Erwachsenen, alle sind ausgelassen. Kellner stapeln Dosenbier auf großen Tabletts und laufen so lange durch den Saal, bis die Gäste alles abgegriffen haben. Meistens dauert das nicht länger als zwei Minuten. Auf der Bühne spielt „Chiquita Bakana“, eine von Marcelinho finanzierte Band. Forró heißt ihr fröhlicher, traditioneller Musikstil, der im Nordosten Brasiliens entstanden ist. Marcelinho steht in der ersten Reihe und wippt im Takt. „Das ist meine Band“, brüllt er. Für eine tiefer gehende Unterhaltung ist es im Saal zu laut. Um Marcelinho herum stehen sie wieder, die Männer mit den blond gefärbten Haaren. Seine Doppelgänger.
Allerdings: Nicht jeder in Campina Grande möchte so sein wie Marcelinho. Viele der 380 000 Einwohner kennen Marcelinho Paraíba, wie er hier genannt wird. Nicht alle haben ihn gern. „Eigentlich ist er ein guter Junge“, sagt Joao Batista, der als Taxifahrer arbeitet. „Aber er weiß seine Freunde nicht auszuwählen. Die wollen den ganzen Tag nur feiern, sie tun nichts anderes. Und sie beraten ihn schlecht.“ Batista ist viel in Alto do Branco unterwegs, dem gehobenen Viertel auf den Bergen, in dem Marcelinho jetzt lebt. Er hat viele Geschichten von und über den Fußballstar gehört. Batista glaubt, dass Marcelinho ausgenutzt wird. Einmal seien ihm 2000 Reais (knapp 800 Euro) von einem seiner sogenannten Freunde gestohlen worden. Marcelinho soll darüber enttäuscht gewesen sein – der Freund hätte ihn doch nur fragen müssen. „Marcelinho tut alles für seine Freunde. Für die anderen Menschen in der Stadt tut er leider nicht so viel“, sagt Batista. Marcelinho sieht das anders. Er hat einmal Dutzende Trikots an die Kinder in der Stadt verteilt, einem Behinderten schenkte er einen Rollstuhl.
Marcelo dos Santos, so sein bürgerlicher Name, kommt aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater war zuerst ein schlecht bezahlter Fußballprofi, dann ein Maurergehilfe. Den Sohn schickte er ins Stadion, um Eis zu verkaufen. So ist Marcelinho zusammen mit seinen vier Schwestern in José Pinheiro aufgewachsen. Die Gegend zählt zu den ärmsten in Campina Grande. Dorthin sollte man besser ohne Rucksack gehen, sagen die Leute in der Stadt.
In José Pinheiro sind die Straßen staubig. Es ist ein Donnerstag, Mittagszeit. Vor den teilweise nur halb fertig gebauten, einstöckigen Häusern sitzen Menschen. Sie trinken etwas oder tun einfach nichts. Der Stadtteil ist keine Favela, aber wohl so etwas wie die Vorstufe davon. Ein Teil der Familie Marcelinhos lebt noch immer hier. Seiner Oma wollte Marcelo dos Santos ein Haus in einem anderen Teil der Stadt kaufen. Sie lehnte ab – sie habe Gott das Versprechen gegeben, nicht wegzuziehen. Ursprünglich hatte Marcelinho gar eine 13 Hektar große Fläche mit mehreren Villen für seine Familie vorgesehen. Er kaufte das Land, doch die Kredite waren überteuert, es fielen hohe Zinsen an. Das Projekt liegt jetzt brach. Eine von Marcelinhos Schwestern, Sandra, lebt wie die Oma noch in José Pinheiro. „Marcelinho kommt uns häufig hier besuchen. Eigentlich immer, wenn er zu Hause ist. Er ist ein guter Bruder“, sagt sie.
