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Fanszene

31.01.2011 - 16:49 Uhr
Fanszene |#2381
12.12.2023 - 07:53 Uhr
Zitat von HerrThaner
Zitat von Pal1975

Zahlreiche Professoren, Wissenschaftler und Ärzte warnen deutlich davor...


Du wirst immer den einen Professor oder Arzt finden, auf den du dich berufen kannst, um deiner eigenen Meinung mehr Bedeutung zukommen zu lassen - machen Klimawandelleugner nicht anders. In Sachen Drogenpolitik ist es aber mittlerweile im "Mainstream" der Wissenschaft angekommen und größtenteils Konsens, dass Kriminalisierung kontraproduktiv war und ist und Legalisierung mit klaren Regeln und verbesserter Aufklärung der deutlich fortschrittlichere und vielversprechendere Weg ist.

Und nur auf ähnliche Weise wirst du auch dem Pyroproblem her werden - wenn man es denn als Problem sieht. Klare Regeln für das Abbrennen von bestimmten Pyrofackeln in bestimmten Zonen.
Oder man verbietet halt artig weiter, regt sich Woche für Woche aufs Neue auf und schickt die Polizei in unschöner Regelmäßigkeit mit Pfefferspray und Schlagstock in den Block, weil denen wieder ein wenig zu langweilig ist.


Also, ich weiß nicht ob du das alles so gut einschätzen kannst, aber unterhalte dich mal mit Verantwortlichen einer Drogenberatung. Die werden dir mal ein ganz anderes Bild abgeben. Eine Legalisierung von Drogen ist das Tor für ein ungeahntes Ausmaß an Drogentoten und schwereren Verläufen von Suchtkranken. Damit erleichterst du den Einstieg in die Drogensucht und die Probleme werden gesellschaftlich deutlich ansteigen.

Was deine Meinung über die Polizei betrifft kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Niemand sprüht Pfefferspray oder schlägt mit dem Schlagstock mal nur eben so, weil man Spaß hat irgendwelche Chaoten zu verletzten. Solche Dinge sind Auswirkungen von zuvor gezeigten Aggressionen gegen die Polizei und geht nicht von der Polizei aus. Und jeder der sich nochmal und an die Regeln hält, hat diesbezüglich überhaupt nichts zu befürchten. Wenn es dann mal zu Ausschreitungen mit der Polizei kommt, kommt es natürlich auch mal dazu, dass ein Außenstehender betroffen ist, wenn er sich unmittelbar in der Masse befindet. Das lässt sich nicht vermeiden.
Fanszene |#2382
12.12.2023 - 08:52 Uhr
Zitat von Pal1975
Zitat von HerrThaner

Zitat von Pal1975

Zahlreiche Professoren, Wissenschaftler und Ärzte warnen deutlich davor...


Du wirst immer den einen Professor oder Arzt finden, auf den du dich berufen kannst, um deiner eigenen Meinung mehr Bedeutung zukommen zu lassen - machen Klimawandelleugner nicht anders. In Sachen Drogenpolitik ist es aber mittlerweile im "Mainstream" der Wissenschaft angekommen und größtenteils Konsens, dass Kriminalisierung kontraproduktiv war und ist und Legalisierung mit klaren Regeln und verbesserter Aufklärung der deutlich fortschrittlichere und vielversprechendere Weg ist.

Und nur auf ähnliche Weise wirst du auch dem Pyroproblem her werden - wenn man es denn als Problem sieht. Klare Regeln für das Abbrennen von bestimmten Pyrofackeln in bestimmten Zonen.
Oder man verbietet halt artig weiter, regt sich Woche für Woche aufs Neue auf und schickt die Polizei in unschöner Regelmäßigkeit mit Pfefferspray und Schlagstock in den Block, weil denen wieder ein wenig zu langweilig ist.


Also, ich weiß nicht ob du das alles so gut einschätzen kannst, aber unterhalte dich mal mit Verantwortlichen einer Drogenberatung. Die werden dir mal ein ganz anderes Bild abgeben. Eine Legalisierung von Drogen ist das Tor für ein ungeahntes Ausmaß an Drogentoten und schwereren Verläufen von Suchtkranken. Damit erleichterst du den Einstieg in die Drogensucht und die Probleme werden gesellschaftlich deutlich ansteigen.

Was deine Meinung über die Polizei betrifft kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Niemand sprüht Pfefferspray oder schlägt mit dem Schlagstock mal nur eben so, weil man Spaß hat irgendwelche Chaoten zu verletzten. Solche Dinge sind Auswirkungen von zuvor gezeigten Aggressionen gegen die Polizei und geht nicht von der Polizei aus. Und jeder der sich nochmal und an die Regeln hält, hat diesbezüglich überhaupt nichts zu befürchten. Wenn es dann mal zu Ausschreitungen mit der Polizei kommt, kommt es natürlich auch mal dazu, dass ein Außenstehender betroffen ist, wenn er sich unmittelbar in der Masse befindet. Das lässt sich nicht vermeiden.


Als jemand der in dem genannten Bereich kurzfristig gearbeitet hat kann ich das in keinster Weise bestätigen, was du hier sagst. Das Gegenteil ist nach meiner persönlichen Erfahrung der Fall, gerade in den Suchtstationen und Kliniken wird ausdrücklich die Legalisierung in Kombination mit Aufklärung befürwortet, da der Gebrauch von Drogen eben nicht zwangsläufig in die Abhängigkeit führt, sondern der Missbrauch. Das sehen wir ja auch in anderen Staaten, die Rauschmittelgebrauch entkriminalisiert haben (z.B. Teile Spaniens, Portugal, USA, etc.). Eine weitere Stigmatisierung Abhängiger führt nur zu fehlender gesellschaftlicher Auseinandersetzung mit den Folgen der Sucht. An dieser Stelle hilft ein Blick nach München, wo die Obdachlosen sich in den U-Bahnschächten zum Sterben zurückziehen, weil sie an der Oberfläche nicht geduldet werden. Mit Menschenwürde hat das nichts zutun und mit medizinischer Versorgung Suchtkranker erst recht nicht.

Und bzgl. der Polizei: Seit ich mich mit einer Freundin (Schutzpolizei) unterhalten habe, die mir von dem „mindset“ der Hundertschaft in der die gearbeitet hat, erzählt hat, kann ich deine These nicht bestätigen. Da wurden die besten Tipps zum draufkloppen ausgetauscht (schön so, dass man die blauen Flecken nicht sieht). Bilder aus Hamburg von vor wenigen Wochen beweisen, wie wahllos Pfefferspray in die Blöcke beim Spiel von Pauli gegen Hannover gesprüht wurde, etc.


Die Polizei ist ein notwendiges Instrument des Rechtsstaats und eine grundsätzliche Ablehnung dieser führt zu fehlender Durchsetzung des Gesetzes. Dennoch gibt es in der deutschen Polizei große Missstände, diese zu verschweigen ist nicht hilfreich.

