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Unser Millerntor

12.07.2007 - 18:44 Uhr
Unser Millerntor |#611
16.02.2025 - 11:33 Uhr
Diese Wichtigtuerrei und das "Gutmenschverhalten" von OG geht mir tierisch auf den Keks.

Erst im Jahr 2025 findet der Verein hersus, das der Texter eventuell eine NS-Vergangenheit haben soll.
Warum fällt das erst 20 Jahre nachdem die "Hymne" im Stadion abgespielt und von den Fans mitgesungen wird auf ?
Achja, der FC St. Pauli verfügt seit Jahresbeginn über Computer und kann entsprechendes im www überprüfen.

Woher unser Sicherheitschef SB weiß, das 20, 30 oder 40% der Fans mit dieser Hymne plätzlich nicht mehr konform gehen, bleibt schleierhaft
Hat es eine Umfrage unter den Fans, den Stadionbesuchern, den Mitgliedern gegeben ?
Haben wir als Verein nicjt gerade andere, wichtiger Probleme ?
Wir sind in der Offensive derart schwach das im Schnitt nicht einmal auf 1 Tor je Spiel kommen.
Das Millerntor ist längst zum "Selbstbedienungsladen" für jeden Gegner geworden.

Wenn ich nir unser Restprogramm anschaue, wird mir Angst und Bange.

Irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf hier wird bewußt ein "Nebenkriegsschauplatz" eröffnet, der von den eigentlichen Problem und Gefahren ablenken soll.
Am Ende könnte die Anhängerschaft dem Vorstand ja vorwerfen, das der sportlichrn Leitung nicht genügend Geld für erforderliche Verstärkungen zur Verfügung gestellt wurde. Diese würde eine Kerbe in dem Denkmal
bedeuten, an dem er grade so hart arbeitet.

•     •     •

Grüße aus der Oldenburger Geest.
You'll never walk alone

Dieser Beitrag wurde zuletzt von DKlebenslang am 16.02.2025 um 11:36 Uhr bearbeitet
Unser Millerntor |#612
16.02.2025 - 12:36 Uhr
Zitat von DKlebenslang
Diese Wichtigtuerrei und das "Gutmenschverhalten" von OG geht mir tierisch auf den Keks.


Dazu wird ein vermeintlich ergebnisoffner Prozess suggeriert, der der doch bisher eher ziemlich intransparenten Vereinsführung so gar nicht entspricht. Dazu die Formulierung vom Göttlichen, der Texter sein ein "harter Nazi" gewesen.
Was genau ist ein "harter Nazi" denn? Ein Knobelbecher-A*sch, der Flüchtlinge jagt und verprügelt?
Ein Nazi-Funktionär aus der Zeit 33-45, der sich als Überzeugunstäter hervorgetan hat?
Ein SS-Mitglied der ersten Stunde? Ein Funktionär in Auschwitz, Dachau, ...?
Ein Industrieller, der mit dem Hakenkreuz am Revers und tausenden Zwangsarbeitern in seinen Fabriken mit dem System gekuschelt und von seinen Verbrechen profitiert hat?

Oder etwa ein Wehrmacht-Soldat, der an der Ostfront war und aufgrund seines Berufs von dort berichtet hat? Mein Großvater war auch als Wehrmachtssoldat an der Ostfront (und liegt heute verscharrt irgendwo in der Ukraine).

Selbstverliebte Glückskinder, die nicht in der Zeit gelebt haben/leben mussten, können aus dem Begriff Wehrmacht und Kriegsberichterstattung natürlich einen "harten Nazi" konstruieren und damit die erregungsbegeisterten Kurzdenker sofort auf Linie stellen.
Für den Denkprozess, welche Alternativen, junge Männer hatten, muss natürlich sowohl die kognitive Fähigkeit als auch die grundsätzliche Bereitschaft dafür vorhanden sein.
Man schaue sich nur an, wie schnell Menschen heutzutage TROTZ der geschichtlichen Erfahrungen und der umfangreichsten Informationsmöglichkeiten in der Geschichte der Menschheit auf Irrwege gezogen werden können? Oder geht es Göttlich und Konsorten nur darum: Sich selbst auf einer vermeintlich richtigen Seite zu positionieren, obwohl es in dieser Causa gar keine Seite gibt? Nach dem Motto: "Auch wenn es hier gar keinen Nazi gibt, wollen wir nochmal schnell sagen, dass wir keine sind!"
Hat da jemand Komplexe? Braucht da jemand mal wieder einen Nebenkriegsschauplatz?
Kann man ja wohl nicht hoffen.

Es hat schon eine i. m. A. schmierige Verlogenheit, den Eindruck zu erwcken, dass jeder, der nicht Elser hieß oder in der Weißen Rose war, ein "harter Nazi" war. Auch in dieser Zeit war viel nicht schwarz oder weiß. Viel war in den Zwischentönen und in der Nachbetrachtung alle Menschen pauschal zu Nazis zu machen, wird keinerlei historischer Aufarbeitung gerecht.