Marcelo Paraíba hat seine Herkunft nie verleugnet. Im Gegenteil. Als er Ende der Neunzigerjahre für den FC São Paulo spielte, hat er es allen gezeigt. Nach einem Tor zog er sich das Trikot aus, darunter trug er ein T-Shirt mit der Aufschrift: 100 Prozent Paraíba. Seine Heimat Paraíba ist der wirtschaftlich schwache Bundesstaat im Nordosten von Brasilien. Im Süden, vor allem in São Paulo, wird der Nordosten als ein wenig rückständig belächelt. Von der Regierung Paraíbas wurde Marcelinho für seine Geste ausgezeichnet. Zu der Ehrung erschien er ganz einfach mit kurzen Hosen – dabei ist solch ein Outfit in Brasilien bei offiziellen Anlässen verpönt.
Auch in Deutschland hat sich Marcelinho oft ein bisschen anders benommen als erwartet. Allein in seinen fünf Jahren bei Hertha entfachte er mehr Skandale als die meisten Fußballprofis in ihrer ganzen Karriere. Er feierte bis zum Frühstück, nachdem seine Mannschaft ein wichtiges Spiel verloren hatte. Er raste über den Kaiserdamm – mit 120 Stundenkilometern. Er geriet in finanzielle Schwierigkeiten, trotz fast zwei Millionen Euro Jahresgehalt. Und dennoch liebten ihn die Fans in Berlin. Auf dem Platz war er immer einer der Stärksten.
„Eigentlich ist sein Körper ein Wunder“, hat einer aus Herthas medizinischer Abteilung mal gesagt. „Der feiert bis um fünf und ist beim Laufen am nächsten Tag trotzdem der Schnellste.“ Im Sommer 2006 musste er dann gehen, sein eigenmächtig verlängerter Urlaub war eine Undiszipliniertheit zu viel. Die Balance zwischen seinen Leistungen und seinen Verfehlungen hatte nicht mehr gestimmt, befanden die Verantwortlichen. Beim türkischen Klub Trabzonspor fühlte Marcelinho sich unwohl; er musste auf der linken Außenbahn spielen anstatt auf seiner Lieblingsposition in der Zentrale. Marcelinho und die Türkei fanden nie zueinander. „Die Leute waren manchmal richtig sauer, obwohl wir 1:0 gewonnen hatten“, erinnert sich Marcelinho. „Das habe ich nicht verstanden.“ Als der VfL Wolfsburg den Mittelfeldspieler im vorigen Winter überraschend verpflichtete, freuten sich fast alle Fußballfans in Deutschland über die Rückkehr des Party-Spielers. „Er ist ein Farbtupfer für die Bundesliga“, sagte sogar Herthas Manager Dieter Hoeneß. Und Marcelinho wusste auf Anhieb wieder zu begeistern. Er spielte, als sei er nie weg gewesen: In 17 Spielen schoss er fünf Tore und lieferte acht Vorlagen.
In Wolfsburg führt Marcelinho ein ruhigeres Leben, als er das in Berlin getan hatte. Der 32-Jährige sagt, er sei reifer geworden. Vielleicht lässt sich auch in Wolfsburg nicht so viel anstellen. Im Sommer in Campina Grande holt Marcelinho ein bisschen davon nach.
Auf seiner Finca im bergigen, grünen Stadtteil Várzea Grande ist eine Party schnell organisiert. Vor dem schwarzen Truck seiner Band „Chiquita Bakana“ stehen zwei überdimensionierte Boxen, aus denen der Bass scheppert. Es wird getanzt und lässig herumgesessen. Langweilig wird es dem Fanklub offenbar nie. Gefeiert wird bis in die Morgenstunden. Am nächsten Tag geht es von vorne los.