Das geht aber langsam sehr in den Offtopic rein und hat nur noch begrenzt etwas mit unserer Fanszene zutun.
Fanszene |#2383
12.12.2023 - 11:57 Uhr
Zitat von Pal1975
Zitat von Rumkugel

Zitat von vanscap

I

Natürlich sind Fackeln, die 200 Grad heiß sind, nicht ungefährlich. Sie sind dennoch weniger gefährlich, als eine herkömmliche Fackel, die 2000 Grad erreicht. Das heißt nicht, dass das bereits das Level ist, auf dem legalisiert werden muss, zeigt aber, dass es Fortschritte auf dem Weg zu gefahrfreiem Einsatz von Pyrotechnik geben kann. Um diese weiter zu fördern, sollte man meiner Meinung nach gemeinsam daran arbeiten, da nur so eine sichere Stadionatmosphäre zu gewährleisten ist.


Für mich persönlich liegt doch da allein schon der springende Punkt. "eine sichere Stadionatmosphäre" kann doch auch jetzt schon gewährleistet werden. Dazu bedarf es lediglich, dass jeder sich an die aktuellen Regelungen hält und auf Pyro im Stadion verzichtet. Aber einige wenige meinen sich darüber hinweg setzen zu müssen. Eine Gesellschaft funktioniert nur durch Kompromisse. Der erzielte Kompromiss ist die Stadionsicherheit, was wird dafür geopfert? Die Pyros. (Dazu zählen auch Rauchbomben , Böller, Raketen, etc.) Das ist ein akzeptabler Kompromiss. Wieso sollte man von diesen abrücken? Nur weil einige das nicht einsehen wollen? Wegen der Optik? Wie willst du bei Rauchbomben "sichere Zonen" schaffen? Das ist alles Wunschdenken und in meinen Augen unnötiger. Gute Stimmung hängt nicht zwangsläufig an Pyro. Aber Pyro zeigt das Hauptinteresse der Protagonisten: Selbstinszenierung. Und das auf Kosten von anderen (Verein, anderen Zuschauern, etc.).
Und in meinen Augen wirst du nie einen tragfähigen Kompromiss mit Pyros hinbekommen, denn es wird genug Hohlköpfe geben, die selbst diese nicht akzeptieren und wieder über die Stränge schlagen. Was machst du dann?
Und wieso geht das in anderen Sportarten? Wieso gibt es diese Auswüchse gefühlt nur im Fußball? Wieso können sich Fans anderer Sportarten benehmen?


Genauso sehe ich es auch. Warum gibt es in anderen Sportarten nicht solche Probleme wie beim Fußball?

Solange es genügend Chaoten im Fußball gibt, würde ich denen keinerlei Zugeständnisse machen. Dann sollte man eher strenger durchgreifen und diesen Chaoten deutlich machen, dass ein Stadion für ihren Mist nicht zur Verfügung steht und diese dauerhaft des Stadions verweisen. Solche Chaoten braucht niemand im Stadion, die sich als Fan beschreiben, aber eigentlich alles andere sind, denn sie schaden eher dem Verein als ihm gutes zu tun. Sie fallen permanent durch Gewalt und Fehlverhalten auf, die dem Verein nur Unkosten bereiten. Ohne diese Chaoten bedarf es auch überhaupt keiner Polizei im Stadion, die Fanlager voneinander trennen oder eben Ausschreitung unterbinden muss. Dies geht doch ausschließlich von diesen Chaoten aus, die meinen im Stadion können sie machen was sie wollen und hinterher sind immer alle anderen Schuld. Es ist doch mittlerweile schon so, dass man als Familienvater sich genau überlegen muss zu welchem Spiel man seine Kinder mitnehmen kann und zu welchen nicht. Das finde ich absolut traurig, denn sowas sollte es überhaupt nicht geben und irgendwie spitzt sich das Ganze seit Jahren immer mehr zu, weil diese Chaoten immer mehr Macht in den Vereinen erhalten oder aber einfach sich immer wieder über die Regeln hinwegsetzen. Hier müssen die Vereine und der Rechtsstaat endlich klare Kante ziehen, sonst haben wir demnächst wieder chaotische Verhältnisse wie in den 70er oder 80er und der Fußball wird völlig zur Nebensache. Ich möchte solche Verhältnisse nicht haben und möchte ins Stadion, ein gutes und friedliches Spiel sehen und Spaß haben ohne Gewalt und ohne diese Chaoten.


Ich kann die Sorgen gerade von Familien durchaus verstehen, aber für mich klingt das "es wird immer unsicherer" ein wenig nach gefühlter Wahrheit. Ich habe leider keine belastbaren Zahlen gefunden, aber sowohl SWR als auch Stern berichteten anekdotisch von einer gesunkenen Zahl von Straftaten im Zusammenhang mit Bundesligaspielen. Auch die Zahl gewaltbereiter Fans stagniert seit ca. einem Jahrzehnt auf einem ähnlichen Niveau.

Ich denke, dass @vanscap hier mE. die realistischste Einschätzung hat. Ähnlich wie bei der Drogenkriminalität gibt es verständlicherweise unterschiedliche Meinungen zur "Legalisierung" bzw. Duldung von Pyro. Wenn wir aber überlegen, wie wir in der Realität wirklich am ehesten ein sicheres Stadion erreichen, dann wird man zugeben müssen, dass das strikte Verbot der letzten Jahrzehnte mit teils drakonischen Strafen nicht erfolgreich war. Man kann jetzt natürlich weiter an der Daumenschraube drehen und die Strafen und Kontrollen erhöhen, gerade genauere Kontrollen sind allerdings auch nachteilig für alle Fans. Ich halte dieses Vorgehen für wenig sinnvoll, da sich gezeigt hat, dass es einen Anteil von Fans gibt, die eben auch schwere Strafen riskieren, um Fackeln etc. in den Block zu schmuggeln.

Alternativ könnte man auch versuchen mit den Vertretern der aktiven Fanszenen eine Kompromisslösung zu finden. Auch daran wird sich in Zukunft nicht jeder halten, aber gerade größere Ultragruppierungen würden die Möglichkeit denke ich schon nutzen, je nachdem wieviel Freiheit ihnen eingeräumt wird.

Im Endeffekt ist halt die Frage, ob man die Politik an den Idealvorstellungen oder an der Realität ausrichten will. Ich denke, hier würde es Sinn machen, sich der Realität der Pyroverbrechen zu stellen und einen Kompromiss zu suchen, der die Situation schnellstmöglich für alle Parteien akzeptabler macht. Da muss man dann halt mal pragmatisch sein, auch wenn es nicht den eigenen Forstellungen entspricht. Pyro aus dem Stadion verbannen werden wir wohl nie hinkriegen, dafür scheint es mittlerweile zu sehr verankert in den Vorstellungen vieler aktiver Fans.

