| Geburtsdatum | 01.04.1971 |
|---|---|
| Alter | 55 |
| Nat. |
Deutschland |
| Funktion | Trainer |
| Akt. Verein | Hannover 96 |
Christian Titz [Trainer]
15.06.2025 - 12:19 Uhr
20.05.2026 - 13:31 Uhr
Zitat von riodelaplata
Ansonsten dürfte unser Etat für den Spielbetrieb etwa im oberen Drittel der Liga sein. Ob das „mehr als nur konkurrenzfähig“ ist, kommt dann darauf an worauf man das bezieht. Auch, dass „sogar“ Miron Muslic sich beworben hat sehe ich nicht als die krasse Auszeichnung. Der hat mit Schalke eine super Saison gespielt und dort tolle Arbeit geleistet, war im Sommer aber grade frisch mit Plymouth aus der zweiten englischen Liga abgestiegen und hat als er bei Schalke vorgestellt wurde auch dort eher für die ein oder andere hochgezogene Augenbraue und nicht unbedingt für Jubelstürme gesorgt.
Zitat von SummerOf96
Also hauptsächlich die Ebene auf dem Platz. Der Umbruch war eine Herausforderung, das steht außer Frage und das ist mit Ausnahmen gut gelungen. Als Trainer ist es aber auch ein Privileg, wenn man den Kader nach seinen Bedürfnissen zusammenstellen kann und dabei finanziell im Ligavergleich mehr als nur konkurrenzfähig handeln durfte. Davon träumen viele Trainer. Die Planstelle bei 96 war im Sommer wohl mit der attraktivste Job der 2. Bundesliga. Das lag eben auch an guter Arbeit im Verein. Es wird schon seine Gründe haben, warum sich hier selbst ein Muslic vorgestellt haben soll. Verbrannte Erde kann ich da letzten Sommer weniger erkennen. Ein Anfang oder Ende haben sowas in Düsseldorf sicherlich eher übernommen.
So gut wir im Sommer strukturell aufgestellt waren, so schnell ist das dann aber auch wieder in typischer 96-Manier zusammengebrochen. Dass mit Mann erst der GF gegangen ist, der Titz überhaupt für das Projekt an Bord geholt hat und dann mit Schmadtke einer kam, der scheinbar von Anfang an mit ihm und anderen Mitarbeitenden auf Kriegsfuß war, ehe es zum großen Knall gekommen ist, wird die Arbeit während der Saison nicht einfacher gemacht. Und das waren ja auch nicht die einzigen Abgänge in diesen Bereichen. Zitat von 30449
Mit verbrannter Erde meinte ich eher die Ausgangssituation für Titz mit zwei misslungenen Trainerwechseln, fehlender Spielkultur, einer enttäuschenden Tabellenplatzierung als Neunter und einem Abgang der qualitativen Säulen Neumann, Halstenberg und Tresoldi. Da hatte er wenig zum Draufaufbauen und somit trägt er die Hauptverantwortung für die insgesamt sehr positive spielerische Entwicklung und Punkteausbeute. Sowie m.M.n. für eine (perspektivische) Martkwertsteigerung bei Aseko, Oudenne, Matsuda, Chakroun, Okon, Thordarson, Källman, Taibi, Bundu und Noll.
Zitat von SummerOf96
Verbrannte Erde - spielerisch meinst du? Da würde ich vielleicht noch mitgehen. Strukturell waren wir in den Vorjahren top aufgestellt. Das ist aktuell unsere größte Baustelle - dem ganzen Laden eine Richtung zu geben und vakante Stellen qualitativ neu zu besetzen. Ansonsten wird man bis auf „Alles auf Titz“ nicht mehr viel haben. Und wenn das nicht klappen sollte, bekommen wir ein noch viel größeres Problem. Titz hat hier einen wirtschaftlich stabilen Verein mit Kompetenzen in der GF Sport, finanziellen Spielraum durch jahrelang hohe Transfererlöse, Scouting Know-How, Kaderplanung sowie Nachwuchstrainern vorgefunden. Ein Umbruch des Profikaders stand bevor.