Die zwei Häuschen auf der Finca sind mit Graffiti verziert – sie zeigen Marcelinho, seine Familie und die Logos der Klubs, bei denen er gespielt hat. Der VfL Wolfsburg ist noch nicht dabei. „Der muss unbedingt noch drauf“, sagt Marcelinhos Kumpel Wilson. Mit seinen Freunden will sich Marcelinho auf der Feier nicht fotografieren lassen – nach ein paar Posen vor dem Pool und dem Familiengraffiti will er wieder für sich sein. „Ich genieße meinen Urlaub und will mich nur um die Dinge hier kümmern“, sagt er. Ob er sich schon auf Deutschland freut? „In der Rückrunde hat man gesehen, das ich noch der Alte bin“, sagt Marcelinho. „Deshalb freue ich mich sehr auf die neue Saison.“ Ob die Freude auch auf der Seite des neuen Wolfsburger Trainers Felix Magath liegt? Magath gilt schließlich als jemand, der viel Wert auf Disziplin legt. „Ich bin schon mit vielen Trainer zurecht gekommen, die einen harten Ruf hatten“, gibt Marcelinho zurück – und meint wohl auch Klaus Augenthaler, Wolfsburgs früheren Coach.
Nach der Fete fährt Marcelinho wieder zurück nach Alto do Branco, zu seinen beiden Kindern und seiner Frau. Vor dem Haus sitzt ein Mann für die Sicherheit, die Pistole steckt unter seiner Weste. Das zweistöckige, großzügig eingerichtete Haus, wird rund um die Uhr bewacht. Wenn der Sicherheitsmann auf einen Knopf auf seiner Fernbedienung drückt, schiebt sich das Metalltor heulend zur Seite. Ein Luxuswagen und zwei Motorräder stehen in der Einfahrt vor dem großen Swimmingpool. Im Haus spielt eine ganze Schar Kinder. Marcelinhos Frau und sein Sohn haben Freunde eingeladen. Auch sie feiern noch ein bisschen Brasilien, bevor es nach Deutschland zurückgeht. Am 30. Juni will Marcelinho wieder in Wolfsburg sein. Er hat drei Tage Sonderurlaub beantragt.
http://www.tagesspiegel.de/sport/;art272,2327387
Es gibt nicht nur einen Marcelinho in Brasilien. Auf der Bank sitzen vier Männer mit blond gefärbten Haaren. Ihre freien, gebräunten Oberkörper sind tätowiert. Sie sehen alle aus wie Marcelinho. Der Fußballer ist aber gar nicht dabei.
Der Fußballer schläft. Seine Freunde feiern derweil weiter. Etwa zwanzig Gäste haben sich auf Marcelinhos Finca im brasilianischen Campina Grande eingefunden. Es sind seine größten Fans und besten Freunde zugleich. Marcelinho ist mit den meisten von ihnen aufgewachsen – jetzt leben sie von seinem Geld und feiern ihn dafür. Der Fußball-Profi besorgt ihnen Autos und sogar Häuser. „Er hat uns schon ungefähr zehn Anwesen gekauft“, sagt Wilson mit den blond gefärbten Haaren. Wie viele genau, weiß hier keiner.
Das Konterfei von Marcelinho hat sich Wilson auf den Oberarm tätowieren lassen, ein anderer Kumpel ebenfalls. „Até a morte“ steht bei ihm darunter – bis zum Tod. Unter der Tätowierung von Wilson steht nichts. Der 33-Jährige will trotzdem immer bei Marcelinho bleiben, sagt er. Auch wenn dieser in ein paar Jahren nicht mehr in der Bundesliga für den VfL Wolfsburg spielt. „Er ist ein Geschenk Gottes“, sagt Wilson und zeigt nach oben.