Ach ja, und das Problem tritt natürlich in anderen Sportarten auf. Guck dir mal ein Basketballspiel in Serbien an.
Fanszene |#2384
12.12.2023 - 14:22 Uhr
Zitat von AbuDardai
Zitat von Pal1975

Zitat von Rumkugel

Zitat von vanscap

I

Natürlich sind Fackeln, die 200 Grad heiß sind, nicht ungefährlich. Sie sind dennoch weniger gefährlich, als eine herkömmliche Fackel, die 2000 Grad erreicht. Das heißt nicht, dass das bereits das Level ist, auf dem legalisiert werden muss, zeigt aber, dass es Fortschritte auf dem Weg zu gefahrfreiem Einsatz von Pyrotechnik geben kann. Um diese weiter zu fördern, sollte man meiner Meinung nach gemeinsam daran arbeiten, da nur so eine sichere Stadionatmosphäre zu gewährleisten ist.


Für mich persönlich liegt doch da allein schon der springende Punkt. "eine sichere Stadionatmosphäre" kann doch auch jetzt schon gewährleistet werden. Dazu bedarf es lediglich, dass jeder sich an die aktuellen Regelungen hält und auf Pyro im Stadion verzichtet. Aber einige wenige meinen sich darüber hinweg setzen zu müssen. Eine Gesellschaft funktioniert nur durch Kompromisse. Der erzielte Kompromiss ist die Stadionsicherheit, was wird dafür geopfert? Die Pyros. (Dazu zählen auch Rauchbomben , Böller, Raketen, etc.) Das ist ein akzeptabler Kompromiss. Wieso sollte man von diesen abrücken? Nur weil einige das nicht einsehen wollen? Wegen der Optik? Wie willst du bei Rauchbomben "sichere Zonen" schaffen? Das ist alles Wunschdenken und in meinen Augen unnötiger. Gute Stimmung hängt nicht zwangsläufig an Pyro. Aber Pyro zeigt das Hauptinteresse der Protagonisten: Selbstinszenierung. Und das auf Kosten von anderen (Verein, anderen Zuschauern, etc.).
Und in meinen Augen wirst du nie einen tragfähigen Kompromiss mit Pyros hinbekommen, denn es wird genug Hohlköpfe geben, die selbst diese nicht akzeptieren und wieder über die Stränge schlagen. Was machst du dann?
Und wieso geht das in anderen Sportarten? Wieso gibt es diese Auswüchse gefühlt nur im Fußball? Wieso können sich Fans anderer Sportarten benehmen?


Genauso sehe ich es auch. Warum gibt es in anderen Sportarten nicht solche Probleme wie beim Fußball?

Solange es genügend Chaoten im Fußball gibt, würde ich denen keinerlei Zugeständnisse machen. Dann sollte man eher strenger durchgreifen und diesen Chaoten deutlich machen, dass ein Stadion für ihren Mist nicht zur Verfügung steht und diese dauerhaft des Stadions verweisen. Solche Chaoten braucht niemand im Stadion, die sich als Fan beschreiben, aber eigentlich alles andere sind, denn sie schaden eher dem Verein als ihm gutes zu tun. Sie fallen permanent durch Gewalt und Fehlverhalten auf, die dem Verein nur Unkosten bereiten. Ohne diese Chaoten bedarf es auch überhaupt keiner Polizei im Stadion, die Fanlager voneinander trennen oder eben Ausschreitung unterbinden muss. Dies geht doch ausschließlich von diesen Chaoten aus, die meinen im Stadion können sie machen was sie wollen und hinterher sind immer alle anderen Schuld. Es ist doch mittlerweile schon so, dass man als Familienvater sich genau überlegen muss zu welchem Spiel man seine Kinder mitnehmen kann und zu welchen nicht. Das finde ich absolut traurig, denn sowas sollte es überhaupt nicht geben und irgendwie spitzt sich das Ganze seit Jahren immer mehr zu, weil diese Chaoten immer mehr Macht in den Vereinen erhalten oder aber einfach sich immer wieder über die Regeln hinwegsetzen. Hier müssen die Vereine und der Rechtsstaat endlich klare Kante ziehen, sonst haben wir demnächst wieder chaotische Verhältnisse wie in den 70er oder 80er und der Fußball wird völlig zur Nebensache. Ich möchte solche Verhältnisse nicht haben und möchte ins Stadion, ein gutes und friedliches Spiel sehen und Spaß haben ohne Gewalt und ohne diese Chaoten.


Ich kann die Sorgen gerade von Familien durchaus verstehen, aber für mich klingt das "es wird immer unsicherer" ein wenig nach gefühlter Wahrheit. Ich habe leider keine belastbaren Zahlen gefunden, aber sowohl SWR als auch Stern berichteten anekdotisch von einer gesunkenen Zahl von Straftaten im Zusammenhang mit Bundesligaspielen. Auch die Zahl gewaltbereiter Fans stagniert seit ca. einem Jahrzehnt auf einem ähnlichen Niveau.

Ich denke, dass @vanscap hier mE. die realistischste Einschätzung hat. Ähnlich wie bei der Drogenkriminalität gibt es verständlicherweise unterschiedliche Meinungen zur "Legalisierung" bzw. Duldung von Pyro. Wenn wir aber überlegen, wie wir in der Realität wirklich am ehesten ein sicheres Stadion erreichen, dann wird man zugeben müssen, dass das strikte Verbot der letzten Jahrzehnte mit teils drakonischen Strafen nicht erfolgreich war. Man kann jetzt natürlich weiter an der Daumenschraube drehen und die Strafen und Kontrollen erhöhen, gerade genauere Kontrollen sind allerdings auch nachteilig für alle Fans. Ich halte dieses Vorgehen für wenig sinnvoll, da sich gezeigt hat, dass es einen Anteil von Fans gibt, die eben auch schwere Strafen riskieren, um Fackeln etc. in den Block zu schmuggeln.

Alternativ könnte man auch versuchen mit den Vertretern der aktiven Fanszenen eine Kompromisslösung zu finden. Auch daran wird sich in Zukunft nicht jeder halten, aber gerade größere Ultragruppierungen würden die Möglichkeit denke ich schon nutzen, je nachdem wieviel Freiheit ihnen eingeräumt wird.

Im Endeffekt ist halt die Frage, ob man die Politik an den Idealvorstellungen oder an der Realität ausrichten will. Ich denke, hier würde es Sinn machen, sich der Realität der Pyroverbrechen zu stellen und einen Kompromiss zu suchen, der die Situation schnellstmöglich für alle Parteien akzeptabler macht. Da muss man dann halt mal pragmatisch sein, auch wenn es nicht den eigenen Forstellungen entspricht. Pyro aus dem Stadion verbannen werden wir wohl nie hinkriegen, dafür scheint es mittlerweile zu sehr verankert in den Vorstellungen vieler aktiver Fans.

Ach ja, und das Problem tritt natürlich in anderen Sportarten auf. Guck dir mal ein Basketballspiel in Serbien an.