Mit seiner Formulierung hat Göttlich klar gezeigt, in welche Richtung dieser Prozess gehen soll. Und seine persönliche Anhängerschaft wird ihm in Denke, Wort und Handeln folgen.
Die Doppelmoral in unserem Präsidium ist (mal wieder) kaum zu ertragen.
Wäre Göttlich so konsequent, grundsätzlich Extremisten und Gewalttätern entgegenzutreten, könnte man ihm ja eine "Haltung" abnehmen. Macht er aber nicht.


Woher unser Sicherheitschef SB weiß, das 20, 30 oder 40% der Fans mit dieser Hymne plätzlich nicht mehr konform gehen, bleibt schleierhaft
Hat es eine Umfrage unter den Fans, ...


Wie gesagt: Die Richtung ist klar vorgezeichnet.
Ob unser Sicherheitschef eigentlich auch weiß, wieviele Fans, die Gesundheitsgefährung durch Pyro begeistert begrüßen?
Auch eine Sache, die unser Präsi erst nicht mehr mit leuchtenden Augen begrüßt, seit ihm trotz Rekordeinnahmen sein Bilanz-Minus davongaloppiert. Die Gesundheit der Fans im Stadion hatte ihn zuvor nie interessiert. Und den "Sicherheits"-chef? Müsste der erst beim Präsi nachfragen, welche Meinung er dazu haben soll...

***** (wirklich ein "harter Nazi") war Hundeliebhaber. Bin ich auch. Ich fordere Stadionverbot und Vereinsauschluss für mich und alle anderen Hundeliebhaber!

•     •     •

Die Elbe, der Michel, der Kurs ist immer gut. St. Pauli, die Freiheit, das liegt uns so im Blut,
und hat das Lebensschiff ein Leck, in Hamburg bleiben wir an Deck, in Hamburg, da bleiben wir an Deck

Wem die Freiheit im Blut liegt, der lässt sich seine Meinung nicht von irgendwelchen Führern vorkauen. Nirgendwo, auch nicht im Fußball!

Das Herz von Sankt Pauli wird auch die überdauern, die Sankt Pauli das Herz austreiben wollen.

Unser Millerntor |#613
16.02.2025 - 12:49 Uhr
Wow hier ist ja einiges los.
Das Thema scheint einigen sehr nahe zu gehen, was verständlich ist.

Ich würde hier aber gerne ein paar Dinge aufgreifen.
"Haben wir nicht andere Probleme?"
Wo kommt immer der Glaube her, man muss sich einzig und allein mit einem Thema beschäftigen (in dem Fall das sportliche)? Ich bin mir sicher, dass weder aus Trainerstab, noch aus Manschaftskreisen irgendjemand an der Recherche oder den Diskussionen im größeren Rahmen beteiligt sind. Es waren Mitarbeiter des Museums und OG leitet die Diskussion. Was seine Aufgabe als Präsident ist.

Hier wird gerade einfach nur Whatsaboutism betrieben.
Ich finde es vollkommen fair, die neuen Erkenntnisse genauer anzuschauen und zu bewerten und zur Diskussion freizugeben. Und geschichtliche Aufarbeitung dauert und es sind nunmal nicht alle Ergebnisse sofort da.

Es steht übrigens hier jedem frei in die Diskussion einzutreten und seine Meinung dem Verein über deren Blogbeitrag dazu kundzutun und zu einer Lösung beizutragen.

Ich fänds auch schade, wenn das Lied verschwindet. Ich persönlich kann das Werk und den Autor in diesem Fall trennen. Andere können es vielleicht nicht. Auch die müssen angehört werden. Und am Ende muss dann eine gemeinsame Lösung gefunden werden. Finde einige Verhalten sich, als würde einem kleinen Kind der Lolli geklaut worden. Das tut der Diskussion leider überhaupt nicht gut und driftet einfach nur ins unsachliche.

Edit.
Der Lolli Kommentar wird einer sachlichen Diskussion natürlich auch nicht gerecht, sorry for that tung

•     •     •

„Einem Sprichwort zufolge ist derjenige im Unrecht, der schreit. Aber wenn ich an der Seitenlinie schreie, habe ich immer Recht!“ Holger Stanislawski

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Harun am 16.02.2025 um 12:54 Uhr bearbeitet
Unser Millerntor |#614
16.02.2025 - 13:38 Uhr
Zitat von Harun

Der Lolli Kommentar wird einer sachlichen Diskussion natürlich auch nicht gerecht, sorry for that tung


Der Lolli-Kommentar ist zumindest lustig, was dem ganzen Theater sicherlich guttut. daumen-hoch

Und der Lolli als Symbol weist ja auch daraufhin, dass in der Diskussion das (Abschaffen des) Herz von Sankt Pauli natürlich auch stellvertretend für ein Sankt Pauli ist, das der Präsident und seine (Linien)getreuen wollen. Und da ist für manche (wie für mich) irgendwann das Maß voll.
Und das Göttlich diesen Diskussions-Prozess nur "moderiert", glaubst du vermutlich selbst nicht. zwinker

Wenn man mir nicht glaubwürdig nachweist, das der Texter überhaupt auch noch in den 50ern und sein da entstandenes Lied "hart Nazi" sind und es als Stadion-Hymne abgeschafft bleibt, werde ich den Club als Fan und als Mitglied verlassen.

