BVB - Taktik-Thread
20.01.2006 - 12:09 Uhr
28.05.2021 - 18:42 Uhr
@BVBBC, @barcaberlin u.a.
3er-Kette vs. 4-Kette und andere Aspekte
- Die 4er-Kette lässt sich offensiv asymmetrisch spielen. Ein AV geht steiler, einer hält sich zurück. Auch abwechselnd möglich. Gehen beide steil, wird das System bei Ballverlust über die Außenbahnen sehr konteranfällig, es sei denn ein DM/ZM-Spieler orientiert sich dann mehr im Rückraum, um die beiden IV direkt unterstützen zu können, was aber die eigentliche stärkere Offensivkraft durchs Zentrum wieder schwächt.
- Die 3er-Kette lässt sich eher nicht asymmetrisch spielen, weil RAV und LAV beide deutlich mehr Aufgaben im Bereich des offensiven Spielaufbaus haben (z.B. Kombinationsspiel zwischen Außenbahn und MItte mitgestalten, RA oder LA bis zur gegnerischen Grundlinie auf der Außenbahn hinterlaufen). Kleben RAV und LAV gleichzeitig zu sehr an der Außenbahn, wird das Zentrumsspiel (das ohnehin zahlenmäßig schwächer besetzt ist) vernachlässigt und lässt sich auch defensiv nur schwer verdichten (Gefahr gegnerischer Überzahl durchs Zentrum hindurch). Andererseits steht außer bei überfallartigen Kontern des Gegners defensiv meist eben die 3er-Kette bereit.
- Die 4er-Kette lässt im DM/ZM/(OM) einige Varianten zu (auch Raute), v.a. aber lässt sie eine starke Verdichtung des Zentrums deutlich leichter zu als die 3er/5er-Kette, weil im Prinzip immer ein Spieler mehr im Zentrum und/oder auf den Halbpositionen ist.
- Die 3er-Kette erfordert zwei sowohl defensiv als auch offensiv starke Zentrumsspieler, ein Solo-6er verbietet sich fast.
Diese grundsätzlichen Erwägungen sind allerdings angesichts heutiger Spielweise äußerst relativ, weil nahezu alle stärkeren Vereine einerseits oft pressen und andererseits, wenn das Pressing und/oder Gegenpressing vom Gegner überwunden wurde, zusehen, mindestens mit 8, oft aber mit 9 und nicht selten (nicht nur bei Standards) mit 10 Feldspielern hinter den Ball zu kommen, so dass der Gegner mit einer massierten Defensive konfrontiert ist (inkl. Pressingfallen gegen dessen Spielaufbau). Leider gilt das für die eigene Offensive auch umgekehrt. Oft ist es deshalb so, dass beide Mannschaften überhaupt nicht in Dynamik und Schnelligkeit hineinkommen, also in eine Spielweise, die überhaupt Erfolg versprechend ist - unabhängig von 3er- oder 4er-Kette. Im EL-Finale Manchester United gegen Villareal konnte man das z.NB. sehr gut studieren. V.a. Manchester biss sich die Zähne aus an den beiden 4er-Ketten und den 2 davor störenden Spielern von Villareal bis auf die wenigen Szenen, in denen es mit balltreibenden Einzelleistungen im Dribbling oder durch risikoreiche schnelle Doppelpässe dann doch mal gefährlich für Villareal wurde. Pogba irrte phasenweise ziemlich hilflos über den Platz, um die beiden IV bei sehr hoch spielenden AV (eine Viererkette, die sozusagen eine Belagerung versuchte) im Spielaufbau zu unterstützen, wurde aber sehr oft zugestellt oder gestört oder fand mit Ball, wenn er ihn mal bekam, kaum aussichtsreiche Anspielstationen.
Betrachtet man unter diesen Voraussetzungen den jetzigen BVB-Kader und die letzte Saisonphase, dann kann man feststellen, dass der BVB nur wegen mannschaftlicher Geschlossenheit, ständiger Defensivarbeit von 8-10 Feldspielern und einigen dynamischen Vorstößen (inkl. schnellen Kombinationen) bei stärkerer risikoreicherer Vertikalität überhaupt noch diese Saisonziele erreichen konnte. Die 4er-Kette war mMn für dieses Unterfangen günstiger, als es eine 3er-Kette gewesen wäre, v.a. wegen Verdichtungsmöglichkeit des Zentrums. Allerdings hätte mit gleicher Lauf- und Einsatzfreudigkeit wohl auch eine 3er-Kette defensiv funktionieren können. Nur bin ich mir ziemlich sicher, dass der jetzige Kader keine ganze Saison mit einem so hohen Aufwand spielen kann. Außerdem war auch in der Siegesserie das Auftreten insgesamt und v.a. bzgl. Ballbesitzspiel bei weitem nicht so souverän, wie es wegen der Spielergebnisse erscheinen mochte.
Über die IV, AV oder LAV, RAV ist hier schon viel in diesem Zusammenhang gesagt worden. Dem stimme ich zu, weil dort ein erheblicher Teil der Unausgewogenheit des Kaders auszumachen ist.
Zum Zentrum - DM/ZM/(OM) - ist hier auch schon einiges gesagt worden. Folgende Aspekte möchte ich beisteuern:
- Dahouds erheblicher Formanstieg, der übrigens nach meiner Beobachtung nicht ganz bis zum Saisonende gehalten hat, hat darüber hinweggetäuscht, dass es im Zentrum, offensiv wie defensiv, doch einige Probleme gab und ohne Neuzugänge auch geben wird.
In den siegreich beendeten 7 BL-Spielen vom 28. bis 34. Spieltag sind im Zentrum folgende Spieler eingesetzt worden:
- gegen Stuttgart: Dahoud , Bellingham (79. Brandt), Delaney
- gegen Bremen: Dahoud (61. E. Can), Bellingham, Brandt (74. Hazard)
- gegen U. Berlin: E. Can (59. Dahoud), Bellingham (90.+1 Reinier) – Reyna (76. Brandt)
- gegen Wolfsburg: Dahoud, Bellingham, Reus oder Reyna (68. Hazard) - war nicht so ganz klar
- gegen Leipzig: Dahoud (60. Delaney), E. Can, Reus oder Reyna
- gegen Mainz: Bellingham (87. Delaney), Dahoud, Reus (84. Hazard) oder Reyna (76. Brandt)
- gegen Leverkusen: Dahoud (46. Bellingham), Delaney, Brandt
Es wurde immer mit 4er-Kette gespielt. Weniger klar war, ob mit einem klaren 3er-Zentrum oder mit zwei 6ern (einer oder abwechselnd einer der beiden etwas offensiver) oder gar mit nur einem 6er im DM und zwei 8ern gespielt wurde (die einschlägigen Informationsquellen sind sich diesbezüglich keineswegs einig, was man verstehen kann, wenn man die Spiele gesehen hat).
Der Kern des Zentrums aber, das ist klar, bestand meist aus Dahoud und Bellingham und nur für 30 Minuten gegen Leipzig aus Delaney und Can. Und damit ist eigentlich bereits die Problematik des BVB-Personals im Zentrum umrissen, seit Witsel sich schwer verletzt hat.
Dahoud und Bellingham sind durch ihre defensive Spielweise ein ständiger Stressor für den Gegner. Das ist sehr positiv. Sie gehen "drauf", Bellingham im Kurzantritt nach vorne schnell, Dahoud weniger schnell, aber engagiert. Beide sind dabei ungestüm, Dahoud noch etwas mehr als Bellingham. In der Rückwärtsbewegung sind beide nicht sehr schnell, aber beide kämpfen "bis zum Umfallen". Die Raumdeutung und Antizipation ist bei beiden, um es freundlich zu formulieren, ausbaufähig.
Wie unangenehm immerhin z.B. Bellingham für die Gegner ist, zeigt die Foulstatistik, wie hart er selbst zu Werke geht aber auch. Delaney ist auf jeden Fall der am meisten gefoulte Spieler des BVB.
https://www.sport.de/fussball/deutschland-bundesliga/statistik-gefoult-worden/
https://www.bundesliga.com/de/bundesliga/statistiken/spieler/fouls
Delaney foult durchschnittlich alle 38 Min. und bekommt alle 215 Min. eine gelbe Karte.
Dahoud foult durchschnittlich alle 47 Min. und bekommt alle 420 Min. eine gelbe Karte.
Bellingham foult durchschnittlich alle 50 Min. und bekommt alle 425 Min. eine gelbe Karte.
Can foult durchschnittlich alle 62 Min. und bekommt alle 426 Min. eine gelbe Karte.
(Nebenbei: Erstaunlich, ich hätte Can auf einer Höhe mit Delaney vermutet.)
Was steckt hinter diesen Statistiken?
Bellingham ist für sein Alter ein herausragender Fußballer, aber es wird sich in der nächsten Saison zeigen, ob er schon nachhaltig den BVB im Zentrum einerseits sicherer, andererseits bzgl. Ballbesitzfußball und offensiver Durchschlagskraft stärker machen kann.
Dahoud muss seinen Formanstieg in der neuen Saison konservieren und nachweisen, dass er auch strategische Qualitäten im Zentrum hat und hinsichtlich Positionsspiel und Antizipation noch zulegen kann.
Can ist als Mentalitätsspieler geholt worden, was er auch zum Teil bestätigt, aber bis auf seine ab und zu eingestreuten offensiven Tempovorstöße und defensiven Monstergrätschen wirkt er nicht wie eine nachhaltige Verstärkung für den BVB.
Delaney hat bis auf einige weite Schläge auf die linke oder halblinke Seite Probleme, das Kombinationsspiel anzukurbeln und wirkt auch defensiv nur phasenweise stabil. Sein Einsatz stimmt immer, seine Fähigkeiten sind aber doch begrenzt.
Ob man nun Reyna, Reus oder auch Brandt und Hazard im weitesten Sinne zumindest phasenweise dem offensiven Zentrum des BVB-Spiels zuordnen kann, ist Auslegungssache. Reyna sicherlich am wenigsten und Brandt am meisten. Auffällig ist aber, dass Reus nicht mehr die typische "Reus-10" spielt, auch wenn er keineswegs (bis auf Kurzpasskombinationen auf der linken Angriffsseite) als Flügelspieler, wie manche meinen, fungiert hat. Hazard wie auch meist Reyna sind defensiv meist auf der Außenbahn und offensiv auf den Halbpositionen oder außen, Reus auf halblinks, aber irgendwie auch überall und Brandt, wie wir es von ihm kennen, irgendwo (ok, ist ein bisschen übertrieben). Offensiv aber fehlt doch ein wenig die klarere Besetzung der 10er-Position, womit nicht der Spielmacher alter Art gemeint ist.
Insgesamt halte ich das Zentrum des BVB aber abgesehen vom extremen Engagement der letzten Spiele defensiv für einigermaßen befriedigend (teils sogar Brandt), nicht aber für gut. Das liegt v.a. daran, dass ich nach wie vor das Zweikampfverhalten und darin v.a. die Positionierung zum Gegner bei Dahoud und Delaney und teils auch bei Can und Bellingham für verbesserungswürdig halte.
Offensiv liegt doch noch einiges im Argen bis auf Dahouds teils geniale Bewegungen und inzwischen auch Pässe, Cans seltenem, aber effektiven Ballvortrieb, nach dem er allerdings meist so wirkt, als sei er überrascht, so weit nach vorne gekommen zu sein und deshalb dann die Situation verdaddelt, Delaneys weite Schläge auf die linke Seite, Bellinghams viel zu seltenen Antritte mit Ball (denn auf Kurzstrecke ist er dynamisch) und Einbindung ins Kombinationsspiel in der gegnerischen Hälfte, Reus' wieder aufgeflammte Dynamik und Kombinationsfreude (v.a. auch gelingende), Brandts auch teilweise wieder erkennbaren technischen Fertigkeiten und auch Schnelligkeit sowie allmählich wiederkehrende Fähigkeiten im Dribbling von Reyna und im Kombinationsspiel von Hazard.
Wenn man das so liest, klingt es wie ungerechtfertigte Kritik, weil doch einige sehr positive Skills aufgezählt sind. Nur, diese werden deutlich zu selten auf den Platz gebracht und v .a. noch seltener sauber, uneingeschränkt kombinationssicher und nur mit seltenen Ballverlusten.
So hat man doch immer wieder den Eindruck, dass sehr viel an Sancho und Haaland hängt, wenn es um Tore geht und das völlig unabhängig davon, welches Spielsystem hinter diesen beiden gespielt wird. Zwar haben die Spiele gegen Kiel im Pokal und gegen Leipzig in der BL gezeigt, dass auch ohne Haaland offensiv sehr viel geht beim BVB (ich hatte sogar den Eindruck, dass wegen Haalands Abwesenheit die Spielfreude und die für den Gegner unberechenbaren BVB-Kombinationen zunahmen), dennoch ist zu fragen, was der BVB eigentlich ohne Sancho und Haaland auf Dauer überhaupt noch an Toren erzielen könnte, wenn diese Spieler (wie früher auch) nach ihrem Abgang schnell ersetzt werden.
Mein Fazit:
Trotz Hummels' Geschwindigkeitsdefizit eher 4er- als 3er-Kette. Wenn 4er-Kette, dann asymmetrisch zugunsten von Guerreiro auf der linken Seite spielen. Das Zentrum braucht eine deutliche Entwicklung von Bellingham und einen konstanten Dahoud. Can und Delaney sind mMn (die Aufschreie schrillen schon in meinen Ohren) Ergänzungsspieler mit relativ vielen Einsätzen. Alternativ wäre ein dynamisch-schneller und körperlich robuster ZM-Spieler zu verpflichten. Wenn Sancho und Haaland gehen, muss sich der BVB schnell etwas einfallen lassen. Wenn Haaland geht, auch das werden hier einige nicht verstehen, können Moukoko und ein zu verpflichtendes BU duchaus für offensive Durchschlagskraft reichen. Sanchos Abgang ist mMn schwieriger aufzufangen.
Wenn Rose mit Guerreiro nicht so viel anfangen kann, wird es schwierig.
Es gäbe noch viel zu sagen ....
3er-Kette vs. 4-Kette und andere Aspekte
- Die 4er-Kette lässt sich offensiv asymmetrisch spielen. Ein AV geht steiler, einer hält sich zurück. Auch abwechselnd möglich. Gehen beide steil, wird das System bei Ballverlust über die Außenbahnen sehr konteranfällig, es sei denn ein DM/ZM-Spieler orientiert sich dann mehr im Rückraum, um die beiden IV direkt unterstützen zu können, was aber die eigentliche stärkere Offensivkraft durchs Zentrum wieder schwächt.
- Die 3er-Kette lässt sich eher nicht asymmetrisch spielen, weil RAV und LAV beide deutlich mehr Aufgaben im Bereich des offensiven Spielaufbaus haben (z.B. Kombinationsspiel zwischen Außenbahn und MItte mitgestalten, RA oder LA bis zur gegnerischen Grundlinie auf der Außenbahn hinterlaufen). Kleben RAV und LAV gleichzeitig zu sehr an der Außenbahn, wird das Zentrumsspiel (das ohnehin zahlenmäßig schwächer besetzt ist) vernachlässigt und lässt sich auch defensiv nur schwer verdichten (Gefahr gegnerischer Überzahl durchs Zentrum hindurch). Andererseits steht außer bei überfallartigen Kontern des Gegners defensiv meist eben die 3er-Kette bereit.
- Die 4er-Kette lässt im DM/ZM/(OM) einige Varianten zu (auch Raute), v.a. aber lässt sie eine starke Verdichtung des Zentrums deutlich leichter zu als die 3er/5er-Kette, weil im Prinzip immer ein Spieler mehr im Zentrum und/oder auf den Halbpositionen ist.
- Die 3er-Kette erfordert zwei sowohl defensiv als auch offensiv starke Zentrumsspieler, ein Solo-6er verbietet sich fast.
Diese grundsätzlichen Erwägungen sind allerdings angesichts heutiger Spielweise äußerst relativ, weil nahezu alle stärkeren Vereine einerseits oft pressen und andererseits, wenn das Pressing und/oder Gegenpressing vom Gegner überwunden wurde, zusehen, mindestens mit 8, oft aber mit 9 und nicht selten (nicht nur bei Standards) mit 10 Feldspielern hinter den Ball zu kommen, so dass der Gegner mit einer massierten Defensive konfrontiert ist (inkl. Pressingfallen gegen dessen Spielaufbau). Leider gilt das für die eigene Offensive auch umgekehrt. Oft ist es deshalb so, dass beide Mannschaften überhaupt nicht in Dynamik und Schnelligkeit hineinkommen, also in eine Spielweise, die überhaupt Erfolg versprechend ist - unabhängig von 3er- oder 4er-Kette. Im EL-Finale Manchester United gegen Villareal konnte man das z.NB. sehr gut studieren. V.a. Manchester biss sich die Zähne aus an den beiden 4er-Ketten und den 2 davor störenden Spielern von Villareal bis auf die wenigen Szenen, in denen es mit balltreibenden Einzelleistungen im Dribbling oder durch risikoreiche schnelle Doppelpässe dann doch mal gefährlich für Villareal wurde. Pogba irrte phasenweise ziemlich hilflos über den Platz, um die beiden IV bei sehr hoch spielenden AV (eine Viererkette, die sozusagen eine Belagerung versuchte) im Spielaufbau zu unterstützen, wurde aber sehr oft zugestellt oder gestört oder fand mit Ball, wenn er ihn mal bekam, kaum aussichtsreiche Anspielstationen.
Betrachtet man unter diesen Voraussetzungen den jetzigen BVB-Kader und die letzte Saisonphase, dann kann man feststellen, dass der BVB nur wegen mannschaftlicher Geschlossenheit, ständiger Defensivarbeit von 8-10 Feldspielern und einigen dynamischen Vorstößen (inkl. schnellen Kombinationen) bei stärkerer risikoreicherer Vertikalität überhaupt noch diese Saisonziele erreichen konnte. Die 4er-Kette war mMn für dieses Unterfangen günstiger, als es eine 3er-Kette gewesen wäre, v.a. wegen Verdichtungsmöglichkeit des Zentrums. Allerdings hätte mit gleicher Lauf- und Einsatzfreudigkeit wohl auch eine 3er-Kette defensiv funktionieren können. Nur bin ich mir ziemlich sicher, dass der jetzige Kader keine ganze Saison mit einem so hohen Aufwand spielen kann. Außerdem war auch in der Siegesserie das Auftreten insgesamt und v.a. bzgl. Ballbesitzspiel bei weitem nicht so souverän, wie es wegen der Spielergebnisse erscheinen mochte.
Über die IV, AV oder LAV, RAV ist hier schon viel in diesem Zusammenhang gesagt worden. Dem stimme ich zu, weil dort ein erheblicher Teil der Unausgewogenheit des Kaders auszumachen ist.
Zum Zentrum - DM/ZM/(OM) - ist hier auch schon einiges gesagt worden. Folgende Aspekte möchte ich beisteuern:
- Dahouds erheblicher Formanstieg, der übrigens nach meiner Beobachtung nicht ganz bis zum Saisonende gehalten hat, hat darüber hinweggetäuscht, dass es im Zentrum, offensiv wie defensiv, doch einige Probleme gab und ohne Neuzugänge auch geben wird.
In den siegreich beendeten 7 BL-Spielen vom 28. bis 34. Spieltag sind im Zentrum folgende Spieler eingesetzt worden:
- gegen Stuttgart: Dahoud , Bellingham (79. Brandt), Delaney
- gegen Bremen: Dahoud (61. E. Can), Bellingham, Brandt (74. Hazard)
- gegen U. Berlin: E. Can (59. Dahoud), Bellingham (90.+1 Reinier) – Reyna (76. Brandt)
- gegen Wolfsburg: Dahoud, Bellingham, Reus oder Reyna (68. Hazard) - war nicht so ganz klar
- gegen Leipzig: Dahoud (60. Delaney), E. Can, Reus oder Reyna
- gegen Mainz: Bellingham (87. Delaney), Dahoud, Reus (84. Hazard) oder Reyna (76. Brandt)
- gegen Leverkusen: Dahoud (46. Bellingham), Delaney, Brandt
Es wurde immer mit 4er-Kette gespielt. Weniger klar war, ob mit einem klaren 3er-Zentrum oder mit zwei 6ern (einer oder abwechselnd einer der beiden etwas offensiver) oder gar mit nur einem 6er im DM und zwei 8ern gespielt wurde (die einschlägigen Informationsquellen sind sich diesbezüglich keineswegs einig, was man verstehen kann, wenn man die Spiele gesehen hat).