Zitat von 30449
Das klingt so als hätte sich Titz in ein gemachtes Nest gesetzt und dann alles kaputt gemacht, während es eigentlich doch andersrum ist. Titz hat hier auf verbrannter Erde unerwartet schnell etwas geformt und mit dem überragenden Saisonstart selbst dazu geführt, dass sich die Erwartungshaltung plötzlich so stark nach oben verschoben hat. Also könnte man ihm vorwerfen, er sei selbst Schuld an der hohen Messlatte. Nach diesen zähen Jahren davor bin ich allerdings primär glücklich, dass es hier wieder eine starke Idee von Fußball gibt, die zudem erfolgreich ist (60 Punkte).
Das klingt so als hätte sich Titz in ein gemachtes Nest gesetzt und dann alles kaputt gemacht, während es eigentlich doch andersrum ist. Titz hat hier auf verbrannter Erde unerwartet schnell etwas geformt und mit dem überragenden Saisonstart selbst dazu geführt, dass sich die Erwartungshaltung plötzlich so stark nach oben verschoben hat. Also könnte man ihm vorwerfen, er sei selbst Schuld an der hohen Messlatte. Nach diesen zähen Jahren davor bin ich allerdings primär glücklich, dass es hier wieder eine starke Idee von Fußball gibt, die zudem erfolgreich ist (60 Punkte).
Verbrannte Erde - spielerisch meinst du? Da würde ich vielleicht noch mitgehen. Strukturell waren wir in den Vorjahren top aufgestellt. Das ist aktuell unsere größte Baustelle - dem ganzen Laden eine Richtung zu geben und vakante Stellen qualitativ neu zu besetzen. Ansonsten wird man bis auf „Alles auf Titz“ nicht mehr viel haben. Und wenn das nicht klappen sollte, bekommen wir ein noch viel größeres Problem. Titz hat hier einen wirtschaftlich stabilen Verein mit Kompetenzen in der GF Sport, finanziellen Spielraum durch jahrelang hohe Transfererlöse, Scouting Know-How, Kaderplanung sowie Nachwuchstrainern vorgefunden. Ein Umbruch des Profikaders stand bevor.
Mit verbrannter Erde meinte ich eher die Ausgangssituation für Titz mit zwei misslungenen Trainerwechseln, fehlender Spielkultur, einer enttäuschenden Tabellenplatzierung als Neunter und einem Abgang der qualitativen Säulen Neumann, Halstenberg und Tresoldi. Da hatte er wenig zum Draufaufbauen und somit trägt er die Hauptverantwortung für die insgesamt sehr positive spielerische Entwicklung und Punkteausbeute. Sowie m.M.n. für eine (perspektivische) Martkwertsteigerung bei Aseko, Oudenne, Matsuda, Chakroun, Okon, Thordarson, Källman, Taibi, Bundu und Noll.
Also hauptsächlich die Ebene auf dem Platz. Der Umbruch war eine Herausforderung, das steht außer Frage und das ist mit Ausnahmen gut gelungen. Als Trainer ist es aber auch ein Privileg, wenn man den Kader nach seinen Bedürfnissen zusammenstellen kann und dabei finanziell im Ligavergleich mehr als nur konkurrenzfähig handeln durfte. Davon träumen viele Trainer. Die Planstelle bei 96 war im Sommer wohl mit der attraktivste Job der 2. Bundesliga. Das lag eben auch an guter Arbeit im Verein. Es wird schon seine Gründe haben, warum sich hier selbst ein Muslic vorgestellt haben soll. Verbrannte Erde kann ich da letzten Sommer weniger erkennen. Ein Anfang oder Ende haben sowas in Düsseldorf sicherlich eher übernommen.
Ansonsten dürfte unser Etat für den Spielbetrieb etwa im oberen Drittel der Liga sein. Ob das „mehr als nur konkurrenzfähig“ ist, kommt dann darauf an worauf man das bezieht. Auch, dass „sogar“ Miron Muslic sich beworben hat sehe ich nicht als die krasse Auszeichnung. Der hat mit Schalke eine super Saison gespielt und dort tolle Arbeit geleistet, war im Sommer aber grade frisch mit Plymouth aus der zweiten englischen Liga abgestiegen und hat als er bei Schalke vorgestellt wurde auch dort eher für die ein oder andere hochgezogene Augenbraue und nicht unbedingt für Jubelstürme gesorgt.
So ist das (leider) in Hannover. Dafür haben wir ein Händchen, die Dinge auch schnell wieder in die andere Richtung zu bewegen. Wieso man den Weg mit Schmadtke zumindest nicht ungefähr vorher abstecken konnte, verstehe ich bis heute nicht.
