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BVB - Taktik-Thread

20.01.2006 - 12:09 Uhr
BVB - Taktik-Thread |#5961
06.11.2025 - 07:55 Uhr
Zitat von HaegiBVB
Zitat von UlmerBVB1986

Spannender Artikel über unser "Kovac-U":

https://www.ran.de/sports/fussball/bundesliga/news/borussia-dortmund-bvb-weiter-oben-auf-warum-der-fussball-von-niko-kovac-so-erfolgreich-ist-und-vielleicht-bald-nicht-mehr-597633

Immerhin fordert er "Unser Anspruch ist es, viel besser Fußball zu spielen und mehr Chancen zu krieren".
Am besten heute Abend anfangen mit den Chancen und dann vor allem Tore 😆


Danke für den Artikel! Wirklich sehr interessant!

Bin gespannt, wie es weitergeht. Historisch gesehen nutzt Kovac sich im Schnitt nach anderthalb Jahren ab. Aber vielleicht hat er ja dazu gelernt und schafft es diesmal, die Mannschaft auch offensiv zu entwickeln. Das ist glaub ich auch mit dem Kovac-U möglich, allerdings braucht es meiner Meinung nach andere Spielertypen auf den Halbstürmer Positionen, um mehr Chancen zu produzieren. Adeyemi und Beier in allen Ehren, aber mehr Spielstärke würde dort sicher nicht schaden. Ist aber auch nicht einfach, Spieler zu finden, die ähnlich gut verteidigen aber gleichzeitig kreativer und passstärker sind.


Definitv, das sehe ich auch so. Wenn wir schon mit der 3er Kette spielen, dann braucht es auch kreative Vorbereiter. Daher schade das man es verpasst hat einen Sancho im Sommer zu holen und schade das Duranville jetzt erst wieder fit ist. Das sind Spielertypen, die uns mit ihren Fähigkeiten sehr gut tun, bei allen Qualitäten die ein Adeyemi, Beier, Chuk, Silva oder Brandt mitbringen, kreative, dribbelnde Vorbereiter sind die alle nicht.
Selbst ein Brandt mit Sancho oder Duranville auf den Halbpositionen würde unsere Spielstärke direkt erhöhen.
Was nur bitter ist, das wir im linken Halbfeld diese Saison, da sehr oft isoliert, einen Spieler wie Gittens hervoragend hätten gebrauchen können.

•     •     •

• • •
--------------Lewandowski/Riedle&Chapuisat

---Reus/Kagawa----------------Möller/Rosicky/Ricken-----------Sancho/Kuba

--------------Sahin/Kehl&Gündogan---------Zorc/Sammer (wennDM)/Bender

Dede/Schmelzer - Hummels/Wörns - Kohler/Subotic - Piszczek/Reuter

--------------------Kobel/Weidenfeller/Klos
BVB - Taktik-Thread |#5962
06.11.2025 - 08:08 Uhr
Es mag am Confirmation Bias liegen, weil ich das schon länger vermute.
Aber, die 5er-Kette schneller aufzustellen hat auch im Hinblick auf unser Spiel beim HSV für mich die höchste Priorität.
Was ich für uns aus Manchester mitnehme ist, dass Svensson mit Bensebaini links und Anton mit Ryerson (und damit implizit auch Couto) rechts gegen Tempodribbler nicht bestehen können.
Zumindest weniger, je mehr Ballbesitz der Gegner in unserer Hälfte hat, um sie einzusetzen.
Für die AV gibt es, Beier ausgenommen, keine personelle Option für mehr Dynamik.
Doch in der IV haben wir mit Anselmino und Can Potenzial für Besserung.
Vorausgesetzt, das Waldi-Schlotti-Duo ist die Basis, sollte daher der dritte IV entweder Can oder Anselmino sein.
Wer weiß, vielleicht machen wir im Januar ein Schnäppchen, das Vini alleine aufhält zwinker
BVB - Taktik-Thread |#5963
06.11.2025 - 08:46 Uhr
Zitat von BVBFK
Zitat von prueglbueschl

Zitat von BVBFK

Kann mir jemand eine Einschätzung dazu geben, ob die aktuelle Defensive Stabilität auch mit einer 4-er Kette möglich ist?

Eigentlich sollte das doch möglich sein, weil man eben sogar 4 Spieler in der letzten Reihe hat und nicht nur, wie das heute oft der Fall war, 3. Die AVs agieren natürlich dann nicht so offensiv wie in einer 3-er Kette, weil die Breite Ben die Dlügelspieler geben, aber kleine Ausflüge nach vorne gibt's ab und zu bestimmt trotzdem.


Natürlich ist das grundsätzlich möglich. Siehe Bayern. Man sollte defensive Stabilität aber nicht auf die letzte Reihe reduzieren. Verteidigen gegen den Ball ist eine Teamaufgabe und da muss jeder dazu beitragen.

Da hast du natürlich Recht. Siehe heute, wo beide 6-er keinen Zugriff hatten und Foden zwei Mal ohne Begleitung genau das identische Tor sxhießen könnte.



Sehe die Schuld hier nicht so sehr beim 6er, sondern in der grundsätzlichen Problematik mit der 3er Kette. City macht das taktisch nun mal wie eine Spitzenmannschaft, indem sie für Breite sorgen, den Schienenspieler rausziehen, ohne die Überzahl im Zentrum aufzugeben - dort findet zwar eine Rochade statt, indem Reijnders auf RV geht, aber in dem Fall (gab auch noch andere Optionen) Doku füllt wieder auf - und damit effektiv bei uns keine 3er Kette zulassen, um sie sauber aufzunehmen.

Nimmt man mal konkret Gegentor 1: https://youtu.be/lBp_a6wWcJ0?t=121

Wir sind hier vorwärtsorientiert gegen den Ball und Nmecha muss dadurch auch rausschieben, um Gonzalez zu pressen, weil Guirassy und Beier auf die Kette drücken müssten. City überspielt aber seinen eingerückten RV, um direkt nach außen zu kommen, wodurch es für Beier nix zu pressen gibt. Dadurch muss Svensson auf den auf RV rausgerückten Reijnders schieben - City hätte die Rochade auch anders aufziehen können und das Problem wäre dasselbe -, weil der hierfür fehlende 3. ZM eben in der Kette steckt, in Form des 3. IV und Bensebaini erbt somit seinen Gegenspieler, obwohl er eigentlich Foden zugeordnet ist in dem Moment. Dadurch müsste auch Schlotterbeck rausschieben und Foden aufnehmen, womit man aber die Absicherung bzw. den Überzahlspieler in der Kette aufgeben würde, was man vor allem gegen Haland ungern macht, aber vor allem eben auch gar nicht der Idee hinter der 3er Kette entspricht.

Für Bensebaini ist das undankbar. Einerseits ist es schlecht, dass er die Mitte aufmacht, weil es nicht der Idee der 3er Kette entspricht. Andererseits hatte Savinho davor eben schon ein paar Aktionen, weswegen es verständlich ist, dass man ihm nicht den Platz gibt, der da aufgeht. Daher kann man ihm kaum einen Vorwurf machen, weil City es einfach anders spielt und trotzdem für ein Riesenproblem sorgen kann, wenn er sich anders entscheidet. Im Prinzip geht es um die Entscheidung, was größer sein soll: ein individuelles Defizit gegen Savinho oder ein taktisches Defizit, indem Foden vielleicht frei bleibt?

Im Endeffekt erzwingt City von uns eben eine 1gg1 Mannorientierung und daher eine realtaktische 4er Kette, die wir aber aus der 3er Kette einfach nicht schnell genug herleiten können. Die Wege für Svensson und Bensebaini sind zu weit dafür und zentral sind wir darauf eigentlich auch gar nicht ausgelegt. Zu tief ist der Schwerpunkt der 3er Kette, was gegen City gar keine Überraschung ist, aber auch sonst oft gilt. Wir haben dadurch einfach nicht genug Mann, um eine überlagerte Seite aufzunehmen, wobei für Überlagerungen gar nicht viel nötig ist. Das Problem hatten wir schließlich schon am ersten Spieltag gegen Pauli, wegen Sinani, die seitdem nichts hinbekommen. Es bekommen daher eigentlich alle Gegner hin, wenn sie wollen, nur haben es nicht so viele Mannschaften ausgespielt.

Die Schlussfolgerung daraus ist letzendlich, dass man sich gar nicht so sehr mit der Frage beschäftigen darf, ob man mit 4er Kette defensiv so stabil sein kann, sondern vielmehr mit den Fragestellungen dazu, ob die 3er Kette wirklich so stabil ist, wenn sie in eine 4er Kette gezwungen werden kann, die man nicht schnell genug herstellen kann und dann sowieso nicht optimal besetzt bekommt? Was kostet uns die 3er Kette zudem offensiv? Darf es am Ende des Tages so sehr um die defensive Stabilität gehen oder sollte es eigentlich um die Balance im Spiel gehen?

Grundsätzlich spricht meines Erachtens zwar grundsätzlich nichts gegen eine 3er Kette, aber die muss eben immer so ausgelegt sein, dass sie problemlos in eine 4er Kette übergehen kann. Auch im Ballbesitz muss das Personal das hergeben, weil hierdurch eben auch schon zumeist die Startpositionen gegen den Ball bestimmt werden. Das ist bei uns aber unter Kovac noch nie der Fall gewesen!

Bei Gegentor 2 ist es im Kern dieselbe Grundproblematik, weil Svensson nicht mehr rechtzeitig auf seine Seite zurückverschieben kann. Dadurch wird Bensebaini wieder zum LV und man verteidigt es grundsätzlich, wie in einer 4er Kette auf der linken Seite, wobei Svensson rechts eben irgendwo versucht die 5er Kette aufrecht zu erhalten, indem er sich als RIV einsortiert. Da es gegen Savinho individuell eben so viele Probleme gab, zieht Nmecha raus, um zu unterstützen, was Savinho aber abwehrt, indem er schnell zur Grundlinie zieht und damit Bensebaini unter Druck setzt, um das 1gg1 zu erhalten, statt in ein 1gg2 zu müssen. Kobel muss an den abgefälschten Ball und ab da wird dann der tiefe Schwerpunkt mit 7 Mann hinter dem 11er Punkt kritisch, weil es gar keine Zuordnung mehr gibt und rausgeschoben werden muss. Doku wehrt das dann genauso ab, wie zuvor Savinho, indem er es einfach für ein 1gg1 gegen Ryerson nutzt und zur Grundlinie zieht. Anton muss raus, weil Ryerson zu leicht geschlagen wird, während Bensebaini beim Rausrücken Haland freiläuft, weil natürlich auch Schlotterbeck wiederum auf Anton reagiert und freier Mann bleiben soll. Spätestens in diesem Moment ist es wieder eine astreine 4er Kette, weil Svensson nicht in der 3er Kette bleibt beim Rausrücken, um den Rückraum zuzumachen und in dem Fall effektiv O'Reilly halbwegs aufnehmen zu können.