Für dich ist also Aufgeben und den Chaoten nachgeben die einzige Möglichkeit eine sichere Stadionumgebung zu schaffen?
Was würde denn passieren, wenn Pyro "legalisiert" werden würde? Es wird immer Fälle geben, wo Halbstarke sich nicht an Regeln halten, auch die neuen werden nicht eingehalten werden. Es wird eher das Tor geöffnet immer weiter im Stadion zu eskalieren und was wird das Resultat sein? Die Massen an Normalen und in der Regel auch wesentlich finanzkräftigeren Fans, werden sich von den Vereinen abwenden. Denn wieso sollte eine Familie dann noch hingehen? Und eine Familie läßt bei so einen Besuch wesentlich mehr Geld im Stadion als die Fackelschwenker. Mir fällt dabei immer die Wutrede von Uli Hoeneß ein, denn in einen Punkt hat er durchaus Recht, die Kurvenplätze werden von denjenigen auf der Haupttribüne quasi mitfinanziert. Und wenn sich die Haupttribüne verabschiedet, bzw. diese Klientel, dann haben wir ein wesentlich größeres Problem.
Zuerst sollte man sich den Weg verdeutlichen wo es hingehen könnte, aber den gewaltbereiten Fans und auch Fans die sich nicht an Regeln halten können nachzugeben würde bedeuten, dass sich jene abwenden die das tun. Und welcher Verlust wiegt schwerer? Ohne Ultras kann ein Verein existieren, ohne finanzkräftige Fans aber nicht. Denn das ist die Zielgruppe der Sponsoren, die kaufen Merch (wie viele in der OK tragen nochmal Trikots am ST?), die sitzen auf den teuren Plätzen, etc..
Fanszene |#2385
12.12.2023 - 15:42 Uhr
Zitat von Rumkugel

Zitat von AbuDardai

Zitat von Pal1975

Zitat von Rumkugel

Zitat von vanscap

I

Natürlich sind Fackeln, die 200 Grad heiß sind, nicht ungefährlich. Sie sind dennoch weniger gefährlich, als eine herkömmliche Fackel, die 2000 Grad erreicht. Das heißt nicht, dass das bereits das Level ist, auf dem legalisiert werden muss, zeigt aber, dass es Fortschritte auf dem Weg zu gefahrfreiem Einsatz von Pyrotechnik geben kann. Um diese weiter zu fördern, sollte man meiner Meinung nach gemeinsam daran arbeiten, da nur so eine sichere Stadionatmosphäre zu gewährleisten ist.


Für mich persönlich liegt doch da allein schon der springende Punkt. "eine sichere Stadionatmosphäre" kann doch auch jetzt schon gewährleistet werden. Dazu bedarf es lediglich, dass jeder sich an die aktuellen Regelungen hält und auf Pyro im Stadion verzichtet. Aber einige wenige meinen sich darüber hinweg setzen zu müssen. Eine Gesellschaft funktioniert nur durch Kompromisse. Der erzielte Kompromiss ist die Stadionsicherheit, was wird dafür geopfert? Die Pyros. (Dazu zählen auch Rauchbomben , Böller, Raketen, etc.) Das ist ein akzeptabler Kompromiss. Wieso sollte man von diesen abrücken? Nur weil einige das nicht einsehen wollen? Wegen der Optik? Wie willst du bei Rauchbomben "sichere Zonen" schaffen? Das ist alles Wunschdenken und in meinen Augen unnötiger. Gute Stimmung hängt nicht zwangsläufig an Pyro. Aber Pyro zeigt das Hauptinteresse der Protagonisten: Selbstinszenierung. Und das auf Kosten von anderen (Verein, anderen Zuschauern, etc.).
Und in meinen Augen wirst du nie einen tragfähigen Kompromiss mit Pyros hinbekommen, denn es wird genug Hohlköpfe geben, die selbst diese nicht akzeptieren und wieder über die Stränge schlagen. Was machst du dann?
Und wieso geht das in anderen Sportarten? Wieso gibt es diese Auswüchse gefühlt nur im Fußball? Wieso können sich Fans anderer Sportarten benehmen?


Genauso sehe ich es auch. Warum gibt es in anderen Sportarten nicht solche Probleme wie beim Fußball?

Solange es genügend Chaoten im Fußball gibt, würde ich denen keinerlei Zugeständnisse machen. Dann sollte man eher strenger durchgreifen und diesen Chaoten deutlich machen, dass ein Stadion für ihren Mist nicht zur Verfügung steht und diese dauerhaft des Stadions verweisen. Solche Chaoten braucht niemand im Stadion, die sich als Fan beschreiben, aber eigentlich alles andere sind, denn sie schaden eher dem Verein als ihm gutes zu tun. Sie fallen permanent durch Gewalt und Fehlverhalten auf, die dem Verein nur Unkosten bereiten. Ohne diese Chaoten bedarf es auch überhaupt keiner Polizei im Stadion, die Fanlager voneinander trennen oder eben Ausschreitung unterbinden muss. Dies geht doch ausschließlich von diesen Chaoten aus, die meinen im Stadion können sie machen was sie wollen und hinterher sind immer alle anderen Schuld. Es ist doch mittlerweile schon so, dass man als Familienvater sich genau überlegen muss zu welchem Spiel man seine Kinder mitnehmen kann und zu welchen nicht. Das finde ich absolut traurig, denn sowas sollte es überhaupt nicht geben und irgendwie spitzt sich das Ganze seit Jahren immer mehr zu, weil diese Chaoten immer mehr Macht in den Vereinen erhalten oder aber einfach sich immer wieder über die Regeln hinwegsetzen. Hier müssen die Vereine und der Rechtsstaat endlich klare Kante ziehen, sonst haben wir demnächst wieder chaotische Verhältnisse wie in den 70er oder 80er und der Fußball wird völlig zur Nebensache. Ich möchte solche Verhältnisse nicht haben und möchte ins Stadion, ein gutes und friedliches Spiel sehen und Spaß haben ohne Gewalt und ohne diese Chaoten.


Ich kann die Sorgen gerade von Familien durchaus verstehen, aber für mich klingt das "es wird immer unsicherer" ein wenig nach gefühlter Wahrheit. Ich habe leider keine belastbaren Zahlen gefunden, aber sowohl SWR als auch Stern berichteten anekdotisch von einer gesunkenen Zahl von Straftaten im Zusammenhang mit Bundesligaspielen. Auch die Zahl gewaltbereiter Fans stagniert seit ca. einem Jahrzehnt auf einem ähnlichen Niveau.