Wie hoch der Etat am Ende tatsächlich war ist ein Mysterium. In der letzten Saison soll er bei 16 Millionen gelegen haben. Dann gab es die Nachricht mit der Aufstockung von 6 Millionen für diese Saison. Es wurde jedenfalls nicht wie in den Vorjahren gespart. Damit werden wir wahrscheinlich Top 5 oder Top 3 gewesen sein. Schalke und Hertha müssten höher liegen. Unterm Strich kommt das also mit der Endplatzierung hin - wenn man es so nehmen möchte. Mit Paderborn und Elversberg sind aber auch wieder Vereine mit geringeren Mitteln vor uns gelandet.
Muslic war nun ein Beispiel. Es wird mehrere Interessenten gegeben haben. Ich wollte damit nur verdeutlichen, dass Titz hier sicherlich kein Sanierungsfall übernommen hat. Der Gestaltungsspielraum war vorhanden und es konnte auf über Jahre aufgebaute Kompetenzen aus der GF, Scouting/Kaderplanung , NLZ zurückgegriffen werden.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von SummerOf96 am 20.05.2026 um 13:32 Uhr bearbeitet
20.05.2026 - 13:41 Uhr
Ich finde die Artikel in diesem Forum teilweise zu stark polarisierend und vieles wird nur schwarz oder weiß gesehen, weshalb ich einen Artikel verfasst habe, der ausgewogen die Situation darstellen soll:
Christian Titz ist wahrscheinlich der interessanteste Trainer, den Hannover 96 seit vielen Jahren hatte. Und genau das ist gleichzeitig sein größtes Problem.
Man kann über vieles diskutieren, aber nicht darüber, dass Hannover unter ihm erstmals seit langer Zeit wieder wie eine Mannschaft mit echter Idee wirkte. Nicht dieses übliche Zweitliga-Geschiebe aus langen Bällen, Zufall und individueller Tagesform, sondern ein klar erkennbarer Ansatz. Hoher Ballbesitz, mutiges Aufrücken, Dominanzphasen, Pressingstrukturen, spielerische Lösungen aus engen Räumen. Das war teilweise richtig guter Fußball für Zweitligaverhältnisse und beileibe kein Leitl-Fußball mehr. Die Auswärtsbilanz war historisch stark, die Leistungsdaten ebenfalls. In einigen xG-Auswertungen war Hannover sogar eines der stärksten Teams der Liga. Das kommt nicht zufällig zustande.
Und trotzdem steht am Ende kein Aufstieg, nicht einmal die Relegation.
Das ist die große Krux bei Titz. Seine Befürworter sehen die Entwicklung und sagen zurecht, dass Hannover lange nicht mehr so nah dran war, oben wirklich mitzuspielen. Seine Kritiker schauen auf die Tabelle und sagen ebenfalls zurecht, dass am Ende wieder nichts in der Hand war, obwohl die Ausgangslage hervorragend gewesen ist. Beide Seiten haben Argumente. Am Ende macht es einen marginalen finanziellen Unterschied in den Finanzen, ob man 4. oder 9. wird.
Anzuerkennen ist, dass Titz in relativ kurzer Zeit eine Mannschaft geformt hat, die grundsätzlich aufstiegsfähig war. Nach den Jahren davor ist das nicht selbstverständlich. Vor allem wenn man bedenkt, wie oft in Hannover zuvor zwischen „Körperlichkeit“, „Mentalität“, „Stabilität“ und irgendwelchen anderen Trainerlösungen gewechselt wurde. Unter Titz gab es zumindest wieder einen roten Faden. Das allein hebt ihn schon von einigen Vorgängern ab.
Gleichzeitig merkt man aber auch, dass Titz kein Trainer für ein komplett harmonisches Wohlfühlbiotop ist. Dafür ist seine Art zu klar, zu dominant und wahrscheinlich auch zu kompromisslos. Der kicker schrieb sinngemäß bereits von „alles auf Titz“ und genau das beschreibt das Problem ziemlich gut. Wenn ein Trainer sehr stark in Spielidee, Kaderstruktur und sportliche Ausrichtung eingreift, entsteht automatisch Reibung. Besonders in Hannover, wo spätestens seit dieser Saison mal wieder irgendwelche Machtachsen gegeneinander laufen.