Im Grunde zeigt die Szene daher ein Paradoxon: einerseits behauptet sie, dass die 4er Kette defensiv per se nicht stabil sein wird in der Besetzung. Andererseits behauptet sie aber auch, dass die 3er Kette sich gar nicht immer aussuchen kann, ob sie nun konsequent eine 3er Kette sein kann oder nicht. Die 3er Kette kann eben grundsätzlich in die 4er Kette gezwungen werden, die nicht stabil ist, was effektiv nichts anderes bedeutet, dass die 3er Kette eben auch nicht grundsätzlich stabil sein kann. Die 3er Kette hat vor allem dann ihre Vorteile, so wie wir sie spielen, wenn wir im tiefen Block das Zentrum konsequent verteidigen. Dann behalten wir in aller Regel viele Mann zwischen Ball und Tor, womit Zweikämpfe vermieden werden können oder unkritischer werden. Ballbesitzbereinigt ist schließlich recht interessant, dass wir nur durchschnittlich viele Zweikämpfe in Relation zur Zeit gegen den Ball führen (30,9 je 90 Minuten gegen den Ball, gegenüber 29,6 im Liga-MW).

Überspitzt gesagt, sorgt die 3er Kette also nur dafür, dass individuelle Probleme versteckt werden. Häufiger, aber nicht immer. Sobald wir aber irgendwo damit versuchen rauszurücken - nicht nur gegen den Ball - oder gar vorne im Pressing Druck zu machen, wofür es nun mal immer gute Gründe geben wird, fehlen uns dort eigentlich die Spieler dafür, wodurch wir hinten etwas auflösen müssen und somit Stabilität riskieren. Also eigentlich völlig egal, ob 3er oder 4er Kette, wobei die 4er Kette eben gar nicht so sehr für das Grundproblem sorgen würde, dass vorne Mannstärke fehlt. In der Theorie sollte die 4er Kette daher einen höheren und konstanteren Pressingdruck ermöglichen und grundsätzlich auch für weniger Unterzahl im Zentrum, was jeweils stabilisierende Faktoren sein sollten, obwohl in der Kette selbst einige Defizite seltener versteckt werden können (vor allem das Problem gegen bewegliche Tempospieler werden wir mit dem vorhandenen Personal nicht in den Griff bekommen).

Deswegen - und daran hapert es unter Kovac in der Entwicklung von Anfang an und daher systemunabhängig - müsste man den Hauptstabilisator gegen den Ball eigentlich schon im eigenen Ballbesitz entwickeln. Dahingehend sehe ich bei 4er Kette die klar besseren Chancen, weil eben die 3er Kette so starr ist, aber nicht permanent 3 IV gebraucht werden, wenn man am Ball ist ...



War bisschen schlecht von mir ausgedrückt, aber meine Frage ist eher, ob es realistisch ist, dass eine 4-er Kette so wie Kovac spielt, die Stabilität auch hinbekommt. Ohne Can dann auf der 6


Nein, aber was ist mittelfristig die Alternative dazu?
BVB - Taktik-Thread |#5964
06.11.2025 - 20:20 Uhr
Zitat von BVBBC

Zitat von BVBFK

Zitat von prueglbueschl

Zitat von BVBFK

Kann mir jemand eine Einschätzung dazu geben, ob die aktuelle Defensive Stabilität auch mit einer 4-er Kette möglich ist?

Eigentlich sollte das doch möglich sein, weil man eben sogar 4 Spieler in der letzten Reihe hat und nicht nur, wie das heute oft der Fall war, 3. Die AVs agieren natürlich dann nicht so offensiv wie in einer 3-er Kette, weil die Breite Ben die Dlügelspieler geben, aber kleine Ausflüge nach vorne gibt's ab und zu bestimmt trotzdem.


Natürlich ist das grundsätzlich möglich. Siehe Bayern. Man sollte defensive Stabilität aber nicht auf die letzte Reihe reduzieren. Verteidigen gegen den Ball ist eine Teamaufgabe und da muss jeder dazu beitragen.

Da hast du natürlich Recht. Siehe heute, wo beide 6-er keinen Zugriff hatten und Foden zwei Mal ohne Begleitung genau das identische Tor sxhießen könnte.



Sehe die Schuld hier nicht so sehr beim 6er, sondern in der grundsätzlichen Problematik mit der 3er Kette. City macht das taktisch nun mal wie eine Spitzenmannschaft, indem sie für Breite sorgen, den Schienenspieler rausziehen, ohne die Überzahl im Zentrum aufzugeben - dort findet zwar eine Rochade statt, indem Reijnders auf RV geht, aber in dem Fall (gab auch noch andere Optionen) Doku füllt wieder auf - und damit effektiv bei uns keine 3er Kette zulassen, um sie sauber aufzunehmen.

Nimmt man mal konkret Gegentor 1: https://youtu.be/lBp_a6wWcJ0?t=121

Wir sind hier vorwärtsorientiert gegen den Ball und Nmecha muss dadurch auch rausschieben, um Gonzalez zu pressen, weil Guirassy und Beier auf die Kette drücken müssten. City überspielt aber seinen eingerückten RV, um direkt nach außen zu kommen, wodurch es für Beier nix zu pressen gibt. Dadurch muss Svensson auf den auf RV rausgerückten Reijnders schieben - City hätte die Rochade auch anders aufziehen können und das Problem wäre dasselbe -, weil der hierfür fehlende 3. ZM eben in der Kette steckt, in Form des 3. IV und Bensebaini erbt somit seinen Gegenspieler, obwohl er eigentlich Foden zugeordnet ist in dem Moment. Dadurch müsste auch Schlotterbeck rausschieben und Foden aufnehmen, womit man aber die Absicherung bzw. den Überzahlspieler in der Kette aufgeben würde, was man vor allem gegen Haland ungern macht, aber vor allem eben auch gar nicht der Idee hinter der 3er Kette entspricht.

Für Bensebaini ist das undankbar. Einerseits ist es schlecht, dass er die Mitte aufmacht, weil es nicht der Idee der 3er Kette entspricht. Andererseits hatte Savinho davor eben schon ein paar Aktionen, weswegen es verständlich ist, dass man ihm nicht den Platz gibt, der da aufgeht. Daher kann man ihm kaum einen Vorwurf machen, weil City es einfach anders spielt und trotzdem für ein Riesenproblem sorgen kann, wenn er sich anders entscheidet. Im Prinzip geht es um die Entscheidung, was größer sein soll: ein individuelles Defizit gegen Savinho oder ein taktisches Defizit, indem Foden vielleicht frei bleibt?

Im Endeffekt erzwingt City von uns eben eine 1gg1 Mannorientierung und daher eine realtaktische 4er Kette, die wir aber aus der 3er Kette einfach nicht schnell genug herleiten können. Die Wege für Svensson und Bensebaini sind zu weit dafür und zentral sind wir darauf eigentlich auch gar nicht ausgelegt. Zu tief ist der Schwerpunkt der 3er Kette, was gegen City gar keine Überraschung ist, aber auch sonst oft gilt. Wir haben dadurch einfach nicht genug Mann, um eine überlagerte Seite aufzunehmen, wobei für Überlagerungen gar nicht viel nötig ist. Das Problem hatten wir schließlich schon am ersten Spieltag gegen Pauli, wegen Sinani, die seitdem nichts hinbekommen. Es bekommen daher eigentlich alle Gegner hin, wenn sie wollen, nur haben es nicht so viele Mannschaften ausgespielt.

Die Schlussfolgerung daraus ist letzendlich, dass man sich gar nicht so sehr mit der Frage beschäftigen darf, ob man mit 4er Kette defensiv so stabil sein kann, sondern vielmehr mit den Fragestellungen dazu, ob die 3er Kette wirklich so stabil ist, wenn sie in eine 4er Kette gezwungen werden kann, die man nicht schnell genug herstellen kann und dann sowieso nicht optimal besetzt bekommt? Was kostet uns die 3er Kette zudem offensiv? Darf es am Ende des Tages so sehr um die defensive Stabilität gehen oder sollte es eigentlich um die Balance im Spiel gehen?

Grundsätzlich spricht meines Erachtens zwar grundsätzlich nichts gegen eine 3er Kette, aber die muss eben immer so ausgelegt sein, dass sie problemlos in eine 4er Kette übergehen kann. Auch im Ballbesitz muss das Personal das hergeben, weil hierdurch eben auch schon zumeist die Startpositionen gegen den Ball bestimmt werden. Das ist bei uns aber unter Kovac noch nie der Fall gewesen!

Bei Gegentor 2 ist es im Kern dieselbe Grundproblematik, weil Svensson nicht mehr rechtzeitig auf seine Seite zurückverschieben kann. Dadurch wird Bensebaini wieder zum LV und man verteidigt es grundsätzlich, wie in einer 4er Kette auf der linken Seite, wobei Svensson rechts eben irgendwo versucht die 5er Kette aufrecht zu erhalten, indem er sich als RIV einsortiert. Da es gegen Savinho individuell eben so viele Probleme gab, zieht Nmecha raus, um zu unterstützen, was Savinho aber abwehrt, indem er schnell zur Grundlinie zieht und damit Bensebaini unter Druck setzt, um das 1gg1 zu erhalten, statt in ein 1gg2 zu müssen. Kobel muss an den abgefälschten Ball und ab da wird dann der tiefe Schwerpunkt mit 7 Mann hinter dem 11er Punkt kritisch, weil es gar keine Zuordnung mehr gibt und rausgeschoben werden muss. Doku wehrt das dann genauso ab, wie zuvor Savinho, indem er es einfach für ein 1gg1 gegen Ryerson nutzt und zur Grundlinie zieht. Anton muss raus, weil Ryerson zu leicht geschlagen wird, während Bensebaini beim Rausrücken Haland freiläuft, weil natürlich auch Schlotterbeck wiederum auf Anton reagiert und freier Mann bleiben soll. Spätestens in diesem Moment ist es wieder eine astreine 4er Kette, weil Svensson nicht in der 3er Kette bleibt beim Rausrücken, um den Rückraum zuzumachen und in dem Fall effektiv O'Reilly halbwegs aufnehmen zu können.

Im Grunde zeigt die Szene daher ein Paradoxon: einerseits behauptet sie, dass die 4er Kette defensiv per se nicht stabil sein wird in der Besetzung. Andererseits behauptet sie aber auch, dass die 3er Kette sich gar nicht immer aussuchen kann, ob sie nun konsequent eine 3er Kette sein kann oder nicht. Die 3er Kette kann eben grundsätzlich in die 4er Kette gezwungen werden, die nicht stabil ist, was effektiv nichts anderes bedeutet, dass die 3er Kette eben auch nicht grundsätzlich stabil sein kann. Die 3er Kette hat vor allem dann ihre Vorteile, so wie wir sie spielen, wenn wir im tiefen Block das Zentrum konsequent verteidigen. Dann behalten wir in aller Regel viele Mann zwischen Ball und Tor, womit Zweikämpfe vermieden werden können oder unkritischer werden. Ballbesitzbereinigt ist schließlich recht interessant, dass wir nur durchschnittlich viele Zweikämpfe in Relation zur Zeit gegen den Ball führen (30,9 je 90 Minuten gegen den Ball, gegenüber 29,6 im Liga-MW).

Überspitzt gesagt, sorgt die 3er Kette also nur dafür, dass individuelle Probleme versteckt werden. Häufiger, aber nicht immer. Sobald wir aber irgendwo damit versuchen rauszurücken - nicht nur gegen den Ball - oder gar vorne im Pressing Druck zu machen, wofür es nun mal immer gute Gründe geben wird, fehlen uns dort eigentlich die Spieler dafür, wodurch wir hinten etwas auflösen müssen und somit Stabilität riskieren. Also eigentlich völlig egal, ob 3er oder 4er Kette, wobei die 4er Kette eben gar nicht so sehr für das Grundproblem sorgen würde, dass vorne Mannstärke fehlt. In der Theorie sollte die 4er Kette daher einen höheren und konstanteren Pressingdruck ermöglichen und grundsätzlich auch für weniger Unterzahl im Zentrum, was jeweils stabilisierende Faktoren sein sollten, obwohl in der Kette selbst einige Defizite seltener versteckt werden können (vor allem das Problem gegen bewegliche Tempospieler werden wir mit dem vorhandenen Personal nicht in den Griff bekommen).