Mit seinen vielen Amigos verbringt Marcelinho die Sommerpause, in der er nicht Fußball spielen muss. Für die Zeit mit ihnen in seiner Heimatstadt Campina Grande ließ er gern auch schon mal ein paar Tage Training sausen. Bei seinem ehemaligen Verein Hertha BSC kostete ihn das am Ende den Job – der Klub verkaufte ihn im Sommer 2006, nachdem Marcelinho zehn Tage zu spät aus Brasilien zurückgekehrt war. Campina Grande ist Marcelinhos Rückzugsgebiet, hier kann er das stressige Deutschland vergessen: Reporter, Skandale, den Druck. Hier ist er der uneingeschränkte König. Wenn Marcelinho in einem der kleinen Häuschen auf seiner Finca aufwacht und vor die Tür tritt, stürzt gleich eine Schar von Freunden auf ihn zu. „Geht es dir gut, Marcelo?“ – „Brauchst du etwas?“
Auf deutsche Journalisten hat Marcelinho in seinem Reich nicht viel Lust. Er möchte eigentlich niemanden hereinlassen in seine kleine verrückte Welt. Ein paar Einblicke lässt der Brasilianer dann aber doch zu. In der Mitte seines Urlaubs veranstaltet er eine große Party anlässlich des zehnten Geburtstages seiner Tochter. Nicht weniger als 200 Gäste sind geladen. Nach den Kindern feiern die Erwachsenen, alle sind ausgelassen. Kellner stapeln Dosenbier auf großen Tabletts und laufen so lange durch den Saal, bis die Gäste alles abgegriffen haben. Meistens dauert das nicht länger als zwei Minuten. Auf der Bühne spielt „Chiquita Bakana“, eine von Marcelinho finanzierte Band. Forró heißt ihr fröhlicher, traditioneller Musikstil, der im Nordosten Brasiliens entstanden ist. Marcelinho steht in der ersten Reihe und wippt im Takt. „Das ist meine Band“, brüllt er. Für eine tiefer gehende Unterhaltung ist es im Saal zu laut. Um Marcelinho herum stehen sie wieder, die Männer mit den blond gefärbten Haaren. Seine Doppelgänger.
Allerdings: Nicht jeder in Campina Grande möchte so sein wie Marcelinho. Viele der 380 000 Einwohner kennen Marcelinho Paraíba, wie er hier genannt wird. Nicht alle haben ihn gern. „Eigentlich ist er ein guter Junge“, sagt Joao Batista, der als Taxifahrer arbeitet. „Aber er weiß seine Freunde nicht auszuwählen. Die wollen den ganzen Tag nur feiern, sie tun nichts anderes. Und sie beraten ihn schlecht.“ Batista ist viel in Alto do Branco unterwegs, dem gehobenen Viertel auf den Bergen, in dem Marcelinho jetzt lebt. Er hat viele Geschichten von und über den Fußballstar gehört. Batista glaubt, dass Marcelinho ausgenutzt wird. Einmal seien ihm 2000 Reais (knapp 800 Euro) von einem seiner sogenannten Freunde gestohlen worden. Marcelinho soll darüber enttäuscht gewesen sein – der Freund hätte ihn doch nur fragen müssen. „Marcelinho tut alles für seine Freunde. Für die anderen Menschen in der Stadt tut er leider nicht so viel“, sagt Batista. Marcelinho sieht das anders. Er hat einmal Dutzende Trikots an die Kinder in der Stadt verteilt, einem Behinderten schenkte er einen Rollstuhl.
Marcelo dos Santos, so sein bürgerlicher Name, kommt aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater war zuerst ein schlecht bezahlter Fußballprofi, dann ein Maurergehilfe. Den Sohn schickte er ins Stadion, um Eis zu verkaufen. So ist Marcelinho zusammen mit seinen vier Schwestern in José Pinheiro aufgewachsen. Die Gegend zählt zu den ärmsten in Campina Grande. Dorthin sollte man besser ohne Rucksack gehen, sagen die Leute in der Stadt.