Die öffentliche Entwicklung rund um Schmadtke wirkte jedenfalls nicht wie eine große sportliche Liebesgeschichte. Anfangs wurde noch von harmonischer Zusammenarbeit gesprochen, später die Gerüchte, dass sich Schmadtke von Titz trennen möchte. Gleichzeitig stellte sich Becker nach Saisonende demonstrativ hinter ihn. Ob Martin Kind ein finales Wort spricht, wissen wir nicht.
Interessant ist dabei, dass die große Eskalation offenbar weniger zwischen Titz und der Mannschaft stattfand als vielmehr im erweiterten sportlichen Umfeld. Gerade diese Geschichte mit der angeblichen Loyalitätsrede wurde medial im Titel der Bild schnell so interpretiert, als hätte die Kabine komplett gegen ihn gearbeitet. Dafür gibt es öffentlich aber eigentlich keinen sauberen Beleg, nur Gerüchte und Behauptungen. Wahrscheinlicher ist eher, dass es intern zwischen sportlicher Führung, Staff und verschiedenen Lagern geknirscht hat. Hannover schafft es ja traditionell, selbst in halbwegs erfolgreichen Phasen noch irgendeinen Nebenschauplatz aufzumachen oder sich derart den Medien auszuliefern, dass diese Gerüchte an die Öffentlichkeit gelangen.
Zur Mannschaft selbst ist das Bild deutlich differenzierter. Einerseits gab es sichtbare Überzeugung auf dem Platz. So einen Fußball spielst du nicht, wenn die Mannschaft den Trainer komplett ablehnt. Andererseits waren die letzten Wochen der Saison mental alles andere als souverän. Genau dort setzt die berechtigte Kritik an Titz an. Hannover hatte mehrfach die Chance, sich entscheidend abzusetzen, wirkte zuhause plötzlich gehemmt und verteidigte in Druckmomenten teilweise erstaunlich unsauber. Das 3:3 gegen Nürnberg war fast schon sinnbildlich für diese Saison. Viel Qualität, viel Aufwand, teilweise richtig starker Fußball – und trotzdem bringt man sich am Ende selbst um den Lohn.
Deshalb wird die kommende Saison brutal interessant. Ich glaube nämlich nicht, dass Titz kurz vor dem Aus steht, was aber auch Gefahren erzeugt, denn man gerät in eine hohe Abhängigkeit. Becker hat ihn öffentlich viel zu deutlich gestützt, als dass intern bereits die Entlassung vorbereitet wäre. Außerdem wäre der nächste komplette Neustart nach Platz 4 sportlich kaum vermittelbar. Dafür war die Saison insgesamt zu gut. Wie geschrieben, wissen wir die finale Reaktion von Martin Kind nicht und ohne eine saubere retrospektive Betrachtung mit der Fähigkeit auch Fehler einzustehen, wird Titz nicht aus der Nummer herauskommen.
Aber die Schonfrist ist vorbei.
Bislang konnte man immer sagen, dass der Kader neu war, Prozesse Zeit brauchen und die Idee erst wachsen müsse. Diese Argumente ziehen jetzt nicht mehr. Der Kader wird im Sommer noch stärker auf Titz-Fußball zugeschnitten werden. Laufstärke, Pressingresistenz, spielstarke Verteidiger, flexible Offensivspieler – genau solche Profile dürften noch wichtiger werden. Gleichzeitig werden Spieler, die eher für Verwaltungsfußball stehen, vermutlich weiter an Bedeutung verlieren.
Damit gehört die Mannschaft ab Sommer endgültig ihm, auch mit der Gefahr, dass Hannover 96 dann nur noch den Titz-Fußball spielen kann, wie man zu Saisonbeginn in Magdeburg gesehen hat.
Und genau deshalb wird 2026/27 wahrscheinlich zur kompletten Richtungsentscheidung. Wenn Hannover stabil startet und die Heimschwäche in den Griff bekommt, kann das tatsächlich eine Top-2-Mannschaft werden. Die Basis dafür ist vorhanden. Wenn die Ergebnisse aber anfangen zu wackeln, wird die Stimmung extrem schnell kippen. Nicht unbedingt, weil Titz schlechte Arbeit macht, sondern weil Trainer mit klarer Handschrift immer polarisiert haben. Solange sie gewinnen, gelten sie als Visionäre. Wenn Ergebnisse fehlen, gelten sie plötzlich als stur.
Und ehrlicherweise passt genau das perfekt zu Christian Titz.