Deswegen - und daran hapert es unter Kovac in der Entwicklung von Anfang an und daher systemunabhängig - müsste man den Hauptstabilisator gegen den Ball eigentlich schon im eigenen Ballbesitz entwickeln. Dahingehend sehe ich bei 4er Kette die klar besseren Chancen, weil eben die 3er Kette so starr ist, aber nicht permanent 3 IV gebraucht werden, wenn man am Ball ist ...


War bisschen schlecht von mir ausgedrückt, aber meine Frage ist eher, ob es realistisch ist, dass eine 4-er Kette so wie Kovac spielt, die Stabilität auch hinbekommt. Ohne Can dann auf der 6


Nein, aber was ist mittelfristig die Alternative dazu?


Ich will nur eins vorwegschicken: ich bin gleichsam weiterhin der Überzeugung, dass eine Viererkette auf vielen Ebenen sinnvoller zu implementieren wäre:

- Unsere Schienen sind nicht von Schienenspielern besetzt,l. Selbst bei Couto muss man von Einschränkungen sprechen, da er weder sehr gut darin ist, 1gg1 Situationen auszuspielen trotz seiner Technik, noch das Tempo hat, um darüber die Außen zu bespielen.

- Unsere IV sind nur teilweise geeignet für eine proaktive Dreierkette, da Bensebaini trotz einer bis hierhin guten Runde taktisch nicht gut genug ist, Anton etwas zu langsam und inzwischen dadurch auch passiver ist im Vorwärtsverteidigen und Süle sowieso viel zu passiv geworden ist. Einzig Schlotterbeck und Anselmino (der aber nur geliehen ist) scheinen mir die Dreierkette so spielen zu können, wie man sie bräuchte, nämlich zum Beispiel gut darin durchzuschieben, statt sich tief fallen zu lassen

- unsere ZM können egal in welcher Kombination kaum den fehlenden Mann ausgleichen, um das Zentrum sowohl im Hinblick auf die defensive Absicherung (s. den Punkt mit den IV) als auch im Hinblick auf Anforderungen für die Spielverbindung und die Kreativität zu besetzen. Ggf würden wir mit Nmecha/Bellingham noch potentiell das meiste bekommen, aber auch heir müsste zumindest Kreativität andernorts erzeugt werden

- unsere offensive Dreierreihe besteht effektiv aus einer Zweierreihe, da der LOA leider noch viel zu oft in der Luft hängt und kaum nach der Überlagerung auf rechts über einen schnellen Wechsel gesucht wird, einerseits weil.uns dazu die Spieler dort rechts fehlen,(Ryerson macht das nicht. Couto.auch nicht, aus anderen Gründen und Sabitzer/Groß suchen dort dann sich öfter selbst die Flanke), weil wir andererseits die Überlagerung eher nutzen, um Guirassy im Strafraum anzuspielen. Leider gerät das zunehmend leicht zu verteidigen. Wie oft segelt der Ball von der Strafraumkante in Richtung unseres MS, der dann etwas völlig Überragendes machen müsste, um daraus etwas zu drehen.

Der leichteste Weg, diese Schwächen anzugehen, wäre sicherlich, die zusätzliche Absicherung eines weiteren IV aufzugeben und das MF zu stärken. Zumal die drei IV schon immer in bestimmten Siutatuonen anfällig waren für Zuordnungsprobleme, wie wir sie gestern gegen ein zugegeben sehr passstarkes City sehen durften.

Ich glaube allerdings noch nicht an eine Abkehr vom Ansatz und.möchte den Fokus auf drei Schwachstellen legen, von denen wir zwei sofort, die andere durch einen Transfer im Winter angehen könnten.

1. Der RIV muss eigentlich imstande sein, zum RV zu werden, damit der RAV wirklich RA, und der ROA ins Halbfeld rücken kann. Dadurch könnte der RZM auch mehr seinen verbindenden Aufgaben nachgehen, indem er nicht so sehr nach außen driften muss. Im Moment traue ich das nur Anselmino zu.

2. Der RV muss ein verkappter ROA sein, der schnell und gut im 1gg1 sein sollte. Denn wie oft kriegt Ryerson den Ball durch eine Verlagerung und steht eigentlich gut.für ein 1gg1 ohne dass wir diese Situation je nutzen würden. Fürs Erste könnte ich mir das allenfalls mit Adeyemi vorstellen, auch wenn ich den eigentlich lieber noch stärker im Zentrum sehe; allerdings spielt er faktisch auch jetzt schon immer wieder einen ähnlich gelagerten Part und ist weniger in den Halbräumen um und in dem Strafraum. Voraussetzung ist und bleibt, dass Anselmino maximal aggressiv raus und vorrückt.

3. Der LAV muss konsequent die Breite halten. Ich halte nichts davon, Beier/Brandt/Chukwuemeka oder wer auch immer den LOA gibt (so unterschiedlich die Profile auch sind, sie alle sollten nicht den alleinigen Breitengeber auf Höhe der Mittellinie im.Schnitt geben) auf den Außen zu parken. Sie alle.müssen einrücken, folglich muss Svensson breit stehen.

Meine Befürchtung zu Saisonbeginn, dass wir bei dem System.einen, eher zwei AV zu wenig geholt haben, bewahrheitet sich zunehmend. Dies müssen wir Im Winter korrigieren. Ich könnte mir die Aufstellung bis dahin so vorstellen und würde diese Variante so interpretieren, dass Schlotterbeck und Anton die IV, Anselmino den RV und Svensson realtaktisch den LV gibt.

•     •     •

Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.
- S. Beckett

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Mogli99 am 06.11.2025 um 20:25 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#5965
06.11.2025 - 22:09 Uhr
Zitat von Mogli99
Zitat von BVBBC

Zitat von BVBFK

Zitat von prueglbueschl

Zitat von BVBFK

Kann mir jemand eine Einschätzung dazu geben, ob die aktuelle Defensive Stabilität auch mit einer 4-er Kette möglich ist?

Eigentlich sollte das doch möglich sein, weil man eben sogar 4 Spieler in der letzten Reihe hat und nicht nur, wie das heute oft der Fall war, 3. Die AVs agieren natürlich dann nicht so offensiv wie in einer 3-er Kette, weil die Breite Ben die Dlügelspieler geben, aber kleine Ausflüge nach vorne gibt's ab und zu bestimmt trotzdem.


Natürlich ist das grundsätzlich möglich. Siehe Bayern. Man sollte defensive Stabilität aber nicht auf die letzte Reihe reduzieren. Verteidigen gegen den Ball ist eine Teamaufgabe und da muss jeder dazu beitragen.

Da hast du natürlich Recht. Siehe heute, wo beide 6-er keinen Zugriff hatten und Foden zwei Mal ohne Begleitung genau das identische Tor sxhießen könnte.



Sehe die Schuld hier nicht so sehr beim 6er, sondern in der grundsätzlichen Problematik mit der 3er Kette. City macht das taktisch nun mal wie eine Spitzenmannschaft, indem sie für Breite sorgen, den Schienenspieler rausziehen, ohne die Überzahl im Zentrum aufzugeben - dort findet zwar eine Rochade statt, indem Reijnders auf RV geht, aber in dem Fall (gab auch noch andere Optionen) Doku füllt wieder auf - und damit effektiv bei uns keine 3er Kette zulassen, um sie sauber aufzunehmen.

Nimmt man mal konkret Gegentor 1: https://youtu.be/lBp_a6wWcJ0?t=121

Wir sind hier vorwärtsorientiert gegen den Ball und Nmecha muss dadurch auch rausschieben, um Gonzalez zu pressen, weil Guirassy und Beier auf die Kette drücken müssten. City überspielt aber seinen eingerückten RV, um direkt nach außen zu kommen, wodurch es für Beier nix zu pressen gibt. Dadurch muss Svensson auf den auf RV rausgerückten Reijnders schieben - City hätte die Rochade auch anders aufziehen können und das Problem wäre dasselbe -, weil der hierfür fehlende 3. ZM eben in der Kette steckt, in Form des 3. IV und Bensebaini erbt somit seinen Gegenspieler, obwohl er eigentlich Foden zugeordnet ist in dem Moment. Dadurch müsste auch Schlotterbeck rausschieben und Foden aufnehmen, womit man aber die Absicherung bzw. den Überzahlspieler in der Kette aufgeben würde, was man vor allem gegen Haland ungern macht, aber vor allem eben auch gar nicht der Idee hinter der 3er Kette entspricht.

Für Bensebaini ist das undankbar. Einerseits ist es schlecht, dass er die Mitte aufmacht, weil es nicht der Idee der 3er Kette entspricht. Andererseits hatte Savinho davor eben schon ein paar Aktionen, weswegen es verständlich ist, dass man ihm nicht den Platz gibt, der da aufgeht. Daher kann man ihm kaum einen Vorwurf machen, weil City es einfach anders spielt und trotzdem für ein Riesenproblem sorgen kann, wenn er sich anders entscheidet. Im Prinzip geht es um die Entscheidung, was größer sein soll: ein individuelles Defizit gegen Savinho oder ein taktisches Defizit, indem Foden vielleicht frei bleibt?

Im Endeffekt erzwingt City von uns eben eine 1gg1 Mannorientierung und daher eine realtaktische 4er Kette, die wir aber aus der 3er Kette einfach nicht schnell genug herleiten können. Die Wege für Svensson und Bensebaini sind zu weit dafür und zentral sind wir darauf eigentlich auch gar nicht ausgelegt. Zu tief ist der Schwerpunkt der 3er Kette, was gegen City gar keine Überraschung ist, aber auch sonst oft gilt. Wir haben dadurch einfach nicht genug Mann, um eine überlagerte Seite aufzunehmen, wobei für Überlagerungen gar nicht viel nötig ist. Das Problem hatten wir schließlich schon am ersten Spieltag gegen Pauli, wegen Sinani, die seitdem nichts hinbekommen. Es bekommen daher eigentlich alle Gegner hin, wenn sie wollen, nur haben es nicht so viele Mannschaften ausgespielt.

Die Schlussfolgerung daraus ist letzendlich, dass man sich gar nicht so sehr mit der Frage beschäftigen darf, ob man mit 4er Kette defensiv so stabil sein kann, sondern vielmehr mit den Fragestellungen dazu, ob die 3er Kette wirklich so stabil ist, wenn sie in eine 4er Kette gezwungen werden kann, die man nicht schnell genug herstellen kann und dann sowieso nicht optimal besetzt bekommt? Was kostet uns die 3er Kette zudem offensiv? Darf es am Ende des Tages so sehr um die defensive Stabilität gehen oder sollte es eigentlich um die Balance im Spiel gehen?

Grundsätzlich spricht meines Erachtens zwar grundsätzlich nichts gegen eine 3er Kette, aber die muss eben immer so ausgelegt sein, dass sie problemlos in eine 4er Kette übergehen kann. Auch im Ballbesitz muss das Personal das hergeben, weil hierdurch eben auch schon zumeist die Startpositionen gegen den Ball bestimmt werden. Das ist bei uns aber unter Kovac noch nie der Fall gewesen!