Der Kern des Zentrums aber, das ist klar, bestand meist aus Dahoud und Bellingham und nur für 30 Minuten gegen Leipzig aus Delaney und Can. Und damit ist eigentlich bereits die Problematik des BVB-Personals im Zentrum umrissen, seit Witsel sich schwer verletzt hat.
Dahoud und Bellingham sind durch ihre defensive Spielweise ein ständiger Stressor für den Gegner. Das ist sehr positiv. Sie gehen "drauf", Bellingham im Kurzantritt nach vorne schnell, Dahoud weniger schnell, aber engagiert. Beide sind dabei ungestüm, Dahoud noch etwas mehr als Bellingham. In der Rückwärtsbewegung sind beide nicht sehr schnell, aber beide kämpfen "bis zum Umfallen". Die Raumdeutung und Antizipation ist bei beiden, um es freundlich zu formulieren, ausbaufähig.
Wie unangenehm immerhin z.B. Bellingham für die Gegner ist, zeigt die Foulstatistik, wie hart er selbst zu Werke geht aber auch. Delaney ist auf jeden Fall der am meisten gefoulte Spieler des BVB.
https://www.sport.de/fussball/deutschland-bundesliga/statistik-gefoult-worden/
https://www.bundesliga.com/de/bundesliga/statistiken/spieler/fouls
Delaney foult durchschnittlich alle 38 Min. und bekommt alle 215 Min. eine gelbe Karte.
Dahoud foult durchschnittlich alle 47 Min. und bekommt alle 420 Min. eine gelbe Karte.
Bellingham foult durchschnittlich alle 50 Min. und bekommt alle 425 Min. eine gelbe Karte.
Can foult durchschnittlich alle 62 Min. und bekommt alle 426 Min. eine gelbe Karte.
(Nebenbei: Erstaunlich, ich hätte Can auf einer Höhe mit Delaney vermutet.)
Was steckt hinter diesen Statistiken?
Bellingham ist für sein Alter ein herausragender Fußballer, aber es wird sich in der nächsten Saison zeigen, ob er schon nachhaltig den BVB im Zentrum einerseits sicherer, andererseits bzgl. Ballbesitzfußball und offensiver Durchschlagskraft stärker machen kann.
Dahoud muss seinen Formanstieg in der neuen Saison konservieren und nachweisen, dass er auch strategische Qualitäten im Zentrum hat und hinsichtlich Positionsspiel und Antizipation noch zulegen kann.
Can ist als Mentalitätsspieler geholt worden, was er auch zum Teil bestätigt, aber bis auf seine ab und zu eingestreuten offensiven Tempovorstöße und defensiven Monstergrätschen wirkt er nicht wie eine nachhaltige Verstärkung für den BVB.
Delaney hat bis auf einige weite Schläge auf die linke oder halblinke Seite Probleme, das Kombinationsspiel anzukurbeln und wirkt auch defensiv nur phasenweise stabil. Sein Einsatz stimmt immer, seine Fähigkeiten sind aber doch begrenzt.
Ob man nun Reyna, Reus oder auch Brandt und Hazard im weitesten Sinne zumindest phasenweise dem offensiven Zentrum des BVB-Spiels zuordnen kann, ist Auslegungssache. Reyna sicherlich am wenigsten und Brandt am meisten. Auffällig ist aber, dass Reus nicht mehr die typische "Reus-10" spielt, auch wenn er keineswegs (bis auf Kurzpasskombinationen auf der linken Angriffsseite) als Flügelspieler, wie manche meinen, fungiert hat. Hazard wie auch meist Reyna sind defensiv meist auf der Außenbahn und offensiv auf den Halbpositionen oder außen, Reus auf halblinks, aber irgendwie auch überall und Brandt, wie wir es von ihm kennen, irgendwo (ok, ist ein bisschen übertrieben). Offensiv aber fehlt doch ein wenig die klarere Besetzung der 10er-Position, womit nicht der Spielmacher alter Art gemeint ist.
Insgesamt halte ich das Zentrum des BVB aber abgesehen vom extremen Engagement der letzten Spiele defensiv für einigermaßen befriedigend (teils sogar Brandt), nicht aber für gut. Das liegt v.a. daran, dass ich nach wie vor das Zweikampfverhalten und darin v.a. die Positionierung zum Gegner bei Dahoud und Delaney und teils auch bei Can und Bellingham für verbesserungswürdig halte.
Offensiv liegt doch noch einiges im Argen bis auf Dahouds teils geniale Bewegungen und inzwischen auch Pässe, Cans seltenem, aber effektiven Ballvortrieb, nach dem er allerdings meist so wirkt, als sei er überrascht, so weit nach vorne gekommen zu sein und deshalb dann die Situation verdaddelt, Delaneys weite Schläge auf die linke Seite, Bellinghams viel zu seltenen Antritte mit Ball (denn auf Kurzstrecke ist er dynamisch) und Einbindung ins Kombinationsspiel in der gegnerischen Hälfte, Reus' wieder aufgeflammte Dynamik und Kombinationsfreude (v.a. auch gelingende), Brandts auch teilweise wieder erkennbaren technischen Fertigkeiten und auch Schnelligkeit sowie allmählich wiederkehrende Fähigkeiten im Dribbling von Reyna und im Kombinationsspiel von Hazard.
Wenn man das so liest, klingt es wie ungerechtfertigte Kritik, weil doch einige sehr positive Skills aufgezählt sind. Nur, diese werden deutlich zu selten auf den Platz gebracht und v .a. noch seltener sauber, uneingeschränkt kombinationssicher und nur mit seltenen Ballverlusten.
So hat man doch immer wieder den Eindruck, dass sehr viel an Sancho und Haaland hängt, wenn es um Tore geht und das völlig unabhängig davon, welches Spielsystem hinter diesen beiden gespielt wird. Zwar haben die Spiele gegen Kiel im Pokal und gegen Leipzig in der BL gezeigt, dass auch ohne Haaland offensiv sehr viel geht beim BVB (ich hatte sogar den Eindruck, dass wegen Haalands Abwesenheit die Spielfreude und die für den Gegner unberechenbaren BVB-Kombinationen zunahmen), dennoch ist zu fragen, was der BVB eigentlich ohne Sancho und Haaland auf Dauer überhaupt noch an Toren erzielen könnte, wenn diese Spieler (wie früher auch) nach ihrem Abgang schnell ersetzt werden.
Mein Fazit:
Trotz Hummels' Geschwindigkeitsdefizit eher 4er- als 3er-Kette. Wenn 4er-Kette, dann asymmetrisch zugunsten von Guerreiro auf der linken Seite spielen. Das Zentrum braucht eine deutliche Entwicklung von Bellingham und einen konstanten Dahoud. Can und Delaney sind mMn (die Aufschreie schrillen schon in meinen Ohren) Ergänzungsspieler mit relativ vielen Einsätzen. Alternativ wäre ein dynamisch-schneller und körperlich robuster ZM-Spieler zu verpflichten. Wenn Sancho und Haaland gehen, muss sich der BVB schnell etwas einfallen lassen. Wenn Haaland geht, auch das werden hier einige nicht verstehen, können Moukoko und ein zu verpflichtendes BU duchaus für offensive Durchschlagskraft reichen. Sanchos Abgang ist mMn schwieriger aufzufangen.
Wenn Rose mit Guerreiro nicht so viel anfangen kann, wird es schwierig.
Es gäbe noch viel zu sagen ....
29.05.2021 - 10:04 Uhr
Zu spät bemerkt, deshalb Korrektur des vorherigen Beitrags an dieser Stelle.
Es muss selbstverständlich heißen:
"... dennoch ist zu fragen, was der BVB eigentlich ohne Sancho und Haaland auf Dauer überhaupt noch an Toren erzielen könnte, außer (!!!) wenn diese Spieler (wie früher auch) nach ihrem Abgang schnell ersetzt werden."
Und, nicht Delaney, sondern selbstverständlich Bellingham ist der meistgefoulte Spieler des BVB.
Es muss selbstverständlich heißen:
"... dennoch ist zu fragen, was der BVB eigentlich ohne Sancho und Haaland auf Dauer überhaupt noch an Toren erzielen könnte, außer (!!!) wenn diese Spieler (wie früher auch) nach ihrem Abgang schnell ersetzt werden."
Und, nicht Delaney, sondern selbstverständlich Bellingham ist der meistgefoulte Spieler des BVB.
29.05.2021 - 14:25 Uhr
@arche Wieder einmal ein klasse Beitrag. Lässt sich prima lesen.
Hast du bezüglich Rapha große Bedenken, dass Rose einen der besten Fußballer im Kader vernünftig und zur Zufriedenheit beider Seiten eingebaut bekommt?
Hast du bezüglich Rapha große Bedenken, dass Rose einen der besten Fußballer im Kader vernünftig und zur Zufriedenheit beider Seiten eingebaut bekommt?
30.05.2021 - 00:22 Uhr
Zitat von Senffi
Akanji, Hummels, Can, Delaney und Witsel sind 5 defensiv denkende Spieler!
Und ein ZM aus Delaney und Witsel sind ein spielerisches Armutszeugnis!
Im ZM muss ein defensiorientierter Spieler (Can, Delaney) und ein offensivdenkender Spieler (Dahoud, Bellingham) stehen!
Gerade weil eh quasi jede Mannschaft hinten drin steht gegen uns (Ausnahmen gibt es selbstverständlich).
Desweiteren finde ich es fast eine Frechheit, Can spielerisch mit Delaney gleichzusetzen! Quasi nerven mich die 2, 3 leichtsinnig Fehlpässe von Can enorm, aber er hat physische Läufer in die Tiefe und spielt enorm gute Bälle. Natürlich nicht im Gündogan/Iniesta Style, aber sucht den Weg in die Spitze!
Delaney ist hauptsächlich für Ballgewinn da, unter Druck enorm schwach und in Pässen maximal auf Sicherheit bedacht!
Wenn man das ganze mit Akanji, Hummels und Can spielt und dazu Dahoud und Bellingham im ZM, könnte ich mich vielleicht noch mit einem Versuch anfreunden.
Aber eine aus der offensiven Dreierreihe zu opfern, nur um einen weiteren IV zu bringen, halte Ich für eine Mannschaft wie den BVB (Top 10) der absolut falsche Ansatz.
Auch der Vergleich zu Bergamo oder Frankfurt ist natürlich lustig, da Sie weder das finanzielle Niveau, noch das Spielermaterial haben und mehr Räume haben um offensiv spielen zu können.
Welche Top Mannschaft hat denn über einen längeren Zeitraum und mit der 5er Kette als Grundformation (erfolgreich) gespielt? Außer Juve fällt mir da keiner ein.
Dazu schreibst du dann noch, umstellen auf 5er Kette damit Reus' Kreativitätsschwäche nicht mehr zum Tragen kommt....also sorry, aber nochmal, einen Offensivspieler opfern und dafür einen Abwehrspieler mehr bringen, soll unsere Kreativität erhöhen?
Ich gebe zu, Ich mag die 5er Kette vom Grundprinzip schon nicht, 3 Abwehrspieler ist in meinen Augen einer zu viel.
Dazu kommt, das unsere Zeit mit 5er Kette aus der Not geboren und spielerisch so ziemlich das grausamste war, was ich in 30 Jahren BVB gesehen habe.
Wenn Ich etwas ändern würde, würde ICH Guerreiro und Hummels eintauschen.
Hummels, weil er eh nicht unsere Zukunft ist und Guerreiro, weil er als LV, trotz spielerischer Weltklasse, soweit von einem Verteidiger entfernt ist, wie Haaland vom Torwart sein.
Da aber Hummels als Institution eh nicht abgegeben wird, würde Ich Guerreiro vorziehen als LA und einen starken LV verpflichten, den man sich gerne etwas kosten lassen kann (Stichwort Bensebaini).
Dazu glaube ich, daß Meunier unter Rose durchaus aufblühen kann. Ein Lainer zum Beispiel kann kaum einen Ball stoppen, geschweige denn passen, ist aber unter Rose unangefochtene Stammspieler. Zusätzlich würde ich hier Vagnoman holen, der perfekt in Roses System passt und viel Potential besitzt.
Und ob du es glaubst oder nicht, hinter dem neuen LV würde ich mit Schmelle verlängern!
Vagnoman Akanji Hummels Bensebaini
Dahoud Can
Doku Reus Guerreiro
Haaland
Finanziell mit Sancho Abgang stemmbar. Zwar gibt es für einige andere vieles daran zu diskutieren, einzelne Namen können zweifelsfrei ausgetauscht werden (bspw. Doku, wo Ich alles daran setzen würde zusätzlich Adeyemi zu holen), hauptsächlich geht es mir hierbei aber um eine Absicherung von Hummels und Guerreiro endlich von LV wegzubekommen!
Edit: grade der Verlust von Sancho und dessen Kreativität, würde bei einer 5er Kette noch deutlich mehr zum Tragen kommen. Nicht nur verliert man seinen einzigen Weltklasse Spieler, der Situationen kreieren und seine Nebenleute in Position bringen konnte, nein, man zieht zusätzlich noch einen Offensivspieler raus, um einen weiteren defensivorientierten Spieler zu bringen.
Genau das macht für mich einfach Null Sinn!
Akanji, Hummels, Can, Delaney und Witsel sind 5 defensiv denkende Spieler!
Und ein ZM aus Delaney und Witsel sind ein spielerisches Armutszeugnis!
Im ZM muss ein defensiorientierter Spieler (Can, Delaney) und ein offensivdenkender Spieler (Dahoud, Bellingham) stehen!
Gerade weil eh quasi jede Mannschaft hinten drin steht gegen uns (Ausnahmen gibt es selbstverständlich).
Desweiteren finde ich es fast eine Frechheit, Can spielerisch mit Delaney gleichzusetzen! Quasi nerven mich die 2, 3 leichtsinnig Fehlpässe von Can enorm, aber er hat physische Läufer in die Tiefe und spielt enorm gute Bälle. Natürlich nicht im Gündogan/Iniesta Style, aber sucht den Weg in die Spitze!
Delaney ist hauptsächlich für Ballgewinn da, unter Druck enorm schwach und in Pässen maximal auf Sicherheit bedacht!
Wenn man das ganze mit Akanji, Hummels und Can spielt und dazu Dahoud und Bellingham im ZM, könnte ich mich vielleicht noch mit einem Versuch anfreunden.
Aber eine aus der offensiven Dreierreihe zu opfern, nur um einen weiteren IV zu bringen, halte Ich für eine Mannschaft wie den BVB (Top 10) der absolut falsche Ansatz.
Auch der Vergleich zu Bergamo oder Frankfurt ist natürlich lustig, da Sie weder das finanzielle Niveau, noch das Spielermaterial haben und mehr Räume haben um offensiv spielen zu können.
Welche Top Mannschaft hat denn über einen längeren Zeitraum und mit der 5er Kette als Grundformation (erfolgreich) gespielt? Außer Juve fällt mir da keiner ein.
Dazu schreibst du dann noch, umstellen auf 5er Kette damit Reus' Kreativitätsschwäche nicht mehr zum Tragen kommt....also sorry, aber nochmal, einen Offensivspieler opfern und dafür einen Abwehrspieler mehr bringen, soll unsere Kreativität erhöhen?
Ich gebe zu, Ich mag die 5er Kette vom Grundprinzip schon nicht, 3 Abwehrspieler ist in meinen Augen einer zu viel.
Dazu kommt, das unsere Zeit mit 5er Kette aus der Not geboren und spielerisch so ziemlich das grausamste war, was ich in 30 Jahren BVB gesehen habe.
Wenn Ich etwas ändern würde, würde ICH Guerreiro und Hummels eintauschen.
Hummels, weil er eh nicht unsere Zukunft ist und Guerreiro, weil er als LV, trotz spielerischer Weltklasse, soweit von einem Verteidiger entfernt ist, wie Haaland vom Torwart sein.
Da aber Hummels als Institution eh nicht abgegeben wird, würde Ich Guerreiro vorziehen als LA und einen starken LV verpflichten, den man sich gerne etwas kosten lassen kann (Stichwort Bensebaini).
Dazu glaube ich, daß Meunier unter Rose durchaus aufblühen kann. Ein Lainer zum Beispiel kann kaum einen Ball stoppen, geschweige denn passen, ist aber unter Rose unangefochtene Stammspieler. Zusätzlich würde ich hier Vagnoman holen, der perfekt in Roses System passt und viel Potential besitzt.
Und ob du es glaubst oder nicht, hinter dem neuen LV würde ich mit Schmelle verlängern!
Vagnoman Akanji Hummels Bensebaini
Dahoud Can
Doku Reus Guerreiro
Haaland
Finanziell mit Sancho Abgang stemmbar. Zwar gibt es für einige andere vieles daran zu diskutieren, einzelne Namen können zweifelsfrei ausgetauscht werden (bspw. Doku, wo Ich alles daran setzen würde zusätzlich Adeyemi zu holen), hauptsächlich geht es mir hierbei aber um eine Absicherung von Hummels und Guerreiro endlich von LV wegzubekommen!
Edit: grade der Verlust von Sancho und dessen Kreativität, würde bei einer 5er Kette noch deutlich mehr zum Tragen kommen. Nicht nur verliert man seinen einzigen Weltklasse Spieler, der Situationen kreieren und seine Nebenleute in Position bringen konnte, nein, man zieht zusätzlich noch einen Offensivspieler raus, um einen weiteren defensivorientierten Spieler zu bringen.
Genau das macht für mich einfach Null Sinn!
@Senffi : Sorry, aber ich steh irgendwie aufm Schlauch. Wenn ich deinen Beitrag so lese habe ich wieder teilweise das Gefühl, dass du mich mit irgendwem verwechselst, weil es einfach komplett an dem vorbei geht, was ich in dem von dir zitierten Beitrag gefordert habe.
Auf die Idee vor eine Dreierkette Witsel und Delaney zu stellen würde ich persönlich nicht mal im Traum kommen. Selbst mit Viererkette halte ich dass schon für ein zu unkreatives und defensives Mittelfeld.
Ich wollte die Dreierkette einzig, weil ich der Meinung bin, dass man damit vielleicht ein paar Potentiale in unserem Kader besser ausschöpfen kann und damit vielleicht ingesamt leichter den Abgang von Sancho abfangen kann und der Umbruch im Kader nicht ganz so gross ausfallen muss um ein funktionales Team zu bekommen. Die Hauptidee war dabei dass man mit Dreierkette Guerreiro von einigen Defensivaufgaben entlastet könnte und ich gleichzeitig glaube, dass mit Dreierkette dahinter auch ein riskanteres ZM aus Bellingham und Brandt spielbar wäre (oder vielleicht Dahoud).
Zum Rest kann ich nur sagen, dass unsere Einschätzung von Can und Dahoud offensichtlich auseinander gehen und ich diesem Mittelfeld als nicht ausreichend ansehen würde und zwar gerade wenn dann vorne auch noch Sancho wegbricht und die kreative Last sowieso durch Verteilung irgendwie aufgefangen werden kann.
30.05.2021 - 23:44 Uhr
Zitat von arche
@BVBBC, @barcaberlin u.a.
3er-Kette vs. 4-Kette und andere Aspekte
- Die 4er-Kette lässt sich offensiv asymmetrisch spielen. Ein AV geht steiler, einer hält sich zurück. Auch abwechselnd möglich. Gehen beide steil, wird das System bei Ballverlust über die Außenbahnen sehr konteranfällig, es sei denn ein DM/ZM-Spieler orientiert sich dann mehr im Rückraum, um die beiden IV direkt unterstützen zu können, was aber die eigentliche stärkere Offensivkraft durchs Zentrum wieder schwächt.
- Die 3er-Kette lässt sich eher nicht asymmetrisch spielen, weil RAV und LAV beide deutlich mehr Aufgaben im Bereich des offensiven Spielaufbaus haben (z.B. Kombinationsspiel zwischen Außenbahn und MItte mitgestalten, RA oder LA bis zur gegnerischen Grundlinie auf der Außenbahn hinterlaufen). Kleben RAV und LAV gleichzeitig zu sehr an der Außenbahn, wird das Zentrumsspiel (das ohnehin zahlenmäßig schwächer besetzt ist) vernachlässigt und lässt sich auch defensiv nur schwer verdichten (Gefahr gegnerischer Überzahl durchs Zentrum hindurch). Andererseits steht außer bei überfallartigen Kontern des Gegners defensiv meist eben die 3er-Kette bereit.