Christian Titz ist wahrscheinlich der interessanteste Trainer, den Hannover 96 seit vielen Jahren hatte. Und genau das ist gleichzeitig sein größtes Problem.
Man kann über vieles diskutieren, aber nicht darüber, dass Hannover unter ihm erstmals seit langer Zeit wieder wie eine Mannschaft mit echter Idee wirkte. Nicht dieses übliche Zweitliga-Geschiebe aus langen Bällen, Zufall und individueller Tagesform, sondern ein klar erkennbarer Ansatz. Hoher Ballbesitz, mutiges Aufrücken, Dominanzphasen, Pressingstrukturen, spielerische Lösungen aus engen Räumen. Das war teilweise richtig guter Fußball für Zweitligaverhältnisse und beileibe kein Leitl-Fußball mehr. Die Auswärtsbilanz war historisch stark, die Leistungsdaten ebenfalls. In einigen xG-Auswertungen war Hannover sogar eines der stärksten Teams der Liga. Das kommt nicht zufällig zustande.
Und trotzdem steht am Ende kein Aufstieg, nicht einmal die Relegation.
Das ist die große Krux bei Titz. Seine Befürworter sehen die Entwicklung und sagen zurecht, dass Hannover lange nicht mehr so nah dran war, oben wirklich mitzuspielen. Seine Kritiker schauen auf die Tabelle und sagen ebenfalls zurecht, dass am Ende wieder nichts in der Hand war, obwohl die Ausgangslage hervorragend gewesen ist. Beide Seiten haben Argumente. Am Ende macht es einen marginalen finanziellen Unterschied in den Finanzen, ob man 4. oder 9. wird.
Anzuerkennen ist, dass Titz in relativ kurzer Zeit eine Mannschaft geformt hat, die grundsätzlich aufstiegsfähig war. Nach den Jahren davor ist das nicht selbstverständlich. Vor allem wenn man bedenkt, wie oft in Hannover zuvor zwischen „Körperlichkeit“, „Mentalität“, „Stabilität“ und irgendwelchen anderen Trainerlösungen gewechselt wurde. Unter Titz gab es zumindest wieder einen roten Faden. Das allein hebt ihn schon von einigen Vorgängern ab.
Gleichzeitig merkt man aber auch, dass Titz kein Trainer für ein komplett harmonisches Wohlfühlbiotop ist. Dafür ist seine Art zu klar, zu dominant und wahrscheinlich auch zu kompromisslos. Der kicker schrieb sinngemäß bereits von „alles auf Titz“ und genau das beschreibt das Problem ziemlich gut. Wenn ein Trainer sehr stark in Spielidee, Kaderstruktur und sportliche Ausrichtung eingreift, entsteht automatisch Reibung. Besonders in Hannover, wo spätestens seit dieser Saison mal wieder irgendwelche Machtachsen gegeneinander laufen.
Die öffentliche Entwicklung rund um Schmadtke wirkte jedenfalls nicht wie eine große sportliche Liebesgeschichte. Anfangs wurde noch von harmonischer Zusammenarbeit gesprochen, später die Gerüchte, dass sich Schmadtke von Titz trennen möchte. Gleichzeitig stellte sich Becker nach Saisonende demonstrativ hinter ihn. Ob Martin Kind ein finales Wort spricht, wissen wir nicht.
Interessant ist dabei, dass die große Eskalation offenbar weniger zwischen Titz und der Mannschaft stattfand als vielmehr im erweiterten sportlichen Umfeld. Gerade diese Geschichte mit der angeblichen Loyalitätsrede wurde medial im Titel der Bild schnell so interpretiert, als hätte die Kabine komplett gegen ihn gearbeitet. Dafür gibt es öffentlich aber eigentlich keinen sauberen Beleg, nur Gerüchte und Behauptungen. Wahrscheinlicher ist eher, dass es intern zwischen sportlicher Führung, Staff und verschiedenen Lagern geknirscht hat. Hannover schafft es ja traditionell, selbst in halbwegs erfolgreichen Phasen noch irgendeinen Nebenschauplatz aufzumachen oder sich derart den Medien auszuliefern, dass diese Gerüchte an die Öffentlichkeit gelangen.