Denn: Ich mag das Lied, ich mag Hunde, ich war schon im Heidberg und und und. Ich bin dann wohl eindeutig zu "hart Nazi"... Bzw.: Göttlich und Konsorten haben mir den Club nicht zum ersten Mal aber damit wohl zu sehr madig gemacht.

Einst hieß es: Ein Leben ohne Sankt Pauli ist möglich aber sinnlos. Vielleicht werde ich das herausfinden müssen.

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Die Elbe, der Michel, der Kurs ist immer gut. St. Pauli, die Freiheit, das liegt uns so im Blut,
und hat das Lebensschiff ein Leck, in Hamburg bleiben wir an Deck, in Hamburg, da bleiben wir an Deck

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Das Herz von Sankt Pauli wird auch die überdauern, die Sankt Pauli das Herz austreiben wollen.


Dieser Beitrag wurde zuletzt von Shakes am 16.02.2025 um 13:46 Uhr bearbeitet
Unser Millerntor |#615
19.02.2025 - 11:36 Uhr
Ich fühle mich fast verpflichtet, mich zu entschuldigen, dass ich mich zu diesem Thema äußere und nach Shakes' Ankündigung den Schritt aus dem Off wage. Aber als sonst stiller Leser ist es angesichts all des Ungesagten kaum auszuhalten.

1. Ich kann die Emotionen und die Abwehr verstehen. Viel Whataboutism und „Wo soll das noch hinführen?“, ohne dass das Thema selbst klar besprochen wird. Die sehr harte Abwehrhaltung gegenüber einer Diskussion mag in den ersten Tagen als affektive Reaktion nachvollziehbar sein – selbst die Pfiffe im Stadion, die ich nicht gutheiße, sollten als Ausdruck der Emotionen in Ordnung sein. Aber die ersten Tage sind nun vorbei – kommen wir zur eigentlichen Debatte.

2. Ich lese Herrn Olligs Biografie bisher deutlich düsterer als beispielsweise geestler. Für nationalsozialistische Medien vor der Machtergreifung zu schreiben, war eine bewusste Entscheidung. Es hätte einer sehr speziellen Konstellation bedurft, um dies aus reiner Not heraus zu tun. Auch Teil der Propaganda zu werden, sehe ich als aktive Handlung. Dennoch halte ich mir ein endgültiges Urteil offen und hoffe auf ein fundiertes Gutachten von Historiker:innen, die das für uns einordnen können. Eine Entscheidung sollte sich darauf stützen. Zwischenrufe – auch vom Präsidenten – mit neuen Kategorien wie „harter Nazi“ empfinde ich als nicht hilfreich.

3. Keine Seite sollte sich in einer klaren Mehrheit sehen, DKlebenslang. Nach meiner Wahrnehmung – und auch nach dem, was ich aus meinem Umfeld mitbekomme (ohne klare Zahlen zu haben) – war die Stimmung im Stadion etwa 50/50. Selbst wenn es ein 70/30 für die bisherige Hymne gäbe, halte ich das nicht für ausreichend. Eine Hymne sollte etwas sein, hinter dem eigentlich alle stehen können – nicht nur eine Mehrheit. Der Anspruch an ein solch prägendes Lied ist hoch.

4. Und selbst wenn Ollig der größte Faschist gewesen wäre – kann man den Text von der Person trennen? Keine Ahnung. Das darf jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin da selbst noch ambivalent. Bisher habe ich keine Lust mehr auf das Lied, obwohl es mir viel bedeutet. Aber vielleicht ändert sich das mit der Zeit – ich lasse das einfach auf mich zukommen.


Ich habe deutlich mehr Vertrauen in den Entscheidungsprozess als du, Shakes. Ich glaube auch, dass du deine Entscheidung, dich vom FC St. Pauli abzuwenden, nicht am Ergebnis, sondern am Prozess festmachen solltest. Doch du scheinst dir bereits eine feste Meinung zum Prozess gebildet zu haben – aus deinen Beiträgen lese ich tiefes Misstrauen gegenüber den Verantwortlichen, das ja nicht neu ist.

Ich persönlich finde dein Bild vom Verein nur schwer mit meinem vereinbar. Es wirkt auf mich, als würdest du dir einen unpolitischen FCSP wünschen – was ich in der heutigen politischen Lage mit einer antifaschistischen Haltung nicht vereinbar sehe. Und antifaschistisch meine ich bewusst breit gefasst: nicht im Sinne der „Süd“ und eines radikalen Ausschlusses von Polizisten oder CDU-Mitgliedern (die bekanntermaßen ebenfalls Antifaschisten sein können – auch wenn das manche auf der Süd nicht glauben mögen), sondern schlicht als aktives Handeln gegen faschistische Strukturen.

Das bedeutet zwangsläufig, dass Fehler passieren, dass der Verein manchmal Richtungen einschlägt und sich dadurch angreifbar macht – sei es als „Gutmensch“, „Inkonsistenter“ oder „Klugscheißer“. Das ist das unvermeidbare Schicksal des Handelnden.