In José Pinheiro sind die Straßen staubig. Es ist ein Donnerstag, Mittagszeit. Vor den teilweise nur halb fertig gebauten, einstöckigen Häusern sitzen Menschen. Sie trinken etwas oder tun einfach nichts. Der Stadtteil ist keine Favela, aber wohl so etwas wie die Vorstufe davon. Ein Teil der Familie Marcelinhos lebt noch immer hier. Seiner Oma wollte Marcelo dos Santos ein Haus in einem anderen Teil der Stadt kaufen. Sie lehnte ab – sie habe Gott das Versprechen gegeben, nicht wegzuziehen. Ursprünglich hatte Marcelinho gar eine 13 Hektar große Fläche mit mehreren Villen für seine Familie vorgesehen. Er kaufte das Land, doch die Kredite waren überteuert, es fielen hohe Zinsen an. Das Projekt liegt jetzt brach. Eine von Marcelinhos Schwestern, Sandra, lebt wie die Oma noch in José Pinheiro. „Marcelinho kommt uns häufig hier besuchen. Eigentlich immer, wenn er zu Hause ist. Er ist ein guter Bruder“, sagt sie.
Marcelo Paraíba hat seine Herkunft nie verleugnet. Im Gegenteil. Als er Ende der Neunzigerjahre für den FC São Paulo spielte, hat er es allen gezeigt. Nach einem Tor zog er sich das Trikot aus, darunter trug er ein T-Shirt mit der Aufschrift: 100 Prozent Paraíba. Seine Heimat Paraíba ist der wirtschaftlich schwache Bundesstaat im Nordosten von Brasilien. Im Süden, vor allem in São Paulo, wird der Nordosten als ein wenig rückständig belächelt. Von der Regierung Paraíbas wurde Marcelinho für seine Geste ausgezeichnet. Zu der Ehrung erschien er ganz einfach mit kurzen Hosen – dabei ist solch ein Outfit in Brasilien bei offiziellen Anlässen verpönt.
Auch in Deutschland hat sich Marcelinho oft ein bisschen anders benommen als erwartet. Allein in seinen fünf Jahren bei Hertha entfachte er mehr Skandale als die meisten Fußballprofis in ihrer ganzen Karriere. Er feierte bis zum Frühstück, nachdem seine Mannschaft ein wichtiges Spiel verloren hatte. Er raste über den Kaiserdamm – mit 120 Stundenkilometern. Er geriet in finanzielle Schwierigkeiten, trotz fast zwei Millionen Euro Jahresgehalt. Und dennoch liebten ihn die Fans in Berlin. Auf dem Platz war er immer einer der Stärksten.
„Eigentlich ist sein Körper ein Wunder“, hat einer aus Herthas medizinischer Abteilung mal gesagt. „Der feiert bis um fünf und ist beim Laufen am nächsten Tag trotzdem der Schnellste.“ Im Sommer 2006 musste er dann gehen, sein eigenmächtig verlängerter Urlaub war eine Undiszipliniertheit zu viel. Die Balance zwischen seinen Leistungen und seinen Verfehlungen hatte nicht mehr gestimmt, befanden die Verantwortlichen. Beim türkischen Klub Trabzonspor fühlte Marcelinho sich unwohl; er musste auf der linken Außenbahn spielen anstatt auf seiner Lieblingsposition in der Zentrale. Marcelinho und die Türkei fanden nie zueinander. „Die Leute waren manchmal richtig sauer, obwohl wir 1:0 gewonnen hatten“, erinnert sich Marcelinho. „Das habe ich nicht verstanden.“ Als der VfL Wolfsburg den Mittelfeldspieler im vorigen Winter überraschend verpflichtete, freuten sich fast alle Fußballfans in Deutschland über die Rückkehr des Party-Spielers. „Er ist ein Farbtupfer für die Bundesliga“, sagte sogar Herthas Manager Dieter Hoeneß. Und Marcelinho wusste auf Anhieb wieder zu begeistern. Er spielte, als sei er nie weg gewesen: In 17 Spielen schoss er fünf Tore und lieferte acht Vorlagen.
In Wolfsburg führt Marcelinho ein ruhigeres Leben, als er das in Berlin getan hatte. Der 32-Jährige sagt, er sei reifer geworden. Vielleicht lässt sich auch in Wolfsburg nicht so viel anstellen. Im Sommer in Campina Grande holt Marcelinho ein bisschen davon nach.