Zur Mannschaft selbst ist das Bild deutlich differenzierter. Einerseits gab es sichtbare Überzeugung auf dem Platz. So einen Fußball spielst du nicht, wenn die Mannschaft den Trainer komplett ablehnt. Andererseits waren die letzten Wochen der Saison mental alles andere als souverän. Genau dort setzt die berechtigte Kritik an Titz an. Hannover hatte mehrfach die Chance, sich entscheidend abzusetzen, wirkte zuhause plötzlich gehemmt und verteidigte in Druckmomenten teilweise erstaunlich unsauber. Das 3:3 gegen Nürnberg war fast schon sinnbildlich für diese Saison. Viel Qualität, viel Aufwand, teilweise richtig starker Fußball – und trotzdem bringt man sich am Ende selbst um den Lohn.
Deshalb wird die kommende Saison brutal interessant. Ich glaube nämlich nicht, dass Titz kurz vor dem Aus steht, was aber auch Gefahren erzeugt, denn man gerät in eine hohe Abhängigkeit. Becker hat ihn öffentlich viel zu deutlich gestützt, als dass intern bereits die Entlassung vorbereitet wäre. Außerdem wäre der nächste komplette Neustart nach Platz 4 sportlich kaum vermittelbar. Dafür war die Saison insgesamt zu gut. Wie geschrieben, wissen wir die finale Reaktion von Martin Kind nicht und ohne eine saubere retrospektive Betrachtung mit der Fähigkeit auch Fehler einzustehen, wird Titz nicht aus der Nummer herauskommen.
Aber die Schonfrist ist vorbei.
Bislang konnte man immer sagen, dass der Kader neu war, Prozesse Zeit brauchen und die Idee erst wachsen müsse. Diese Argumente ziehen jetzt nicht mehr. Der Kader wird im Sommer noch stärker auf Titz-Fußball zugeschnitten werden. Laufstärke, Pressingresistenz, spielstarke Verteidiger, flexible Offensivspieler – genau solche Profile dürften noch wichtiger werden. Gleichzeitig werden Spieler, die eher für Verwaltungsfußball stehen, vermutlich weiter an Bedeutung verlieren.
Damit gehört die Mannschaft ab Sommer endgültig ihm, auch mit der Gefahr, dass Hannover 96 dann nur noch den Titz-Fußball spielen kann, wie man zu Saisonbeginn in Magdeburg gesehen hat.
Und genau deshalb wird 2026/27 wahrscheinlich zur kompletten Richtungsentscheidung. Wenn Hannover stabil startet und die Heimschwäche in den Griff bekommt, kann das tatsächlich eine Top-2-Mannschaft werden. Die Basis dafür ist vorhanden. Wenn die Ergebnisse aber anfangen zu wackeln, wird die Stimmung extrem schnell kippen. Nicht unbedingt, weil Titz schlechte Arbeit macht, sondern weil Trainer mit klarer Handschrift immer polarisiert haben. Solange sie gewinnen, gelten sie als Visionäre. Wenn Ergebnisse fehlen, gelten sie plötzlich als stur.
Und ehrlicherweise passt genau das perfekt zu Christian Titz.
20.05.2026 - 14:13 Uhr
Zitat von SummerOf96
Wie hoch der Etat am Ende tatsächlich war ist ein Mysterium. In der letzten Saison soll er bei 16 Millionen gelegen haben. Dann gab es die Nachricht mit der Aufstockung von 6 Millionen für diese Saison. Es wurde jedenfalls nicht wie in den Vorjahren gespart. Damit werden wir wahrscheinlich Top 5 oder Top 3 gewesen sein. Schalke und Hertha müssten höher liegen. Unterm Strich kommt das also mit der Endplatzierung hin - wenn man es so nehmen möchte. Mit Paderborn und Elversberg sind aber auch wieder Vereine mit geringeren Mitteln vor uns gelandet.
Insgesamt verstehe ich deine Sicht sehr gut, wir waren im Sommer strukturell sehr stabil aufgestellt und vor allem der dank der vielen Abgänge sehr große Gestaltungsspielraum beim Kader war für Trainer natürlich sehr attraktiv. Wie hoch der Etat am Ende tatsächlich war ist ein Mysterium. In der letzten Saison soll er bei 16 Millionen gelegen haben. Dann gab es die Nachricht mit der Aufstockung von 6 Millionen für diese Saison. Es wurde jedenfalls nicht wie in den Vorjahren gespart. Damit werden wir wahrscheinlich Top 5 oder Top 3 gewesen sein. Schalke und Hertha müssten höher liegen. Unterm Strich kommt das also mit der Endplatzierung hin - wenn man es so nehmen möchte. Mit Paderborn und Elversberg sind aber auch wieder Vereine mit geringeren Mitteln vor uns gelandet.