In aller Sympathie und als jemand, der deine ablehnenden, aber oft auch klugen und wütenden Beiträge hier schätzt, würde ich mir manchmal eine Art Erlösung wünschen (die du natürlich niemandem schuldig bist). Dass du eine Pointe findest. Wenn das dein Abschied und deine Abwendung vom Verein ist – nun gut. Aber ich würde dich viel lieber als Gegenstimme behalten, als kritischen, aber auch handelnden Teil dieses Vereins. Gegen Vorurteile – auch gegenüber vermeintlichen politischen Gegnern. Aber so, dass du diesen Kampf bewusst und gezielt führst – als wütender Antifaschist, der sich trotzdem nicht in einfache Vorverurteilungen verliert. Dafür müsstest du aber, glaube ich, auch etwas Gemeinsames eingehen: nach innen Dogmatiker angreifen, nach außen sich gemeinsam den faschistischen Strukturen stellen – und dabei Fußball gucken. Da wäre doch Gestaltungsspielraum.

Ich weiß nicht, ob ein Leben ohne St. Pauli sinnlos ist – aber mit ist es auf jeden Fall sehr sinnstiftend. Da bin ich mir sicher.
Unser Millerntor |#616
20.02.2025 - 07:16 Uhr
Wie ich bereits anderswo hier schrieb, habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Jedoch glaube ich, dass ich Werk und Künstler voneinander trennen kann.
Trotzdem, und das ist ebenso wichtig: Können es alle anderen ebenso? Falls nicht, und danach sieht es ja aus, ist ein Festhalten an unserer Stadionhymne unmöglich. Weil es nicht tragbar ist wenn sich Fans, während ich mich auf das Spiel einsinge, mit Nazi-Assoziationen und schlechten Gefühlen umherschlagen müssen. Und andere Buh-Rufe und Schmähgesänge skandieren. Während eine Hälfte sich munter ein Astra in den Kopf kippt und in den Armen liegt.

Ich werde das Lied, diese unsere Stadionhymne, schmerzlich vermissen. Weil sie für mich seit jeher dazugehört, den Takt des Stadtteils durch die Boxen in den Gehörgang presst. Gott weiß, wie oft ich dazu in Tränen auf den heiligen Stufen stand.

Ich wäre aber auch nicht beim FC St. Pauli, wenn ich nicht schätzen würde, dass man sich kritisch mit sich selbst auseinandersetzt. Das eben auch die Stadionhymne auf den Prüfstand kommt. Selbst wenn's weh tut. Weil unsere Haltung und Werte eben keine daher gesagten Floskeln sind, wie uns gerne vorgeworfen wird. Im Zweifel führen wir Debatten und treffen Entscheidungen, die mitunter unbequem sind.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wir hier und da mal daneben oder schießen über das Ziel hinaus. Was ich aber zweifelsfrei für mich sagen kann und warum ich Mitglied dieses Vereins bin: Der innere Kompass stimmt.

•     •     •

„Ein Walter Frosch spielt nur in der A-Mannschaft oder in der Weltauswahl“
Unser Millerntor |#617
20.02.2025 - 08:27 Uhr
Zitat von Observierer
Wie ich bereits anderswo hier schrieb, habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Jedoch glaube ich, dass ich Werk und Künstler voneinander trennen kann.
Trotzdem, und das ist ebenso wichtig: Können es alle anderen ebenso? Falls nicht, und danach sieht es ja aus, ist ein Festhalten an unserer Stadionhymne unmöglich. Weil es nicht tragbar ist wenn sich Fans, während ich mich auf das Spiel einsinge, mit Nazi-Assoziationen und schlechten Gefühlen umherschlagen müssen. Und andere Buh-Rufe und Schmähgesänge skandieren. Während eine Hälfte sich munter ein Astra in den Kopf kippt und in den Armen liegt.

Ich werde das Lied, diese unsere Stadionhymne, schmerzlich vermissen. Weil sie für mich seit jeher dazugehört, den Takt des Stadtteils durch die Boxen in den Gehörgang presst. Gott weiß, wie oft ich dazu in Tränen auf den heiligen Stufen stand.

Ich wäre aber auch nicht beim FC St. Pauli, wenn ich nicht schätzen würde, dass man sich kritisch mit sich selbst auseinandersetzt. Das eben auch die Stadionhymne auf den Prüfstand kommt. Selbst wenn's weh tut. Weil unsere Haltung und Werte eben keine daher gesagten Floskeln sind, wie uns gerne vorgeworfen wird. Im Zweifel führen wir Debatten und treffen Entscheidungen, die mitunter unbequem sind.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wir hier und da mal daneben oder schießen über das Ziel hinaus. Was ich aber zweifelsfrei für mich sagen kann und warum ich Mitglied dieses Vereins bin: Der innere Kompass stimmt.

Das kann ich praktisch genauso unterschreiben. Die Debatte tut weh, aber mMn muss man sich, wenn man glaubhaft bleiben will, (hoffentlich ernsthaft und ergebnisoffen) damit auseinandersetzen.