- Die 4er-Kette lässt im DM/ZM/(OM) einige Varianten zu (auch Raute), v.a. aber lässt sie eine starke Verdichtung des Zentrums deutlich leichter zu als die 3er/5er-Kette, weil im Prinzip immer ein Spieler mehr im Zentrum und/oder auf den Halbpositionen ist.
- Die 3er-Kette erfordert zwei sowohl defensiv als auch offensiv starke Zentrumsspieler, ein Solo-6er verbietet sich fast.
Diese grundsätzlichen Erwägungen sind allerdings angesichts heutiger Spielweise äußerst relativ, weil nahezu alle stärkeren Vereine einerseits oft pressen und andererseits, wenn das Pressing und/oder Gegenpressing vom Gegner überwunden wurde, zusehen, mindestens mit 8, oft aber mit 9 und nicht selten (nicht nur bei Standards) mit 10 Feldspielern hinter den Ball zu kommen, so dass der Gegner mit einer massierten Defensive konfrontiert ist (inkl. Pressingfallen gegen dessen Spielaufbau). Leider gilt das für die eigene Offensive auch umgekehrt. Oft ist es deshalb so, dass beide Mannschaften überhaupt nicht in Dynamik und Schnelligkeit hineinkommen, also in eine Spielweise, die überhaupt Erfolg versprechend ist - unabhängig von 3er- oder 4er-Kette. Im EL-Finale Manchester United gegen Villareal konnte man das z.NB. sehr gut studieren. V.a. Manchester biss sich die Zähne aus an den beiden 4er-Ketten und den 2 davor störenden Spielern von Villareal bis auf die wenigen Szenen, in denen es mit balltreibenden Einzelleistungen im Dribbling oder durch risikoreiche schnelle Doppelpässe dann doch mal gefährlich für Villareal wurde. Pogba irrte phasenweise ziemlich hilflos über den Platz, um die beiden IV bei sehr hoch spielenden AV (eine Viererkette, die sozusagen eine Belagerung versuchte) im Spielaufbau zu unterstützen, wurde aber sehr oft zugestellt oder gestört oder fand mit Ball, wenn er ihn mal bekam, kaum aussichtsreiche Anspielstationen.
Betrachtet man unter diesen Voraussetzungen den jetzigen BVB-Kader und die letzte Saisonphase, dann kann man feststellen, dass der BVB nur wegen mannschaftlicher Geschlossenheit, ständiger Defensivarbeit von 8-10 Feldspielern und einigen dynamischen Vorstößen (inkl. schnellen Kombinationen) bei stärkerer risikoreicherer Vertikalität überhaupt noch diese Saisonziele erreichen konnte. Die 4er-Kette war mMn für dieses Unterfangen günstiger, als es eine 3er-Kette gewesen wäre, v.a. wegen Verdichtungsmöglichkeit des Zentrums. Allerdings hätte mit gleicher Lauf- und Einsatzfreudigkeit wohl auch eine 3er-Kette defensiv funktionieren können. Nur bin ich mir ziemlich sicher, dass der jetzige Kader keine ganze Saison mit einem so hohen Aufwand spielen kann. Außerdem war auch in der Siegesserie das Auftreten insgesamt und v.a. bzgl. Ballbesitzspiel bei weitem nicht so souverän, wie es wegen der Spielergebnisse erscheinen mochte.
Über die IV, AV oder LAV, RAV ist hier schon viel in diesem Zusammenhang gesagt worden. Dem stimme ich zu, weil dort ein erheblicher Teil der Unausgewogenheit des Kaders auszumachen ist.
Zum Zentrum - DM/ZM/(OM) - ist hier auch schon einiges gesagt worden. Folgende Aspekte möchte ich beisteuern:
- Dahouds erheblicher Formanstieg, der übrigens nach meiner Beobachtung nicht ganz bis zum Saisonende gehalten hat, hat darüber hinweggetäuscht, dass es im Zentrum, offensiv wie defensiv, doch einige Probleme gab und ohne Neuzugänge auch geben wird.
In den siegreich beendeten 7 BL-Spielen vom 28. bis 34. Spieltag sind im Zentrum folgende Spieler eingesetzt worden:
- gegen Stuttgart: Dahoud , Bellingham (79. Brandt), Delaney
- gegen Bremen: Dahoud (61. E. Can), Bellingham, Brandt (74. Hazard)
- gegen U. Berlin: E. Can (59. Dahoud), Bellingham (90.+1 Reinier) – Reyna (76. Brandt)
- gegen Wolfsburg: Dahoud, Bellingham, Reus oder Reyna (68. Hazard) - war nicht so ganz klar
- gegen Leipzig: Dahoud (60. Delaney), E. Can, Reus oder Reyna
- gegen Mainz: Bellingham (87. Delaney), Dahoud, Reus (84. Hazard) oder Reyna (76. Brandt)
- gegen Leverkusen: Dahoud (46. Bellingham), Delaney, Brandt
Es wurde immer mit 4er-Kette gespielt. Weniger klar war, ob mit einem klaren 3er-Zentrum oder mit zwei 6ern (einer oder abwechselnd einer der beiden etwas offensiver) oder gar mit nur einem 6er im DM und zwei 8ern gespielt wurde (die einschlägigen Informationsquellen sind sich diesbezüglich keineswegs einig, was man verstehen kann, wenn man die Spiele gesehen hat).
Der Kern des Zentrums aber, das ist klar, bestand meist aus Dahoud und Bellingham und nur für 30 Minuten gegen Leipzig aus Delaney und Can. Und damit ist eigentlich bereits die Problematik des BVB-Personals im Zentrum umrissen, seit Witsel sich schwer verletzt hat.
Dahoud und Bellingham sind durch ihre defensive Spielweise ein ständiger Stressor für den Gegner. Das ist sehr positiv. Sie gehen "drauf", Bellingham im Kurzantritt nach vorne schnell, Dahoud weniger schnell, aber engagiert. Beide sind dabei ungestüm, Dahoud noch etwas mehr als Bellingham. In der Rückwärtsbewegung sind beide nicht sehr schnell, aber beide kämpfen "bis zum Umfallen". Die Raumdeutung und Antizipation ist bei beiden, um es freundlich zu formulieren, ausbaufähig.
Wie unangenehm immerhin z.B. Bellingham für die Gegner ist, zeigt die Foulstatistik, wie hart er selbst zu Werke geht aber auch. Delaney ist auf jeden Fall der am meisten gefoulte Spieler des BVB.
https://www.sport.de/fussball/deutschland-bundesliga/statistik-gefoult-worden/
https://www.bundesliga.com/de/bundesliga/statistiken/spieler/fouls
Delaney foult durchschnittlich alle 38 Min. und bekommt alle 215 Min. eine gelbe Karte.
Dahoud foult durchschnittlich alle 47 Min. und bekommt alle 420 Min. eine gelbe Karte.
Bellingham foult durchschnittlich alle 50 Min. und bekommt alle 425 Min. eine gelbe Karte.
Can foult durchschnittlich alle 62 Min. und bekommt alle 426 Min. eine gelbe Karte.
(Nebenbei: Erstaunlich, ich hätte Can auf einer Höhe mit Delaney vermutet.)
Was steckt hinter diesen Statistiken?
Bellingham ist für sein Alter ein herausragender Fußballer, aber es wird sich in der nächsten Saison zeigen, ob er schon nachhaltig den BVB im Zentrum einerseits sicherer, andererseits bzgl. Ballbesitzfußball und offensiver Durchschlagskraft stärker machen kann.
Dahoud muss seinen Formanstieg in der neuen Saison konservieren und nachweisen, dass er auch strategische Qualitäten im Zentrum hat und hinsichtlich Positionsspiel und Antizipation noch zulegen kann.
Can ist als Mentalitätsspieler geholt worden, was er auch zum Teil bestätigt, aber bis auf seine ab und zu eingestreuten offensiven Tempovorstöße und defensiven Monstergrätschen wirkt er nicht wie eine nachhaltige Verstärkung für den BVB.
Delaney hat bis auf einige weite Schläge auf die linke oder halblinke Seite Probleme, das Kombinationsspiel anzukurbeln und wirkt auch defensiv nur phasenweise stabil. Sein Einsatz stimmt immer, seine Fähigkeiten sind aber doch begrenzt.
Ob man nun Reyna, Reus oder auch Brandt und Hazard im weitesten Sinne zumindest phasenweise dem offensiven Zentrum des BVB-Spiels zuordnen kann, ist Auslegungssache. Reyna sicherlich am wenigsten und Brandt am meisten. Auffällig ist aber, dass Reus nicht mehr die typische "Reus-10" spielt, auch wenn er keineswegs (bis auf Kurzpasskombinationen auf der linken Angriffsseite) als Flügelspieler, wie manche meinen, fungiert hat. Hazard wie auch meist Reyna sind defensiv meist auf der Außenbahn und offensiv auf den Halbpositionen oder außen, Reus auf halblinks, aber irgendwie auch überall und Brandt, wie wir es von ihm kennen, irgendwo (ok, ist ein bisschen übertrieben). Offensiv aber fehlt doch ein wenig die klarere Besetzung der 10er-Position, womit nicht der Spielmacher alter Art gemeint ist.
Insgesamt halte ich das Zentrum des BVB aber abgesehen vom extremen Engagement der letzten Spiele defensiv für einigermaßen befriedigend (teils sogar Brandt), nicht aber für gut. Das liegt v.a. daran, dass ich nach wie vor das Zweikampfverhalten und darin v.a. die Positionierung zum Gegner bei Dahoud und Delaney und teils auch bei Can und Bellingham für verbesserungswürdig halte.
Offensiv liegt doch noch einiges im Argen bis auf Dahouds teils geniale Bewegungen und inzwischen auch Pässe, Cans seltenem, aber effektiven Ballvortrieb, nach dem er allerdings meist so wirkt, als sei er überrascht, so weit nach vorne gekommen zu sein und deshalb dann die Situation verdaddelt, Delaneys weite Schläge auf die linke Seite, Bellinghams viel zu seltenen Antritte mit Ball (denn auf Kurzstrecke ist er dynamisch) und Einbindung ins Kombinationsspiel in der gegnerischen Hälfte, Reus' wieder aufgeflammte Dynamik und Kombinationsfreude (v.a. auch gelingende), Brandts auch teilweise wieder erkennbaren technischen Fertigkeiten und auch Schnelligkeit sowie allmählich wiederkehrende Fähigkeiten im Dribbling von Reyna und im Kombinationsspiel von Hazard.
Wenn man das so liest, klingt es wie ungerechtfertigte Kritik, weil doch einige sehr positive Skills aufgezählt sind. Nur, diese werden deutlich zu selten auf den Platz gebracht und v .a. noch seltener sauber, uneingeschränkt kombinationssicher und nur mit seltenen Ballverlusten.
So hat man doch immer wieder den Eindruck, dass sehr viel an Sancho und Haaland hängt, wenn es um Tore geht und das völlig unabhängig davon, welches Spielsystem hinter diesen beiden gespielt wird. Zwar haben die Spiele gegen Kiel im Pokal und gegen Leipzig in der BL gezeigt, dass auch ohne Haaland offensiv sehr viel geht beim BVB (ich hatte sogar den Eindruck, dass wegen Haalands Abwesenheit die Spielfreude und die für den Gegner unberechenbaren BVB-Kombinationen zunahmen), dennoch ist zu fragen, was der BVB eigentlich ohne Sancho und Haaland auf Dauer überhaupt noch an Toren erzielen könnte, wenn diese Spieler (wie früher auch) nach ihrem Abgang schnell ersetzt werden.
Mein Fazit:
Trotz Hummels' Geschwindigkeitsdefizit eher 4er- als 3er-Kette. Wenn 4er-Kette, dann asymmetrisch zugunsten von Guerreiro auf der linken Seite spielen. Das Zentrum braucht eine deutliche Entwicklung von Bellingham und einen konstanten Dahoud. Can und Delaney sind mMn (die Aufschreie schrillen schon in meinen Ohren) Ergänzungsspieler mit relativ vielen Einsätzen. Alternativ wäre ein dynamisch-schneller und körperlich robuster ZM-Spieler zu verpflichten. Wenn Sancho und Haaland gehen, muss sich der BVB schnell etwas einfallen lassen. Wenn Haaland geht, auch das werden hier einige nicht verstehen, können Moukoko und ein zu verpflichtendes BU duchaus für offensive Durchschlagskraft reichen. Sanchos Abgang ist mMn schwieriger aufzufangen.
Wenn Rose mit Guerreiro nicht so viel anfangen kann, wird es schwierig.
Es gäbe noch viel zu sagen ....
@BVBBC, @barcaberlin u.a.
3er-Kette vs. 4-Kette und andere Aspekte
- Die 4er-Kette lässt sich offensiv asymmetrisch spielen. Ein AV geht steiler, einer hält sich zurück. Auch abwechselnd möglich. Gehen beide steil, wird das System bei Ballverlust über die Außenbahnen sehr konteranfällig, es sei denn ein DM/ZM-Spieler orientiert sich dann mehr im Rückraum, um die beiden IV direkt unterstützen zu können, was aber die eigentliche stärkere Offensivkraft durchs Zentrum wieder schwächt.
- Die 3er-Kette lässt sich eher nicht asymmetrisch spielen, weil RAV und LAV beide deutlich mehr Aufgaben im Bereich des offensiven Spielaufbaus haben (z.B. Kombinationsspiel zwischen Außenbahn und MItte mitgestalten, RA oder LA bis zur gegnerischen Grundlinie auf der Außenbahn hinterlaufen). Kleben RAV und LAV gleichzeitig zu sehr an der Außenbahn, wird das Zentrumsspiel (das ohnehin zahlenmäßig schwächer besetzt ist) vernachlässigt und lässt sich auch defensiv nur schwer verdichten (Gefahr gegnerischer Überzahl durchs Zentrum hindurch). Andererseits steht außer bei überfallartigen Kontern des Gegners defensiv meist eben die 3er-Kette bereit.
- Die 4er-Kette lässt im DM/ZM/(OM) einige Varianten zu (auch Raute), v.a. aber lässt sie eine starke Verdichtung des Zentrums deutlich leichter zu als die 3er/5er-Kette, weil im Prinzip immer ein Spieler mehr im Zentrum und/oder auf den Halbpositionen ist.
- Die 3er-Kette erfordert zwei sowohl defensiv als auch offensiv starke Zentrumsspieler, ein Solo-6er verbietet sich fast.
Diese grundsätzlichen Erwägungen sind allerdings angesichts heutiger Spielweise äußerst relativ, weil nahezu alle stärkeren Vereine einerseits oft pressen und andererseits, wenn das Pressing und/oder Gegenpressing vom Gegner überwunden wurde, zusehen, mindestens mit 8, oft aber mit 9 und nicht selten (nicht nur bei Standards) mit 10 Feldspielern hinter den Ball zu kommen, so dass der Gegner mit einer massierten Defensive konfrontiert ist (inkl. Pressingfallen gegen dessen Spielaufbau). Leider gilt das für die eigene Offensive auch umgekehrt. Oft ist es deshalb so, dass beide Mannschaften überhaupt nicht in Dynamik und Schnelligkeit hineinkommen, also in eine Spielweise, die überhaupt Erfolg versprechend ist - unabhängig von 3er- oder 4er-Kette. Im EL-Finale Manchester United gegen Villareal konnte man das z.NB. sehr gut studieren. V.a. Manchester biss sich die Zähne aus an den beiden 4er-Ketten und den 2 davor störenden Spielern von Villareal bis auf die wenigen Szenen, in denen es mit balltreibenden Einzelleistungen im Dribbling oder durch risikoreiche schnelle Doppelpässe dann doch mal gefährlich für Villareal wurde. Pogba irrte phasenweise ziemlich hilflos über den Platz, um die beiden IV bei sehr hoch spielenden AV (eine Viererkette, die sozusagen eine Belagerung versuchte) im Spielaufbau zu unterstützen, wurde aber sehr oft zugestellt oder gestört oder fand mit Ball, wenn er ihn mal bekam, kaum aussichtsreiche Anspielstationen.
Betrachtet man unter diesen Voraussetzungen den jetzigen BVB-Kader und die letzte Saisonphase, dann kann man feststellen, dass der BVB nur wegen mannschaftlicher Geschlossenheit, ständiger Defensivarbeit von 8-10 Feldspielern und einigen dynamischen Vorstößen (inkl. schnellen Kombinationen) bei stärkerer risikoreicherer Vertikalität überhaupt noch diese Saisonziele erreichen konnte. Die 4er-Kette war mMn für dieses Unterfangen günstiger, als es eine 3er-Kette gewesen wäre, v.a. wegen Verdichtungsmöglichkeit des Zentrums. Allerdings hätte mit gleicher Lauf- und Einsatzfreudigkeit wohl auch eine 3er-Kette defensiv funktionieren können. Nur bin ich mir ziemlich sicher, dass der jetzige Kader keine ganze Saison mit einem so hohen Aufwand spielen kann. Außerdem war auch in der Siegesserie das Auftreten insgesamt und v.a. bzgl. Ballbesitzspiel bei weitem nicht so souverän, wie es wegen der Spielergebnisse erscheinen mochte.
Über die IV, AV oder LAV, RAV ist hier schon viel in diesem Zusammenhang gesagt worden. Dem stimme ich zu, weil dort ein erheblicher Teil der Unausgewogenheit des Kaders auszumachen ist.
Zum Zentrum - DM/ZM/(OM) - ist hier auch schon einiges gesagt worden. Folgende Aspekte möchte ich beisteuern:
- Dahouds erheblicher Formanstieg, der übrigens nach meiner Beobachtung nicht ganz bis zum Saisonende gehalten hat, hat darüber hinweggetäuscht, dass es im Zentrum, offensiv wie defensiv, doch einige Probleme gab und ohne Neuzugänge auch geben wird.
In den siegreich beendeten 7 BL-Spielen vom 28. bis 34. Spieltag sind im Zentrum folgende Spieler eingesetzt worden:
- gegen Stuttgart: Dahoud , Bellingham (79. Brandt), Delaney
- gegen Bremen: Dahoud (61. E. Can), Bellingham, Brandt (74. Hazard)
- gegen U. Berlin: E. Can (59. Dahoud), Bellingham (90.+1 Reinier) – Reyna (76. Brandt)
- gegen Wolfsburg: Dahoud, Bellingham, Reus oder Reyna (68. Hazard) - war nicht so ganz klar
- gegen Leipzig: Dahoud (60. Delaney), E. Can, Reus oder Reyna
- gegen Mainz: Bellingham (87. Delaney), Dahoud, Reus (84. Hazard) oder Reyna (76. Brandt)
- gegen Leverkusen: Dahoud (46. Bellingham), Delaney, Brandt
Es wurde immer mit 4er-Kette gespielt. Weniger klar war, ob mit einem klaren 3er-Zentrum oder mit zwei 6ern (einer oder abwechselnd einer der beiden etwas offensiver) oder gar mit nur einem 6er im DM und zwei 8ern gespielt wurde (die einschlägigen Informationsquellen sind sich diesbezüglich keineswegs einig, was man verstehen kann, wenn man die Spiele gesehen hat).
Der Kern des Zentrums aber, das ist klar, bestand meist aus Dahoud und Bellingham und nur für 30 Minuten gegen Leipzig aus Delaney und Can. Und damit ist eigentlich bereits die Problematik des BVB-Personals im Zentrum umrissen, seit Witsel sich schwer verletzt hat.
Dahoud und Bellingham sind durch ihre defensive Spielweise ein ständiger Stressor für den Gegner. Das ist sehr positiv. Sie gehen "drauf", Bellingham im Kurzantritt nach vorne schnell, Dahoud weniger schnell, aber engagiert. Beide sind dabei ungestüm, Dahoud noch etwas mehr als Bellingham. In der Rückwärtsbewegung sind beide nicht sehr schnell, aber beide kämpfen "bis zum Umfallen". Die Raumdeutung und Antizipation ist bei beiden, um es freundlich zu formulieren, ausbaufähig.
Wie unangenehm immerhin z.B. Bellingham für die Gegner ist, zeigt die Foulstatistik, wie hart er selbst zu Werke geht aber auch. Delaney ist auf jeden Fall der am meisten gefoulte Spieler des BVB.
https://www.sport.de/fussball/deutschland-bundesliga/statistik-gefoult-worden/
https://www.bundesliga.com/de/bundesliga/statistiken/spieler/fouls
Delaney foult durchschnittlich alle 38 Min. und bekommt alle 215 Min. eine gelbe Karte.