Zum Etat war mein letzter Stand aus dem Bild-Artikel zu der jetzt angeblich anstehenden Kürzung, in dem der Etat für diese Saison mit 18 Millionen Euro beziffert wurde. Das ist denke ich eher Top 6 als Top 3. Dass Paderborn und Elversberg mit geringeren Mitteln besser abgeschnitten haben kann man kritisch sehen (inwiefern sich die Standorte hinsichtlich anderer Dinge unterscheiden ist aber auch hinlänglich bekannt), auf der anderen Seite stehen dann aber auch die Mannschaften die mit einem höheren oder zumindest ähnlichen Etat irgendwas zwischen Katastrophensaison und mittelschwerer Enttäuschung hingelegt haben.
20.05.2026 - 14:35 Uhr
Zitat von Wurstwart96
Ich finde die Artikel in diesem Forum teilweise zu stark polarisierend und vieles wird nur schwarz oder weiß gesehen, weshalb ich einen Artikel verfasst habe, der ausgewogen die Situation darstellen soll:
Ich finde die Artikel in diesem Forum teilweise zu stark polarisierend und vieles wird nur schwarz oder weiß gesehen, weshalb ich einen Artikel verfasst habe, der ausgewogen die Situation darstellen soll:
Schade, dass du deinen in weiten Teilen guten Beitrag so angefangen hast.
Das klingt so, als wären alle vorherigen Beiträge hier subjektiv (was ja auch in einem Forum normal ist) und nur dein Beitrag wäre objektiv. 🤫🤔
20.05.2026 - 19:37 Uhr
Wurstwart spricht mir aus der Seele.
Ich hoffe das Titz bleibt
Ich hoffe das Titz bleibt
21.05.2026 - 17:44 Uhr
Zitat von handycap
Schade, dass du deinen in weiten Teilen guten Beitrag so angefangen hast.
Das klingt so, als wären alle vorherigen Beiträge hier subjektiv (was ja auch in einem Forum normal ist) und nur dein Beitrag wäre objektiv. 🤫🤔
Ich glaube, mein ursprünglicher Punkt wurde ein wenig missverstanden. Mit dem Wort „teilweise“ wollte ich gerade nicht behaupten, dass hier alle Beiträge schwarz-weiß argumentieren oder nur meiner objektiv sei. Ein Forum lebt schließlich davon, dass Menschen subjektiv auf Themen blicken, Emotionen einbringen und Dinge unterschiedlich bewerten. Mir ging es eher darum, zwischen den Extremen vielleicht noch ein paar Grautöne aufzuzeigen, weil die Diskussion um Titz zuletzt oft entweder in „Heilsbringer“ oder „komplett gescheitert“ abgedriftet ist. Zitat von Wurstwart96
Ich finde die Artikel in diesem Forum teilweise zu stark polarisierend und vieles wird nur schwarz oder weiß gesehen, weshalb ich einen Artikel verfasst habe, der ausgewogen die Situation darstellen soll:
Ich finde die Artikel in diesem Forum teilweise zu stark polarisierend und vieles wird nur schwarz oder weiß gesehen, weshalb ich einen Artikel verfasst habe, der ausgewogen die Situation darstellen soll:
Schade, dass du deinen in weiten Teilen guten Beitrag so angefangen hast.
Das klingt so, als wären alle vorherigen Beiträge hier subjektiv (was ja auch in einem Forum normal ist) und nur dein Beitrag wäre objektiv. 🤫🤔
Und genau deshalb finde ich auch die aktuell medial aufgebauschte Geschichte rund um die angebliche Wutrede schwierig. Faktisch wissen wir bislang fast nichts. Bekannt ist lediglich, dass die "bild.de" (https://reference-url-citation.invalid/0) von einer Kabinenansprache spricht, in der es um Loyalität gegangen sein soll. Alles Weitere wird aktuell interpretiert, weitergetragen und ausgeschmückt, obwohl wahrscheinlich kaum jemand außerhalb der Mannschaft oder des Staffs wirklich weiß, was konkret gesagt wurde – oder ob die Darstellung überhaupt vollständig zutrifft.