Das Thema mit der Trennung von Künstler und Werk hat man leider öfter. Ich finde zum Beispiel die Gemälde von Emil Nolde richtig schön, was das angeht, gehört er zu meinen Lieblingskünstlern. Dennoch weiß ich um Noldes Hintergrund und habe beim Anschauen der Bilder auch immer das im Hinterkopf. Kein schönes Gefühl, sondern ein richtiges Dilemma.

Egal, welche Lösung am Ende kommen wird, sie wird nicht allen passen. Das ist aber auch normal.
Unser Millerntor |#618
20.02.2025 - 08:56 Uhr
Zitat von srsly

Ich lese Herrn Olligs Biografie bisher deutlich düsterer als beispielsweise geestler. Für nationalsozialistische Medien vor der Machtergreifung zu schreiben, war eine bewusste Entscheidung. Es hätte einer sehr speziellen Konstellation bedurft, um dies aus reiner Not heraus zu tun. Auch Teil der Propaganda zu werden, sehe ich als aktive Handlung.


Ich habe deutlich mehr Vertrauen in den Entscheidungsprozess als du, Shakes. Ich glaube auch, dass du deine Entscheidung, dich vom FC St. Pauli abzuwenden, nicht am Ergebnis, sondern am Prozess festmachen solltest.


Ich persönlich finde dein Bild vom Verein nur schwer mit meinem vereinbar. Es wirkt auf mich, als würdest du dir einen unpolitischen FCSP wünschen – was ich in der heutigen politischen Lage mit einer antifaschistischen Haltung nicht vereinbar sehe. Und antifaschistisch meine ich bewusst breit gefasst: nicht im Sinne der „Süd“ und eines radikalen Ausschlusses von Polizisten oder CDU-Mitgliedern (die bekanntermaßen ebenfalls Antifaschisten sein können – auch wenn das manche auf der Süd nicht glauben mögen), sondern schlicht als aktives Handeln gegen faschistische Strukturen.


In aller Sympathie und als jemand, der deine ablehnenden, aber oft auch klugen und wütenden Beiträge hier schätzt, würde ich mir manchmal eine Art Erlösung wünschen (die du natürlich niemandem schuldig bist). Dass du eine Pointe findest. Wenn das dein Abschied und deine Abwendung vom Verein ist – nun gut. Aber ich würde dich viel lieber als Gegenstimme behalten, als kritischen, aber auch handelnden Teil dieses Vereins. Gegen Vorurteile – auch gegenüber vermeintlichen politischen Gegnern. Aber so, dass du diesen Kampf bewusst und gezielt führst – als wütender Antifaschist, der sich trotzdem nicht in einfache Vorverurteilungen verliert. Dafür müsstest du aber, glaube ich, auch etwas Gemeinsames eingehen: nach innen Dogmatiker angreifen, nach außen sich gemeinsam den faschistischen Strukturen stellen – und dabei Fußball gucken. Da wäre doch Gestaltungsspielraum.


Ich weiß nicht, ob ein Leben ohne St. Pauli sinnlos ist – aber mit ist es auf jeden Fall sehr sinnstiftend. Da bin ich mir sicher.


Erstmal Kompliment zum und vor allem Dank für den gelungenen und mMn lesenswertem Beitrag - auch wenn ich dir inhaltlich nicht wirklich folge. Aber ich möchte dir gern ausführlich antworten.

Ich gehöre einer Generation an, deren Großeltern erwachsener Teil von Weimar und Nazi-Herrschaft waren. Und ich hatte das Glück, mit Großeltern und Eltern über die vielen persönlichen Erfahrungen aus diesen Jahrzehnten sprechen und diskutieren zu können. Und ich hatte das große Glück, dass diese teils sehr alt wurden, dass ich diese Gespräche auch noch als junger Erwachsener führen durfte.

Ich durfte die Erfahrungen von Menschen erleben, die bürgerkriegsähnliche Umstände im Berlin der 20er erlebt haben, mit Straßenkämpfen zwischen Kommunisten und Faschisten. Die das Plündern von Bauernhöfen erleben mussten und ihre Sehnsucht nach irgendeiner Form von staatlicher Ordnung und dem Folgen von diesbezüglichen Versprechungen.
Von Menschen, denen eine WEITAUS geringere Informationsvielfalt und vor allem -qualität zur Verfügung stand als uns heute. Menschen, die in ihrer Schulzeit keinerlei demokratische Bildung erfahren hatten. Menschen, die die erste deutsche Demokratie als dysfunktional und ihr Leben als von Hoffnungslosigkeit, Armut und Existenzangst erlebt haben. Menschen eben, die leicht von radikalen Populisten zu verführen waren und teilweise auch verführt wurden. Und dies später bitter bereut und zutiefst bedauert haben.
Aber auch Menschen, die gebildet waren, die AH von Beginn an misstraut und aus tiefem christlichen Menschenbild heraus schon wegen seines Antisemitismus abgelehnt haben, dies auch nach 1933 immer wieder öffentlich. Menschen, die mit Glück überlebten, weil sie mächtige Freunde (nicht alle Mächtigen waren Nazis) hatten, die sie schützten.