Bei Gegentor 2 ist es im Kern dieselbe Grundproblematik, weil Svensson nicht mehr rechtzeitig auf seine Seite zurückverschieben kann. Dadurch wird Bensebaini wieder zum LV und man verteidigt es grundsätzlich, wie in einer 4er Kette auf der linken Seite, wobei Svensson rechts eben irgendwo versucht die 5er Kette aufrecht zu erhalten, indem er sich als RIV einsortiert. Da es gegen Savinho individuell eben so viele Probleme gab, zieht Nmecha raus, um zu unterstützen, was Savinho aber abwehrt, indem er schnell zur Grundlinie zieht und damit Bensebaini unter Druck setzt, um das 1gg1 zu erhalten, statt in ein 1gg2 zu müssen. Kobel muss an den abgefälschten Ball und ab da wird dann der tiefe Schwerpunkt mit 7 Mann hinter dem 11er Punkt kritisch, weil es gar keine Zuordnung mehr gibt und rausgeschoben werden muss. Doku wehrt das dann genauso ab, wie zuvor Savinho, indem er es einfach für ein 1gg1 gegen Ryerson nutzt und zur Grundlinie zieht. Anton muss raus, weil Ryerson zu leicht geschlagen wird, während Bensebaini beim Rausrücken Haland freiläuft, weil natürlich auch Schlotterbeck wiederum auf Anton reagiert und freier Mann bleiben soll. Spätestens in diesem Moment ist es wieder eine astreine 4er Kette, weil Svensson nicht in der 3er Kette bleibt beim Rausrücken, um den Rückraum zuzumachen und in dem Fall effektiv O'Reilly halbwegs aufnehmen zu können.

Im Grunde zeigt die Szene daher ein Paradoxon: einerseits behauptet sie, dass die 4er Kette defensiv per se nicht stabil sein wird in der Besetzung. Andererseits behauptet sie aber auch, dass die 3er Kette sich gar nicht immer aussuchen kann, ob sie nun konsequent eine 3er Kette sein kann oder nicht. Die 3er Kette kann eben grundsätzlich in die 4er Kette gezwungen werden, die nicht stabil ist, was effektiv nichts anderes bedeutet, dass die 3er Kette eben auch nicht grundsätzlich stabil sein kann. Die 3er Kette hat vor allem dann ihre Vorteile, so wie wir sie spielen, wenn wir im tiefen Block das Zentrum konsequent verteidigen. Dann behalten wir in aller Regel viele Mann zwischen Ball und Tor, womit Zweikämpfe vermieden werden können oder unkritischer werden. Ballbesitzbereinigt ist schließlich recht interessant, dass wir nur durchschnittlich viele Zweikämpfe in Relation zur Zeit gegen den Ball führen (30,9 je 90 Minuten gegen den Ball, gegenüber 29,6 im Liga-MW).

Überspitzt gesagt, sorgt die 3er Kette also nur dafür, dass individuelle Probleme versteckt werden. Häufiger, aber nicht immer. Sobald wir aber irgendwo damit versuchen rauszurücken - nicht nur gegen den Ball - oder gar vorne im Pressing Druck zu machen, wofür es nun mal immer gute Gründe geben wird, fehlen uns dort eigentlich die Spieler dafür, wodurch wir hinten etwas auflösen müssen und somit Stabilität riskieren. Also eigentlich völlig egal, ob 3er oder 4er Kette, wobei die 4er Kette eben gar nicht so sehr für das Grundproblem sorgen würde, dass vorne Mannstärke fehlt. In der Theorie sollte die 4er Kette daher einen höheren und konstanteren Pressingdruck ermöglichen und grundsätzlich auch für weniger Unterzahl im Zentrum, was jeweils stabilisierende Faktoren sein sollten, obwohl in der Kette selbst einige Defizite seltener versteckt werden können (vor allem das Problem gegen bewegliche Tempospieler werden wir mit dem vorhandenen Personal nicht in den Griff bekommen).

Deswegen - und daran hapert es unter Kovac in der Entwicklung von Anfang an und daher systemunabhängig - müsste man den Hauptstabilisator gegen den Ball eigentlich schon im eigenen Ballbesitz entwickeln. Dahingehend sehe ich bei 4er Kette die klar besseren Chancen, weil eben die 3er Kette so starr ist, aber nicht permanent 3 IV gebraucht werden, wenn man am Ball ist ...


War bisschen schlecht von mir ausgedrückt, aber meine Frage ist eher, ob es realistisch ist, dass eine 4-er Kette so wie Kovac spielt, die Stabilität auch hinbekommt. Ohne Can dann auf der 6


Nein, aber was ist mittelfristig die Alternative dazu?


Ich will nur eins vorwegschicken: ich bin gleichsam weiterhin der Überzeugung, dass eine Viererkette auf vielen Ebenen sinnvoller zu implementieren wäre:

- Unsere Schienen sind nicht von Schienenspielern besetzt,l. Selbst bei Couto muss man von Einschränkungen sprechen, da er weder sehr gut darin ist, 1gg1 Situationen auszuspielen trotz seiner Technik, noch das Tempo hat, um darüber die Außen zu bespielen.

- Unsere IV sind nur teilweise geeignet für eine proaktive Dreierkette, da Bensebaini trotz einer bis hierhin guten Runde taktisch nicht gut genug ist, Anton etwas zu langsam und inzwischen dadurch auch passiver ist im Vorwärtsverteidigen und Süle sowieso viel zu passiv geworden ist. Einzig Schlotterbeck und Anselmino (der aber nur geliehen ist) scheinen mir die Dreierkette so spielen zu können, wie man sie bräuchte, nämlich zum Beispiel gut darin durchzuschieben, statt sich tief fallen zu lassen

- unsere ZM können egal in welcher Kombination kaum den fehlenden Mann ausgleichen, um das Zentrum sowohl im Hinblick auf die defensive Absicherung (s. den Punkt mit den IV) als auch im Hinblick auf Anforderungen für die Spielverbindung und die Kreativität zu besetzen. Ggf würden wir mit Nmecha/Bellingham noch potentiell das meiste bekommen, aber auch heir müsste zumindest Kreativität andernorts erzeugt werden

- unsere offensive Dreierreihe besteht effektiv aus einer Zweierreihe, da der LOA leider noch viel zu oft in der Luft hängt und kaum nach der Überlagerung auf rechts über einen schnellen Wechsel gesucht wird, einerseits weil.uns dazu die Spieler dort rechts fehlen,(Ryerson macht das nicht. Couto.auch nicht, aus anderen Gründen und Sabitzer/Groß suchen dort dann sich öfter selbst die Flanke), weil wir andererseits die Überlagerung eher nutzen, um Guirassy im Strafraum anzuspielen. Leider gerät das zunehmend leicht zu verteidigen. Wie oft segelt der Ball von der Strafraumkante in Richtung unseres MS, der dann etwas völlig Überragendes machen müsste, um daraus etwas zu drehen.

Der leichteste Weg, diese Schwächen anzugehen, wäre sicherlich, die zusätzliche Absicherung eines weiteren IV aufzugeben und das MF zu stärken. Zumal die drei IV schon immer in bestimmten Siutatuonen anfällig waren für Zuordnungsprobleme, wie wir sie gestern gegen ein zugegeben sehr passstarkes City sehen durften.

Ich glaube allerdings noch nicht an eine Abkehr vom Ansatz und.möchte den Fokus auf drei Schwachstellen legen, von denen wir zwei sofort, die andere durch einen Transfer im Winter angehen könnten.

1. Der RIV muss eigentlich imstande sein, zum RV zu werden, damit der RAV wirklich RA, und der ROA ins Halbfeld rücken kann. Dadurch könnte der RZM auch mehr seinen verbindenden Aufgaben nachgehen, indem er nicht so sehr nach außen driften muss. Im Moment traue ich das nur Anselmino zu.

2. Der RV muss ein verkappter ROA sein, der schnell und gut im 1gg1 sein sollte. Denn wie oft kriegt Ryerson den Ball durch eine Verlagerung und steht eigentlich gut.für ein 1gg1 ohne dass wir diese Situation je nutzen würden. Fürs Erste könnte ich mir das allenfalls mit Adeyemi vorstellen, auch wenn ich den eigentlich lieber noch stärker im Zentrum sehe; allerdings spielt er faktisch auch jetzt schon immer wieder einen ähnlich gelagerten Part und ist weniger in den Halbräumen um und in dem Strafraum. Voraussetzung ist und bleibt, dass Anselmino maximal aggressiv raus und vorrückt.

3. Der LAV muss konsequent die Breite halten. Ich halte nichts davon, Beier/Brandt/Chukwuemeka oder wer auch immer den LOA gibt (so unterschiedlich die Profile auch sind, sie alle sollten nicht den alleinigen Breitengeber auf Höhe der Mittellinie im.Schnitt geben) auf den Außen zu parken. Sie alle.müssen einrücken, folglich muss Svensson breit stehen.

Meine Befürchtung zu Saisonbeginn, dass wir bei dem System.einen, eher zwei AV zu wenig geholt haben, bewahrheitet sich zunehmend. Dies müssen wir Im Winter korrigieren. Ich könnte mir die Aufstellung bis dahin so vorstellen und würde diese Variante so interpretieren, dass Schlotterbeck und Anton die IV, Anselmino den RV und Svensson realtaktisch den LV gibt.


Ich stimme dir in sämtlichen Überlegungen zu, hege aber zu deinen Schlussfolgerungen, wie man das noch am ehesten mit dem vorhanden Kader adressieren kann, größere Zweifel.

1. Wenn Anselmino richtig fit wird, brauchst du sein Tempo für die Restverteidigung und daher einen vollkommen anderen Job. Hätten wir einen LSS im Kader, würde ich auf LIV gerne mal Svensson ausprobieren. Wir haben aber keinen LSS, daher fällt das komplett aus. Dass es mit Can als ZIV, der ins DM schiebt, nicht funktionert hat, wissen wir zudem auch schon, weil es zu spielschwach war. Daran hat sich grundsätzlich denke ich nichts geändert, weil eben zu viele Positionen nicht zwingend mit der spielstarken Variante besetzt sind. Am Ende bescheißt man sich allein hier daher schon schnell selbst, da fehlende Optionen für eine fluide Rochade zwischen 3er oder 4er Kette komplett auf das Eine oder Andere festlegen.

2. Damit der RSS Breite geben kann und wirklich sinnvoll zum RA rochieren kann, muss er in meinen Augen zwingend an der Grundlinie durchgehen können. Dahingehend sehe ich Adeyemi nicht besonders stark, weil er sich damit den Ball automatisch auf den falschen Fuß vorlegt. Entsprechend gewähren ihm die Gegenspieler im Zweifel auch eher den Durchbruch zur Grundlinie, als dass sie ihn nach innen ziehen lassen. Sie wissen, dass Adeyemi dort eigentlich nicht hin will und wenn er es doch macht, ist er nicht in einer Situation, in der sich effiziente Aktionen erwarten lassen, sondern viele Ballverluste. An sich kann es nur Duranville daher, aber der ist einerseits kaum verfügbar und andererseits erfüllt er die defensiven Mindestanforderungen für eine Schiene nicht. Kovac mag seine Defensivarbeit ja nicht mal als RA.