Ich denke, dass @vanscap hier mE. die realistischste Einschätzung hat. Ähnlich wie bei der Drogenkriminalität gibt es verständlicherweise unterschiedliche Meinungen zur "Legalisierung" bzw. Duldung von Pyro. Wenn wir aber überlegen, wie wir in der Realität wirklich am ehesten ein sicheres Stadion erreichen, dann wird man zugeben müssen, dass das strikte Verbot der letzten Jahrzehnte mit teils drakonischen Strafen nicht erfolgreich war. Man kann jetzt natürlich weiter an der Daumenschraube drehen und die Strafen und Kontrollen erhöhen, gerade genauere Kontrollen sind allerdings auch nachteilig für alle Fans. Ich halte dieses Vorgehen für wenig sinnvoll, da sich gezeigt hat, dass es einen Anteil von Fans gibt, die eben auch schwere Strafen riskieren, um Fackeln etc. in den Block zu schmuggeln.

Alternativ könnte man auch versuchen mit den Vertretern der aktiven Fanszenen eine Kompromisslösung zu finden. Auch daran wird sich in Zukunft nicht jeder halten, aber gerade größere Ultragruppierungen würden die Möglichkeit denke ich schon nutzen, je nachdem wieviel Freiheit ihnen eingeräumt wird.

Im Endeffekt ist halt die Frage, ob man die Politik an den Idealvorstellungen oder an der Realität ausrichten will. Ich denke, hier würde es Sinn machen, sich der Realität der Pyroverbrechen zu stellen und einen Kompromiss zu suchen, der die Situation schnellstmöglich für alle Parteien akzeptabler macht. Da muss man dann halt mal pragmatisch sein, auch wenn es nicht den eigenen Forstellungen entspricht. Pyro aus dem Stadion verbannen werden wir wohl nie hinkriegen, dafür scheint es mittlerweile zu sehr verankert in den Vorstellungen vieler aktiver Fans.

Ach ja, und das Problem tritt natürlich in anderen Sportarten auf. Guck dir mal ein Basketballspiel in Serbien an.


Für dich ist also Aufgeben und den Chaoten nachgeben die einzige Möglichkeit eine sichere Stadionumgebung zu schaffen?
Was würde denn passieren, wenn Pyro "legalisiert" werden würde? Es wird immer Fälle geben, wo Halbstarke sich nicht an Regeln halten, auch die neuen werden nicht eingehalten werden. Es wird eher das Tor geöffnet immer weiter im Stadion zu eskalieren und was wird das Resultat sein? Die Massen an Normalen und in der Regel auch wesentlich finanzkräftigeren Fans, werden sich von den Vereinen abwenden. Denn wieso sollte eine Familie dann noch hingehen? Und eine Familie läßt bei so einen Besuch wesentlich mehr Geld im Stadion als die Fackelschwenker. Mir fällt dabei immer die Wutrede von Uli Hoeneß ein, denn in einen Punkt hat er durchaus Recht, die Kurvenplätze werden von denjenigen auf der Haupttribüne quasi mitfinanziert. Und wenn sich die Haupttribüne verabschiedet, bzw. diese Klientel, dann haben wir ein wesentlich größeres Problem.
Zuerst sollte man sich den Weg verdeutlichen wo es hingehen könnte, aber den gewaltbereiten Fans und auch Fans die sich nicht an Regeln halten können nachzugeben würde bedeuten, dass sich jene abwenden die das tun. Und welcher Verlust wiegt schwerer? Ohne Ultras kann ein Verein existieren, ohne finanzkräftige Fans aber nicht. Denn das ist die Zielgruppe der Sponsoren, die kaufen Merch (wie viele in der OK tragen nochmal Trikots am ST?), die sitzen auf den teuren Plätzen, etc..


Ich würde mich keineswegs als Fan von Pyrotechnik bezeichnen, ich kann der Ästhetik wenig abgewinnen. Doch wie ich bereits beschrieben habe, wüsste ich keinen alternativen Weg außer stark verschärfte Einlasskontrollen, die dann eben auch für das zahlungskräftigere Publikum ein Ärgernis darstellen, gerade da die Wartezeiten im Oly ohnehin sehr lang sind. Und auch bei engmaschigen Kontrollen werden es Fackeln oder Böller in den Block schaffen, weil man 30.000 Menschen nicht so genau in so kurzer Zeit kontrollieren kann. So ähnlich verhält es sich bei mir ja auch mit der Cannabislegalisierung. Auch wenn ich selber nicht kiffe, halte ich es für sinnvoller, das Zeug staatlich kontrolliert in entsprechenden Stellen abzugeben, statt in den Parks der Stadt immer wieder angesprochen zu werden, ob ich denn "etwas bräuchte". Auch hier hat die jahrzehnte lange Prohibiton keine Lösung gebracht, deshalb bin ich jetzt bereit für eine andere Herangehensweise.

Ähnlich sehe ich es bei der Pyrotechnik. Es hat sich herausgestellt, dass die Drohung mit Strafen wirkungslos bleibt. Für mich ist es dann nur pragmatisch, zumindest mal gemeinsam mit den entsprechenden Fans einen Kompromiss zu suchen. Schließlich sind auch das nicht ausnahmslos hirnlose Vandalen, ich denke viele von denen sind sinnvollen Argumenten prinzipiell zugänglich, wenn die Gegenseite ebenfalls Kooperationsbereitschaft signalisiert.

PS: Die ungleich viel sinnvollere und leichter durchzusetzende Maßnahme für ein sicheres und familienfreundliches Stadion wäre das strikte Verbot von Alkohol sowie die Eintrittsverweigerung für offensichtlich alkoholisierte Personen. So, wie es in England als Reaktion auf Gewaltexzesse durchgesetzt wurde. Allerdings bin ich anders als du skeptisch, ob bei Vereinen wie Hertha wirklich die Gerade die Fankurve finanziert. Gerade bei den kleineren Spielen wie gegen Elversberg stehen in OK (Ober- und Unterring) meinem Gefühl nach genauso viele Leute wie im restlichen Stadion zusammen, vermutlich sogar mehr in der Kurve als außerhalb. Ein mittelmäßiger Zweitligist zieht nämlich ohnehin wenig zahlungskräftiges Publikum und Familien an, das ist beim deutschen Serienmeister etwas anderes.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von AbuDardai am 12.12.2023 um 15:49 Uhr bearbeitet
Fanszene |#2386
12.12.2023 - 16:38 Uhr
Zitat von AbuDardai
Zitat von Rumkugel

Zitat von AbuDardai

Zitat von Pal1975

Zitat von Rumkugel

Zitat von vanscap

I

Natürlich sind Fackeln, die 200 Grad heiß sind, nicht ungefährlich. Sie sind dennoch weniger gefährlich, als eine herkömmliche Fackel, die 2000 Grad erreicht. Das heißt nicht, dass das bereits das Level ist, auf dem legalisiert werden muss, zeigt aber, dass es Fortschritte auf dem Weg zu gefahrfreiem Einsatz von Pyrotechnik geben kann. Um diese weiter zu fördern, sollte man meiner Meinung nach gemeinsam daran arbeiten, da nur so eine sichere Stadionatmosphäre zu gewährleisten ist.