All diese Menschen waren eben auch Menschen mit Kindern und standen täglich vor der Gratwanderung zwischen Ablehnung des faschistischen Herrschaftssystems und der Angst um sich und ihre Familien.
Väter, die gegen ihren Willen in den Krieg ziehen mussten, die in die Wehrmacht eingezogen wurden (und nicht etwa mit Begeisterung zur SS gelaufen sind), die dafür ihre Familien in der Stadt oder ihrem Hof auf dem Land zurücklassen mussten.
Menschen, die, sofern sie sich als Verführte erlebt haben, zeitlebens damit gehadert und an sich gezweifelt haben.
Und allesamt Menschen, die die Erlebnisse aus Weimar, aus Nazi-Diktatur und Krieg zeitlebens niemals abschütteln konnten und darunter litten.

Hier hat meine Großeltern-Generation meine eigene Entwicklung als politisch denkender Mensch sicher auch mitgeprägt. Mein antifaschistisches Verständnis (das ich selbst nie so bezeichnen und es als thematisch viel zu eng auffassen würde) hat immer auch mit dem Bewusstsein der Verführbarkeit der Menschen und der Sorge davor zu tun. Und die gesellschaftliche Entwicklungder letzten Jahre bestätigt meine Sorge leider viel stärker, als ich es für möglich gehalten hätte.

Ich empfinde die Selbstverständlichkeit bedenklich, mit der Menschen, die vor 80, 90, 100 Jahren gelebt haben, von jenen heute so schnell als Nazi abqualifiziert werden, die selbst die Zeit natürlich nicht erlebt haben, aber vielleicht auch wenig über das Leben der Menschen damals wenig wissen oder - schlimmer noch - wissen wollen.
Dieses eilfertige Schwarz-Weiß-Denken ist in seiner absoluten, selbstverliebten Grundhaltung der der Faschisten oder ihren Followern absurderweise leider nicht unähnlich.
Antifaschismus ist nicht deswegen richtig, weil er gegen das Falsche ist. Es gibt nämlich viel mehr falsche als richtige Wege.
Extremismus hingegen kann nie ein richtiger Weg sein, weil er Mensch ausschließt und nur Gegen- statt Miteinander schafft.

Dass ich mir einen unpolitischen FC St. Pauli wünsche, ist schlicht falsch. Meine Zeit beim FC St. Pauli begann in den späteren 80ern, als Pauli ein Gegenpol zu Rechtsradikalen und Gewalt-Hools in anderen Stadien bildete. Als Helmut Schulte Bananen ins Publikum warf, während anderswo Spieler mit Affengegrunze verhöhnt wurden.
Aber ich wünsche mir einen FC St. Pauli, dessen Haltung (wieder) mehr von Ehrlichkeit geprägt ist. Der ausgeprägte Kuschelkurs mit Straf- und Gewalttätern vor allem unter Göttlich hat mich schon immer mehr als nur irritiert. Er ist imA entweder schlicht falsch oder aber sogar kalkuliert und damit besonders verwerflich.

Wer schon etwas mehr von dieser Welt gesehen hat, wird womöglich wie ich schnell zu dem Schluss kommen, dass dieses Land und sein System nicht perfekt aber doch ziemlich, ziemlich gut ist. Viele Länder mit so guten oder gar besseren demokratischen Strukturen, sozialen Sicherungssytemen und einer immer noch überwiegenden Willkommenskultur für Hilfsbedürftige wird man nicht finden. Das heißt natürlich nicht, dass man nichts verbessern könnte oder sollte. Insgesamt aber darf man sehr dankbar über das Glück sein, hier leben (und politischer Mensch sein) zu dürfen.
Daher verordne ich mich als ein solcher politischer Mensch sehr klar auf dem Boden des Grundgesetzes.

Nach meiner festen Überzeugung bekämpft man Rechtsextremismus aus einer stabilen demokratischen Mitte heraus, die offen für Gedanken und Sorgen von Menschen ist und dennoch in den gesellschaftlichen Werten stabil bleibt. Man bekämpft ihn nicht erfolgreich durch Kontra-Extrmismus. Der ist zwar einfach, dient am Ende aber nur einer simplen Selbstverordnung auf einre entgegengesetzten aber nur scheinbar deswegen richtigen Seite, bedient am Ende persönliche Eitelkeiten aber nicht die Notwendigkeiten zum Schutz von Demokratie und Freiheitlichkeit und Offenheit. Er spaltet die Gesellschaft nur weiter.

Ich habe es ja schon öfter angemahnt: Der FC Sankt Pauli unter der Leadership von Göttlich betreibt in meinen Augen sehr oft genau die populistische Symbolpolitik, die ich gegenwärtig Menschen wie z. B. M*rz oder S*der vorwerfen muss.
Da wird rumgeiert, wenn Menschen unter dem Deckmantel politischen Protestes einen ganzen Stadtteil zu einem Bürgerkriegsschauplatzes machen wollen, wenn diese Polizisten von Dächern mit Beton- oder Steinplatten bewerfen.
Da wird seit Jahren die schützende Hand über Menschen in der Süd gehalten, die Taten zum Schaden der anderen Fans und des Vereins verüben.
Auch beim Bullen-Bashing ist Herr Göttlich ja gern und vorschnell bei der Hand. Hauptsache, die eigene Klientel wird bedient. Schuld sind immer die anderen, nie die in den angeblich eigenen Farben. Da passt die Duldung der Umtriebe der USP nur zu gut ins Bild.