3. Absolut, aber let's face it: diesen Spieler gibt es in diesem Kader eben nicht. Im Kern beschreibst du das Anforderungsprofil für den LSS schließlich schon für den RSS. Die Asymmetrie macht doch so keinen Sinn, wenn die Schienen deine einzigen Breitengeber sind. Nicht umsonst hat es seine Gründe, warum die OA, entgegen ihrer Vorlieben, so breit schieben müssen. Mit Chukwuemeka oder auch Brandt als OA ist das so aber gar nicht so recht möglich und Beier oder Adeyemi raubt man so zu oft den kürzesten Weg zum Tor, unabhängig davon, dass Guirassy hier auch oft genug zustellt oder den Pass nicht spielen kann, weil sie zu leicht breit gebunden werden. Die Bedrohung der Tiefe ist deshalb ziemlich binär, abhängig davon, was der Gegner zulässt. Wir bestimmen das zu wenig, da wir unserem Gegner keinen Zwang auferlegen können, wie sehr er unsere Breitengeber ernstnehmen will bzw. muss. Statt die Asymmetrie daher zu vergrößern, müsste sie eigentlich verringert werden, aber daran wird es scheitern. Wir haben eben nicht nur zu wenig AV/Schienen, sondern die falschen für den Job. Das kann man Ryerson und Svensson dabei nicht mal vorwerfen, weil sie dafür viel daraus machen, aber für die offensive Funktionalität des Systems ist es leider trotzdem zu wenig.

Ich halte es daher nicht für möglich, dass wir offensiv zulegen können, im vorhandenen System, ohne defensiv mehr zu verlieren als wir offensiv dadurch gewinnen können. Zumal gerade das Spiel gegen Köln schon einiges an Ernüchterung geliefert hat, indem wir dort schon recht vieles ausprobiert haben, was innerhalb der von Kovac und diesem System vorgegebenen Linien denkbar ist. Somit sehe ich mittelfristig keinen Weg, der daran vorbeiführt, dass diese Linien aufgeweicht werden oder Transfers einiges verändern, wobei ich im Winter nicht erwarte, dass sich die vorhandene Liste abhaken lässt. In meiner letzten Schmiede kam ich schließlich zum Schluss, dass es auch noch mit der Sommertransferphase der teurere und daher schwierigere Weg ist. Der logische Schluss ist daher, dass es unter der Saison dennoch darauf hinauslaufen wird, dass die 4er Kette mehr Chancen bietet.
BVB - Taktik-Thread |#5966
07.11.2025 - 16:02 Uhr
Zitat von BVBBC


Sehe die Schuld hier nicht so sehr beim 6er, sondern in der grundsätzlichen Problematik mit der 3er Kette. City macht das taktisch nun mal wie eine Spitzenmannschaft, indem sie für Breite sorgen, den Schienenspieler rausziehen, ohne die Überzahl im Zentrum aufzugeben - dort findet zwar eine Rochade statt, indem Reijnders auf RV geht, aber in dem Fall (gab auch noch andere Optionen) Doku füllt wieder auf - und damit effektiv bei uns keine 3er Kette zulassen, um sie sauber aufzunehmen.

Nimmt man mal konkret Gegentor 1: https://youtu.be/lBp_a6wWcJ0?t=121

Wir sind hier vorwärtsorientiert gegen den Ball und Nmecha muss dadurch auch rausschieben, um Gonzalez zu pressen, weil Guirassy und Beier auf die Kette drücken müssten. City überspielt aber seinen eingerückten RV, um direkt nach außen zu kommen, wodurch es für Beier nix zu pressen gibt. Dadurch muss Svensson auf den auf RV rausgerückten Reijnders schieben - City hätte die Rochade auch anders aufziehen können und das Problem wäre dasselbe -, weil der hierfür fehlende 3. ZM eben in der Kette steckt, in Form des 3. IV und Bensebaini erbt somit seinen Gegenspieler, obwohl er eigentlich Foden zugeordnet ist in dem Moment. Dadurch müsste auch Schlotterbeck rausschieben und Foden aufnehmen, womit man aber die Absicherung bzw. den Überzahlspieler in der Kette aufgeben würde, was man vor allem gegen Haland ungern macht, aber vor allem eben auch gar nicht der Idee hinter der 3er Kette entspricht.

Für Bensebaini ist das undankbar. Einerseits ist es schlecht, dass er die Mitte aufmacht, weil es nicht der Idee der 3er Kette entspricht. Andererseits hatte Savinho davor eben schon ein paar Aktionen, weswegen es verständlich ist, dass man ihm nicht den Platz gibt, der da aufgeht. Daher kann man ihm kaum einen Vorwurf machen, weil City es einfach anders spielt und trotzdem für ein Riesenproblem sorgen kann, wenn er sich anders entscheidet. Im Prinzip geht es um die Entscheidung, was größer sein soll: ein individuelles Defizit gegen Savinho oder ein taktisches Defizit, indem Foden vielleicht frei bleibt?

Im Endeffekt erzwingt City von uns eben eine 1gg1 Mannorientierung und daher eine realtaktische 4er Kette, die wir aber aus der 3er Kette einfach nicht schnell genug herleiten können. Die Wege für Svensson und Bensebaini sind zu weit dafür und zentral sind wir darauf eigentlich auch gar nicht ausgelegt. Zu tief ist der Schwerpunkt der 3er Kette, was gegen City gar keine Überraschung ist, aber auch sonst oft gilt. Wir haben dadurch einfach nicht genug Mann, um eine überlagerte Seite aufzunehmen, wobei für Überlagerungen gar nicht viel nötig ist. Das Problem hatten wir schließlich schon am ersten Spieltag gegen Pauli, wegen Sinani, die seitdem nichts hinbekommen. Es bekommen daher eigentlich alle Gegner hin, wenn sie wollen, nur haben es nicht so viele Mannschaften ausgespielt.

Die Schlussfolgerung daraus ist letzendlich, dass man sich gar nicht so sehr mit der Frage beschäftigen darf, ob man mit 4er Kette defensiv so stabil sein kann, sondern vielmehr mit den Fragestellungen dazu, ob die 3er Kette wirklich so stabil ist, wenn sie in eine 4er Kette gezwungen werden kann, die man nicht schnell genug herstellen kann und dann sowieso nicht optimal besetzt bekommt? Was kostet uns die 3er Kette zudem offensiv? Darf es am Ende des Tages so sehr um die defensive Stabilität gehen oder sollte es eigentlich um die Balance im Spiel gehen?


Stimme den von dir aus der Taktik abgeleiteten Insuffizienzen zu, sehe aber in der vorliegenden Szene die individuelle Ausführung taktischer Vorgaben durch einige Spieler deutlich kritischer, sodass mir die Nachteile einer 5er-Kette nicht als Hauptursache des Foden-Tores erscheinen, sondern leider individuelle Unfähigkeiten und kollektives Fehlverhalten eine erhebliche Rolle spielen. Gerade das Foden-Tor zum 1:0 ist kaum Ergebnis der 3er-/5er-Kette.

Der Szene voraus geht ein Steilpass von Foden zwischen Schlotterbeck und Bensebaini hindurch auf Savinho (rechte Außenbahn). Savinho kommt relativ frei am rechten Eck in den Strafraum eindringend (alles aus Sicht von ManCity) zu einem scharfen Flachpass in die Mitte. Der Ball rollt an allen Spielern vorbei (vielleicht von Ryerson noch etwas an Haaland vorbei abgefälscht) links aus dem Strafraum heraus.

Haaland holt sich den Ball und dann baut Manchester von links über die Mitte um den Strafraum herum langsam wieder auf. Die BVB-Fünferkette steht brav aufgereiht an der 16er-Linie. Die anderen 5 - Sabitzer, Nmecha, Adeyemi, Guirassy und Beier - bewegen sich im Raum 10-12 m vor dem Strrafraum bis auf Nmecha nicht eng an einem Spieler. Als González von halblinks auf halbrechts zu Nunes spielt, ist Nmecha einigermaßen eng an Foden (zentral, 6-7 m vor dem 16er) und Bensebaini sehr eng an Reijnders. Nun geschehen mehrere Bewegungen in kurzer Zeit. Beier trabt auf Nunes zu (kein Pressing), Nmecha bleibt in der Nähe hinter Foden, der sich parallel zur 16er-Linie Richtung halbrechts bewegt, Bensebaini bleibt relativ nah hinter Reijnders, der in Richtung des rechten Strafraumecks läuft. Nunes passt auf Savinho auf der rechten Außenbahn, Svensson läuft vorwärtes aus der 5er-Kette heraus Richtung Savinho, Beier rückwärts von Nunes weg ebenso Richtung Savinho, Nmecha verliert Foden ein wenig aus den Augen (beobachtet nur den Ball), Bensebaini landet noch eng hinter Reijnders auf halbrechts auf Höhe des Strafraumecks. Savinho stoppt den Ball, schaut und passt schräg zurück auf Nunes, Beier macht kehrt und trabt (!) wieder Richtung Nunes.

Nun passiert teils zeitgleich, teils hintereinander Folgendes (alles wie bereits in der ganzen Zeit, nachdem sich Haaland auf der linken Außenbahn den durchrollenden Pass von Savinho gesichert hat, in fast gemächlichem Tempo):
- Nunes passt in die Mitte zu Stones.
- Bensebaini gibt die Bewachung von Reijnders auf, Svensson die von Savinho, die 5er Kette ist wieder komplett, nun allerdings 5-6m vor dem Strafraum, Schlotterbeck deckt Haaland, die anderen 4 warten.
- 3 City-Spieler besorgend auf einer Linie ca. 20m vom BVB-16er entfernt den Spielaufbau, die beiden Außen Savinho und Doku halten die volle Breite, 4 City-Spieler Spieler bewegen sich in den Zwischenräumen zwischen BVB-5er-Kette und City-Aufbauspielern nahezu unbedrängt von Sabitzer, Nmecha, Adeyemi, Guirassy und Beier. Haaland ist ins der Nähe der BVB-IV.
- Beier trabt Richtung Ball, also Stones, Guirassy ebenfalls und Nmecha orientiert sich mit seinem Blick und seinem Traben auch in diese Richtung, weil dort auch Gonzalez ist, und verliert folgerichtig Foden völlig aus den Augen.
- Reijnders hat sich auf Höhe des rechten Strafraumecks etwas nach hinten bewegt und ist nun völlig frei.

Bösartig würde man sagen, der BVB spielt eine Alibi-Defensive. Kritisch kann man sagen, dass wenige BVB-Spieler zu merken scheinen, wie sich ManCity langsam (!) den BVB zurechtlegt.