Dahoud foult durchschnittlich alle 47 Min. und bekommt alle 420 Min. eine gelbe Karte.
Bellingham foult durchschnittlich alle 50 Min. und bekommt alle 425 Min. eine gelbe Karte.
Can foult durchschnittlich alle 62 Min. und bekommt alle 426 Min. eine gelbe Karte.
(Nebenbei: Erstaunlich, ich hätte Can auf einer Höhe mit Delaney vermutet.)
Was steckt hinter diesen Statistiken?
Bellingham ist für sein Alter ein herausragender Fußballer, aber es wird sich in der nächsten Saison zeigen, ob er schon nachhaltig den BVB im Zentrum einerseits sicherer, andererseits bzgl. Ballbesitzfußball und offensiver Durchschlagskraft stärker machen kann.
Dahoud muss seinen Formanstieg in der neuen Saison konservieren und nachweisen, dass er auch strategische Qualitäten im Zentrum hat und hinsichtlich Positionsspiel und Antizipation noch zulegen kann.
Can ist als Mentalitätsspieler geholt worden, was er auch zum Teil bestätigt, aber bis auf seine ab und zu eingestreuten offensiven Tempovorstöße und defensiven Monstergrätschen wirkt er nicht wie eine nachhaltige Verstärkung für den BVB.
Delaney hat bis auf einige weite Schläge auf die linke oder halblinke Seite Probleme, das Kombinationsspiel anzukurbeln und wirkt auch defensiv nur phasenweise stabil. Sein Einsatz stimmt immer, seine Fähigkeiten sind aber doch begrenzt.
Ob man nun Reyna, Reus oder auch Brandt und Hazard im weitesten Sinne zumindest phasenweise dem offensiven Zentrum des BVB-Spiels zuordnen kann, ist Auslegungssache. Reyna sicherlich am wenigsten und Brandt am meisten. Auffällig ist aber, dass Reus nicht mehr die typische "Reus-10" spielt, auch wenn er keineswegs (bis auf Kurzpasskombinationen auf der linken Angriffsseite) als Flügelspieler, wie manche meinen, fungiert hat. Hazard wie auch meist Reyna sind defensiv meist auf der Außenbahn und offensiv auf den Halbpositionen oder außen, Reus auf halblinks, aber irgendwie auch überall und Brandt, wie wir es von ihm kennen, irgendwo (ok, ist ein bisschen übertrieben). Offensiv aber fehlt doch ein wenig die klarere Besetzung der 10er-Position, womit nicht der Spielmacher alter Art gemeint ist.
Insgesamt halte ich das Zentrum des BVB aber abgesehen vom extremen Engagement der letzten Spiele defensiv für einigermaßen befriedigend (teils sogar Brandt), nicht aber für gut. Das liegt v.a. daran, dass ich nach wie vor das Zweikampfverhalten und darin v.a. die Positionierung zum Gegner bei Dahoud und Delaney und teils auch bei Can und Bellingham für verbesserungswürdig halte.
Offensiv liegt doch noch einiges im Argen bis auf Dahouds teils geniale Bewegungen und inzwischen auch Pässe, Cans seltenem, aber effektiven Ballvortrieb, nach dem er allerdings meist so wirkt, als sei er überrascht, so weit nach vorne gekommen zu sein und deshalb dann die Situation verdaddelt, Delaneys weite Schläge auf die linke Seite, Bellinghams viel zu seltenen Antritte mit Ball (denn auf Kurzstrecke ist er dynamisch) und Einbindung ins Kombinationsspiel in der gegnerischen Hälfte, Reus' wieder aufgeflammte Dynamik und Kombinationsfreude (v.a. auch gelingende), Brandts auch teilweise wieder erkennbaren technischen Fertigkeiten und auch Schnelligkeit sowie allmählich wiederkehrende Fähigkeiten im Dribbling von Reyna und im Kombinationsspiel von Hazard.
Wenn man das so liest, klingt es wie ungerechtfertigte Kritik, weil doch einige sehr positive Skills aufgezählt sind. Nur, diese werden deutlich zu selten auf den Platz gebracht und v .a. noch seltener sauber, uneingeschränkt kombinationssicher und nur mit seltenen Ballverlusten.
So hat man doch immer wieder den Eindruck, dass sehr viel an Sancho und Haaland hängt, wenn es um Tore geht und das völlig unabhängig davon, welches Spielsystem hinter diesen beiden gespielt wird. Zwar haben die Spiele gegen Kiel im Pokal und gegen Leipzig in der BL gezeigt, dass auch ohne Haaland offensiv sehr viel geht beim BVB (ich hatte sogar den Eindruck, dass wegen Haalands Abwesenheit die Spielfreude und die für den Gegner unberechenbaren BVB-Kombinationen zunahmen), dennoch ist zu fragen, was der BVB eigentlich ohne Sancho und Haaland auf Dauer überhaupt noch an Toren erzielen könnte, wenn diese Spieler (wie früher auch) nach ihrem Abgang schnell ersetzt werden.
Mein Fazit:
Trotz Hummels' Geschwindigkeitsdefizit eher 4er- als 3er-Kette. Wenn 4er-Kette, dann asymmetrisch zugunsten von Guerreiro auf der linken Seite spielen. Das Zentrum braucht eine deutliche Entwicklung von Bellingham und einen konstanten Dahoud. Can und Delaney sind mMn (die Aufschreie schrillen schon in meinen Ohren) Ergänzungsspieler mit relativ vielen Einsätzen. Alternativ wäre ein dynamisch-schneller und körperlich robuster ZM-Spieler zu verpflichten. Wenn Sancho und Haaland gehen, muss sich der BVB schnell etwas einfallen lassen. Wenn Haaland geht, auch das werden hier einige nicht verstehen, können Moukoko und ein zu verpflichtendes BU duchaus für offensive Durchschlagskraft reichen. Sanchos Abgang ist mMn schwieriger aufzufangen.
Wenn Rose mit Guerreiro nicht so viel anfangen kann, wird es schwierig.
Es gäbe noch viel zu sagen ....
So mal gucken ob ich noch ein wenig mehr rauskitzeln kann von dem was es noch zu sagen gibt
Wenn ich dich richtig verstehe, dann siehst du bei Sancho Abgang Bedarf auf der IV, AV, DM, 10 und OA und damit sind wir genau beim Kern des Ausgangs der Diskussion. Ich persönlich habe überhaupt keine generelle Präferenz für das eine oder andere System sondern interessiere mich nur dafür in welchem System es vielleicht einfach ist im Kader vorhandene Potentiale zu wecken und Schwächen zu kaschieren, während man ein paar gezielten und realistischen Transfers die Mannschaft für die nächste Saison gut aufstellt.
Du schlägst eine asymmetrische Vierkette vor, weil sie den Vorteil hat, dass man das Zentrum besser verdichten kann. Rein theoretisch gebe ich dir da recht, dass das System diesen Vorteil haben kann, aber da sind wir eben wieder bei dem Punkt, dass es nicht um eine abstrakte Diskussion der System geht sondern um eine spezifische Diskussion welche Systeme realistischerweise mit dem Personal spielbar sind.
Meiner Meinung nach haben wir schon ziemlich alle Optionen ausgereizt um eine Viererkette zu spielen, während gleichzeitig Hummels und Guerreiro weiterhin ihrer Stärken entsprechend eingesetzt werden und keine dieser Optionen hat mich überzeugt, dass das langfristig funktionieren kann.
1.) abkippender DM: Gerade am Anfang der Hinrunde haben wir es häufig gesehen, dass man versucht hat etwas höher zu stehen, aber gerade Delaney sich sehr explizit um die Absicherung des Raumes hinter Guerreiro kümmert, wenn dieser Mal Vorstöße wagte. Problem an dieser Variante war, dass wir uns auf der einen Seite natürlich den ehemaligen Vorteil im Zentrum wieder etwas nehmen und gleichzeitig die Hybriden, die diese Rolle spielen konnten, wie Delaney oder Can uns eben spielerisch im Zentrum auch eher geschwächt haben und dort als LIV sicherlich auch nicht optimal besetzt sind.
2.) tiefe Viererkette: Stelle ich diesen Spieler allerdings nicht ab, dann steh ich wieder vorm dem Anfangsproblem. Die Lösung die dann zum Saisonende gewählt wurde, war es einfach die komplette Viererkette tiefer fallen zu lassen und damit den Platz der mit diesen langen Bällen bespielt werden kann einfach arg zu begrenzen. Das war zumindest ergebnistechnisch relativ erfolgreich, aber wie du selbst und einige andere auch hier schon andeuteten, war das Offensivspiel extrem abhängig von Haaland und Sancho, die als einzige ohne die Kompaktheit auch durch ihre individuelle Qualität oder Dynamik vorne Chancen kreieren konnten. Gerade das von dir diskutierte Mittelfeld spielt hier meiner Meinung nach auch eine entscheidende Rolle, weil Dahoud und Bellingham zusammen eben wie du sagst eben nicht die Schnelligkeit haben um mit schnellen Gegenstößen mitzugehen und nicht die taktischen Fähigkeiten um diese zu unterbinden, weshalb man wahrscheinlich noch mehr Grund hatte sich insgesamt tiefer zu positionieren. Spielt man das ganze aber so dann sind die eigentlich angedachten Vorteile der Zentrumsverdichtung aber wieder hinfällig und es bleibt darüber hinaus zu vermuten, dass das auch Offensiv ohne Sancho schnell zu Problemen führen könnte, gerade weil es natürlich auch Anpassungsprozesse der Gegner gibt, die sich nicht mehr so locken lassen.
3.) Hummels als RIV: Eine weitere Alternative die wir am Anfang der letzten Saison unter Favre auch einige Mal gesehen haben, ist die Option einfach das Problem zu umgehen in dem man Hummels nach rechts verschiebt. Problematisch ist hier wiederum dass wir nur einen anderen IV haben der sich links wohlfühlt und dass ist Zagadou, der leider ähnliche Probleme hat im Zusammenspiel mit Guerreiro (wenn auch etwas abgeschwächt) und häufig verletzt ist. Darüber hinaus schiebt man Hummels auf eine Position die er in seiner Karriere deutlich seltener gespielt hat und beraubt ihm seiner Stärke der Außenrist Pässe, während meist der andere IV auch noch geschwächt wird in seinen Aufbaumustern (siehe Akanji)
4.) Guerreiro als LA: Ein Muster was wir im Prinzip gesehen haben bevor Hummels überhaupt wieder zum BVB stieß ist Guerreiro auf die LA Position zu schieben. Das löst das defensive Probleme wenn man die LV ordentlich besetzt, aber man beraubt einen der talentiersten Spieler im Kader einige seiner größten Stärken, denn als LA kann er sich nicht mehr im Spielaufbau mit einbinden und auch sein Gespür dafür aus der Tiefe in Räume zu stoßen kommt dort nicht mehr so zur Geltung. Gleichzeitig läuft man Gefahr ihn häufiger in Situationen zu haben, wo er ohne Kombinationspartner gegen mehrere Gegenspieler isoliert ist und sich auf Grund seiner fehlenden Schnelligkeit kaum durchsetzen können wird. Gerade bei einem Abgang von Sancho sich auch noch der Stärken von Guerreiro zu berauben könnte schnell arg nach hinten losgehen.
Persönlich fehlt mir die Kreativität da noch weitere Optionen zu finden, aber vielleicht übersehe ich da was. Die beiden letzten Optionen halte ich für unwahrscheinlich (wir berauben uns nicht der Stärke von Guerreiro und die ganze IV auf dem falschen Fuss spielen lassen werden wir wohl auch eher nicht machen). Die tiefe Positionierung wie zuletzt halte ich für generell nicht langfristig umsetzbar und ohne Sancho schon gar nicht, womit für deine asymmetrische Viererkette dann nur noch die Option mit dem abkippenden 6er bleiben würde. Dafür bräuchte man dann aber eigentlich einen sehr schnellen 6er der auch noch Linksfuss ist, was nach 115 Mio in Spieler im ZM/DM das nächste fette Investment dort wäre, während man gleichzeitig eigentlich Witsel, Delaney und Can abgeben müsste, weil sie die Rolle nicht so ausfüllen können wie man es benötigt und gleichzeitig als zweite Alternative im DM nicht spielstark genug sind oder nicht vertikal genug agieren.
Wenn du also für asymmetrische Viererkette plädierst, was in meiner Wahrnehmung relativ nah an dem sein sollte was wir zuletzt gespielt haben, wo Piszczek als RV auf seine alten Tage deutlich defensiver agierte als Guerreiro, dann an dich die Frage wie du diese Problematik auflösen würdest mit diesem Kader? Welche Verpflichtungen (Profil) würdest du tätigen um das spielbar zu machen?
Mein persönlicher Ansatz ist ja immernoch die Dreierkette weil ich glaube dass man mit:
------------Can---Hummels---Akanji---------------
Hazard-----Bellingham--Brandt-----Guerreiro
-------------Reyna-----------------Reus-------------
-----------------------Haaland------------------------
das bessere Grundgerüst hat um die Potentiale des Kaders zu heben und mit einigen wenigen gezielten Verstärkungen dann diesen zu optimieren.
31.05.2021 - 09:37 Uhr
Zitat von barcaberlin
Zitat von arche
....
2.) tiefe Viererkette: Stelle ich diesen Spieler allerdings nicht ab, dann steh ich wieder vorm dem Anfangsproblem. Die Lösung die dann zum Saisonende gewählt wurde, war es einfach die komplette Viererkette tiefer fallen zu lassen und damit den Platz der mit diesen langen Bällen bespielt werden kann einfach arg zu begrenzen. Das war zumindest ergebnistechnisch relativ erfolgreich, aber wie du selbst und einige andere auch hier schon andeuteten, war das Offensivspiel extrem abhängig von Haaland und Sancho, die als einzige ohne die Kompaktheit auch durch ihre individuelle Qualität oder Dynamik vorne Chancen kreieren konnten. Gerade das von dir diskutierte Mittelfeld spielt hier meiner Meinung nach auch eine entscheidende Rolle, weil Dahoud und Bellingham zusammen eben wie du sagst eben nicht die Schnelligkeit haben um mit schnellen Gegenstößen mitzugehen und nicht die taktischen Fähigkeiten um diese zu unterbinden, weshalb man wahrscheinlich noch mehr Grund hatte sich insgesamt tiefer zu positionieren. Spielt man das ganze aber so dann sind die eigentlich angedachten Vorteile der Zentrumsverdichtung aber wieder hinfällig und es bleibt darüber hinaus zu vermuten, dass das auch Offensiv ohne Sancho schnell zu Problemen führen könnte, gerade weil es natürlich auch Anpassungsprozesse der Gegner gibt, die sich nicht mehr so locken lassen.
...
Mein persönlicher Ansatz ist ja immernoch die Dreierkette weil ich glaube dass man mit:
------------Can---Hummels---Akanji---------------
Hazard-----Bellingham--Brandt-----Guerreiro
-------------Reyna-----------------Reus-------------
-----------------------Haaland------------------------
das bessere Grundgerüst hat um die Potentiale des Kaders zu heben und mit einigen wenigen gezielten Verstärkungen dann diesen zu optimieren.
....
2.) tiefe Viererkette: Stelle ich diesen Spieler allerdings nicht ab, dann steh ich wieder vorm dem Anfangsproblem. Die Lösung die dann zum Saisonende gewählt wurde, war es einfach die komplette Viererkette tiefer fallen zu lassen und damit den Platz der mit diesen langen Bällen bespielt werden kann einfach arg zu begrenzen. Das war zumindest ergebnistechnisch relativ erfolgreich, aber wie du selbst und einige andere auch hier schon andeuteten, war das Offensivspiel extrem abhängig von Haaland und Sancho, die als einzige ohne die Kompaktheit auch durch ihre individuelle Qualität oder Dynamik vorne Chancen kreieren konnten. Gerade das von dir diskutierte Mittelfeld spielt hier meiner Meinung nach auch eine entscheidende Rolle, weil Dahoud und Bellingham zusammen eben wie du sagst eben nicht die Schnelligkeit haben um mit schnellen Gegenstößen mitzugehen und nicht die taktischen Fähigkeiten um diese zu unterbinden, weshalb man wahrscheinlich noch mehr Grund hatte sich insgesamt tiefer zu positionieren. Spielt man das ganze aber so dann sind die eigentlich angedachten Vorteile der Zentrumsverdichtung aber wieder hinfällig und es bleibt darüber hinaus zu vermuten, dass das auch Offensiv ohne Sancho schnell zu Problemen führen könnte, gerade weil es natürlich auch Anpassungsprozesse der Gegner gibt, die sich nicht mehr so locken lassen.
...
Mein persönlicher Ansatz ist ja immernoch die Dreierkette weil ich glaube dass man mit:
------------Can---Hummels---Akanji---------------
Hazard-----Bellingham--Brandt-----Guerreiro
-------------Reyna-----------------Reus-------------
-----------------------Haaland------------------------
das bessere Grundgerüst hat um die Potentiale des Kaders zu heben und mit einigen wenigen gezielten Verstärkungen dann diesen zu optimieren.
Ich will mich mal nur auf diese 2 Absätze konzentrieren. Das meiste, was du schreibst sehe ich ansonsten recht ähnlich, aber hier finde ich nach wie vor, dass etwas Wichtiges untergeht.
Inwiefern wären hier den bspw. die Zwänge weg, dass man sich mit der Kette tiefer positioniert? Bestünden nicht dieselben Probleme im ZM? Wäre nicht weiterhin zu erwarten, dass der 10er Raum entweder unterbesetzt oder überbesetzt wird, weil Guerreiro, Reus und Reyna hier allesamt immer wieder auftauchen wollen, aber diesen nicht konstant besetzen? Würde das nicht bedeuten, dass die Laufarbeit, die Bellingham und Brandt droht weiterhin immens ist und im Nachrückverhalten viel von ihnen gefordert wird? Verschiebt man damit zudem nicht mehrere Probleme, die nun Akanji bei deinem System allein lösen soll?
Ich würde hier jedenfalls weiterhin ein Problem auf LIV-LSS vermuten, gerade weil Brandt und Guerreiro in diesem System weniger - als eh - nach hinten arbeiten dürften, sondern - auch bedingt durch den Sancho Verlust - stark in der Vorwärtsbewegung gefordert wären, um Kreativität einzubringen. Entsprechend würde ich erwarten, dass Akanji taktisch leicht in ein Dilemma gebracht werden kann. Füllt er den Raum vor sich, indem er die Abstände zu Guerreiro und Brandt hält, um sie in der Gegenbewegung abzusichern, ist die Hummels Absicherung durch Akanji, die die eigentliche Idee dieser 3er Kette ist, verwirkt. Bleibt Akanji hinten, um eben diese Absicherung darzustellen, werden sich im linken Halbfeld des BVB Räume auftun, durch die der Gegner frei auf die Kette zulaufen kann, die man dann auch noch weiter manipulieren kann, indem man bspw. den MS früh auf Akanji ansetzt, versucht diesen nach außen zu ziehen, was dieser begleiten müsste und damit dann auch noch das Laufduell mit Hummels im Zentrum forciert, wofür es im Grunde nur den Spieler benötigt, der den Ball im Halbraum abholt und einen weiteren Nachrücker. Ich würde daher fürchten, dass der BVB mit 3 gegnerischen Spielern regelmäßig üblen Kontern ausgesetzt wäre und die Idee hinter der 3er Kette kollabiert, weil sie die Probleme, die du in 2) schilderst, schlicht nicht löst. Dafür müsste das Pressing vorne und im Mittelfeld überragend sein, sodass in der Kette nur noch der Müll eingesammelt werden muss. Wodurch soll das aber zu erwarten sein?
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BVBBC am 31.05.2021 um 09:57 Uhr bearbeitet
31.05.2021 - 09:53 Uhr
Zitat von barcaberlin
So mal gucken ob ich noch ein wenig mehr rauskitzeln kann von dem was es noch zu sagen gibt
Wenn ich dich richtig verstehe, dann siehst du bei Sancho Abgang Bedarf auf der IV, AV, DM, 10 und OA und damit sind wir genau beim Kern des Ausgangs der Diskussion. Ich persönlich habe überhaupt keine generelle Präferenz für das eine oder andere System sondern interessiere mich nur dafür in welchem System es vielleicht einfach ist im Kader vorhandene Potentiale zu wecken und Schwächen zu kaschieren, während man ein paar gezielten und realistischen Transfers die Mannschaft für die nächste Saison gut aufstellt.