Göttlich betreibt im Kleinen eine ähnliche Spaltung, wie sie andere Kräfte an unserer ganzen Gesellschaft vornehmen. Aber es ist eben keine Abspaltung von Extrmisten, es ist ein gegenseitiges Bedienen. Es ist ein Profitieren der Extremisten im eigenen Stadion durch die schützende Hand von oben und eine sichere Fanbese, die man ja zur Stimmungsmache und Wiederwahl braucht.

Zur aktuellen Situation rund um das pöhse Nazi-Lied und den Verweis auf die heutige politische Lage:
FALLS man sich wirklich in seiner antifaschistischen Haltung auf eine (ja auch von mir so wahrgenommene sehr besorgniserregende) Entwicklung in unserer politischen Landschaft berufen möchte, dann frage ich mich, wo ist denn hier der wirksame Bezug zur und in der Gegenwart?

Warum geben denn Vereinsvertreter zum Beispiel eben jener Zeitung Interviews, die seit mehreren Jahren aktiv unser demokratisches System zu destabilisieren sucht, die nationalistische und nationalkonservative Kräfte befördert, in dem sie deren Narrative und Wordings übernimmt und verbreitet, indem sie deren Hass und Hetze als Multiplikator dient? Und dies ob seiner Verbreitung auch überaus erfolgreich tut?
Warum gibt man deren Vertretern Akkreditierungen?
Warum zeigt man da nicht die so gern für sich in Anspruch genommene "klare Kante"? Da würde sie meiner Meinung nach hingehören? Da könnte man ein deutliches und ein wirksames Zeichen setzen.
Warum also nicht?
Vielleicht, weil man sich mit diesen Kräften nicht anlegen möchte?
Vielleicht, weil man deren Reichweite für die Verbreitung der eigenen (Wirtschafts-)Marke nutzt?
Vielleicht, weil man eben eigene Interessen hat?

Kann man ja so machen. Aber dann verbietet sich mMn der arrogant erhobene moralische Zeigefinger, den man so gern auf andere richtet; noch dazu, wenn - wie in diesem Fall - die Zielobjekte für den Finger seit Jahrzehnten tot und ihr fragliches Handeln natürlich noch viel länger her ist.

Nein, hier verurteilt der Herr Präsident den Texter schon im TV als "harten Nazi". Deswegen sehe ich hier in ihm auch keinen Moderator eines offenen Prozesses. Das entscheidende Wording ist schon getätigt und damit die Meinung vieler festgelegt. Die Grundlegung für "Hymne muss nicht nur Teile der Fans sondern deren Gesamtheit hinter sich haben" ist damit schon entzogen.
Göttlich hatte mal wieder seinen Moment der selbstverliebten öffentlichen Positionierung gegen ein Rechts, das hier vielleicht gar nicht vorhanden ist. Wichtigtuerei ist viel wichtiger als Relevanz und Fakten.
Da, wo es weh tut oder gar etwas bewirkt, da positioniert sich ein Göttlich natürlich nie. Weder auf der einen, noch auf der anderen Seite.

Werte haben nur Wert, wenn man sie glaubwürdig mit Inhalt fült, wenn man sie glaubwürdig lebt. Menschen wie Göttlich besitzen diese Glaubwürdigkeit in meinen Augen nicht, und damit geht auch dem Verein seine Glaubwürdigkeit verloren. Genau deswegen habe ich auch anders als du eben überhaupt kein Vertrauen in Göttlich als Amtsträger in unserem Club.

Eben weil ich auch meinen Club nicht unpolitisch sehen kann, habe ich ein so großes Problem mit dem platten Populismus, den sein führender Vertreter nach meiner Auffassung betreibt.
Eben deswegen bedrückt mich die Doppelzüngigkeit und Unehrlichkeit, die ich in der Diskrepanz aus Reden und Handeln beobachte.
Irgendwann läuft jedes Fass nunmal über.
Ich will mich nicht gemein machen, mit den Club repräsentierenden Menschen, die ihren Antifaschismus als einen Extremismus leben (lassen) und befeuern, der faktisch aber vor allem eigene Bedürfnisse bedient und nichts, wirklich nichts Wirksames gegen den aufkommenden Faschismus leisten kann. Um deine Worte aufzugreifen: Ich kann mich nicht gegen die Dogmatiker (ich nenne sie lieber Populisten) nach innen wenden und dann glaubwürdig nach außen neben ihnen stehen.