Nun kommen wir zu der Szene, die du verlinkt hast (2-3 Sekunden zu spät, deshalb schildere ich sie):

- Stones spielt nicht nach links, sondern wieder nach rechts, aber nicht auf Nunes auf gleicher Linie, sondern etwas weiter nach vorne auf halbrechts, wo sich der ungedeckte Reijnders befindet.
- Svensson stürmt aus der 5er-Kette heraus, wittert offenbar genügend Gefahr, stoppt aber kurz vor Reijnders ab, sodass dieser Zeit genug hat, den Ball zu stoppen, nochmal anzuticken und dann genau auf den ungedeckten Foden nach links vorne Richtung bZentrum vor dem 16er zu spielen. Nmecha, Beier, Svensson sind aus der Szene raus (Guirassy soundso) und Bensebaini auch, der sich erst nach rechts orientiert, weil er einen Pass auf den von Svensson allein gelassenen Savinho befürchtet.
- Haaland befindet sich kurz vor dem Strafraum zwischen Schlotterbeck und Anton, die die gesamte Zeit das Spielgeschehen beobachten und gemeinsam Haaland bewachen (jeder von beiden mal mehr oder weniger).
- Foden muss gar nicht mal aufdrehen, sondern nur den Ball annehmen, sich drehen, zweimal nach vorne anticken und an Schlotterbeck, der sich beim Pass von Reijnders erst mal nach hinten bewegt, während Haaland richtigerweise weg von Foden und Ball links an Anton vorbei in den Strafraum eindringt. Schlotterbeck, der nun nicht gerade günstig zu Foden und Ball steht, versucht nicht etwa die Schusslinie mit rechtem Fuß oder Bein noch irgendwie zu decken, sondern schafft nur noch ein winziges Schrittchen nach vorne und dreht sich auch noch weg, als der Ball links an ihm vorbei links unten ins Tor fliegt.

https://www.youtube.com/watch?v=lBp_a6wWcJ0&t=114s

Im Grunde ist das kollektives Defensivversagen. In diesem Fall sind ja nicht Svensson oder Bensebaini von Savinho oder auf der anderen Seite Ryerson von Doku ausgespielt worden, was häufig geschehen ist, sondern 10 City-Spieler haben 10 BVB-Spieler vor deren eigenem Strafraum quasi eingeschläfert, ihre langsame, unentschlossene und rein ballfixierte Abwehrarbeit ausgenutzt, sodass im Grunde genommen 4 der 10 City-Spieler das Tor gemacht haben. Stones mit seinem leicht verschärften und leicht offensiveren Pass auf Reijnders, der ihm wegen der unzureichenden Defensivarbeit von Beier, Bensebaini und Svensson ermöglicht wurde, Reijnders mit seinem ebenfalls leicht beschleunigten Pass auf Foden, Haaland mit sehr gutem irritierendem Laufweg und Foden mit einem sehr guten Schuss am indisponierten Schlotterbeck vorbei.

Man muss auch fragen, welche Videos oder anderen Informationen den BVB-Spielern über City-Spieler gegeben wurden oder auch welche bei ihnen überhaupt angekommen sind. Haaland nicht aus den Augen zu lassen scheint die einzige wirklich bei ihnen angekommene Info zu sein, aber die ist banal. Von Reijnders als sehr geschicktem (über den ganzen Platz agierenden) Kreativ- und (!) Defensivspieler inkl. Torgefährlichkeit scheinen sie noch nichts gehört zu haben, geschweige denn von Fodens Linksfuß. Nmecha darf sich nicht erst für Foden verantwortlich fühlen und ihn dann nicht mehr beachten, es sei denn einer aus der 5er-Kette hätte Foden übernommen, was aber nicht geschah. Reijnders so ohne jeden Druck wegschleichen und dann passen zu lassen, ist Fehler der linken Abwehrseite des BVB, also von Svensson, Bensebaini und Beier.

Sorry, habe mich erst einmal zwei Tage zurückgehalten und brav die Statistik abgeliefert, aber was der BVB da gespielt hat, zeigt noch einmal die Begrenztheit des Kaders und des Kovacschen Ansatzes, zumal die Performance durchaus bzgl. Passschärfe, Pressing und Gegenpressing und teils auch Laufwegen phasenweise eher besser war als in manchem BL-Spiel, das gewonnen wurde.

Sobald ein Verein auf beiden Flügeln dribbelstarke und durchsetzungsfähige Spieler hat, die dennoch auch nach hinten arbeiten, Kreativspieler nicht für tendenziell überflüssig hält, sondern diese auch richtig einsetzt, und konsequent durch Laufwege und Passspiel die Zwischenräume, die der BVB hinreichend zur Verfügung stellt, bespielt, zeigt sich, dass die BVB-3er-/5er-Kette im Zusammenspiel mit den anderen 5 Spielern defensiv gar nicht so stabil ist, wie sie in der BL erscheint. In der Bundesliga hat der BVB in 9 spielen nur 6 Gegentore hinnehmen müssen, also 0,7 im Durchschnitt pro Spiel, in der Champions League aber 11 in 4 Spielen, also 2,8 Tore im Durchschnitt pro Spiel.

Nach Gegentoren gerechnet ist der BVB 31. der CL, nach erzielten Toren 3. und nach Tordifferenz 11.
Nach Gegentoren gerechnet ist der BVB 2., nach erzielten Toren 7. und nach Tordifferenz 3.

Dieser eklatante Unterschied zeigt, dass der BVB trotz Chancen ins Achtelfinale der CL zu kommen keineswegs auch nur annähernd zu den europäischen Spitzenteams zu rechnen ist.

•     •     •

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; 
aber soviel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.
Georg Christoph Lichtenberg

Dieser Beitrag wurde zuletzt von arche am 07.11.2025 um 16:08 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#5967
07.11.2025 - 17:52 Uhr
Zitat von arche
Zitat von BVBBC


Sehe die Schuld hier nicht so sehr beim 6er, sondern in der grundsätzlichen Problematik mit der 3er Kette. City macht das taktisch nun mal wie eine Spitzenmannschaft, indem sie für Breite sorgen, den Schienenspieler rausziehen, ohne die Überzahl im Zentrum aufzugeben - dort findet zwar eine Rochade statt, indem Reijnders auf RV geht, aber in dem Fall (gab auch noch andere Optionen) Doku füllt wieder auf - und damit effektiv bei uns keine 3er Kette zulassen, um sie sauber aufzunehmen.

Nimmt man mal konkret Gegentor 1: https://youtu.be/lBp_a6wWcJ0?t=121

Wir sind hier vorwärtsorientiert gegen den Ball und Nmecha muss dadurch auch rausschieben, um Gonzalez zu pressen, weil Guirassy und Beier auf die Kette drücken müssten. City überspielt aber seinen eingerückten RV, um direkt nach außen zu kommen, wodurch es für Beier nix zu pressen gibt. Dadurch muss Svensson auf den auf RV rausgerückten Reijnders schieben - City hätte die Rochade auch anders aufziehen können und das Problem wäre dasselbe -, weil der hierfür fehlende 3. ZM eben in der Kette steckt, in Form des 3. IV und Bensebaini erbt somit seinen Gegenspieler, obwohl er eigentlich Foden zugeordnet ist in dem Moment. Dadurch müsste auch Schlotterbeck rausschieben und Foden aufnehmen, womit man aber die Absicherung bzw. den Überzahlspieler in der Kette aufgeben würde, was man vor allem gegen Haland ungern macht, aber vor allem eben auch gar nicht der Idee hinter der 3er Kette entspricht.

Für Bensebaini ist das undankbar. Einerseits ist es schlecht, dass er die Mitte aufmacht, weil es nicht der Idee der 3er Kette entspricht. Andererseits hatte Savinho davor eben schon ein paar Aktionen, weswegen es verständlich ist, dass man ihm nicht den Platz gibt, der da aufgeht. Daher kann man ihm kaum einen Vorwurf machen, weil City es einfach anders spielt und trotzdem für ein Riesenproblem sorgen kann, wenn er sich anders entscheidet. Im Prinzip geht es um die Entscheidung, was größer sein soll: ein individuelles Defizit gegen Savinho oder ein taktisches Defizit, indem Foden vielleicht frei bleibt?

Im Endeffekt erzwingt City von uns eben eine 1gg1 Mannorientierung und daher eine realtaktische 4er Kette, die wir aber aus der 3er Kette einfach nicht schnell genug herleiten können. Die Wege für Svensson und Bensebaini sind zu weit dafür und zentral sind wir darauf eigentlich auch gar nicht ausgelegt. Zu tief ist der Schwerpunkt der 3er Kette, was gegen City gar keine Überraschung ist, aber auch sonst oft gilt. Wir haben dadurch einfach nicht genug Mann, um eine überlagerte Seite aufzunehmen, wobei für Überlagerungen gar nicht viel nötig ist. Das Problem hatten wir schließlich schon am ersten Spieltag gegen Pauli, wegen Sinani, die seitdem nichts hinbekommen. Es bekommen daher eigentlich alle Gegner hin, wenn sie wollen, nur haben es nicht so viele Mannschaften ausgespielt.

Die Schlussfolgerung daraus ist letzendlich, dass man sich gar nicht so sehr mit der Frage beschäftigen darf, ob man mit 4er Kette defensiv so stabil sein kann, sondern vielmehr mit den Fragestellungen dazu, ob die 3er Kette wirklich so stabil ist, wenn sie in eine 4er Kette gezwungen werden kann, die man nicht schnell genug herstellen kann und dann sowieso nicht optimal besetzt bekommt? Was kostet uns die 3er Kette zudem offensiv? Darf es am Ende des Tages so sehr um die defensive Stabilität gehen oder sollte es eigentlich um die Balance im Spiel gehen?


Stimme den von dir aus der Taktik abgeleiteten Insuffizienzen zu, sehe aber in der vorliegenden Szene die individuelle Ausführung taktischer Vorgaben durch einige Spieler deutlich kritischer, sodass mir die Nachteile einer 5er-Kette nicht als Hauptursache des Foden-Tores erscheinen, sondern leider individuelle Unfähigkeiten und kollektives Fehlverhalten eine erhebliche Rolle spielen. Gerade das Foden-Tor zum 1:0 ist kaum Ergebnis der 3er-/5er-Kette.

Der Szene voraus geht ein Steilpass von Foden zwischen Schlotterbeck und Bensebaini hindurch auf Savinho (rechte Außenbahn). Savinho kommt relativ frei am rechten Eck in den Strafraum eindringend (alles aus Sicht von ManCity) zu einem scharfen Flachpass in die Mitte. Der Ball rollt an allen Spielern vorbei (vielleicht von Ryerson noch etwas an Haaland vorbei abgefälscht) links aus dem Strafraum heraus.

Haaland holt sich den Ball und dann baut Manchester von links über die Mitte um den Strafraum herum langsam wieder auf. Die BVB-Fünferkette steht brav aufgereiht an der 16er-Linie. Die anderen 5 - Sabitzer, Nmecha, Adeyemi, Guirassy und Beier - bewegen sich im Raum 10-12 m vor dem Strrafraum bis auf Nmecha nicht eng an einem Spieler. Als González von halblinks auf halbrechts zu Nunes spielt, ist Nmecha einigermaßen eng an Foden (zentral, 6-7 m vor dem 16er) und Bensebaini sehr eng an Reijnders. Nun geschehen mehrere Bewegungen in kurzer Zeit. Beier trabt auf Nunes zu (kein Pressing), Nmecha bleibt in der Nähe hinter Foden, der sich parallel zur 16er-Linie Richtung halbrechts bewegt, Bensebaini bleibt relativ nah hinter Reijnders, der in Richtung des rechten Strafraumecks läuft. Nunes passt auf Savinho auf der rechten Außenbahn, Svensson läuft vorwärtes aus der 5er-Kette heraus Richtung Savinho, Beier rückwärts von Nunes weg ebenso Richtung Savinho, Nmecha verliert Foden ein wenig aus den Augen (beobachtet nur den Ball), Bensebaini landet noch eng hinter Reijnders auf halbrechts auf Höhe des Strafraumecks. Savinho stoppt den Ball, schaut und passt schräg zurück auf Nunes, Beier macht kehrt und trabt (!) wieder Richtung Nunes.