Für mich persönlich liegt doch da allein schon der springende Punkt. "eine sichere Stadionatmosphäre" kann doch auch jetzt schon gewährleistet werden. Dazu bedarf es lediglich, dass jeder sich an die aktuellen Regelungen hält und auf Pyro im Stadion verzichtet. Aber einige wenige meinen sich darüber hinweg setzen zu müssen. Eine Gesellschaft funktioniert nur durch Kompromisse. Der erzielte Kompromiss ist die Stadionsicherheit, was wird dafür geopfert? Die Pyros. (Dazu zählen auch Rauchbomben , Böller, Raketen, etc.) Das ist ein akzeptabler Kompromiss. Wieso sollte man von diesen abrücken? Nur weil einige das nicht einsehen wollen? Wegen der Optik? Wie willst du bei Rauchbomben "sichere Zonen" schaffen? Das ist alles Wunschdenken und in meinen Augen unnötiger. Gute Stimmung hängt nicht zwangsläufig an Pyro. Aber Pyro zeigt das Hauptinteresse der Protagonisten: Selbstinszenierung. Und das auf Kosten von anderen (Verein, anderen Zuschauern, etc.).
Und in meinen Augen wirst du nie einen tragfähigen Kompromiss mit Pyros hinbekommen, denn es wird genug Hohlköpfe geben, die selbst diese nicht akzeptieren und wieder über die Stränge schlagen. Was machst du dann?
Und wieso geht das in anderen Sportarten? Wieso gibt es diese Auswüchse gefühlt nur im Fußball? Wieso können sich Fans anderer Sportarten benehmen?


Genauso sehe ich es auch. Warum gibt es in anderen Sportarten nicht solche Probleme wie beim Fußball?

Solange es genügend Chaoten im Fußball gibt, würde ich denen keinerlei Zugeständnisse machen. Dann sollte man eher strenger durchgreifen und diesen Chaoten deutlich machen, dass ein Stadion für ihren Mist nicht zur Verfügung steht und diese dauerhaft des Stadions verweisen. Solche Chaoten braucht niemand im Stadion, die sich als Fan beschreiben, aber eigentlich alles andere sind, denn sie schaden eher dem Verein als ihm gutes zu tun. Sie fallen permanent durch Gewalt und Fehlverhalten auf, die dem Verein nur Unkosten bereiten. Ohne diese Chaoten bedarf es auch überhaupt keiner Polizei im Stadion, die Fanlager voneinander trennen oder eben Ausschreitung unterbinden muss. Dies geht doch ausschließlich von diesen Chaoten aus, die meinen im Stadion können sie machen was sie wollen und hinterher sind immer alle anderen Schuld. Es ist doch mittlerweile schon so, dass man als Familienvater sich genau überlegen muss zu welchem Spiel man seine Kinder mitnehmen kann und zu welchen nicht. Das finde ich absolut traurig, denn sowas sollte es überhaupt nicht geben und irgendwie spitzt sich das Ganze seit Jahren immer mehr zu, weil diese Chaoten immer mehr Macht in den Vereinen erhalten oder aber einfach sich immer wieder über die Regeln hinwegsetzen. Hier müssen die Vereine und der Rechtsstaat endlich klare Kante ziehen, sonst haben wir demnächst wieder chaotische Verhältnisse wie in den 70er oder 80er und der Fußball wird völlig zur Nebensache. Ich möchte solche Verhältnisse nicht haben und möchte ins Stadion, ein gutes und friedliches Spiel sehen und Spaß haben ohne Gewalt und ohne diese Chaoten.


Ich kann die Sorgen gerade von Familien durchaus verstehen, aber für mich klingt das "es wird immer unsicherer" ein wenig nach gefühlter Wahrheit. Ich habe leider keine belastbaren Zahlen gefunden, aber sowohl SWR als auch Stern berichteten anekdotisch von einer gesunkenen Zahl von Straftaten im Zusammenhang mit Bundesligaspielen. Auch die Zahl gewaltbereiter Fans stagniert seit ca. einem Jahrzehnt auf einem ähnlichen Niveau.

Ich denke, dass @vanscap hier mE. die realistischste Einschätzung hat. Ähnlich wie bei der Drogenkriminalität gibt es verständlicherweise unterschiedliche Meinungen zur "Legalisierung" bzw. Duldung von Pyro. Wenn wir aber überlegen, wie wir in der Realität wirklich am ehesten ein sicheres Stadion erreichen, dann wird man zugeben müssen, dass das strikte Verbot der letzten Jahrzehnte mit teils drakonischen Strafen nicht erfolgreich war. Man kann jetzt natürlich weiter an der Daumenschraube drehen und die Strafen und Kontrollen erhöhen, gerade genauere Kontrollen sind allerdings auch nachteilig für alle Fans. Ich halte dieses Vorgehen für wenig sinnvoll, da sich gezeigt hat, dass es einen Anteil von Fans gibt, die eben auch schwere Strafen riskieren, um Fackeln etc. in den Block zu schmuggeln.

Alternativ könnte man auch versuchen mit den Vertretern der aktiven Fanszenen eine Kompromisslösung zu finden. Auch daran wird sich in Zukunft nicht jeder halten, aber gerade größere Ultragruppierungen würden die Möglichkeit denke ich schon nutzen, je nachdem wieviel Freiheit ihnen eingeräumt wird.

Im Endeffekt ist halt die Frage, ob man die Politik an den Idealvorstellungen oder an der Realität ausrichten will. Ich denke, hier würde es Sinn machen, sich der Realität der Pyroverbrechen zu stellen und einen Kompromiss zu suchen, der die Situation schnellstmöglich für alle Parteien akzeptabler macht. Da muss man dann halt mal pragmatisch sein, auch wenn es nicht den eigenen Forstellungen entspricht. Pyro aus dem Stadion verbannen werden wir wohl nie hinkriegen, dafür scheint es mittlerweile zu sehr verankert in den Vorstellungen vieler aktiver Fans.

Ach ja, und das Problem tritt natürlich in anderen Sportarten auf. Guck dir mal ein Basketballspiel in Serbien an.


Für dich ist also Aufgeben und den Chaoten nachgeben die einzige Möglichkeit eine sichere Stadionumgebung zu schaffen?
Was würde denn passieren, wenn Pyro "legalisiert" werden würde? Es wird immer Fälle geben, wo Halbstarke sich nicht an Regeln halten, auch die neuen werden nicht eingehalten werden. Es wird eher das Tor geöffnet immer weiter im Stadion zu eskalieren und was wird das Resultat sein? Die Massen an Normalen und in der Regel auch wesentlich finanzkräftigeren Fans, werden sich von den Vereinen abwenden. Denn wieso sollte eine Familie dann noch hingehen? Und eine Familie läßt bei so einen Besuch wesentlich mehr Geld im Stadion als die Fackelschwenker. Mir fällt dabei immer die Wutrede von Uli Hoeneß ein, denn in einen Punkt hat er durchaus Recht, die Kurvenplätze werden von denjenigen auf der Haupttribüne quasi mitfinanziert. Und wenn sich die Haupttribüne verabschiedet, bzw. diese Klientel, dann haben wir ein wesentlich größeres Problem.
Zuerst sollte man sich den Weg verdeutlichen wo es hingehen könnte, aber den gewaltbereiten Fans und auch Fans die sich nicht an Regeln halten können nachzugeben würde bedeuten, dass sich jene abwenden die das tun. Und welcher Verlust wiegt schwerer? Ohne Ultras kann ein Verein existieren, ohne finanzkräftige Fans aber nicht. Denn das ist die Zielgruppe der Sponsoren, die kaufen Merch (wie viele in der OK tragen nochmal Trikots am ST?), die sitzen auf den teuren Plätzen, etc..