Auf seiner Finca im bergigen, grünen Stadtteil Várzea Grande ist eine Party schnell organisiert. Vor dem schwarzen Truck seiner Band „Chiquita Bakana“ stehen zwei überdimensionierte Boxen, aus denen der Bass scheppert. Es wird getanzt und lässig herumgesessen. Langweilig wird es dem Fanklub offenbar nie. Gefeiert wird bis in die Morgenstunden. Am nächsten Tag geht es von vorne los.
Die zwei Häuschen auf der Finca sind mit Graffiti verziert – sie zeigen Marcelinho, seine Familie und die Logos der Klubs, bei denen er gespielt hat. Der VfL Wolfsburg ist noch nicht dabei. „Der muss unbedingt noch drauf“, sagt Marcelinhos Kumpel Wilson. Mit seinen Freunden will sich Marcelinho auf der Feier nicht fotografieren lassen – nach ein paar Posen vor dem Pool und dem Familiengraffiti will er wieder für sich sein. „Ich genieße meinen Urlaub und will mich nur um die Dinge hier kümmern“, sagt er. Ob er sich schon auf Deutschland freut? „In der Rückrunde hat man gesehen, das ich noch der Alte bin“, sagt Marcelinho. „Deshalb freue ich mich sehr auf die neue Saison.“ Ob die Freude auch auf der Seite des neuen Wolfsburger Trainers Felix Magath liegt? Magath gilt schließlich als jemand, der viel Wert auf Disziplin legt. „Ich bin schon mit vielen Trainer zurecht gekommen, die einen harten Ruf hatten“, gibt Marcelinho zurück – und meint wohl auch Klaus Augenthaler, Wolfsburgs früheren Coach.
Nach der Fete fährt Marcelinho wieder zurück nach Alto do Branco, zu seinen beiden Kindern und seiner Frau. Vor dem Haus sitzt ein Mann für die Sicherheit, die Pistole steckt unter seiner Weste. Das zweistöckige, großzügig eingerichtete Haus, wird rund um die Uhr bewacht. Wenn der Sicherheitsmann auf einen Knopf auf seiner Fernbedienung drückt, schiebt sich das Metalltor heulend zur Seite. Ein Luxuswagen und zwei Motorräder stehen in der Einfahrt vor dem großen Swimmingpool. Im Haus spielt eine ganze Schar Kinder. Marcelinhos Frau und sein Sohn haben Freunde eingeladen. Auch sie feiern noch ein bisschen Brasilien, bevor es nach Deutschland zurückgeht. Am 30. Juni will Marcelinho wieder in Wolfsburg sein. Er hat drei Tage Sonderurlaub beantragt.
http://www.tagesspiegel.de/sport/;art272,2327387
29.06.2007 - 12:54 Uhr
Zitat von Herthafan1892:
Yildiray Bastürk: Es haben sich einige Bundesligavereine, aber auch ausländische Klubs, zum Beispiel aus England und Spanien, um mich bemüht, wofür ich mich nachträglich bedanken möchte. Aber ich wollte unbedingt in der Bundesliga bleiben und Champions League spielen.
blablabla! was lässt der sich dann ne ausstiegsklausel für seine acht lieblingsvereine im ausland in den vertrag schreiben? unglaublich wie verlogen dieser mann ist! :angry
Yildiray Bastürk: Es haben sich einige Bundesligavereine, aber auch ausländische Klubs, zum Beispiel aus England und Spanien, um mich bemüht, wofür ich mich nachträglich bedanken möchte. Aber ich wollte unbedingt in der Bundesliga bleiben und Champions League spielen.