Nun passiert teils zeitgleich, teils hintereinander Folgendes (alles wie bereits in der ganzen Zeit, nachdem sich Haaland auf der linken Außenbahn den durchrollenden Pass von Savinho gesichert hat, in fast gemächlichem Tempo):
- Nunes passt in die Mitte zu Stones.
- Bensebaini gibt die Bewachung von Reijnders auf, Svensson die von Savinho, die 5er Kette ist wieder komplett, nun allerdings 5-6m vor dem Strafraum, Schlotterbeck deckt Haaland, die anderen 4 warten.
- 3 City-Spieler besorgend auf einer Linie ca. 20m vom BVB-16er entfernt den Spielaufbau, die beiden Außen Savinho und Doku halten die volle Breite, 4 City-Spieler Spieler bewegen sich in den Zwischenräumen zwischen BVB-5er-Kette und City-Aufbauspielern nahezu unbedrängt von Sabitzer, Nmecha, Adeyemi, Guirassy und Beier. Haaland ist ins der Nähe der BVB-IV.
- Beier trabt Richtung Ball, also Stones, Guirassy ebenfalls und Nmecha orientiert sich mit seinem Blick und seinem Traben auch in diese Richtung, weil dort auch Gonzalez ist, und verliert folgerichtig Foden völlig aus den Augen.
- Reijnders hat sich auf Höhe des rechten Strafraumecks etwas nach hinten bewegt und ist nun völlig frei.

Bösartig würde man sagen, der BVB spielt eine Alibi-Defensive. Kritisch kann man sagen, dass wenige BVB-Spieler zu merken scheinen, wie sich ManCity langsam (!) den BVB zurechtlegt.

Nun kommen wir zu der Szene, die du verlinkt hast (2-3 Sekunden zu spät, deshalb schildere ich sie):

- Stones spielt nicht nach links, sondern wieder nach rechts, aber nicht auf Nunes auf gleicher Linie, sondern etwas weiter nach vorne auf halbrechts, wo sich der ungedeckte Reijnders befindet.
- Svensson stürmt aus der 5er-Kette heraus, wittert offenbar genügend Gefahr, stoppt aber kurz vor Reijnders ab, sodass dieser Zeit genug hat, den Ball zu stoppen, nochmal anzuticken und dann genau auf den ungedeckten Foden nach links vorne Richtung bZentrum vor dem 16er zu spielen. Nmecha, Beier, Svensson sind aus der Szene raus (Guirassy soundso) und Bensebaini auch, der sich erst nach rechts orientiert, weil er einen Pass auf den von Svensson allein gelassenen Savinho befürchtet.
- Haaland befindet sich kurz vor dem Strafraum zwischen Schlotterbeck und Anton, die die gesamte Zeit das Spielgeschehen beobachten und gemeinsam Haaland bewachen (jeder von beiden mal mehr oder weniger).
- Foden muss gar nicht mal aufdrehen, sondern nur den Ball annehmen, sich drehen, zweimal nach vorne anticken und an Schlotterbeck, der sich beim Pass von Reijnders erst mal nach hinten bewegt, während Haaland richtigerweise weg von Foden und Ball links an Anton vorbei in den Strafraum eindringt. Schlotterbeck, der nun nicht gerade günstig zu Foden und Ball steht, versucht nicht etwa die Schusslinie mit rechtem Fuß oder Bein noch irgendwie zu decken, sondern schafft nur noch ein winziges Schrittchen nach vorne und dreht sich auch noch weg, als der Ball links an ihm vorbei links unten ins Tor fliegt.

https://www.youtube.com/watch?v=lBp_a6wWcJ0&t=114s

Im Grunde ist das kollektives Defensivversagen. In diesem Fall sind ja nicht Svensson oder Bensebaini von Savinho oder auf der anderen Seite Ryerson von Doku ausgespielt worden, was häufig geschehen ist, sondern 10 City-Spieler haben 10 BVB-Spieler vor deren eigenem Strafraum quasi eingeschläfert, ihre langsame, unentschlossene und rein ballfixierte Abwehrarbeit ausgenutzt, sodass im Grunde genommen 4 der 10 City-Spieler das Tor gemacht haben. Stones mit seinem leicht verschärften und leicht offensiveren Pass auf Reijnders, der ihm wegen der unzureichenden Defensivarbeit von Beier, Bensebaini und Svensson ermöglicht wurde, Reijnders mit seinem ebenfalls leicht beschleunigten Pass auf Foden, Haaland mit sehr gutem irritierendem Laufweg und Foden mit einem sehr guten Schuss am indisponierten Schlotterbeck vorbei.



Ich sehe hier kaum eine Grundlage, um das individuelle Verhalten so in den Fokus zu rücken, wie du es machst. Gab es hier schließlich irgendeinen Pressingtrigger, der es erlaubt hätte aus den tiefen Positionen aggressiver und mit höherer Intensität rauszurücken oder wurde hier schlicht nur verlangt zu verschieben? Ich denke Letzteres ist eindeutig der Fall.

Beim Verschieben gibt es aber ein eindeutiges Problem in der Zuordnungsthematik, das an sich sogar schon zu Beginn der Szene auffällt, weil Beier den weiten Weg zurück machen muss, um Reijnders mit aufzunehmen. Einen nominellen Mittelfeldspieler, für den es wegen des 2er Zentrums keinen direkten Gegenspieler gibt. Deswegen ist Nmecha bei Foden und Sabitzer bei Doku. Dadurch hat der BVB links auch eine Überzahl und Nunes geht nicht mit, sondern nur entgegen und bleibt effektiv trotzdem tief als Teil für einen Neuaufbau. Er kommt an den Ball, also muss hier rausgerückt werden. Es gibt weiterhin keinen Pressingtrigger. Mehr als Verschieben ist daher nicht verlangt.

Rücken hier Beier und Nmecha nicht raus, würde Guirassy schließlich ins Rondo genommen und City hätte im Aufbau massig Platz, könnte hinter die erste Pressinglinie spielen und dann müsste trotzdem rausgerückt werden, aber mit nachteilhafteren Ausgangspositionen, weil City dann durchaus schon Tempo aufnehmen könnte. Das Risiko gegenläufiger Bewegungen würde somit noch mehr steigen. Dass Beier nach Pass zu Stones dann sowohl zu Nunes als auch zu Gonzalez Bindung sucht, um Optionen aufzubauen den Einen oder Anderen anzulaufen, wenn der Pass dorthin geht, ist taktisch komplett richtig und in der Intensität kein Fehlverhalten, weil es schlicht keine Grundlage bzw. keinen Sinn für mehr Intensität gab. Es gab kollektiv keinen Ansatz, wie man hier erfolgreich ins Pressing kommen kann. Bindung suchen reicht daher vollkommen und man kann höchstens darüber streiten, ob der Deckungsschatten zu Reijnders größer hätte ausfallen müssen.

Auch Nmecha hat genug Mann hinter sich, die Foden aufnehmen können, sodass er nicht tief bleiben muss, sondern ebenfalls die Bindung zu Gonzalez suchen, um die Aufdrehbewegung zu verhindern. Die hätte Beier nicht verhindern können, wenn er sowieso schon Bindung zu 2 Gegenspielern suchen muss und noch den Deckungsschatten auf einen 3. werfen sollte. Dabei ist das durchaus eine Gefahr, weil Guirassy Gonzalez nicht gut in den Deckungsschatten nimmt. Könnte Gonzalez aufdrehen, bestünde daher die Gefahr, dass er und Foden Nmecha ins 1gg2 nehmen und Schlotterbeck als direkter Haland Gegenspieler ohne Hilfe dasteht, wodurch es streng genommen eine 2gg3 Unterzahl direkt am Strafraum wäre, mit reichlich Platz für einen Pass in die Tiefe. Nmecha muss daher Bindung zu Gonzalez suchen, um bei etwaiger Ballannahme Druck aufbauen zu können. Logischerweise muss er dafür von Foden ablassen.

Was wir hier sicher nicht gut machen: zu viele Spieler beißen an, dass City mit dem Pass zu Stones die Seite verlagert. Stones macht das aber gut, indem er aufdreht und doch wieder links rausspielt. Daher kann man durchaus argumentieren, dass Nmecha hier vielleicht früher schon einen Schritt von Foden weg und zu Gonzalez hinmachen muss, wobei er dann auch wieder Risiko eingeht, dass der Deckungsschatten auf Foden zu klein ist und Stones dann doch wieder einen Passwinkel auf Foden bekommt. Ich halte es aber eh nicht für kriegsentscheidend, da es für Gonzalez so auch eng genug geworden wäre. Einerseits wegen Beier, andererseits dauert das Aufdrehen halt auch einen Moment, wodurch Nmechas Distanz hierfür normalerweise kein Problem sein sollte, weil rechtzeitig überbrückbar. Nmecha wäre daher zwar nicht bei etwaiger Ballannahme dran gewesen, aber nach dem Aufdrehen, das es zu verhindern galt. Nur dadurch wird der Pass auf Foden über Gonzalez verhinderbar.

Kritischer an der Spekulation auf die Seitenverlagerung ist dann schon eher, dass wir Reijnders komplett außer acht lassen. Und das ist in meinen Augen überhaupt kein Problem in Sachen Intensität oder gar eines oder mehrerer individueller Fehlverhalten, sondern eine taktische Problematik. Warum bricht Stones schließlich die Seitenverlagerung ab? Ganz einfach: der BVB hat hier eine 3gg2 Überzahl gegen Doku und O'Reilly. Es gibt daher keinen guten Grund dort reinzuspielen, gerade weil Doku schnell genug eng gestellt wurde von Sabitzer und beide Spieler nicht in den Positionen sind, in denen sie am meisten Gefahr heraufbeschwören können. Darum machen wir Stones die richtige Entscheidung relativ einfach.

Es erklärt aber noch nicht wirklich, warum wir Reijnders vergessen. Zwar ist klar, dass wir eine Überzahl auf der ballfernen Seite zwangsläufig mit einer Unterzahl an anderer Stelle bezahlen, aber die Unterzahl hatten wir eben vorne im Anlaufen und nicht per se auf unserer linken Abwehrseite. Das ist ein glasklares Zuordnungsproblem in meinen Augen, das es bei 4er Kette nicht gegeben hätte. Denn das Problem der 3er Kette ist doch hier, dass LSS und LIV den Job des LV einer 4er Kette übernehmen. Sie besetzen denselben Raum, weil per se keiner der Beiden für Reijnders - oder im Zweifel auch für Nunes, wäre er an der Stelle, wo er normal ja auch zu erwarten wäre - zuständig ist. Es ist nun mal der 3. IV, der den 3. ZM kostet, der hier fehlt, um entweder Beier außen zu behalten gegen den RV bzw. den ZM, der in diese Position rochiert, weil mit 4er Kette normal nicht mit dem OA angelaufen wird, sondern dem 10er bzw. offensiven 8er. Beier macht daher hier den Job für den Spieler der systembedingt fehlt und Bensebaini und Svensson haben keinen klaren Auftrag gegen Reijnders. Bensebaini soll nach innen absichern, Svensson ist grundsätzlich Savinho zugeordnet. Der Spieler, der Reijnders zugeordnet sein sollte, füllt für einen Spieler auf, der nun benötigt wird, aber schlicht nicht existiert.