Du schlägst eine asymmetrische Vierkette vor, weil sie den Vorteil hat, dass man das Zentrum besser verdichten kann. Rein theoretisch gebe ich dir da recht, dass das System diesen Vorteil haben kann, aber da sind wir eben wieder bei dem Punkt, dass es nicht um eine abstrakte Diskussion der System geht sondern um eine spezifische Diskussion welche Systeme realistischerweise mit dem Personal spielbar sind.
Meiner Meinung nach haben wir schon ziemlich alle Optionen ausgereizt um eine Viererkette zu spielen, während gleichzeitig Hummels und Guerreiro weiterhin ihrer Stärken entsprechend eingesetzt werden und keine dieser Optionen hat mich überzeugt, dass das langfristig funktionieren kann.
1.) abkippender DM: Gerade am Anfang der Hinrunde haben wir es häufig gesehen, dass man versucht hat etwas höher zu stehen, aber gerade Delaney sich sehr explizit um die Absicherung des Raumes hinter Guerreiro kümmert, wenn dieser Mal Vorstöße wagte. Problem an dieser Variante war, dass wir uns auf der einen Seite natürlich den ehemaligen Vorteil im Zentrum wieder etwas nehmen und gleichzeitig die Hybriden, die diese Rolle spielen konnten, wie Delaney oder Can uns eben spielerisch im Zentrum auch eher geschwächt haben und dort als LIV sicherlich auch nicht optimal besetzt sind.
2.) tiefe Viererkette: Stelle ich diesen Spieler allerdings nicht ab, dann steh ich wieder vorm dem Anfangsproblem. Die Lösung die dann zum Saisonende gewählt wurde, war es einfach die komplette Viererkette tiefer fallen zu lassen und damit den Platz der mit diesen langen Bällen bespielt werden kann einfach arg zu begrenzen. Das war zumindest ergebnistechnisch relativ erfolgreich, aber wie du selbst und einige andere auch hier schon andeuteten, war das Offensivspiel extrem abhängig von Haaland und Sancho, die als einzige ohne die Kompaktheit auch durch ihre individuelle Qualität oder Dynamik vorne Chancen kreieren konnten. Gerade das von dir diskutierte Mittelfeld spielt hier meiner Meinung nach auch eine entscheidende Rolle, weil Dahoud und Bellingham zusammen eben wie du sagst eben nicht die Schnelligkeit haben um mit schnellen Gegenstößen mitzugehen und nicht die taktischen Fähigkeiten um diese zu unterbinden, weshalb man wahrscheinlich noch mehr Grund hatte sich insgesamt tiefer zu positionieren. Spielt man das ganze aber so dann sind die eigentlich angedachten Vorteile der Zentrumsverdichtung aber wieder hinfällig und es bleibt darüber hinaus zu vermuten, dass das auch Offensiv ohne Sancho schnell zu Problemen führen könnte, gerade weil es natürlich auch Anpassungsprozesse der Gegner gibt, die sich nicht mehr so locken lassen.
3.) Hummels als RIV: Eine weitere Alternative die wir am Anfang der letzten Saison unter Favre auch einige Mal gesehen haben, ist die Option einfach das Problem zu umgehen in dem man Hummels nach rechts verschiebt. Problematisch ist hier wiederum dass wir nur einen anderen IV haben der sich links wohlfühlt und dass ist Zagadou, der leider ähnliche Probleme hat im Zusammenspiel mit Guerreiro (wenn auch etwas abgeschwächt) und häufig verletzt ist. Darüber hinaus schiebt man Hummels auf eine Position die er in seiner Karriere deutlich seltener gespielt hat und beraubt ihm seiner Stärke der Außenrist Pässe, während meist der andere IV auch noch geschwächt wird in seinen Aufbaumustern (siehe Akanji)
4.) Guerreiro als LA: Ein Muster was wir im Prinzip gesehen haben bevor Hummels überhaupt wieder zum BVB stieß ist Guerreiro auf die LA Position zu schieben. Das löst das defensive Probleme wenn man die LV ordentlich besetzt, aber man beraubt einen der talentiersten Spieler im Kader einige seiner größten Stärken, denn als LA kann er sich nicht mehr im Spielaufbau mit einbinden und auch sein Gespür dafür aus der Tiefe in Räume zu stoßen kommt dort nicht mehr so zur Geltung. Gleichzeitig läuft man Gefahr ihn häufiger in Situationen zu haben, wo er ohne Kombinationspartner gegen mehrere Gegenspieler isoliert ist und sich auf Grund seiner fehlenden Schnelligkeit kaum durchsetzen können wird. Gerade bei einem Abgang von Sancho sich auch noch der Stärken von Guerreiro zu berauben könnte schnell arg nach hinten losgehen.
Persönlich fehlt mir die Kreativität da noch weitere Optionen zu finden, aber vielleicht übersehe ich da was. Die beiden letzten Optionen halte ich für unwahrscheinlich (wir berauben uns nicht der Stärke von Guerreiro und die ganze IV auf dem falschen Fuss spielen lassen werden wir wohl auch eher nicht machen). Die tiefe Positionierung wie zuletzt halte ich für generell nicht langfristig umsetzbar und ohne Sancho schon gar nicht, womit für deine asymmetrische Viererkette dann nur noch die Option mit dem abkippenden 6er bleiben würde. Dafür bräuchte man dann aber eigentlich einen sehr schnellen 6er der auch noch Linksfuss ist, was nach 115 Mio in Spieler im ZM/DM das nächste fette Investment dort wäre, während man gleichzeitig eigentlich Witsel, Delaney und Can abgeben müsste, weil sie die Rolle nicht so ausfüllen können wie man es benötigt und gleichzeitig als zweite Alternative im DM nicht spielstark genug sind oder nicht vertikal genug agieren.
Wenn du also für asymmetrische Viererkette plädierst, was in meiner Wahrnehmung relativ nah an dem sein sollte was wir zuletzt gespielt haben, wo Piszczek als RV auf seine alten Tage deutlich defensiver agierte als Guerreiro, dann an dich die Frage wie du diese Problematik auflösen würdest mit diesem Kader? Welche Verpflichtungen (Profil) würdest du tätigen um das spielbar zu machen?
Mein persönlicher Ansatz ist ja immernoch die Dreierkette weil ich glaube dass man mit:
------------Can---Hummels---Akanji---------------
Hazard-----Bellingham--Brandt-----Guerreiro
-------------Reyna-----------------Reus-------------
-----------------------Haaland------------------------
das bessere Grundgerüst hat um die Potentiale des Kaders zu heben und mit einigen wenigen gezielten Verstärkungen dann diesen zu optimieren.
Zitat von arche
@BVBBC, @barcaberlin u.a.
3er-Kette vs. 4-Kette und andere Aspekte
- Die 4er-Kette lässt sich offensiv asymmetrisch spielen. Ein AV geht steiler, einer hält sich zurück. Auch abwechselnd möglich. Gehen beide steil, wird das System bei Ballverlust über die Außenbahnen sehr konteranfällig, es sei denn ein DM/ZM-Spieler orientiert sich dann mehr im Rückraum, um die beiden IV direkt unterstützen zu können, was aber die eigentliche stärkere Offensivkraft durchs Zentrum wieder schwächt.
- Die 3er-Kette lässt sich eher nicht asymmetrisch spielen, weil RAV und LAV beide deutlich mehr Aufgaben im Bereich des offensiven Spielaufbaus haben (z.B. Kombinationsspiel zwischen Außenbahn und MItte mitgestalten, RA oder LA bis zur gegnerischen Grundlinie auf der Außenbahn hinterlaufen). Kleben RAV und LAV gleichzeitig zu sehr an der Außenbahn, wird das Zentrumsspiel (das ohnehin zahlenmäßig schwächer besetzt ist) vernachlässigt und lässt sich auch defensiv nur schwer verdichten (Gefahr gegnerischer Überzahl durchs Zentrum hindurch). Andererseits steht außer bei überfallartigen Kontern des Gegners defensiv meist eben die 3er-Kette bereit.
- Die 4er-Kette lässt im DM/ZM/(OM) einige Varianten zu (auch Raute), v.a. aber lässt sie eine starke Verdichtung des Zentrums deutlich leichter zu als die 3er/5er-Kette, weil im Prinzip immer ein Spieler mehr im Zentrum und/oder auf den Halbpositionen ist.
- Die 3er-Kette erfordert zwei sowohl defensiv als auch offensiv starke Zentrumsspieler, ein Solo-6er verbietet sich fast.
Diese grundsätzlichen Erwägungen sind allerdings angesichts heutiger Spielweise äußerst relativ, weil nahezu alle stärkeren Vereine einerseits oft pressen und andererseits, wenn das Pressing und/oder Gegenpressing vom Gegner überwunden wurde, zusehen, mindestens mit 8, oft aber mit 9 und nicht selten (nicht nur bei Standards) mit 10 Feldspielern hinter den Ball zu kommen, so dass der Gegner mit einer massierten Defensive konfrontiert ist (inkl. Pressingfallen gegen dessen Spielaufbau). Leider gilt das für die eigene Offensive auch umgekehrt. Oft ist es deshalb so, dass beide Mannschaften überhaupt nicht in Dynamik und Schnelligkeit hineinkommen, also in eine Spielweise, die überhaupt Erfolg versprechend ist - unabhängig von 3er- oder 4er-Kette. Im EL-Finale Manchester United gegen Villareal konnte man das z.NB. sehr gut studieren. V.a. Manchester biss sich die Zähne aus an den beiden 4er-Ketten und den 2 davor störenden Spielern von Villareal bis auf die wenigen Szenen, in denen es mit balltreibenden Einzelleistungen im Dribbling oder durch risikoreiche schnelle Doppelpässe dann doch mal gefährlich für Villareal wurde. Pogba irrte phasenweise ziemlich hilflos über den Platz, um die beiden IV bei sehr hoch spielenden AV (eine Viererkette, die sozusagen eine Belagerung versuchte) im Spielaufbau zu unterstützen, wurde aber sehr oft zugestellt oder gestört oder fand mit Ball, wenn er ihn mal bekam, kaum aussichtsreiche Anspielstationen.
Betrachtet man unter diesen Voraussetzungen den jetzigen BVB-Kader und die letzte Saisonphase, dann kann man feststellen, dass der BVB nur wegen mannschaftlicher Geschlossenheit, ständiger Defensivarbeit von 8-10 Feldspielern und einigen dynamischen Vorstößen (inkl. schnellen Kombinationen) bei stärkerer risikoreicherer Vertikalität überhaupt noch diese Saisonziele erreichen konnte. Die 4er-Kette war mMn für dieses Unterfangen günstiger, als es eine 3er-Kette gewesen wäre, v.a. wegen Verdichtungsmöglichkeit des Zentrums. Allerdings hätte mit gleicher Lauf- und Einsatzfreudigkeit wohl auch eine 3er-Kette defensiv funktionieren können. Nur bin ich mir ziemlich sicher, dass der jetzige Kader keine ganze Saison mit einem so hohen Aufwand spielen kann. Außerdem war auch in der Siegesserie das Auftreten insgesamt und v.a. bzgl. Ballbesitzspiel bei weitem nicht so souverän, wie es wegen der Spielergebnisse erscheinen mochte.
Über die IV, AV oder LAV, RAV ist hier schon viel in diesem Zusammenhang gesagt worden. Dem stimme ich zu, weil dort ein erheblicher Teil der Unausgewogenheit des Kaders auszumachen ist.
Zum Zentrum - DM/ZM/(OM) - ist hier auch schon einiges gesagt worden. Folgende Aspekte möchte ich beisteuern:
- Dahouds erheblicher Formanstieg, der übrigens nach meiner Beobachtung nicht ganz bis zum Saisonende gehalten hat, hat darüber hinweggetäuscht, dass es im Zentrum, offensiv wie defensiv, doch einige Probleme gab und ohne Neuzugänge auch geben wird.
In den siegreich beendeten 7 BL-Spielen vom 28. bis 34. Spieltag sind im Zentrum folgende Spieler eingesetzt worden:
- gegen Stuttgart: Dahoud , Bellingham (79. Brandt), Delaney
- gegen Bremen: Dahoud (61. E. Can), Bellingham, Brandt (74. Hazard)
- gegen U. Berlin: E. Can (59. Dahoud), Bellingham (90.+1 Reinier) – Reyna (76. Brandt)
- gegen Wolfsburg: Dahoud, Bellingham, Reus oder Reyna (68. Hazard) - war nicht so ganz klar
- gegen Leipzig: Dahoud (60. Delaney), E. Can, Reus oder Reyna
- gegen Mainz: Bellingham (87. Delaney), Dahoud, Reus (84. Hazard) oder Reyna (76. Brandt)
- gegen Leverkusen: Dahoud (46. Bellingham), Delaney, Brandt
Es wurde immer mit 4er-Kette gespielt. Weniger klar war, ob mit einem klaren 3er-Zentrum oder mit zwei 6ern (einer oder abwechselnd einer der beiden etwas offensiver) oder gar mit nur einem 6er im DM und zwei 8ern gespielt wurde (die einschlägigen Informationsquellen sind sich diesbezüglich keineswegs einig, was man verstehen kann, wenn man die Spiele gesehen hat).
Der Kern des Zentrums aber, das ist klar, bestand meist aus Dahoud und Bellingham und nur für 30 Minuten gegen Leipzig aus Delaney und Can. Und damit ist eigentlich bereits die Problematik des BVB-Personals im Zentrum umrissen, seit Witsel sich schwer verletzt hat.
Dahoud und Bellingham sind durch ihre defensive Spielweise ein ständiger Stressor für den Gegner. Das ist sehr positiv. Sie gehen "drauf", Bellingham im Kurzantritt nach vorne schnell, Dahoud weniger schnell, aber engagiert. Beide sind dabei ungestüm, Dahoud noch etwas mehr als Bellingham. In der Rückwärtsbewegung sind beide nicht sehr schnell, aber beide kämpfen "bis zum Umfallen". Die Raumdeutung und Antizipation ist bei beiden, um es freundlich zu formulieren, ausbaufähig.
Wie unangenehm immerhin z.B. Bellingham für die Gegner ist, zeigt die Foulstatistik, wie hart er selbst zu Werke geht aber auch. Delaney ist auf jeden Fall der am meisten gefoulte Spieler des BVB.
https://www.sport.de/fussball/deutschland-bundesliga/statistik-gefoult-worden/
https://www.bundesliga.com/de/bundesliga/statistiken/spieler/fouls
Delaney foult durchschnittlich alle 38 Min. und bekommt alle 215 Min. eine gelbe Karte.
Dahoud foult durchschnittlich alle 47 Min. und bekommt alle 420 Min. eine gelbe Karte.
Bellingham foult durchschnittlich alle 50 Min. und bekommt alle 425 Min. eine gelbe Karte.
Can foult durchschnittlich alle 62 Min. und bekommt alle 426 Min. eine gelbe Karte.
(Nebenbei: Erstaunlich, ich hätte Can auf einer Höhe mit Delaney vermutet.)
Was steckt hinter diesen Statistiken?
Bellingham ist für sein Alter ein herausragender Fußballer, aber es wird sich in der nächsten Saison zeigen, ob er schon nachhaltig den BVB im Zentrum einerseits sicherer, andererseits bzgl. Ballbesitzfußball und offensiver Durchschlagskraft stärker machen kann.
Dahoud muss seinen Formanstieg in der neuen Saison konservieren und nachweisen, dass er auch strategische Qualitäten im Zentrum hat und hinsichtlich Positionsspiel und Antizipation noch zulegen kann.
Can ist als Mentalitätsspieler geholt worden, was er auch zum Teil bestätigt, aber bis auf seine ab und zu eingestreuten offensiven Tempovorstöße und defensiven Monstergrätschen wirkt er nicht wie eine nachhaltige Verstärkung für den BVB.
Delaney hat bis auf einige weite Schläge auf die linke oder halblinke Seite Probleme, das Kombinationsspiel anzukurbeln und wirkt auch defensiv nur phasenweise stabil. Sein Einsatz stimmt immer, seine Fähigkeiten sind aber doch begrenzt.
Ob man nun Reyna, Reus oder auch Brandt und Hazard im weitesten Sinne zumindest phasenweise dem offensiven Zentrum des BVB-Spiels zuordnen kann, ist Auslegungssache. Reyna sicherlich am wenigsten und Brandt am meisten. Auffällig ist aber, dass Reus nicht mehr die typische "Reus-10" spielt, auch wenn er keineswegs (bis auf Kurzpasskombinationen auf der linken Angriffsseite) als Flügelspieler, wie manche meinen, fungiert hat. Hazard wie auch meist Reyna sind defensiv meist auf der Außenbahn und offensiv auf den Halbpositionen oder außen, Reus auf halblinks, aber irgendwie auch überall und Brandt, wie wir es von ihm kennen, irgendwo (ok, ist ein bisschen übertrieben). Offensiv aber fehlt doch ein wenig die klarere Besetzung der 10er-Position, womit nicht der Spielmacher alter Art gemeint ist.
Insgesamt halte ich das Zentrum des BVB aber abgesehen vom extremen Engagement der letzten Spiele defensiv für einigermaßen befriedigend (teils sogar Brandt), nicht aber für gut. Das liegt v.a. daran, dass ich nach wie vor das Zweikampfverhalten und darin v.a. die Positionierung zum Gegner bei Dahoud und Delaney und teils auch bei Can und Bellingham für verbesserungswürdig halte.
Offensiv liegt doch noch einiges im Argen bis auf Dahouds teils geniale Bewegungen und inzwischen auch Pässe, Cans seltenem, aber effektiven Ballvortrieb, nach dem er allerdings meist so wirkt, als sei er überrascht, so weit nach vorne gekommen zu sein und deshalb dann die Situation verdaddelt, Delaneys weite Schläge auf die linke Seite, Bellinghams viel zu seltenen Antritte mit Ball (denn auf Kurzstrecke ist er dynamisch) und Einbindung ins Kombinationsspiel in der gegnerischen Hälfte, Reus' wieder aufgeflammte Dynamik und Kombinationsfreude (v.a. auch gelingende), Brandts auch teilweise wieder erkennbaren technischen Fertigkeiten und auch Schnelligkeit sowie allmählich wiederkehrende Fähigkeiten im Dribbling von Reyna und im Kombinationsspiel von Hazard.
Wenn man das so liest, klingt es wie ungerechtfertigte Kritik, weil doch einige sehr positive Skills aufgezählt sind. Nur, diese werden deutlich zu selten auf den Platz gebracht und v .a. noch seltener sauber, uneingeschränkt kombinationssicher und nur mit seltenen Ballverlusten.
So hat man doch immer wieder den Eindruck, dass sehr viel an Sancho und Haaland hängt, wenn es um Tore geht und das völlig unabhängig davon, welches Spielsystem hinter diesen beiden gespielt wird. Zwar haben die Spiele gegen Kiel im Pokal und gegen Leipzig in der BL gezeigt, dass auch ohne Haaland offensiv sehr viel geht beim BVB (ich hatte sogar den Eindruck, dass wegen Haalands Abwesenheit die Spielfreude und die für den Gegner unberechenbaren BVB-Kombinationen zunahmen), dennoch ist zu fragen, was der BVB eigentlich ohne Sancho und Haaland auf Dauer überhaupt noch an Toren erzielen könnte, wenn diese Spieler (wie früher auch) nach ihrem Abgang schnell ersetzt werden.
Mein Fazit:
Trotz Hummels' Geschwindigkeitsdefizit eher 4er- als 3er-Kette. Wenn 4er-Kette, dann asymmetrisch zugunsten von Guerreiro auf der linken Seite spielen. Das Zentrum braucht eine deutliche Entwicklung von Bellingham und einen konstanten Dahoud. Can und Delaney sind mMn (die Aufschreie schrillen schon in meinen Ohren) Ergänzungsspieler mit relativ vielen Einsätzen. Alternativ wäre ein dynamisch-schneller und körperlich robuster ZM-Spieler zu verpflichten. Wenn Sancho und Haaland gehen, muss sich der BVB schnell etwas einfallen lassen. Wenn Haaland geht, auch das werden hier einige nicht verstehen, können Moukoko und ein zu verpflichtendes BU duchaus für offensive Durchschlagskraft reichen. Sanchos Abgang ist mMn schwieriger aufzufangen.