blablabla! was lässt der sich dann ne ausstiegsklausel für seine acht lieblingsvereine im ausland in den vertrag schreiben? unglaublich wie verlogen dieser mann ist! :angry
30.06.2007 - 09:45 Uhr
Kaiserslautern im Blick, Berlin im Sinn
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Trainer des 1. FC Kaiserslautern Kjetil Rekdal. - Foto: dpa Von Daniel Meuren, Kaiserslautern
29.06.2007 23:00 Uhr Von Daniel Meuren, Kaiserslautern
29.06.2007 23:00 Uhr
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Am Donnerstagnachmittag hat Kjetil Rekdal erstmals ein Auto hinauf den Betzenberg gesteuert. Auf dem Weg zum Trainingsauftakt im Fritz-Walter-Stadion kam der neue Trainer des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern an Kunstwerken vorbei, die von der Fußball-Besessenheit der Pfälzer zeugen. An einem Kreisel erinnern beispielsweise elf rot angemalte Figuren an die Walter-Elf und die größte Zeit der „Roten Teufel“ in den Fünfzigerjahren. Die Plastikmänner stehen im Kreis. Damit es auch der einfältigste Fußballfreund versteht, ist das Kunstwerk zusätzlich mit „Elf Freunde“ betitelt.
Als eine Einheit wünschen sich die der Nostalgie sehr zugänglichen Pfälzer auch ihr Team der Gegenwart, nachdem in den vergangenen Jahren Egoismus auf dem Spielfeld den Klub von den Höhen des Titelgewinns 1998 bis in die Zweitklassigkeit geführt hat. Im vergangenen Jahr gab der Absteiger dort als Sechster ein ganz schlechtes Bild ab. Mit dem neuen Trainer Rekdal soll nun alles besser werden als unter Vorgänger Wolfgang Wolf. „Ich weiß noch, wie ich hier mit Hertha mal bis zur 75. Minute mit 3:1 geführt habe“, erinnert sich der zwischen 1997 und 2000 in Berlin aktive und geschätzte ehemalige Profi. „Dann haben wir noch 3:4 verloren – vor allem gegen dieses Stadion und die Fans. Da will ich den Verein wieder hinbringen.“ Die geeignete Spielphilosophie für den Weg zurück in eine bessere Zukunft bringt der 38 Jahre alte Trainer mit. In sechs Jahren als Übungsleiter bei Valerenga Oslo erwarb sich Rekdal Renommee, das ihn bei jeder Trainersuche der Hertha in den Vorjahren in den engen Kandidatenkreis brachte. Mit Lierse SK stieg er allerdings zuletzt aus der ersten belgischen Liga ab.
Nun aber ist Rekdal in Kaiserslautern. Dem 83-maligen norwegischen Nationalspieler eilt der Ruf voraus, dass er bedingungslos offensiv agieren lässt. „Ich will, dass meine Spieler Gas geben. Jeder muss Verantwortung übernehmen.“ Genau an solchen Typen fehlt es Rekdal aber im Kader. Trotz all der Schwierigkeiten vor einer Saison in der womöglich stärksten Zweiten Bundesliga aller Zeiten bereut Rekdal seinen Wechsel in die Pfalz keineswegs. „Die Liga ist mehr wert als die belgische Erste, weil man hier mehr Wert legt auf Fußball“, sagt er. „Außerdem habe ich auch in Norwegen in der Zweiten Liga angefangen und Valerenga dann bis zur Meisterschaft geführt.“
Mit Kaiserslautern dürfte ihm das wohl so schnell nicht gelingen – auch wenn Otto Rehhagel das ja vor zehn (Aufstieg) und neun Jahren (Meister) vorgemacht hat. Eher schon könnte Rekdal sich mit erfolgreicher Arbeit in der Pfalz für spätere höhere Weihen in Berlin empfehlen. „Ich habe bei meinem Abschied bei Hertha gesagt, dass ich vielleicht als Trainer zurückkehre“, sagte Rekdal. „Ich würde gerne irgendwann mal den Ruf bestätigen, den ich dort als Spieler hatte.“
Kaiserslautern im Blick, Berlin im Sinn
http://www.tagesspiegel.de/sport/Fussball-Zweite-Liga;art133,2330958
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Trainer des 1. FC Kaiserslautern Kjetil Rekdal. - Foto: dpa Von Daniel Meuren, Kaiserslautern
29.06.2007 23:00 Uhr Von Daniel Meuren, Kaiserslautern
29.06.2007 23:00 Uhr
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Am Donnerstagnachmittag hat Kjetil Rekdal erstmals ein Auto hinauf den Betzenberg gesteuert. Auf dem Weg zum Trainingsauftakt im Fritz-Walter-Stadion kam der neue Trainer des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern an Kunstwerken vorbei, die von der Fußball-Besessenheit der Pfälzer zeugen. An einem Kreisel erinnern beispielsweise elf rot angemalte Figuren an die Walter-Elf und die größte Zeit der „Roten Teufel“ in den Fünfzigerjahren. Die Plastikmänner stehen im Kreis. Damit es auch der einfältigste Fußballfreund versteht, ist das Kunstwerk zusätzlich mit „Elf Freunde“ betitelt.