Nur durch den offenen Reijders gerät der BVB dann aber schon in Rotation. Svensson muss rausrücken, als nächster Mann, schafft dafür auch einen großen Deckungsschatten auf Savinho, dessen sich Bensebaini aber nicht sicher sein kann. Würde Svensson schließlich aggressiv durchgehen, kann er auch schnell aussteigen, wie ein Bulle gegen einen geübten Torero. Daher muss er hier auch wieder Tempo rausnehmen. Durch die Grundsituation ist nun Foden eben frei und natürlich kann man kritisieren, dass Nmecha und Schlotterbeck dann schneller reagieren könnten, um die Gefahr durch Foden zu bannen, indem sie schnell zu ihm schieben, aber City spielt das dann so schnell, dass ich bezweifel, dass sie noch ernsthaft in den Zweikampf gekommen wären. Schlotterbeck wird aber kaum schnell genug die Übergabe von Haland an Anton hinbekommen, weswegen ich ihn da nicht in der Pflicht sehe, gerade weil man eben kollektiv so auf die Seitenverlagerung angebissen hatte, während ich bei Nmecha das Problem sehe, dass er selbst wenn er schneller reagiert, Foden nicht vernünftig stellen hätte können. Foden hätte - aus seiner Sicht - schlechtestenfalls wohl nur ein Foul gezogen, indem er Nmecha auflaufen hätte lassen, sofern der ihn nochmal einholt.

Dass man zurückweicht, halte ich auch für richtig, um Nmecha und Bensebaini Zeit zu geben, um wieder zur Hilfe zu kommen, weil der Distanzschuss eigentlich immer noch die schlechteste Chance ist, die man nach Ballannahme von Foden zugelassen hat. Foden zögert aber nicht und trifft den Ball sehr gut, wodurch man die Zeit nicht bekommt, die man mit dem Zurückweichen generieren wollte und beim Rausrücken ist dann auch nichts mehr zu machen, weil man dafür allgemein zu tief stand. Deswegen hatte Foden eben auch so viel Platz.

Was mir individuell am ehesten nicht gut gefällt: Ryerson muss keine so tiefe Position halten, sondern kann versuchen früher einen Tick höher zu schieben, um schneller Bindung zu O'Reilly oder Doku zu finden, je nachdem, wie man es mit Adeyeim machen möchte und Bensebaini muss nicht so weit nach außen schieben. Das sind aber eher Details und sicher keine schwerwiegenden Fehler. Dazu verschiebt Adeyemi nicht wirklich mit, was aber wohl gewollt ist, weil er trotzdem eine Position hält, mit der er Ryerson als auch Sabitzer schnell unterstützen könnte, während Guirassys initialer Lauf so ausgelegt war, dass er bei Pass auf Gvardiol auf ebendiesen durchlaufen könnte, wodurch dann eben auch der Deckungsschatten auf Gonzalez suboptimal war. Man kann daher leicht vermuten, dass ein Pass links raus einen Pressingtrigger für den BVB ergeben hätte. Offenbar aber auch zu leicht für City zu vermuten, weswegen es nicht nur fehlgeschlagen ist, sondern nach hinten losging. Von dem her gibt es beim individuellen Verhalten in meinen Augen zwar durchaus Dinge, die ich gerne etwas anders sehen würde, aber die letztendlich in der geschehenen Umsetzung nicht falsch waren.



Man muss auch fragen, welche Videos oder anderen Informationen den BVB-Spielern über City-Spieler gegeben wurden oder auch welche bei ihnen überhaupt angekommen sind. Haaland nicht aus den Augen zu lassen scheint die einzige wirklich bei ihnen angekommene Info zu sein, aber die ist banal. Von Reijnders als sehr geschicktem (über den ganzen Platz agierenden) Kreativ- und (!) Defensivspieler inkl. Torgefährlichkeit scheinen sie noch nichts gehört zu haben, geschweige denn von Fodens Linksfuß. Nmecha darf sich nicht erst für Foden verantwortlich fühlen und ihn dann nicht mehr beachten, es sei denn einer aus der 5er-Kette hätte Foden übernommen, was aber nicht geschah. Reijnders so ohne jeden Druck wegschleichen und dann passen zu lassen, ist Fehler der linken Abwehrseite des BVB, also von Svensson, Bensebaini und Beier.

Sorry, habe mich erst einmal zwei Tage zurückgehalten und brav die Statistik abgeliefert, aber was der BVB da gespielt hat, zeigt noch einmal die Begrenztheit des Kaders und des Kovacschen Ansatzes, zumal die Performance durchaus bzgl. Passschärfe, Pressing und Gegenpressing und teils auch Laufwegen phasenweise eher besser war als in manchem BL-Spiel, das gewonnen wurde.

Sobald ein Verein auf beiden Flügeln dribbelstarke und durchsetzungsfähige Spieler hat, die dennoch auch nach hinten arbeiten, Kreativspieler nicht für tendenziell überflüssig hält, sondern diese auch richtig einsetzt, und konsequent durch Laufwege und Passspiel die Zwischenräume, die der BVB hinreichend zur Verfügung stellt, bespielt, zeigt sich, dass die BVB-3er-/5er-Kette im Zusammenspiel mit den anderen 5 Spielern defensiv gar nicht so stabil ist, wie sie in der BL erscheint. In der Bundesliga hat der BVB in 9 spielen nur 6 Gegentore hinnehmen müssen, also 0,7 im Durchschnitt pro Spiel, in der Champions League aber 11 in 4 Spielen, also 2,8 Tore im Durchschnitt pro Spiel.



Diesen Absatz unterschreibe ich komplett. Die defensive Stabilität, von der häufig die Rede ist, ist nicht individuell begründet, sondern durch Strength in Numbers! Was passiert, wenn die Überzahl fehlt oder schlicht nicht herstellbar ist, konnte letztendlich nicht nur diese Szene gut zeigen. Entsprechend viel Gefahr geht eben auch von Spielern aus, die gegen uns klug überlagern können oder Stärken darin haben sich 1gg1 durchzusetzen, wo wir am wenigsten Mannstärke verorten können - in der Regel auf dem Flügel, weil wir den fehlenden ZM über die OA zu kompensieren versuchen, wie auch hier geschehen. Das Problem am Konzept ist also, dass die Überzahl nie ballfern sein darf, was aber nur schwer zu verhindern ist, wenn man auf Dauer zu wenig defensive 1gg1 Qualität hat - vor allem auf Grund der Tempodefizite - oder dahingehend zumindest ausgestochen wird, was vor allem gegen schnelle, bewegliche Spieler passiert.



Nach Gegentoren gerechnet ist der BVB 31. der CL, nach erzielten Toren 3. und nach Tordifferenz 11.
Nach Gegentoren gerechnet ist der BVB 2., nach erzielten Toren 7. und nach Tordifferenz 3.

Dieser eklatante Unterschied zeigt, dass der BVB trotz Chancen ins Achtelfinale der CL zu kommen keineswegs auch nur annähernd zu den europäischen Spitzenteams zu rechnen ist.


CL und Liga zu vergleichen ist schwierig. Hier entsteht durch die Unterschiede in der Herangehensweise nun mal schon automatisch immer irgendeine Diskrepanz. In der CL spielt man nun mal gegen die besten Mannschaften eines Landes, in der Bundesliga deutlich seltener. Das mag dabei qualitativ oft keinen Unterschied machen, aber die Herangehensweise von Topmannschaften in einer Liga sind nun mal in aller Regel eine andere als von einem durchschnittlichen Bundesligisten mit derselben Qualität. Dass wir bislang in der Bundesliga daher defensiv so wenig Probleme bekommen haben, liegt auch daran, dass meines Erachtens die Liga nur langsam auf Trends reagiert, wie einer gegnerischen Mannschaft beizukommen ist. Wenn allerdings die Angriffsvektoren häufig genug aufgezeigt wurden, lernen die Teams es irgendwann doch und implementieren es dann doch passend zu ihren jeweiligen Möglichkeiten. Daraus entstehen dann in aller Regel Ergebniskrisen, derer wir uns allein deshalb schon nicht erwehren könnten, weil uns die vermeintliche defensive Stabilität bereits jetzt verdammt viel Offensivkraft kosten lassen. Somit ist die Defensive, allein schon am Aufwand gemessen, nicht stabil genug.
BVB - Taktik-Thread |#5968
07.11.2025 - 20:16 Uhr
Ich würde mir wünschen dass wir mal wieder mehr und unterschiedliche Systeme spielen! Aktuell spielen wir stumpf unser system runter !
Ein 4-2-3-1 könnte bei uns wieder sehr gut funktionieren!

Besonders mit dem Hintergrund dass beim aktuellen System unseren Schienenspieler komplett das Tempo fehlt

•     •     •

#echte Liebe
BVB - Taktik-Thread |#5969
08.11.2025 - 20:16 Uhr
Zitat von Sniffer86

Ich würde mir wünschen dass wir mal wieder mehr und unterschiedliche Systeme spielen! Aktuell spielen wir stumpf unser system runter !
Ein 4-2-3-1 könnte bei uns wieder sehr gut funktionieren!

Besonders mit dem Hintergrund dass beim aktuellen System unseren Schienenspieler komplett das Tempo fehlt


Das gute, alte 4231 würde mir auch gefallen! Muss der Kader doch eigentlich auch hergeben.

Beier ist dann etwas überflüssig, da nicht für die offensiven außen geeignet und ganz vorne wohl nur Stürmer Nr. 3. Couto ist evtl. auch zu defensivschwach für RV in einer 4erkette. Da stellt sich mir die Frage, ob man Beier nicht zum Ryerson Backup umschulen kann und Couto dafür weiter vorne einsetzt. Pisczek, Grosskreutz und Durm waren auch mal Offensivspieler und haben es letztendlich gut gemacht. Und wenn es nicht klappt, kann man im Notfall eben doch Couto oder vielleicht auch Anselmino mal auf rechts stellen.

Auf LV kann man mit Bensebaini und Svensson ins Rennen gehen. Kabar macht es zuletzt in der 2ten aber auch sehr gut. Gibt man ihm eine Chance, könnte man Svensson auch auf die Doppel-6 ziehen. Fände ich spannend zusammen mit Nmecha oder Bellingham

Für Duranville und Campbell ergeben sich theoretisch auch Chancen auf Einsätze, wenn Kovac sie denn einsetzen würde. Aus meiner Sicht sollten das die ersten Alternativen für die offensiven Außen sein. Wenn man invers spielt z.B links Couto/Duranville/Brandt und rechts Adeyemi/Campbell.

Aber gut, Kovac wird sowieso nichts ändern.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von HaegiBVB am 08.11.2025 um 20:18 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#5970
10.11.2025 - 00:16 Uhr
Mal eine Frage in die Runde an alle, die hier Taktik und Systeme gerne analysieren.

Mal im ernst: was ist unser Plan derzeit nach einer Führung?

Wieso wird das Fußballspielen eingestellt und man lädt einen Gegner, den man vorher ganze Zeit gedrückt hat ein sich stückweise Spielanteile zu holen?

Also gegen den doch sehr schwachen HSV waren wir ja bis zum Treffer am Drücker und es gab gelegentlich Entlassungsangriffe/konter, man hat viel Ballbesitz und lässt den Gegner laufen ergo man kontrolliert das Spiel. Das ist jetzt nicht das erste Mal, dass wir aber nach einer Führung aufhören zu spielen, vielmehr sogar das gesamte Herangehen verändern und dem Gegner sukzessive mehr Räume und Spielanteile geben sorgt doch zwangsläufig für ein Spiel, wie gegen den HSV jetzt.

Ist ja nicht so als müsste man nach einem Treffer zwangsläufig was ändern, die Bayern spielen doch nach einem 1:0 in der Regel auch nicht auf absichern und bunkern. Es sei denn man macht in der 85+ Minute in einem ausgeglichenen Spiel einen glücklichen Treffer o.ä.

Das war jetzt sowohl gegen Köln, Augsburg und HSV immer dasselbe Prozedere, aber ich erkenne einfach die Idee oder den Plan dahinter nicht.

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