Dabei ist das Thema Loyalität grundsätzlich gar nicht so uninteressant. Wenn man sich die letzten Monate anschaut, dann haben mit Mann und Lüftl bereits zwei Mitarbeiter den Verein verlassen, dazu kam später Schmadtke. Jeder einzelne Wechsel lässt sich vermutlich nachvollziehbar erklären, sportlich wie beruflich. Trotzdem entsteht irgendwann automatisch die Frage, warum sich solche Fälle häufen. Geht es nur um Perspektiven? Um andere Aufgaben? Um bessere finanzielle Rahmenbedingungen? Oder fehlt intern vielleicht doch irgendwo die langfristige Bindung?
Falls Titz diesen Punkt tatsächlich intern angesprochen haben sollte, wäre das zumindest nicht völlig aus der Luft gegriffen. Gleichzeitig gehört zur Ehrlichkeit aber auch die andere Seite. Christian Titz selbst hat Magdeburg trotz laufenden Vertrags verlassen, um nach Hannover zu wechseln. Das war legitim und im Fußballgeschäft absolut normal, aber eben auch kein Paradebeispiel für bedingungslose Loyalität. Deshalb wäre es zumindest widersprüchlich, wenn Loyalität ausschließlich von anderen eingefordert wird.
Genauso gut kann es aber auch sein, dass es gar nicht um Wechsel oder Verträge ging, sondern schlicht um Einsatzbereitschaft, Körpersprache oder interne Spannungen nach einer enttäuschenden Phase. Von außen lässt sich das schlicht nicht seriös beurteilen. Genau deshalb wäre ich vorsichtig damit, aus einzelnen Schlagzeilen sofort ein komplettes Psychogramm von Trainer oder Mannschaft abzuleiten.
Und unabhängig davon bleibt bei Titz ohnehin vieles ambivalent. Er polarisiert durch seine Art, seine Spielidee und teilweise auch durch seine Außenwirkung. Gleichzeitig hat er an fast jeder Station nachweislich eine klare fußballerische Entwicklung angestoßen und Mannschaften strukturell verbessert. Genau diese Mischung sorgt doch überhaupt erst dafür, dass so emotional über ihn diskutiert wird.
21.05.2026 - 18:40 Uhr
@Rotes96Boot Ja ist mir dann auch wieder eingefallen und ich habe es gleich gelöscht. 😜
Hey, ich bin alt und freue mich immer, wenn ich mittags noch weiß, was ich morgens zum Frühstück hatte.
Hey, ich bin alt und freue mich immer, wenn ich mittags noch weiß, was ich morgens zum Frühstück hatte.
21.05.2026 - 18:43 Uhr
Zitat von handycap
@Rotes96Boot Ja ist mir dann auch wieder eingefallen und ich habe es gleich gelöscht. 😜
Hey, ich bin alt und freue mich immer, wenn ich mittags noch weiß, was ich morgens zum Frühstück hatte.
@Rotes96Boot Ja ist mir dann auch wieder eingefallen und ich habe es gleich gelöscht. 😜
Hey, ich bin alt und freue mich immer, wenn ich mittags noch weiß, was ich morgens zum Frühstück hatte.
Shit, ich hatte schon einen Artikel rausgesucht mit 500k Ablöse und wollte einen schönen Seitenhieb verfassen, wie du es gerne machst. 😝
Bin jedenfalls auch der Meinung, das man Titz behalten MUSS. Alles andere wäre nach den letzten 7 Jahren, dem Umbruch und der doch großartigen Verbesserung im Vergleich zu Leitl, Breitenreiter etc. eigentlich ein Selbstmord.
Bei Düsseldorf kann man doch gerade eindrucksvoll sehen, was passiert, wenn man einen grundsoliden bis guten Trainer hat, und denkt "es kann doch eigentlich viel besser gehen" und dann aber eben doch keinen Trainer bekommt, der es besser macht, dazu viel Stress auf Vorstandts- und Führungsebene und schon geht es komplett in die andere Richtung.
21.05.2026 - 19:58 Uhr
Das große Problem ist, Steven Cherundolo ist frei....
21.05.2026 - 20:01 Uhr
Zitat von RedSoldier
Das große Problem ist, Steven Cherundolo ist frei....
Das große Problem ist, Steven Cherundolo ist frei....
Mirko Slomka und Andre Breitenreiter auch 😶
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