Wenn Rose mit Guerreiro nicht so viel anfangen kann, wird es schwierig.
Es gäbe noch viel zu sagen ....
@BVBBC, @barcaberlin u.a.
3er-Kette vs. 4-Kette und andere Aspekte
- Die 4er-Kette lässt sich offensiv asymmetrisch spielen. Ein AV geht steiler, einer hält sich zurück. Auch abwechselnd möglich. Gehen beide steil, wird das System bei Ballverlust über die Außenbahnen sehr konteranfällig, es sei denn ein DM/ZM-Spieler orientiert sich dann mehr im Rückraum, um die beiden IV direkt unterstützen zu können, was aber die eigentliche stärkere Offensivkraft durchs Zentrum wieder schwächt.
- Die 3er-Kette lässt sich eher nicht asymmetrisch spielen, weil RAV und LAV beide deutlich mehr Aufgaben im Bereich des offensiven Spielaufbaus haben (z.B. Kombinationsspiel zwischen Außenbahn und MItte mitgestalten, RA oder LA bis zur gegnerischen Grundlinie auf der Außenbahn hinterlaufen). Kleben RAV und LAV gleichzeitig zu sehr an der Außenbahn, wird das Zentrumsspiel (das ohnehin zahlenmäßig schwächer besetzt ist) vernachlässigt und lässt sich auch defensiv nur schwer verdichten (Gefahr gegnerischer Überzahl durchs Zentrum hindurch). Andererseits steht außer bei überfallartigen Kontern des Gegners defensiv meist eben die 3er-Kette bereit.
- Die 4er-Kette lässt im DM/ZM/(OM) einige Varianten zu (auch Raute), v.a. aber lässt sie eine starke Verdichtung des Zentrums deutlich leichter zu als die 3er/5er-Kette, weil im Prinzip immer ein Spieler mehr im Zentrum und/oder auf den Halbpositionen ist.
- Die 3er-Kette erfordert zwei sowohl defensiv als auch offensiv starke Zentrumsspieler, ein Solo-6er verbietet sich fast.
Diese grundsätzlichen Erwägungen sind allerdings angesichts heutiger Spielweise äußerst relativ, weil nahezu alle stärkeren Vereine einerseits oft pressen und andererseits, wenn das Pressing und/oder Gegenpressing vom Gegner überwunden wurde, zusehen, mindestens mit 8, oft aber mit 9 und nicht selten (nicht nur bei Standards) mit 10 Feldspielern hinter den Ball zu kommen, so dass der Gegner mit einer massierten Defensive konfrontiert ist (inkl. Pressingfallen gegen dessen Spielaufbau). Leider gilt das für die eigene Offensive auch umgekehrt. Oft ist es deshalb so, dass beide Mannschaften überhaupt nicht in Dynamik und Schnelligkeit hineinkommen, also in eine Spielweise, die überhaupt Erfolg versprechend ist - unabhängig von 3er- oder 4er-Kette. Im EL-Finale Manchester United gegen Villareal konnte man das z.NB. sehr gut studieren. V.a. Manchester biss sich die Zähne aus an den beiden 4er-Ketten und den 2 davor störenden Spielern von Villareal bis auf die wenigen Szenen, in denen es mit balltreibenden Einzelleistungen im Dribbling oder durch risikoreiche schnelle Doppelpässe dann doch mal gefährlich für Villareal wurde. Pogba irrte phasenweise ziemlich hilflos über den Platz, um die beiden IV bei sehr hoch spielenden AV (eine Viererkette, die sozusagen eine Belagerung versuchte) im Spielaufbau zu unterstützen, wurde aber sehr oft zugestellt oder gestört oder fand mit Ball, wenn er ihn mal bekam, kaum aussichtsreiche Anspielstationen.
Betrachtet man unter diesen Voraussetzungen den jetzigen BVB-Kader und die letzte Saisonphase, dann kann man feststellen, dass der BVB nur wegen mannschaftlicher Geschlossenheit, ständiger Defensivarbeit von 8-10 Feldspielern und einigen dynamischen Vorstößen (inkl. schnellen Kombinationen) bei stärkerer risikoreicherer Vertikalität überhaupt noch diese Saisonziele erreichen konnte. Die 4er-Kette war mMn für dieses Unterfangen günstiger, als es eine 3er-Kette gewesen wäre, v.a. wegen Verdichtungsmöglichkeit des Zentrums. Allerdings hätte mit gleicher Lauf- und Einsatzfreudigkeit wohl auch eine 3er-Kette defensiv funktionieren können. Nur bin ich mir ziemlich sicher, dass der jetzige Kader keine ganze Saison mit einem so hohen Aufwand spielen kann. Außerdem war auch in der Siegesserie das Auftreten insgesamt und v.a. bzgl. Ballbesitzspiel bei weitem nicht so souverän, wie es wegen der Spielergebnisse erscheinen mochte.
Über die IV, AV oder LAV, RAV ist hier schon viel in diesem Zusammenhang gesagt worden. Dem stimme ich zu, weil dort ein erheblicher Teil der Unausgewogenheit des Kaders auszumachen ist.
Zum Zentrum - DM/ZM/(OM) - ist hier auch schon einiges gesagt worden. Folgende Aspekte möchte ich beisteuern:
- Dahouds erheblicher Formanstieg, der übrigens nach meiner Beobachtung nicht ganz bis zum Saisonende gehalten hat, hat darüber hinweggetäuscht, dass es im Zentrum, offensiv wie defensiv, doch einige Probleme gab und ohne Neuzugänge auch geben wird.
In den siegreich beendeten 7 BL-Spielen vom 28. bis 34. Spieltag sind im Zentrum folgende Spieler eingesetzt worden:
- gegen Stuttgart: Dahoud , Bellingham (79. Brandt), Delaney
- gegen Bremen: Dahoud (61. E. Can), Bellingham, Brandt (74. Hazard)
- gegen U. Berlin: E. Can (59. Dahoud), Bellingham (90.+1 Reinier) – Reyna (76. Brandt)
- gegen Wolfsburg: Dahoud, Bellingham, Reus oder Reyna (68. Hazard) - war nicht so ganz klar
- gegen Leipzig: Dahoud (60. Delaney), E. Can, Reus oder Reyna
- gegen Mainz: Bellingham (87. Delaney), Dahoud, Reus (84. Hazard) oder Reyna (76. Brandt)
- gegen Leverkusen: Dahoud (46. Bellingham), Delaney, Brandt
Es wurde immer mit 4er-Kette gespielt. Weniger klar war, ob mit einem klaren 3er-Zentrum oder mit zwei 6ern (einer oder abwechselnd einer der beiden etwas offensiver) oder gar mit nur einem 6er im DM und zwei 8ern gespielt wurde (die einschlägigen Informationsquellen sind sich diesbezüglich keineswegs einig, was man verstehen kann, wenn man die Spiele gesehen hat).
Der Kern des Zentrums aber, das ist klar, bestand meist aus Dahoud und Bellingham und nur für 30 Minuten gegen Leipzig aus Delaney und Can. Und damit ist eigentlich bereits die Problematik des BVB-Personals im Zentrum umrissen, seit Witsel sich schwer verletzt hat.
Dahoud und Bellingham sind durch ihre defensive Spielweise ein ständiger Stressor für den Gegner. Das ist sehr positiv. Sie gehen "drauf", Bellingham im Kurzantritt nach vorne schnell, Dahoud weniger schnell, aber engagiert. Beide sind dabei ungestüm, Dahoud noch etwas mehr als Bellingham. In der Rückwärtsbewegung sind beide nicht sehr schnell, aber beide kämpfen "bis zum Umfallen". Die Raumdeutung und Antizipation ist bei beiden, um es freundlich zu formulieren, ausbaufähig.
Wie unangenehm immerhin z.B. Bellingham für die Gegner ist, zeigt die Foulstatistik, wie hart er selbst zu Werke geht aber auch. Delaney ist auf jeden Fall der am meisten gefoulte Spieler des BVB.
https://www.sport.de/fussball/deutschland-bundesliga/statistik-gefoult-worden/
https://www.bundesliga.com/de/bundesliga/statistiken/spieler/fouls
Delaney foult durchschnittlich alle 38 Min. und bekommt alle 215 Min. eine gelbe Karte.
Dahoud foult durchschnittlich alle 47 Min. und bekommt alle 420 Min. eine gelbe Karte.
Bellingham foult durchschnittlich alle 50 Min. und bekommt alle 425 Min. eine gelbe Karte.
Can foult durchschnittlich alle 62 Min. und bekommt alle 426 Min. eine gelbe Karte.
(Nebenbei: Erstaunlich, ich hätte Can auf einer Höhe mit Delaney vermutet.)
Was steckt hinter diesen Statistiken?
Bellingham ist für sein Alter ein herausragender Fußballer, aber es wird sich in der nächsten Saison zeigen, ob er schon nachhaltig den BVB im Zentrum einerseits sicherer, andererseits bzgl. Ballbesitzfußball und offensiver Durchschlagskraft stärker machen kann.
Dahoud muss seinen Formanstieg in der neuen Saison konservieren und nachweisen, dass er auch strategische Qualitäten im Zentrum hat und hinsichtlich Positionsspiel und Antizipation noch zulegen kann.
Can ist als Mentalitätsspieler geholt worden, was er auch zum Teil bestätigt, aber bis auf seine ab und zu eingestreuten offensiven Tempovorstöße und defensiven Monstergrätschen wirkt er nicht wie eine nachhaltige Verstärkung für den BVB.
Delaney hat bis auf einige weite Schläge auf die linke oder halblinke Seite Probleme, das Kombinationsspiel anzukurbeln und wirkt auch defensiv nur phasenweise stabil. Sein Einsatz stimmt immer, seine Fähigkeiten sind aber doch begrenzt.
Ob man nun Reyna, Reus oder auch Brandt und Hazard im weitesten Sinne zumindest phasenweise dem offensiven Zentrum des BVB-Spiels zuordnen kann, ist Auslegungssache. Reyna sicherlich am wenigsten und Brandt am meisten. Auffällig ist aber, dass Reus nicht mehr die typische "Reus-10" spielt, auch wenn er keineswegs (bis auf Kurzpasskombinationen auf der linken Angriffsseite) als Flügelspieler, wie manche meinen, fungiert hat. Hazard wie auch meist Reyna sind defensiv meist auf der Außenbahn und offensiv auf den Halbpositionen oder außen, Reus auf halblinks, aber irgendwie auch überall und Brandt, wie wir es von ihm kennen, irgendwo (ok, ist ein bisschen übertrieben). Offensiv aber fehlt doch ein wenig die klarere Besetzung der 10er-Position, womit nicht der Spielmacher alter Art gemeint ist.
Insgesamt halte ich das Zentrum des BVB aber abgesehen vom extremen Engagement der letzten Spiele defensiv für einigermaßen befriedigend (teils sogar Brandt), nicht aber für gut. Das liegt v.a. daran, dass ich nach wie vor das Zweikampfverhalten und darin v.a. die Positionierung zum Gegner bei Dahoud und Delaney und teils auch bei Can und Bellingham für verbesserungswürdig halte.
Offensiv liegt doch noch einiges im Argen bis auf Dahouds teils geniale Bewegungen und inzwischen auch Pässe, Cans seltenem, aber effektiven Ballvortrieb, nach dem er allerdings meist so wirkt, als sei er überrascht, so weit nach vorne gekommen zu sein und deshalb dann die Situation verdaddelt, Delaneys weite Schläge auf die linke Seite, Bellinghams viel zu seltenen Antritte mit Ball (denn auf Kurzstrecke ist er dynamisch) und Einbindung ins Kombinationsspiel in der gegnerischen Hälfte, Reus' wieder aufgeflammte Dynamik und Kombinationsfreude (v.a. auch gelingende), Brandts auch teilweise wieder erkennbaren technischen Fertigkeiten und auch Schnelligkeit sowie allmählich wiederkehrende Fähigkeiten im Dribbling von Reyna und im Kombinationsspiel von Hazard.
Wenn man das so liest, klingt es wie ungerechtfertigte Kritik, weil doch einige sehr positive Skills aufgezählt sind. Nur, diese werden deutlich zu selten auf den Platz gebracht und v .a. noch seltener sauber, uneingeschränkt kombinationssicher und nur mit seltenen Ballverlusten.
So hat man doch immer wieder den Eindruck, dass sehr viel an Sancho und Haaland hängt, wenn es um Tore geht und das völlig unabhängig davon, welches Spielsystem hinter diesen beiden gespielt wird. Zwar haben die Spiele gegen Kiel im Pokal und gegen Leipzig in der BL gezeigt, dass auch ohne Haaland offensiv sehr viel geht beim BVB (ich hatte sogar den Eindruck, dass wegen Haalands Abwesenheit die Spielfreude und die für den Gegner unberechenbaren BVB-Kombinationen zunahmen), dennoch ist zu fragen, was der BVB eigentlich ohne Sancho und Haaland auf Dauer überhaupt noch an Toren erzielen könnte, wenn diese Spieler (wie früher auch) nach ihrem Abgang schnell ersetzt werden.
Mein Fazit:
Trotz Hummels' Geschwindigkeitsdefizit eher 4er- als 3er-Kette. Wenn 4er-Kette, dann asymmetrisch zugunsten von Guerreiro auf der linken Seite spielen. Das Zentrum braucht eine deutliche Entwicklung von Bellingham und einen konstanten Dahoud. Can und Delaney sind mMn (die Aufschreie schrillen schon in meinen Ohren) Ergänzungsspieler mit relativ vielen Einsätzen. Alternativ wäre ein dynamisch-schneller und körperlich robuster ZM-Spieler zu verpflichten. Wenn Sancho und Haaland gehen, muss sich der BVB schnell etwas einfallen lassen. Wenn Haaland geht, auch das werden hier einige nicht verstehen, können Moukoko und ein zu verpflichtendes BU duchaus für offensive Durchschlagskraft reichen. Sanchos Abgang ist mMn schwieriger aufzufangen.
Wenn Rose mit Guerreiro nicht so viel anfangen kann, wird es schwierig.
Es gäbe noch viel zu sagen ....
So mal gucken ob ich noch ein wenig mehr rauskitzeln kann von dem was es noch zu sagen gibt
Wenn ich dich richtig verstehe, dann siehst du bei Sancho Abgang Bedarf auf der IV, AV, DM, 10 und OA und damit sind wir genau beim Kern des Ausgangs der Diskussion. Ich persönlich habe überhaupt keine generelle Präferenz für das eine oder andere System sondern interessiere mich nur dafür in welchem System es vielleicht einfach ist im Kader vorhandene Potentiale zu wecken und Schwächen zu kaschieren, während man ein paar gezielten und realistischen Transfers die Mannschaft für die nächste Saison gut aufstellt.
Du schlägst eine asymmetrische Vierkette vor, weil sie den Vorteil hat, dass man das Zentrum besser verdichten kann. Rein theoretisch gebe ich dir da recht, dass das System diesen Vorteil haben kann, aber da sind wir eben wieder bei dem Punkt, dass es nicht um eine abstrakte Diskussion der System geht sondern um eine spezifische Diskussion welche Systeme realistischerweise mit dem Personal spielbar sind.
Meiner Meinung nach haben wir schon ziemlich alle Optionen ausgereizt um eine Viererkette zu spielen, während gleichzeitig Hummels und Guerreiro weiterhin ihrer Stärken entsprechend eingesetzt werden und keine dieser Optionen hat mich überzeugt, dass das langfristig funktionieren kann.
1.) abkippender DM: Gerade am Anfang der Hinrunde haben wir es häufig gesehen, dass man versucht hat etwas höher zu stehen, aber gerade Delaney sich sehr explizit um die Absicherung des Raumes hinter Guerreiro kümmert, wenn dieser Mal Vorstöße wagte. Problem an dieser Variante war, dass wir uns auf der einen Seite natürlich den ehemaligen Vorteil im Zentrum wieder etwas nehmen und gleichzeitig die Hybriden, die diese Rolle spielen konnten, wie Delaney oder Can uns eben spielerisch im Zentrum auch eher geschwächt haben und dort als LIV sicherlich auch nicht optimal besetzt sind.
2.) tiefe Viererkette: Stelle ich diesen Spieler allerdings nicht ab, dann steh ich wieder vorm dem Anfangsproblem. Die Lösung die dann zum Saisonende gewählt wurde, war es einfach die komplette Viererkette tiefer fallen zu lassen und damit den Platz der mit diesen langen Bällen bespielt werden kann einfach arg zu begrenzen. Das war zumindest ergebnistechnisch relativ erfolgreich, aber wie du selbst und einige andere auch hier schon andeuteten, war das Offensivspiel extrem abhängig von Haaland und Sancho, die als einzige ohne die Kompaktheit auch durch ihre individuelle Qualität oder Dynamik vorne Chancen kreieren konnten. Gerade das von dir diskutierte Mittelfeld spielt hier meiner Meinung nach auch eine entscheidende Rolle, weil Dahoud und Bellingham zusammen eben wie du sagst eben nicht die Schnelligkeit haben um mit schnellen Gegenstößen mitzugehen und nicht die taktischen Fähigkeiten um diese zu unterbinden, weshalb man wahrscheinlich noch mehr Grund hatte sich insgesamt tiefer zu positionieren. Spielt man das ganze aber so dann sind die eigentlich angedachten Vorteile der Zentrumsverdichtung aber wieder hinfällig und es bleibt darüber hinaus zu vermuten, dass das auch Offensiv ohne Sancho schnell zu Problemen führen könnte, gerade weil es natürlich auch Anpassungsprozesse der Gegner gibt, die sich nicht mehr so locken lassen.
3.) Hummels als RIV: Eine weitere Alternative die wir am Anfang der letzten Saison unter Favre auch einige Mal gesehen haben, ist die Option einfach das Problem zu umgehen in dem man Hummels nach rechts verschiebt. Problematisch ist hier wiederum dass wir nur einen anderen IV haben der sich links wohlfühlt und dass ist Zagadou, der leider ähnliche Probleme hat im Zusammenspiel mit Guerreiro (wenn auch etwas abgeschwächt) und häufig verletzt ist. Darüber hinaus schiebt man Hummels auf eine Position die er in seiner Karriere deutlich seltener gespielt hat und beraubt ihm seiner Stärke der Außenrist Pässe, während meist der andere IV auch noch geschwächt wird in seinen Aufbaumustern (siehe Akanji)
4.) Guerreiro als LA: Ein Muster was wir im Prinzip gesehen haben bevor Hummels überhaupt wieder zum BVB stieß ist Guerreiro auf die LA Position zu schieben. Das löst das defensive Probleme wenn man die LV ordentlich besetzt, aber man beraubt einen der talentiersten Spieler im Kader einige seiner größten Stärken, denn als LA kann er sich nicht mehr im Spielaufbau mit einbinden und auch sein Gespür dafür aus der Tiefe in Räume zu stoßen kommt dort nicht mehr so zur Geltung. Gleichzeitig läuft man Gefahr ihn häufiger in Situationen zu haben, wo er ohne Kombinationspartner gegen mehrere Gegenspieler isoliert ist und sich auf Grund seiner fehlenden Schnelligkeit kaum durchsetzen können wird. Gerade bei einem Abgang von Sancho sich auch noch der Stärken von Guerreiro zu berauben könnte schnell arg nach hinten losgehen.
Persönlich fehlt mir die Kreativität da noch weitere Optionen zu finden, aber vielleicht übersehe ich da was. Die beiden letzten Optionen halte ich für unwahrscheinlich (wir berauben uns nicht der Stärke von Guerreiro und die ganze IV auf dem falschen Fuss spielen lassen werden wir wohl auch eher nicht machen). Die tiefe Positionierung wie zuletzt halte ich für generell nicht langfristig umsetzbar und ohne Sancho schon gar nicht, womit für deine asymmetrische Viererkette dann nur noch die Option mit dem abkippenden 6er bleiben würde. Dafür bräuchte man dann aber eigentlich einen sehr schnellen 6er der auch noch Linksfuss ist, was nach 115 Mio in Spieler im ZM/DM das nächste fette Investment dort wäre, während man gleichzeitig eigentlich Witsel, Delaney und Can abgeben müsste, weil sie die Rolle nicht so ausfüllen können wie man es benötigt und gleichzeitig als zweite Alternative im DM nicht spielstark genug sind oder nicht vertikal genug agieren.