Ein Austritt aus meinem Club wäre/ist natürlich etwas, das der Verstand steuern und den man faktisch vollziehen kann. Was mir dann von meinem Pauli in meinem Herzen (ja wie im bösen Nazi-Song) bleibt, kann ich, ganz Nick Hornby folgend, nicht vorhersagen. Aber permanente Fremdscham schlägt die Identifikation wie ein kleiner Meißel Stückchen für Stückchen ab und lässt am nicht viel übrig.
Ein "Erlösung", wie du schreibst, könnte vermutlich eine personelle und damit inhaltliche Neuverordnung des Clubs bringen, und eine anti-extremistische Ausrichtung anstelle eines willfährigen "eine-Hand-wäscht-die-andere"- Agreements, Glaubwürdigkeit durch Kongruenz von Worten und Handeln.
Eigenartiger Weise wird das präsidiale Narrativ, dass "politisch" gleichbedeutend mit "extremistisch" ist, hier ja nur wenig hinterfragt.
Aber eigentlich brauche ich auch keine Erlösung.

Auch ein Leben ohne den FC St. Pauli kann bestimmt sehr sinnstiftend sein. Auch und gerade für politisch denkende Menschen.
Aber der Fußballclub mit den Irvines, Smiths, Bolls, Meggles & Co würde mir schon fehlen.

Beste Grüße und Forza für die Guten!

•     •     •

Die Elbe, der Michel, der Kurs ist immer gut. St. Pauli, die Freiheit, das liegt uns so im Blut,
und hat das Lebensschiff ein Leck, in Hamburg bleiben wir an Deck, in Hamburg, da bleiben wir an Deck

Wem die Freiheit im Blut liegt, der lässt sich seine Meinung nicht von irgendwelchen Führern vorkauen. Nirgendwo, auch nicht im Fußball!

Das Herz von Sankt Pauli wird auch die überdauern, die Sankt Pauli das Herz austreiben wollen.

Unser Millerntor |#619
20.02.2025 - 14:48 Uhr
Moinsen!

Ich möchte allen Beteiligten für die sehr guten, sehr reflektierten Beiträge danken!
Ich kann wirklich bislang alle die sich zu diesem mMn schwierigen Thema zu Wort gemeldet haben wirklich gut nachvollziehen.

@Shakes Es wäre wirklich schade, wenn Du Dich vom Verein wegtreiben lassen würdest, weil Du mit dem Präsidium über Kreuz liegst. Ich finde das Präsidium auch irgendwo zwischen gut und blöd, je nachdem was gerade passiert. Aber es heißt ja nicht ohne Grund Verein (!) und so sollten doch bitte alle Antifaschisten bei uns eine Heimat haben und nicht nur diejenigen, die in jeder Hinsicht und für alle ohne Fehl und Tadel sind. (Dann wird das auch eine sehr einsame Veranstaltung im Stadion)

Da es bei dem Lied um den Verein als Ganzes geht, bin ich auch eher bei denen, die sagen, dass das nicht funktioniert, wenn es uns auseinander treibt und nicht zusammenführt. Denn der Kern des Liedes war für mich immer, dass wir uns alle im Stadion beim gemeinsamen Singen zuhause gefühlt haben.

Auch wenn es mir wichtig ist, sich Symbole nicht von Nazis nehmen zu lassen. Wenn das Andere nicht hinbekommen wird es halt schwierig. Und generell ist es komplett unwahrscheinlich irgendetwas Älteres zu finden, was sich nicht in irgendeiner Form kompromittieren lässt. Denn an der ganzen Sch...haben halt sehr sehr viele mitgemacht und darüber hinaus, wie Erich Kästner richtig geschrieben hat, sind auch diejenigen mitschuldig, die das Ganze nicht mit verhindert haben...warum auch immer...

Also, hoffen wir auf den ergebnisoffenen Prozess und die Erkenntnis des Präsidiums, dass das Stadion nicht nur aus der USP besteht (auch wenn sie gerne mal entsprechend laut sind) und wir etwas finden sollten wohinter sich alle versammeln können. Was es dann auch immer am Ende wird.
Unser Millerntor |#620
21.02.2025 - 07:16 Uhr
Das wir in Teilen unterschiedliche Haltungen in dieser Debatte einnehmen, zeigt doch eigentlich erst, dass der Verein funktioniert. Das wir gewiss keine homogene Masse sind, "die Zecken" oder in was für Schubladen man uns nur zu gerne steckt. Nur mit solch' diversen Positionen kann ein Meinungsbildungsprozess funktionieren - ohne sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Das ist etwas, dass mir zeigt, wie richtig ich bei diesem Verein bin.
Ich würde es doch aufs schmerzlichste Vermissen, wäre es anders. Bestünde dieses Stadion nur aus der Südkurve mit USP. Nein, es braucht die Jungen und die Alten, die Stadionwurst-Esser und vegane-Schnitzel-Besteller, die Sitzer und Steher, die armen und Reichen. Es braucht die Anzugträger und die in der Kutte. Welche mit Parker und Bärten und die in Jogginghose und North-Face-Jacken. Bunte Vögel und Schwiegermutters Liebling.
Die muss man gewiss nicht alle lieben. Genauso wie ihre unterschiedlichen Herangehensweisen bei Themen. Doch am Ende stehen wir alle gemeinsam in den Kurven und Geraden, heben zusammen unsere Schals in Vereinsfarben. Dafür verzichte ich auf dieses Lied, auch wenn's schwer fällt.

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„Ein Walter Frosch spielt nur in der A-Mannschaft oder in der Weltauswahl“
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