Als eine Einheit wünschen sich die der Nostalgie sehr zugänglichen Pfälzer auch ihr Team der Gegenwart, nachdem in den vergangenen Jahren Egoismus auf dem Spielfeld den Klub von den Höhen des Titelgewinns 1998 bis in die Zweitklassigkeit geführt hat. Im vergangenen Jahr gab der Absteiger dort als Sechster ein ganz schlechtes Bild ab. Mit dem neuen Trainer Rekdal soll nun alles besser werden als unter Vorgänger Wolfgang Wolf. „Ich weiß noch, wie ich hier mit Hertha mal bis zur 75. Minute mit 3:1 geführt habe“, erinnert sich der zwischen 1997 und 2000 in Berlin aktive und geschätzte ehemalige Profi. „Dann haben wir noch 3:4 verloren – vor allem gegen dieses Stadion und die Fans. Da will ich den Verein wieder hinbringen.“ Die geeignete Spielphilosophie für den Weg zurück in eine bessere Zukunft bringt der 38 Jahre alte Trainer mit. In sechs Jahren als Übungsleiter bei Valerenga Oslo erwarb sich Rekdal Renommee, das ihn bei jeder Trainersuche der Hertha in den Vorjahren in den engen Kandidatenkreis brachte. Mit Lierse SK stieg er allerdings zuletzt aus der ersten belgischen Liga ab.
Nun aber ist Rekdal in Kaiserslautern. Dem 83-maligen norwegischen Nationalspieler eilt der Ruf voraus, dass er bedingungslos offensiv agieren lässt. „Ich will, dass meine Spieler Gas geben. Jeder muss Verantwortung übernehmen.“ Genau an solchen Typen fehlt es Rekdal aber im Kader. Trotz all der Schwierigkeiten vor einer Saison in der womöglich stärksten Zweiten Bundesliga aller Zeiten bereut Rekdal seinen Wechsel in die Pfalz keineswegs. „Die Liga ist mehr wert als die belgische Erste, weil man hier mehr Wert legt auf Fußball“, sagt er. „Außerdem habe ich auch in Norwegen in der Zweiten Liga angefangen und Valerenga dann bis zur Meisterschaft geführt.“
Mit Kaiserslautern dürfte ihm das wohl so schnell nicht gelingen – auch wenn Otto Rehhagel das ja vor zehn (Aufstieg) und neun Jahren (Meister) vorgemacht hat. Eher schon könnte Rekdal sich mit erfolgreicher Arbeit in der Pfalz für spätere höhere Weihen in Berlin empfehlen. „Ich habe bei meinem Abschied bei Hertha gesagt, dass ich vielleicht als Trainer zurückkehre“, sagte Rekdal. „Ich würde gerne irgendwann mal den Ruf bestätigen, den ich dort als Spieler hatte.“
Kaiserslautern im Blick, Berlin im Sinn
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