Wenn du also für asymmetrische Viererkette plädierst, was in meiner Wahrnehmung relativ nah an dem sein sollte was wir zuletzt gespielt haben, wo Piszczek als RV auf seine alten Tage deutlich defensiver agierte als Guerreiro, dann an dich die Frage wie du diese Problematik auflösen würdest mit diesem Kader? Welche Verpflichtungen (Profil) würdest du tätigen um das spielbar zu machen?
Mein persönlicher Ansatz ist ja immernoch die Dreierkette weil ich glaube dass man mit:
------------Can---Hummels---Akanji---------------
Hazard-----Bellingham--Brandt-----Guerreiro
-------------Reyna-----------------Reus-------------
-----------------------Haaland------------------------
das bessere Grundgerüst hat um die Potentiale des Kaders zu heben und mit einigen wenigen gezielten Verstärkungen dann diesen zu optimieren.
Dass deine Aufstellung funktioniert, könnte ich mir gut vorstellen.
Ich finde es auch richtig, erst einmal eine Erste Elf zu finden. Dann kann man darauf aufbauen.
Beispielsweise würden mir hier auf einigen Positionen die passenden Alternativen fehlen. So halte ich es bei Dreierkette für sehr wichtig, dass die Spieler davor kreativ und offensivstark sind. Ansonsten wird das Spielsystem zu defensiv. Allerdings würden uns alle Alternativen im aktuellem Kader (für Mittelfeld und Offensive) im Spiel nach vorne schwächen bzw. haben wir keine Alternativen.
Auf dem Transfermarkt müsste man also wohl dennoch einiges tun. Trotz erster Elf aus Spielern, die schon hier sind, wäre das nicht günstig.
Bezüglich der Spielstrategie würde ich mit dieser Aufstellung keine großen Änderungen erwarten. Ich denke, es wäre schwierig vorne Zugriff zu bekommen.
Durch die Dreierkette hätten wir hinten etwas mehr Kompaktheit und eine bessere Konterabsicherung. Dafür haben wir dann aber davor etwas weniger Personal für das Pressing. Das allein ist aber noch kein Hindernis für ein gutes Pressing. Gepaart mit den individuellen Schwächen der Spieler im Pressing, würde ich aber kein gutes Pressing mit dieser Aufstellung erwarten.
Auch ein Schaffen von Strukturen im Ballbesitz, so dass die Ausgangsposition für ein Pressing optimiert wird, würde ich mit diesem Personal nicht für geeignet halten. Denn diese Spieler stehen eher für Kreativität mit Risiko. Beispielsweise suchen Guerreiro und Brandt eher den schnellen Weg nach vorne.
Es steht kein Spieler in der Aufstellung für Kontrolle und sichere Ballzirkulation.
Wollten wir sehr strukturiert im Ballbesitz agieren und so unser Pressing verbessern, würde ich eher zwei Kontrollspieler ins Zentrum stellen. Witsel ist perfekt für diese Rolle. Daneben könnte ich mir Dahoud vorstellen. Bellingham hat in diese Richung noch nichts gezeigt; es ist ihm aber zu zutrauen.
Aber so ein Ansatz wäre mit Dreierkette zu defensiv. Höchstens mit Schienenspielern, die dann zum RA und LA werden, wäre das vielleicht auszugleichen.
Also, erwarten würde ich mit deiner Aufstellung, dass wir uns oft zurückziehen müssten, weil das Pressing weiterhin haken würden.
Das muss aber nicht schlimm sein. Die Kreativität ist insgesamt sehr hoch. Auch aus einer tiefen Ausgangsposition könnten wir uns nach vorne durchspielen.
Vielleicht könnte das taktisch ein bisschen wie bei Real Madrid in seiner starken Phase sein.
Taktisch fand ich Real nie beeindruckt. Sonderlich strukturiert, griffig im Pressing und dominant wirkten sie eher nicht auf mich. Aber mit ihrer unfassbaren, individuellen Qualität waren sie dennoch das beste Team der Welt.
Bei uns ist es eben auch so, dass die Spieler individuell sehr stark sind. Aber diese Spieler stehen nicht für einen bestimmten Spielstil. Daher sehe ich noch nicht, wie wir gewisse Stile mit diesem Kader erfolgreich umsetzen sollen.
Also entweder wir spielen weiterhin pragmatisch, ohne das die Taktik unsere Stärke ist.
Oder wir passenden den Kader durch Transfers auf einen Spielstil an. Dann mag die Taktik stark sein, aber es könnte gut und gerne individuelle Qualität verloren gehen.
Das sind für mich die Alternativen.
03.06.2021 - 14:38 Uhr
Bezüglich unserer taktischen Ausrichtung zur neuen Saison tue ich mich sehr schwer.
Erst einmal möchte ich den Ist-Zustand aus meiner Sicht beschreiben, um mögliche Ansatzpunkte auszumachen.
Bei unserem erfolgreichen Schlussspurt sah unsere erste Elf für mich so aus:
------------------------------- Hitz------------------------------
-------------------------------------------------------------------
-----Piszczek------Akanji-------Hummels--Guerreiro--
-------------------------------------------------------------------
--------------Bellingham------------Dahoud---------------
-------------------------------------------------------------------
-----Reyna-----------------Reus----------------Sancho----
-------------------------------------------------------------------
----------------------------Haaland----------------------------
Möglich auch, dass Morey und Witsel erste Wahl gewesen wären.
Sehr gut gefiel mir, wie unsere offensiven Außen hinten unterstützt haben (hier sehe ich einen Verdienst von Terzic). Beispielsweise hatte sogar Sancho Guerreiro öfters abgesichert, wenn dieser nach vorne ging.
Diese Spielchen mit einem DM, der extra zur Absicherung hinten links gebraucht wurde, entfielen dann.
Jedenfalls hatten wir generell eine gute Kompaktheit, sowohl zentral als auch außen.
Allerdings stellten wir diese Kompaktheit regelmäßig durch ein Zurückziehen in die Defensive her. Unser Offensivspiel basierte dann häufig auf Umschaltspiel.
Daher gibt es große Fragezeichen, ob wir den zuletzt gepflegten Stil weiterhin erfolgreich fortführen könnten.
Ich gehe zum einem davon aus, dass Rose den Druck auf den Gegner jederzeit hoch halten möchte; also hoch stehen, früh pressen und möglichst nicht zurückziehen.
Zum anderen erwarte ich wieder mehr Gegner, die eher auf Absicherung spielen und uns dadurch kaum Kontergelegenheiten eröffnen.
Ich denke daher nicht, dass Rose die zuletzt erfolgreiche Elf quasi eins zu eins übernehmen kann, nur alles weiter nach vorne schieben und die Abläufe im Pressing einstudieren muss.
So tippe ich, dass mit Terzic Spielweise unsere eigene Konterabsicherung nicht gut wäre, wenn wir hoch stehen.
Eine Konter-Anfälligkeit links hinten konnten wir in der Vergangenheit schon sehen, wenn dort Hummels und Guerreiro aufliefen. Dementsprechend wurden dann beispielsweise mit Delaney Gegenmaßnahmen getroffen.
Wollen wir hoch stehen, würde ich also taktische oder personelle Änderungen für eine bessere Konterabsicherung erwarten.
Wichtig ist in dem Zusammenhang das Pressing vorne. Dadurch entscheidet sich, was überhaupt hinten wegverteidigt werden muss.
Ein starkes Pressing geht uns leider schon seit Jahren ab. Hier muss sich Rose also etwas Neues einfallen lassen. Personelle Konsequenzen, hin zu pressing-stärkeren Spielern und/oder besserer Zugriff im Pressing, durch das Schaffen von entsprechenden Strukturen im Ballbesitz, sind wohl notwendig.
Außerdem gerieten wir oft genug in spielerische Probleme, wenn der Gegner sich auf die Verteidigung konzentrierte (egal ob er dies destruktiv oder durch gutes Mittelfeldpressing tat).
Beispielsweise konnte Reus in solchen Spielen nie die nötige Präsenz im Zentrum herstellen. Allerdings spielte Reus zuletzt auch nicht immer zentral.
Nichtsdestotrotz hatten wir kein präsentes, kreatives Zentrum.
Aber auch auf den Flügeln hatten wir Probleme. Vor allem unser RA war häufig isoliert. Die Unterstützung durch Hakimi fehlte dort. Selbst Sancho schwächelte als RA. Als Sancho dann nach links wechselte, ging Reyna als RA förmlich unter und wurde hier verteufelt.
Meiner Meinung nach wurde dies erst durch die Konterausrichtung wieder gut.
In Umschaltmomenten haben die Offensiven mehr Platz und sind dann beispielsweise viel weniger auf die Unterstützung der AVs angewiesen. So sind die Offensiven bei Kontern nicht immer in Unterzahl und die Räume sind bei weitem nicht so eng wie nach längeren Ballbesitzphasen.
Wollen wir dominanter spielen, würde ich im Ballvortrag Verbesserungspotenzial im Zentrum und bei der Unterstützung des RAs sehen (links ist dies durch Guerreiro gegeben).
Zusammengefasst sieht es für mich also so aus:
Wir sollten unser Spielsystem umstellen, da Terzic erfolgreiche Spielweise Angriffspunkte bietet.
Rose will sowieso dominant spielen.
Bei einer dominanten Spielweise gibt es Fragezeichen in der Konterabsicherung, dem Pressing, der spielerischen Dominanz im Zentrum und auf dem rechtem Flügel.
Es gibt sicherlich noch weitere Fragezeichen. Aber dies sind für mich die wesentlichen Punkte, die bei einer dominanten Spielweise angegangen werden sollten.
Zumindest in dieser Saison hatten Terzic und Favre dafür keine Lösungen parat (bei Favre eventuell gewollt). Bei Terzic führte das zum Umdenken und der Kontertaktik.
Erst einmal möchte ich den Ist-Zustand aus meiner Sicht beschreiben, um mögliche Ansatzpunkte auszumachen.
Bei unserem erfolgreichen Schlussspurt sah unsere erste Elf für mich so aus:
------------------------------- Hitz------------------------------
-------------------------------------------------------------------
-----Piszczek------Akanji-------Hummels--Guerreiro--
-------------------------------------------------------------------
--------------Bellingham------------Dahoud---------------
-------------------------------------------------------------------
-----Reyna-----------------Reus----------------Sancho----
-------------------------------------------------------------------
----------------------------Haaland----------------------------
Möglich auch, dass Morey und Witsel erste Wahl gewesen wären.
Sehr gut gefiel mir, wie unsere offensiven Außen hinten unterstützt haben (hier sehe ich einen Verdienst von Terzic). Beispielsweise hatte sogar Sancho Guerreiro öfters abgesichert, wenn dieser nach vorne ging.
Diese Spielchen mit einem DM, der extra zur Absicherung hinten links gebraucht wurde, entfielen dann.
Jedenfalls hatten wir generell eine gute Kompaktheit, sowohl zentral als auch außen.
Allerdings stellten wir diese Kompaktheit regelmäßig durch ein Zurückziehen in die Defensive her. Unser Offensivspiel basierte dann häufig auf Umschaltspiel.
Daher gibt es große Fragezeichen, ob wir den zuletzt gepflegten Stil weiterhin erfolgreich fortführen könnten.
Ich gehe zum einem davon aus, dass Rose den Druck auf den Gegner jederzeit hoch halten möchte; also hoch stehen, früh pressen und möglichst nicht zurückziehen.
Zum anderen erwarte ich wieder mehr Gegner, die eher auf Absicherung spielen und uns dadurch kaum Kontergelegenheiten eröffnen.
Ich denke daher nicht, dass Rose die zuletzt erfolgreiche Elf quasi eins zu eins übernehmen kann, nur alles weiter nach vorne schieben und die Abläufe im Pressing einstudieren muss.
So tippe ich, dass mit Terzic Spielweise unsere eigene Konterabsicherung nicht gut wäre, wenn wir hoch stehen.
Eine Konter-Anfälligkeit links hinten konnten wir in der Vergangenheit schon sehen, wenn dort Hummels und Guerreiro aufliefen. Dementsprechend wurden dann beispielsweise mit Delaney Gegenmaßnahmen getroffen.
Wollen wir hoch stehen, würde ich also taktische oder personelle Änderungen für eine bessere Konterabsicherung erwarten.
Wichtig ist in dem Zusammenhang das Pressing vorne. Dadurch entscheidet sich, was überhaupt hinten wegverteidigt werden muss.
Ein starkes Pressing geht uns leider schon seit Jahren ab. Hier muss sich Rose also etwas Neues einfallen lassen. Personelle Konsequenzen, hin zu pressing-stärkeren Spielern und/oder besserer Zugriff im Pressing, durch das Schaffen von entsprechenden Strukturen im Ballbesitz, sind wohl notwendig.
Außerdem gerieten wir oft genug in spielerische Probleme, wenn der Gegner sich auf die Verteidigung konzentrierte (egal ob er dies destruktiv oder durch gutes Mittelfeldpressing tat).
Beispielsweise konnte Reus in solchen Spielen nie die nötige Präsenz im Zentrum herstellen. Allerdings spielte Reus zuletzt auch nicht immer zentral.
Nichtsdestotrotz hatten wir kein präsentes, kreatives Zentrum.
Aber auch auf den Flügeln hatten wir Probleme. Vor allem unser RA war häufig isoliert. Die Unterstützung durch Hakimi fehlte dort. Selbst Sancho schwächelte als RA. Als Sancho dann nach links wechselte, ging Reyna als RA förmlich unter und wurde hier verteufelt.
Meiner Meinung nach wurde dies erst durch die Konterausrichtung wieder gut.
In Umschaltmomenten haben die Offensiven mehr Platz und sind dann beispielsweise viel weniger auf die Unterstützung der AVs angewiesen. So sind die Offensiven bei Kontern nicht immer in Unterzahl und die Räume sind bei weitem nicht so eng wie nach längeren Ballbesitzphasen.
Wollen wir dominanter spielen, würde ich im Ballvortrag Verbesserungspotenzial im Zentrum und bei der Unterstützung des RAs sehen (links ist dies durch Guerreiro gegeben).
Zusammengefasst sieht es für mich also so aus:
Wir sollten unser Spielsystem umstellen, da Terzic erfolgreiche Spielweise Angriffspunkte bietet.
Rose will sowieso dominant spielen.
Bei einer dominanten Spielweise gibt es Fragezeichen in der Konterabsicherung, dem Pressing, der spielerischen Dominanz im Zentrum und auf dem rechtem Flügel.
Es gibt sicherlich noch weitere Fragezeichen. Aber dies sind für mich die wesentlichen Punkte, die bei einer dominanten Spielweise angegangen werden sollten.
Zumindest in dieser Saison hatten Terzic und Favre dafür keine Lösungen parat (bei Favre eventuell gewollt). Bei Terzic führte das zum Umdenken und der Kontertaktik.
03.06.2021 - 17:11 Uhr
Zitat von mba123
Bezüglich unserer taktischen Ausrichtung zur neuen Saison tue ich mich sehr schwer.
Erst einmal möchte ich den Ist-Zustand aus meiner Sicht beschreiben, um mögliche Ansatzpunkte auszumachen.
Bei unserem erfolgreichen Schlussspurt sah unsere erste Elf für mich so aus:
------------------------------- Hitz------------------------------
-------------------------------------------------------------------
-----Piszczek------Akanji-------Hummels--Guerreiro--
-------------------------------------------------------------------
--------------Bellingham------------Dahoud---------------
-------------------------------------------------------------------
-----Reyna-----------------Reus----------------Sancho----
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----------------------------Haaland----------------------------
Möglich auch, dass Morey und Witsel erste Wahl gewesen wären.
Sehr gut gefiel mir, wie unsere offensiven Außen hinten unterstützt haben (hier sehe ich einen Verdienst von Terzic). Beispielsweise hatte sogar Sancho Guerreiro öfters abgesichert, wenn dieser nach vorne ging.
Diese Spielchen mit einem DM, der extra zur Absicherung hinten links gebraucht wurde, entfielen dann.
Jedenfalls hatten wir generell eine gute Kompaktheit, sowohl zentral als auch außen.
Allerdings stellten wir diese Kompaktheit regelmäßig durch ein Zurückziehen in die Defensive her. Unser Offensivspiel basierte dann häufig auf Umschaltspiel.
Daher gibt es große Fragezeichen, ob wir den zuletzt gepflegten Stil weiterhin erfolgreich fortführen könnten.
Ich gehe zum einem davon aus, dass Rose den Druck auf den Gegner jederzeit hoch halten möchte; also hoch stehen, früh pressen und möglichst nicht zurückziehen.
Zum anderen erwarte ich wieder mehr Gegner, die eher auf Absicherung spielen und uns dadurch kaum Kontergelegenheiten eröffnen.
Ich denke daher nicht, dass Rose die zuletzt erfolgreiche Elf quasi eins zu eins übernehmen kann, nur alles weiter nach vorne schieben und die Abläufe im Pressing einstudieren muss.
So tippe ich, dass mit Terzic Spielweise unsere eigene Konterabsicherung nicht gut wäre, wenn wir hoch stehen.
Eine Konter-Anfälligkeit links hinten konnten wir in der Vergangenheit schon sehen, wenn dort Hummels und Guerreiro aufliefen. Dementsprechend wurden dann beispielsweise mit Delaney Gegenmaßnahmen getroffen.
Wollen wir hoch stehen, würde ich also taktische oder personelle Änderungen für eine bessere Konterabsicherung erwarten.
Wichtig ist in dem Zusammenhang das Pressing vorne. Dadurch entscheidet sich, was überhaupt hinten wegverteidigt werden muss.
Ein starkes Pressing geht uns leider schon seit Jahren ab. Hier muss sich Rose also etwas Neues einfallen lassen. Personelle Konsequenzen, hin zu pressing-stärkeren Spielern und/oder besserer Zugriff im Pressing, durch das Schaffen von entsprechenden Strukturen im Ballbesitz, sind wohl notwendig.
Außerdem gerieten wir oft genug in spielerische Probleme, wenn der Gegner sich auf die Verteidigung konzentrierte (egal ob er dies destruktiv oder durch gutes Mittelfeldpressing tat).
Beispielsweise konnte Reus in solchen Spielen nie die nötige Präsenz im Zentrum herstellen. Allerdings spielte Reus zuletzt auch nicht immer zentral.
Nichtsdestotrotz hatten wir kein präsentes, kreatives Zentrum.
Aber auch auf den Flügeln hatten wir Probleme. Vor allem unser RA war häufig isoliert. Die Unterstützung durch Hakimi fehlte dort. Selbst Sancho schwächelte als RA. Als Sancho dann nach links wechselte, ging Reyna als RA förmlich unter und wurde hier verteufelt.
Meiner Meinung nach wurde dies erst durch die Konterausrichtung wieder gut.
In Umschaltmomenten haben die Offensiven mehr Platz und sind dann beispielsweise viel weniger auf die Unterstützung der AVs angewiesen. So sind die Offensiven bei Kontern nicht immer in Unterzahl und die Räume sind bei weitem nicht so eng wie nach längeren Ballbesitzphasen.
Wollen wir dominanter spielen, würde ich im Ballvortrag Verbesserungspotenzial im Zentrum und bei der Unterstützung des RAs sehen (links ist dies durch Guerreiro gegeben).
Zusammengefasst sieht es für mich also so aus:
Wir sollten unser Spielsystem umstellen, da Terzic erfolgreiche Spielweise Angriffspunkte bietet.
Rose will sowieso dominant spielen.
Bei einer dominanten Spielweise gibt es Fragezeichen in der Konterabsicherung, dem Pressing, der spielerischen Dominanz im Zentrum und auf dem rechtem Flügel.
Es gibt sicherlich noch weitere Fragezeichen. Aber dies sind für mich die wesentlichen Punkte, die bei einer dominanten Spielweise angegangen werden sollten.
Zumindest in dieser Saison hatten Terzic und Favre dafür keine Lösungen parat (bei Favre eventuell gewollt). Bei Terzic führte das zum Umdenken und der Kontertaktik.
Bezüglich unserer taktischen Ausrichtung zur neuen Saison tue ich mich sehr schwer.
Erst einmal möchte ich den Ist-Zustand aus meiner Sicht beschreiben, um mögliche Ansatzpunkte auszumachen.