Ich würde mich keineswegs als Fan von Pyrotechnik bezeichnen, ich kann der Ästhetik wenig abgewinnen. Doch wie ich bereits beschrieben habe, wüsste ich keinen alternativen Weg außer stark verschärfte Einlasskontrollen, die dann eben auch für das zahlungskräftigere Publikum ein Ärgernis darstellen, gerade da die Wartezeiten im Oly ohnehin sehr lang sind. Und auch bei engmaschigen Kontrollen werden es Fackeln oder Böller in den Block schaffen, weil man 30.000 Menschen nicht so genau in so kurzer Zeit kontrollieren kann. So ähnlich verhält es sich bei mir ja auch mit der Cannabislegalisierung. Auch wenn ich selber nicht kiffe, halte ich es für sinnvoller, das Zeug staatlich kontrolliert in entsprechenden Stellen abzugeben, statt in den Parks der Stadt immer wieder angesprochen zu werden, ob ich denn "etwas bräuchte". Auch hier hat die jahrzehnte lange Prohibiton keine Lösung gebracht, deshalb bin ich jetzt bereit für eine andere Herangehensweise.

Ähnlich sehe ich es bei der Pyrotechnik. Es hat sich herausgestellt, dass die Drohung mit Strafen wirkungslos bleibt. Für mich ist es dann nur pragmatisch, zumindest mal gemeinsam mit den entsprechenden Fans einen Kompromiss zu suchen. Schließlich sind auch das nicht ausnahmslos hirnlose Vandalen, ich denke viele von denen sind sinnvollen Argumenten prinzipiell zugänglich, wenn die Gegenseite ebenfalls Kooperationsbereitschaft signalisiert.

PS: Die ungleich viel sinnvollere und leichter durchzusetzende Maßnahme für ein sicheres und familienfreundliches Stadion wäre das strikte Verbot von Alkohol sowie die Eintrittsverweigerung für offensichtlich alkoholisierte Personen. So, wie es in England als Reaktion auf Gewaltexzesse durchgesetzt wurde. Allerdings bin ich anders als du skeptisch, ob bei Vereinen wie Hertha wirklich die Gerade die Fankurve finanziert. Gerade bei den kleineren Spielen wie gegen Elversberg stehen in OK (Ober- und Unterring) meinem Gefühl nach genauso viele Leute wie im restlichen Stadion zusammen, vermutlich sogar mehr in der Kurve als außerhalb. Ein mittelmäßiger Zweitligist zieht nämlich ohnehin wenig zahlungskräftiges Publikum und Familien an, das ist beim deutschen Serienmeister etwas anderes.


Bei dem Alkohol gehen ich zu 100% mit.

Aber rechne dir doch mal die Kosten einer DK in der Ostkurve aus. Das sind pro Spiel knappe 8€. Und davon allein sollen alle Kosten beglichen sein? Hier wird definitiv kräftig seitens des Vereins "subventioniert". Eigentlich müssten alle Kosten auf alle Plätze gleichmäßig verteilt werden und dann kommt erst der Aufschlag für den jeweiligen Platz (bessere Sicht etc.). Aber ich glaube kaum, dass die 8€ so gewinnbringend für den Verein sind.
Fanszene |#2387
13.12.2023 - 06:55 Uhr
Zitat von AbuDardai

Wenn wir aber überlegen, wie wir in der Realität wirklich am ehesten ein sicheres Stadion erreichen, dann wird man zugeben müssen, dass das strikte Verbot der letzten Jahrzehnte mit teils drakonischen Strafen nicht erfolgreich war. Man kann jetzt natürlich weiter an der Daumenschraube drehen und die Strafen und Kontrollen erhöhen, gerade genauere Kontrollen sind allerdings auch nachteilig für alle Fans. Ich halte dieses Vorgehen für wenig sinnvoll, da sich gezeigt hat, dass es einen Anteil von Fans gibt, die eben auch schwere Strafen riskieren, um Fackeln etc. in den Block zu schmuggeln.


Dieses Argument ist doch Murks.
Drakonische Strafen?! Wann und wo? Und wer musste die bezahlen?! Daumenschraben andrehen bei wem denn?!

Also man relativiert die Wirksamkeit von Strafen, beachtet dabei aber nicht wer überhaupt die Strafen zahlen muss. Das finde ich ehrlich gesagt lustig.

Würden die Ultras die Strafen zahlen müssen für ihr Gezünde, und nicht der Verein, dann würden die Strafen auch etwas bringen. Das ist doch genau das Problem der Strafen, die schaden nur dem Verein und nicht dem , der den Regelbruch begeht. Also was hat das mit drakonischen Strafen zu tun? Oder wie kann man überhaupt beurteilen, dass Bestrafung in der Sache nicht bringt?! Ich würde mal sagen, bestraft die richtigen, dann wird man auch merken, dass die Taten zurückgehen.

Und das mit Drogenkonsum oder Legalisierung zu vergleichen ist immernoch Schwachsinn.

Man kann gerne darüber diskutieren, wie es andere Lösungen geben kann, aber diese Argumentation ist einfach ad absurdum geführt.

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Sinn macht was Spaß macht!

Fanszene |#2388
13.12.2023 - 07:57 Uhr
Derjenige der sich nicht an Regeln halten will oder illegales macht, wird es immer wieder tun, weil er sich eben nicht an Regeln halten möchte. Daher wird alles nichts bringen.

Dennoch könnte man ja den Schwerpunkt der Kontrolle auf den Einlass der Ostkurve legen. Denn andere, die teure Karten haben und eben nicht in der Ostkurve sitzen können sich benehmen.

Bei jedem Fund gibt es lebenslang Stadionverbot. Man kann mir nicht erzählen, dass man Sturmhauben, Pyro oder Böller nicht bei einer genauen Kontrolle findet. Allein die Masse die da immer wieder hineingebracht wird muss einfach auffallen. Dann dauern eben diese Kontrollen 2 Stunden. Es liegt an jedem selbst solche Dinge zu Hause zu lassen, weil sie eben nicht in ein Stadion gehören. Solange dies niemand begreifen will, werden die Kontrollen ausgeweitet und man wartet eben noch länger.