Bei unserem erfolgreichen Schlussspurt sah unsere erste Elf für mich so aus:
------------------------------- Hitz------------------------------
-------------------------------------------------------------------
-----Piszczek------Akanji-------Hummels--Guerreiro--
-------------------------------------------------------------------
--------------Bellingham------------Dahoud---------------
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-----Reyna-----------------Reus----------------Sancho----
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----------------------------Haaland----------------------------
Möglich auch, dass Morey und Witsel erste Wahl gewesen wären.
Sehr gut gefiel mir, wie unsere offensiven Außen hinten unterstützt haben (hier sehe ich einen Verdienst von Terzic). Beispielsweise hatte sogar Sancho Guerreiro öfters abgesichert, wenn dieser nach vorne ging.
Diese Spielchen mit einem DM, der extra zur Absicherung hinten links gebraucht wurde, entfielen dann.
Jedenfalls hatten wir generell eine gute Kompaktheit, sowohl zentral als auch außen.
Allerdings stellten wir diese Kompaktheit regelmäßig durch ein Zurückziehen in die Defensive her. Unser Offensivspiel basierte dann häufig auf Umschaltspiel.
Daher gibt es große Fragezeichen, ob wir den zuletzt gepflegten Stil weiterhin erfolgreich fortführen könnten.
Ich gehe zum einem davon aus, dass Rose den Druck auf den Gegner jederzeit hoch halten möchte; also hoch stehen, früh pressen und möglichst nicht zurückziehen.
Zum anderen erwarte ich wieder mehr Gegner, die eher auf Absicherung spielen und uns dadurch kaum Kontergelegenheiten eröffnen.
Ich denke daher nicht, dass Rose die zuletzt erfolgreiche Elf quasi eins zu eins übernehmen kann, nur alles weiter nach vorne schieben und die Abläufe im Pressing einstudieren muss.
So tippe ich, dass mit Terzic Spielweise unsere eigene Konterabsicherung nicht gut wäre, wenn wir hoch stehen.
Eine Konter-Anfälligkeit links hinten konnten wir in der Vergangenheit schon sehen, wenn dort Hummels und Guerreiro aufliefen. Dementsprechend wurden dann beispielsweise mit Delaney Gegenmaßnahmen getroffen.
Wollen wir hoch stehen, würde ich also taktische oder personelle Änderungen für eine bessere Konterabsicherung erwarten.
Wichtig ist in dem Zusammenhang das Pressing vorne. Dadurch entscheidet sich, was überhaupt hinten wegverteidigt werden muss.
Ein starkes Pressing geht uns leider schon seit Jahren ab. Hier muss sich Rose also etwas Neues einfallen lassen. Personelle Konsequenzen, hin zu pressing-stärkeren Spielern und/oder besserer Zugriff im Pressing, durch das Schaffen von entsprechenden Strukturen im Ballbesitz, sind wohl notwendig.
Außerdem gerieten wir oft genug in spielerische Probleme, wenn der Gegner sich auf die Verteidigung konzentrierte (egal ob er dies destruktiv oder durch gutes Mittelfeldpressing tat).
Beispielsweise konnte Reus in solchen Spielen nie die nötige Präsenz im Zentrum herstellen. Allerdings spielte Reus zuletzt auch nicht immer zentral.
Nichtsdestotrotz hatten wir kein präsentes, kreatives Zentrum.
Aber auch auf den Flügeln hatten wir Probleme. Vor allem unser RA war häufig isoliert. Die Unterstützung durch Hakimi fehlte dort. Selbst Sancho schwächelte als RA. Als Sancho dann nach links wechselte, ging Reyna als RA förmlich unter und wurde hier verteufelt.
Meiner Meinung nach wurde dies erst durch die Konterausrichtung wieder gut.
In Umschaltmomenten haben die Offensiven mehr Platz und sind dann beispielsweise viel weniger auf die Unterstützung der AVs angewiesen. So sind die Offensiven bei Kontern nicht immer in Unterzahl und die Räume sind bei weitem nicht so eng wie nach längeren Ballbesitzphasen.
Wollen wir dominanter spielen, würde ich im Ballvortrag Verbesserungspotenzial im Zentrum und bei der Unterstützung des RAs sehen (links ist dies durch Guerreiro gegeben).
Zusammengefasst sieht es für mich also so aus:
Wir sollten unser Spielsystem umstellen, da Terzic erfolgreiche Spielweise Angriffspunkte bietet.
Rose will sowieso dominant spielen.
Bei einer dominanten Spielweise gibt es Fragezeichen in der Konterabsicherung, dem Pressing, der spielerischen Dominanz im Zentrum und auf dem rechtem Flügel.
Es gibt sicherlich noch weitere Fragezeichen. Aber dies sind für mich die wesentlichen Punkte, die bei einer dominanten Spielweise angegangen werden sollten.
Zumindest in dieser Saison hatten Terzic und Favre dafür keine Lösungen parat (bei Favre eventuell gewollt). Bei Terzic führte das zum Umdenken und der Kontertaktik.
Solange wir Haaland haben, wäre es fahrlässig Terzic' Spielweise vollkommen zu begraben. Denn nur mit Raum bekommen wir seine PS richtig auf die Straße. Und sie funktioniert perfekt gegen Gegner die mitspielen wollen oder die selber dominant auftreten. Selbst gegen traditionell tiefstehende Gegner ist es ein probates Mittel, um sie herauszulocken. Es gibt nicht umsonst in Englisch die Redewendung Give a man rope long enough and he will hang himself. Wir müssen den destruktiven Mannschaften etwas anbieten, sonst igeln die sich ein und pöhlen den Ball einfach hinter unsere AV und dann wird es immer brandgefährlich bei uns.
Auch kann man so die Hauptlast des Pressings besser verteilen. Pressen wir höher liegt die Hauptlast bei unserer offensiven Dreierreihe. Unter Terzic haben wir uns hingegen zurückgezogen und dann versucht den Gegner in Pressingfallen auf den Außen in unserer Hälfte zu lotsen. Immer dann gab Terzic sein "DRUUUUUUUUUUUCK!" zum besten. Diejenigen, die die Hauptlast dabei trugen waren Mo und Jude, während unsere OA eher den Raum absicherten.
Zumindest phasenweise sollte man das weitermachen, denn schon seit Tuchel wird unser Ballbesitzspiel zunehmend statisch, wenn wir permanent den Gegner einschnüren. Uns fehlt da die Variabilität, die zum Beispiel die Bayern auszeichnet.
03.06.2021 - 17:43 Uhr
Zitat von wololo
Solange wir Haaland haben, wäre es fahrlässig Terzic' Spielweise vollkommen zu begraben. Denn nur mit Raum bekommen wir seine PS richtig auf die Straße. Und sie funktioniert perfekt gegen Gegner die mitspielen wollen oder die selber dominant auftreten. Selbst gegen traditionell tiefstehende Gegner ist es ein probates Mittel, um sie herauszulocken. Es gibt nicht umsonst in Englisch die Redewendung Give a man rope long enough and he will hang himself. Wir müssen den destruktiven Mannschaften etwas anbieten, sonst igeln die sich ein und pöhlen den Ball einfach hinter unsere AV und dann wird es immer brandgefährlich bei uns.
Zitat von mba123
Bezüglich unserer taktischen Ausrichtung zur neuen Saison tue ich mich sehr schwer.
Erst einmal möchte ich den Ist-Zustand aus meiner Sicht beschreiben, um mögliche Ansatzpunkte auszumachen.
Bei unserem erfolgreichen Schlussspurt sah unsere erste Elf für mich so aus:
------------------------------- Hitz------------------------------
-------------------------------------------------------------------
-----Piszczek------Akanji-------Hummels--Guerreiro--
-------------------------------------------------------------------
--------------Bellingham------------Dahoud---------------
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-----Reyna-----------------Reus----------------Sancho----
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----------------------------Haaland----------------------------
Möglich auch, dass Morey und Witsel erste Wahl gewesen wären.
Sehr gut gefiel mir, wie unsere offensiven Außen hinten unterstützt haben (hier sehe ich einen Verdienst von Terzic). Beispielsweise hatte sogar Sancho Guerreiro öfters abgesichert, wenn dieser nach vorne ging.
Diese Spielchen mit einem DM, der extra zur Absicherung hinten links gebraucht wurde, entfielen dann.
Jedenfalls hatten wir generell eine gute Kompaktheit, sowohl zentral als auch außen.
Allerdings stellten wir diese Kompaktheit regelmäßig durch ein Zurückziehen in die Defensive her. Unser Offensivspiel basierte dann häufig auf Umschaltspiel.
Daher gibt es große Fragezeichen, ob wir den zuletzt gepflegten Stil weiterhin erfolgreich fortführen könnten.
Ich gehe zum einem davon aus, dass Rose den Druck auf den Gegner jederzeit hoch halten möchte; also hoch stehen, früh pressen und möglichst nicht zurückziehen.
Zum anderen erwarte ich wieder mehr Gegner, die eher auf Absicherung spielen und uns dadurch kaum Kontergelegenheiten eröffnen.
Ich denke daher nicht, dass Rose die zuletzt erfolgreiche Elf quasi eins zu eins übernehmen kann, nur alles weiter nach vorne schieben und die Abläufe im Pressing einstudieren muss.
So tippe ich, dass mit Terzic Spielweise unsere eigene Konterabsicherung nicht gut wäre, wenn wir hoch stehen.
Eine Konter-Anfälligkeit links hinten konnten wir in der Vergangenheit schon sehen, wenn dort Hummels und Guerreiro aufliefen. Dementsprechend wurden dann beispielsweise mit Delaney Gegenmaßnahmen getroffen.
Wollen wir hoch stehen, würde ich also taktische oder personelle Änderungen für eine bessere Konterabsicherung erwarten.
Wichtig ist in dem Zusammenhang das Pressing vorne. Dadurch entscheidet sich, was überhaupt hinten wegverteidigt werden muss.
Ein starkes Pressing geht uns leider schon seit Jahren ab. Hier muss sich Rose also etwas Neues einfallen lassen. Personelle Konsequenzen, hin zu pressing-stärkeren Spielern und/oder besserer Zugriff im Pressing, durch das Schaffen von entsprechenden Strukturen im Ballbesitz, sind wohl notwendig.
Außerdem gerieten wir oft genug in spielerische Probleme, wenn der Gegner sich auf die Verteidigung konzentrierte (egal ob er dies destruktiv oder durch gutes Mittelfeldpressing tat).
Beispielsweise konnte Reus in solchen Spielen nie die nötige Präsenz im Zentrum herstellen. Allerdings spielte Reus zuletzt auch nicht immer zentral.
Nichtsdestotrotz hatten wir kein präsentes, kreatives Zentrum.
Aber auch auf den Flügeln hatten wir Probleme. Vor allem unser RA war häufig isoliert. Die Unterstützung durch Hakimi fehlte dort. Selbst Sancho schwächelte als RA. Als Sancho dann nach links wechselte, ging Reyna als RA förmlich unter und wurde hier verteufelt.
Meiner Meinung nach wurde dies erst durch die Konterausrichtung wieder gut.
In Umschaltmomenten haben die Offensiven mehr Platz und sind dann beispielsweise viel weniger auf die Unterstützung der AVs angewiesen. So sind die Offensiven bei Kontern nicht immer in Unterzahl und die Räume sind bei weitem nicht so eng wie nach längeren Ballbesitzphasen.
Wollen wir dominanter spielen, würde ich im Ballvortrag Verbesserungspotenzial im Zentrum und bei der Unterstützung des RAs sehen (links ist dies durch Guerreiro gegeben).
Zusammengefasst sieht es für mich also so aus:
Wir sollten unser Spielsystem umstellen, da Terzic erfolgreiche Spielweise Angriffspunkte bietet.
Rose will sowieso dominant spielen.
Bei einer dominanten Spielweise gibt es Fragezeichen in der Konterabsicherung, dem Pressing, der spielerischen Dominanz im Zentrum und auf dem rechtem Flügel.
Es gibt sicherlich noch weitere Fragezeichen. Aber dies sind für mich die wesentlichen Punkte, die bei einer dominanten Spielweise angegangen werden sollten.
Zumindest in dieser Saison hatten Terzic und Favre dafür keine Lösungen parat (bei Favre eventuell gewollt). Bei Terzic führte das zum Umdenken und der Kontertaktik.
Bezüglich unserer taktischen Ausrichtung zur neuen Saison tue ich mich sehr schwer.
Erst einmal möchte ich den Ist-Zustand aus meiner Sicht beschreiben, um mögliche Ansatzpunkte auszumachen.
Bei unserem erfolgreichen Schlussspurt sah unsere erste Elf für mich so aus:
------------------------------- Hitz------------------------------
-------------------------------------------------------------------
-----Piszczek------Akanji-------Hummels--Guerreiro--
-------------------------------------------------------------------
--------------Bellingham------------Dahoud---------------
-------------------------------------------------------------------
-----Reyna-----------------Reus----------------Sancho----
-------------------------------------------------------------------
----------------------------Haaland----------------------------
Möglich auch, dass Morey und Witsel erste Wahl gewesen wären.
Sehr gut gefiel mir, wie unsere offensiven Außen hinten unterstützt haben (hier sehe ich einen Verdienst von Terzic). Beispielsweise hatte sogar Sancho Guerreiro öfters abgesichert, wenn dieser nach vorne ging.
Diese Spielchen mit einem DM, der extra zur Absicherung hinten links gebraucht wurde, entfielen dann.
Jedenfalls hatten wir generell eine gute Kompaktheit, sowohl zentral als auch außen.
Allerdings stellten wir diese Kompaktheit regelmäßig durch ein Zurückziehen in die Defensive her. Unser Offensivspiel basierte dann häufig auf Umschaltspiel.
Daher gibt es große Fragezeichen, ob wir den zuletzt gepflegten Stil weiterhin erfolgreich fortführen könnten.
Ich gehe zum einem davon aus, dass Rose den Druck auf den Gegner jederzeit hoch halten möchte; also hoch stehen, früh pressen und möglichst nicht zurückziehen.
Zum anderen erwarte ich wieder mehr Gegner, die eher auf Absicherung spielen und uns dadurch kaum Kontergelegenheiten eröffnen.
Ich denke daher nicht, dass Rose die zuletzt erfolgreiche Elf quasi eins zu eins übernehmen kann, nur alles weiter nach vorne schieben und die Abläufe im Pressing einstudieren muss.
So tippe ich, dass mit Terzic Spielweise unsere eigene Konterabsicherung nicht gut wäre, wenn wir hoch stehen.
Eine Konter-Anfälligkeit links hinten konnten wir in der Vergangenheit schon sehen, wenn dort Hummels und Guerreiro aufliefen. Dementsprechend wurden dann beispielsweise mit Delaney Gegenmaßnahmen getroffen.
Wollen wir hoch stehen, würde ich also taktische oder personelle Änderungen für eine bessere Konterabsicherung erwarten.
Wichtig ist in dem Zusammenhang das Pressing vorne. Dadurch entscheidet sich, was überhaupt hinten wegverteidigt werden muss.
Ein starkes Pressing geht uns leider schon seit Jahren ab. Hier muss sich Rose also etwas Neues einfallen lassen. Personelle Konsequenzen, hin zu pressing-stärkeren Spielern und/oder besserer Zugriff im Pressing, durch das Schaffen von entsprechenden Strukturen im Ballbesitz, sind wohl notwendig.
Außerdem gerieten wir oft genug in spielerische Probleme, wenn der Gegner sich auf die Verteidigung konzentrierte (egal ob er dies destruktiv oder durch gutes Mittelfeldpressing tat).
Beispielsweise konnte Reus in solchen Spielen nie die nötige Präsenz im Zentrum herstellen. Allerdings spielte Reus zuletzt auch nicht immer zentral.
Nichtsdestotrotz hatten wir kein präsentes, kreatives Zentrum.
Aber auch auf den Flügeln hatten wir Probleme. Vor allem unser RA war häufig isoliert. Die Unterstützung durch Hakimi fehlte dort. Selbst Sancho schwächelte als RA. Als Sancho dann nach links wechselte, ging Reyna als RA förmlich unter und wurde hier verteufelt.
Meiner Meinung nach wurde dies erst durch die Konterausrichtung wieder gut.
In Umschaltmomenten haben die Offensiven mehr Platz und sind dann beispielsweise viel weniger auf die Unterstützung der AVs angewiesen. So sind die Offensiven bei Kontern nicht immer in Unterzahl und die Räume sind bei weitem nicht so eng wie nach längeren Ballbesitzphasen.
Wollen wir dominanter spielen, würde ich im Ballvortrag Verbesserungspotenzial im Zentrum und bei der Unterstützung des RAs sehen (links ist dies durch Guerreiro gegeben).
Zusammengefasst sieht es für mich also so aus:
Wir sollten unser Spielsystem umstellen, da Terzic erfolgreiche Spielweise Angriffspunkte bietet.
Rose will sowieso dominant spielen.
Bei einer dominanten Spielweise gibt es Fragezeichen in der Konterabsicherung, dem Pressing, der spielerischen Dominanz im Zentrum und auf dem rechtem Flügel.
Es gibt sicherlich noch weitere Fragezeichen. Aber dies sind für mich die wesentlichen Punkte, die bei einer dominanten Spielweise angegangen werden sollten.
Zumindest in dieser Saison hatten Terzic und Favre dafür keine Lösungen parat (bei Favre eventuell gewollt). Bei Terzic führte das zum Umdenken und der Kontertaktik.
Solange wir Haaland haben, wäre es fahrlässig Terzic' Spielweise vollkommen zu begraben. Denn nur mit Raum bekommen wir seine PS richtig auf die Straße. Und sie funktioniert perfekt gegen Gegner die mitspielen wollen oder die selber dominant auftreten. Selbst gegen traditionell tiefstehende Gegner ist es ein probates Mittel, um sie herauszulocken. Es gibt nicht umsonst in Englisch die Redewendung Give a man rope long enough and he will hang himself. Wir müssen den destruktiven Mannschaften etwas anbieten, sonst igeln die sich ein und pöhlen den Ball einfach hinter unsere AV und dann wird es immer brandgefährlich bei uns.
Wenn man das macht, hat man die Saisonziele nach 10 Spieltagen wieder gefährdet und Rose entlassen. Solange die Gegner mit einem Punkt leben können und es effektiver ist sich einzuigeln, um gegen den BVB Punkte zu holen, werden sich die Gegner einigeln. Mal ganz abgesehen davon, dass es nicht sinnvoll ist,sich auf den Gegner zu verlassen, dass er sich schon selbst schlägt, hat das nix mit einem Spitzenverein zu tun. Damit kann man sich genauso gut auf das Spielglück verlassen ...
Auch kann man so die Hauptlast des Pressings besser verteilen. Pressen wir höher liegt die Hauptlast bei unserer offensiven Dreierreihe. Unter Terzic haben wir uns hingegen zurückgezogen und dann versucht den Gegner in Pressingfallen auf den Außen in unserer Hälfte zu lotsen. Immer dann gab Terzic sein "DRUUUUUUUUUUUCK!" zum besten. Diejenigen, die die Hauptlast dabei trugen waren Mo und Jude, während unsere OA eher den Raum absicherten.
Zumindest phasenweise sollte man das weitermachen, denn schon seit Tuchel wird unser Ballbesitzspiel zunehmend statisch, wenn wir permanent den Gegner einschnüren. Uns fehlt da die Variabilität, die zum Beispiel die Bayern auszeichnet.
Es fehlt nicht nur Variabilität, sondern die Kreativität und Qualität einiger Spieler, um tiefe Gegner zu bespielen, wird schon seit einiger Zeit deutlich überschätzt. Damit meine ich noch nicht einmal Haland, der auch dann noch Lösungen findet und nicht vollständig kaltgestellt werden kann, aber die Abhängigkeit von Sancho und Dembele war seit 2016 enorm. Letztendlich ist es ja kein Zufall, dass selbst im Ballbesitz bewiesene Trainer an ihre Grenzen kamen. Das ändert aber nichts an der Notwendigkeit, dass man es beherrscht den Gegner einzuschnüren und trotzdem sicher genug zu stehen. Nur kontern, ist zu wenig, wobei meine Befürchtung ist, dass Rose nicht viel mehr beherrscht und Terzic eben auch nicht. Daher ist sowieso mit einer sehr schwierigen Saison zu rechnen, trotzdem ich glaube, dass die Konkurrenz mehr Probleme bekommt, durch die Geschehnisse im Sommer, die jedoch größtenteils schon im Saisonendspurt geholfen haben.
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