Oder aber man personalisiert gerade die Karten für die Ostkurve und könnte im Nachgang den einen oder anderen per Video überführen und zur Kasse bitten. Aber das will ja keiner, denn man möchte ja anonym sein, wenn man gegen jegliche Regeln verstößt.

Es gibt viele Mittel und Wege, aber nachgeben und den Chaoten das Feld überlassen wäre der absolut falsche Weg.

Sorry, aber die Stimmung in der Ostkurve benötigt solche Chaoten nicht, die gegen Regeln verstoßen, Pyros zünden und damit dem Verein jedes Mal Schaden zu fügen. Es wäre schön, wenn man sich auf das Normale besinnen könnte, denn da kommt einiges herüber.
Fanszene |#2389
13.12.2023 - 08:31 Uhr
Zitat von Pal1975
Derjenige der sich nicht an Regeln halten will oder illegales macht, wird es immer wieder tun, weil er sich eben nicht an Regeln halten möchte. Daher wird alles nichts bringen.

Dennoch könnte man ja den Schwerpunkt der Kontrolle auf den Einlass der Ostkurve legen. Denn andere, die teure Karten haben und eben nicht in der Ostkurve sitzen können sich benehmen.

Bei jedem Fund gibt es lebenslang Stadionverbot. Man kann mir nicht erzählen, dass man Sturmhauben, Pyro oder Böller nicht bei einer genauen Kontrolle findet. Allein die Masse die da immer wieder hineingebracht wird muss einfach auffallen. Dann dauern eben diese Kontrollen 2 Stunden. Es liegt an jedem selbst solche Dinge zu Hause zu lassen, weil sie eben nicht in ein Stadion gehören. Solange dies niemand begreifen will, werden die Kontrollen ausgeweitet und man wartet eben noch länger.

Oder aber man personalisiert gerade die Karten für die Ostkurve und könnte im Nachgang den einen oder anderen per Video überführen und zur Kasse bitten. Aber das will ja keiner, denn man möchte ja anonym sein, wenn man gegen jegliche Regeln verstößt.

Es gibt viele Mittel und Wege, aber nachgeben und den Chaoten das Feld überlassen wäre der absolut falsche Weg.

Sorry, aber die Stimmung in der Ostkurve benötigt solche Chaoten nicht, die gegen Regeln verstoßen, Pyros zünden und damit dem Verein jedes Mal Schaden zu fügen. Es wäre schön, wenn man sich auf das Normale besinnen könnte, denn da kommt einiges herüber.


Meiner Meinung werden Kontrollen generell nichts bringen, denn meiner Vermutung nach haben diese Personen genug Kontakte in den Verein hinein, damit dies in den Stadionbereich gebracht wird. Oder hat jemand schonmal überlegt ein Verkaufsstand und dessen "Lieferung" zu kontrollieren? Die Masse ist so auffällig, dass es mMn durch kein normales Tor durchgeht. Man muss immer halb nackig machen, selbst mit Kindern und die schaffen es dutzende Böller und Raketen rein zu schmuggeln?
Fanszene |#2390
13.12.2023 - 09:20 Uhr
Zitat von Bombateng
Zitat von AbuDardai

Wenn wir aber überlegen, wie wir in der Realität wirklich am ehesten ein sicheres Stadion erreichen, dann wird man zugeben müssen, dass das strikte Verbot der letzten Jahrzehnte mit teils drakonischen Strafen nicht erfolgreich war. Man kann jetzt natürlich weiter an der Daumenschraube drehen und die Strafen und Kontrollen erhöhen, gerade genauere Kontrollen sind allerdings auch nachteilig für alle Fans. Ich halte dieses Vorgehen für wenig sinnvoll, da sich gezeigt hat, dass es einen Anteil von Fans gibt, die eben auch schwere Strafen riskieren, um Fackeln etc. in den Block zu schmuggeln.


Dieses Argument ist doch Murks.
Drakonische Strafen?! Wann und wo? Und wer musste die bezahlen?! Daumenschraben andrehen bei wem denn?!

Also man relativiert die Wirksamkeit von Strafen, beachtet dabei aber nicht wer überhaupt die Strafen zahlen muss. Das finde ich ehrlich gesagt lustig.

Würden die Ultras die Strafen zahlen müssen für ihr Gezünde, und nicht der Verein, dann würden die Strafen auch etwas bringen. Das ist doch genau das Problem der Strafen, die schaden nur dem Verein und nicht dem , der den Regelbruch begeht. Also was hat das mit drakonischen Strafen zu tun? Oder wie kann man überhaupt beurteilen, dass Bestrafung in der Sache nicht bringt?! Ich würde mal sagen, bestraft die richtigen, dann wird man auch merken, dass die Taten zurückgehen.

Und das mit Drogenkonsum oder Legalisierung zu vergleichen ist immernoch Schwachsinn.

Man kann gerne darüber diskutieren, wie es andere Lösungen geben kann, aber diese Argumentation ist einfach ad absurdum geführt.


Drakonische Strafen für die Clubs in Ermangelung eines anderen zu Belangenden. Wie würdest du denn vorgehen, um die stets maskierten Personen zu identifizieren? Die Identität lässt sich quasi nie zweifelsfrei feststellen, weshalb das Belangen der Clubs als Verantwortliche für die Stadionsicherheit schon die sinnvollste Sanktion ist. Natürlich wäre es am besten, denjenigen mit der Fackel zu bestrafen, aber wenn der eine Sturmhaube aufhat, wird das schwer.

Zitat von Pal1975
Bei jedem Fund gibt es lebenslang Stadionverbot. Man kann mir nicht erzählen, dass man Sturmhauben, Pyro oder Böller nicht bei einer genauen Kontrolle findet. Allein die Masse die da immer wieder hineingebracht wird muss einfach auffallen. Dann dauern eben diese Kontrollen 2 Stunden. Es liegt an jedem selbst solche Dinge zu Hause zu lassen, weil sie eben nicht in ein Stadion gehören. Solange dies niemand begreifen will, werden die Kontrollen ausgeweitet und man wartet eben noch länger.


Und wenn ich hier lese, dass Kontrollen dann halt 2 Stunden dauern, während vorher Pyro kritisert wurde, weil der Stadionbesuch dadurch unattraktiver wird, dann ist das für mich ein Flächenbombardement um einen Bankräuber zu erwischen und einfach nicht logisch.

Für mich reicht es auch langsam mal, ich denke die Standpunkte der Diskussionsteilnehmer sind klar. Ich denke, einige diskutieren hier an der Realität vorbei und können sich nicht mit der Ungerechtigkeit abfinden, dass das Abbrennen von Pyros im Stadion in der absehbaren Zukunft nicht zu persönlichen Sanktionen führen wird. Das verstehe ich. Aber es ist nun mal Realität und zumindest mir erschließt sich nicht, wie man das in Zukunft zielgenauere Strafen verhängen will. Bemühungen zur Personalisierung der Tickets gab es bereits und sind damals mit gutem Grund gescheitert.
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